Online-Dienste

Cloud Services im Vergleichstest

Cloud Services heißt der Trend zur Speicherung von Daten im Internet. Damit sollen Fotos vor Verlust geschützt werden und von überall erreichbar sein. Was leisten die "Wolke"-Dienste tatsächlich und wie verlässlich sind sie?

Foto Cloud Services Test

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Foto Cloud Services Test

Das Stichwort Cloud ist derzeit so modern wie noch vor kurzem der Begriff Web 2.0. Die digitale Wolke ist bei Weitem greifbarer, als es zuerst erscheint. Sie steht für die Zukunft des Internets und gleichzeitig für klare Geschäftskonzepte: Software soll künftig nicht mehr gekauft, sondern in einem Abonnementsystem gemietet werden, Daten in der "Wolke" gespeichert von überall und jeder Zeit erreichbar. Damit soll die Zusammenarbeit im Team verbessert sein - vor allem dann, wenn man räumlich weit auseinander lebt und arbeitet.

Es hat einen gewissen Charme, seine Bilder in der Cloud abzulegen: Sie sind stets erreichbar und gut gesichert - zumindest scheinbar, denn zur Datensicherung gibt es teilweise nur spärliche Auskünfte bei den Dienstleistern.

Angebote

Mit 5 bis 15 Gigabyte haben Amazon für den CloudDrive, Google für sein Google Drive und Microsoft für das Skydrive recht unterschiedliche kostenfreie Speicherkapazitäten im Angebot. Apple bietet bei seiner iCloud 5 GB Speicherkapazität, auch wenn man dazu eine Apple ID benötigt und der Dienst eigentlich als Backup beziehungsweise Synchronisationsmedium für Apple-Geräte gedacht ist und entsprechend tief in die iOS-Betriebssysteme integriert.

Google

© Joachim Sauer

Bei Google gibt es inzwischen eine Vorschaufunktion, die man als Diashow benutzen kann. Das Abspeichern und Freigeben einer zusammengestellten Vorschau ist aber nicht machbar.

Egal wie die Angebote auch aussehen: Genug Speicherkapazität für engagierte Fotografen ist kostenlos nicht zu bekommen. Selbst wer wirklich konsequent sein Bildarchiv auf die guten Aufnahmen reduziert, wird im Jahr mehrere Gigabyte, vielleicht sogar über einhundert Gigabyte Fotodaten sammeln. Unter 100 GB braucht man also gar nicht erst anfangen, über das Speichern in der Wolke nachzudenken.

Wer sich nach so viel Kapazität umschaut, merkt schnell: Kostenfrei ist das in der Regel nicht zu bekommen (es sei denn, es gehört zu einem Paket wie bei 1&1). Die Preisspanne für 100 GB reicht von 40 Euro für das Microsoft Skydrive bis zu 108 Euro für das HiDrive von der Telekom-Tochter Strato pro Jahr.

Viel Speicherplatz für wenig Geld

Noch günstiger ist Mega, ein neu gegründetes Angebot von Kim Schmitz alias Kim Dotcom, dessen Onlineplattform "Megaupload" von den USA geschlossen wurde. Das Unternehmen mit einem Hauptsitz in Neuseeland sowie weltweit verteilten Serverstandorten arbeitet nicht mit amerikanischen Firmen zusammen, weil diese dem DMCA (Digital Millennium Copyright Act) unterliegen - genau damit ist der Macher in Konflikt gekommen.

Zwar "untersagt" Mega die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material über die Mega-Cloud, gleichzeitig entzieht sich die Firma aber der "Schuld", weil die Verschlüsselung der Daten vor dem Upload und die Entschlüsselung erst nach dem Download auf dem Endgerät erfolgt. Satte 50 Gigabyte Speicherkapazität spendiert der Anbieter in seiner Betaphase kostenfrei.

