Smart TV: Internet am Fernseher

Das Internet ist Chaos

Geordnetes Chaos

Das Internet ist Chaos und Anarchie. Diese Weisheit aus den frühen Tagen der Netzwelt gilt insbesondere für die Web-Integration in TV-Geräte: Hier sollte die Medienwelt eigentlich noch in Ordnung, klar überschaubar und gut sortiert sein, und hier sollte es keine Hardware-Updates geben.

Hier schreitet die Modell-Evolution jedoch besonders schnell voran, denn in jeder Gerätegeneration will ein Hersteller mehr und bessere Features anbieten als die Konkurrenz. Technisch schaut man sich an, was bei den Mitbewerbern besonders gut ist, und übernimmt Ideen, während eine andere Abteilung möglichst viele neue Inhalteanbieter ins Boot holt.

Die Angebote der Portale, die wir hier getestet haben, haben sich dadurch in den letzten Jahren etwas einander angenähert, jede neue Generation führt aber wieder ihre eigenen Features, etwa die globale Suche über alle Medienquellen hinweg, ein.

Oft genug ändert sich gar der Name des Portals, oder zwei Hersteller vergeben denselben Namen für verschiedene Techniken. Ein Name steht noch im Raum, um das sperrige "HbbTV" zu ersetzen: "Smart TV".

Das Ganze wird noch unübersichtlicher, wenn man erkennt, dass sich die Fähigkeiten der Smart-TV-Modelle eines Herstellers ändern können. Ein aktueller Fernseher kann andere Applikationen wiedergeben als ein 2010er-Modell, ein Top-Gerät besitzt eventuell andere Hardware (etwa einen SD-Slot, um Videos zwischenzuspeichern, RAM-Speicher, USBMausfähigkeit) als ein Einstiegs-TV. Manchmal werden Kooperationen mit Inhalteanbietern wieder gekündigt und die App-Icons verschwinden vom Portal-Schirm.

Usb-Tastatur

© Video Homevision

Einige Smart-TVs unterstützen die Texteingabe und Navigation über eine USB-Tastatur. Das klappt sogar kabellos. Wir haben das mit der Mini-Funktastatur von General Keys getestet.

Ordnung im Portal

Man sollte sich den smarten Fernseher nicht als abgespeckten Computer vorstellen, der Inhalte direkt von der Internet-Quelle anfordert und darstellt. Das Ganze funktioniert deutlich komplexer, denn die Verwaltung von Anfragen, Inhalten und persönlichen Einstellungen liegt je nach TV-Hersteller mehr oder weniger auf externen Servern. Das nimmt den TV-Geräten Speicher- und Rechenarbeit ab, kostet den TV-Hersteller aber dauerhaft Geld und birgt Sicherheitsrisiken.

Bei teilweise über siebzig Diensten und der mühsamen Eingabe von Kennungen und Passwörtern über die Fernbedienung ist es gut, dass Fernseher geschützte Profile anlegen, die persönliche Zugangsdaten zu Facebook, Twitter, Maxdome und Co. enthalten. Ein Hauch von Unsicherheit bleibt aber, da auch Daten abgelegt werden, mit denen finanzielle Transaktionen abgewickelt werden, etwa beim Leihen eines Kinofilms oder Bestellen einer Pizza.

Den TV-Herstellern geht es darum, den Smart-TV-Genuss möglichst komfortabel zu gestalten. Daher werden die Dienste in Form von App-Icons auf einem Startschirm abgelegt, der auch zusätzliche Infos sowie Werbung enthalten kann. Wie von Smartphones bekannt, kann man diese Apps in einer Gallery (Markt) fast immer kostenlos herunterladen und sortieren, so dass man immer nur das Interessanteste auf dem Schirm hat.

Normierung tut Not

So schön es auch ist, dass jeder Fernseher seine Dienste in anderer Form präsentiert und dass diese Konkurrenz das Geschäft belebt, so ungeschickt ist die Vielfalt der Portale für den Endkunden. Es gibt Gremien zur Zusammenarbeit, und es sieht so aus, als wäre eine gemeinsame Basis gefunden: HbbTV. Diesem Konsortium gehören alle namhaften Hersteller und TVSender an und ausnahmslos wurde die Unterstützung zugesagt.

HbbTV ist jedoch nicht die Summe der Ansätze der Smart-TV-Lösungen, sondern soll allein eine TV-Sendung über das Netz mit passenden Zusatz- Informationen versorgen. Dieser "Videotext der Zukunft" ergänzt das TVProgramm perfekt, denn Sender können Einblendungen am Bildschirm steuern und so die Zuschauer auf TVrelevante Inhalte führen.

Direkte Infos, Links, Shopping, Programmhinweise, Mediatheken und Votings werden möglich. Was HbbTV noch fehlt, sind sendungsunabhängige Inhalte, also prinzipiell die aktuellen Portale der TV-Hersteller.

Fänden die Vertreter aller Interessengruppen - TV-Hersteller, öffentlich-rechtliche und private Sender, Technik-Provider und Internet-Content-Anbieter - einen gemeinsamen Konsens, der auch offene Punkte wie Diskriminierungsfreiheit, Jugendschutz, Rechteverwaltung und Lizenzierung einschließt, könnte eine schöne smarte TV-Welt dabei herauskommen, in der jeder gleichberechtigt ist.

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