Dauerhafte Sicherheit

Genau an Mega zeigt sich das eigentliche Problem: Wer ein Cloudservice als Backup-Medium einsetzt, sollte auch sicher sein, dass der Anbieter längere Zeit existiert und nicht plötzlich, sei es aus rechtlichen oder finanziellen Gründen, seinen Dienst einstellen muss. Auch die Sicherheit vor ungewolltem Zugriff Dritter muss der Anbieter gewähren. Hier sehen die Regeln, je nachdem in welchem Land der Server steht, recht unterschiedlich aus.

In den USA haben Behörden es beispielsweise deutlich einfacher, schon bei leichten Verdachtsmomenten auf die persönlichen Daten zuzugreifen, so dass ein Serverstandort in Deutschland von Vorteil wäre. Wer auf diese Aspekte achtet, schränkt die Auswahl bereits auf die großen Unternehmen ein. Wir haben uns die Angebote der Telekom-Tochter Strato, vom Telekomunikationanbieter 1&1 sowie der beiden Branchengrößen Microsoft und Google genauer angeschaut.

Aus der Praxis

Allway Sync

© Joachim Sauer

Die Freeware Allway Sync bietet viele individuelle Einstellungen und kann mehrere Projekte gleichzeitig abarbeiten. Doch die Oberfläche ist relativ unübersichtlich, arbeitet dafür klaglos im Hintergrund.

Entscheidend für die Nutzung als Backuplaufwerk ist die Erreichbarkeit des Cloud-Dienstes. Alle Anbieter liefern eine Möglichkeit, den Onlinespeicher wie ein Laufwerk im Windows Explorer oder Apples Finder einzubinden.

Der Trick heißt WebDAV (Web-based Distributed Authoring and Versioning) ein offener Internet-Standard, der in allen modernen Betriebssysteme integriert ist. Allerdings bietet Microsoft für Skydrive keine Anbindung via WebDAV an, sondern ausschließlich über eine App, die es für alle Betriebssysteme gibt. Das bieten allerdings auch die drei anderen Testkandidaten optional, so dass sich auch deren Webspeicher direkt aus dem Explorer, dem Finder oder via App ansprechen lässt.

Beschränkte Datengröße

Ein Knackpunkt ist die Beschränkung der Anbieter auf eine bestimmte Dateigröße. Microsoft zieht diese Grenze bereits bei 300 MB, 1&1 bei 512 MB - wer echte Photoshop-Bearbeitung macht und die Originale sichern will, stößt hier schnell an die Grenzen.

Bei Strato liegt diese Grenze bei 2 Gigabyte schon deutlich höher, Google erlaubt sogar 10 Gigabyte, so dass hier auch kleinere bereits per Zip gepackte Archive übertragen werden können. Wer unter den Bildern auch Videos ablegt, kommt dennoch schnell an die Grenzen des Systems. Der zweite Haken bei allen Anbietern ist die fehlende Warnung, wenn eine Datei die Größenbeschränkung übersteigt. Erst beim Erreichen der Grenze bricht die Übertragung mit einer kümmerlichen nichtssagenden Meldung ab.

Dritter Haken: Die Übertragungsraten sind teilweise sehr eingeschränkt: Bei 1&1 kamen wir über 0,3 Megabyte pro Sekunde nie hinaus, bei Google und Strato erreichten wir zwischen 0,7 bis 1 Megabyte pro Sekunde. Mit durchschnittlich 1,3 Megabyte in der Sekunde, ganz deutlich schneller war das Skydrive von Microsoft, das allerdings nicht via WebDAV, sondern ausschließlich mit der zugehörigen App angesprochen wird.

Lightroom

© Joachim Sauer

Wer die Bilderordner in die Cloud verschiebt, kann in Lightroom die Verbindung wieder herstellen. Getestet haben wir auch die Arbeit mit Lightroom direkt auf dem Onlinespeicher: Wie zu erwarten, ist die Bedienung deutlich zu träge. Das zu bearbeitende Bild sollte lokal gespeichert sein.

Abgleich der Datenbestände

Im Praxistest hat sich die reine Anbindung über das Dateisystem als zu unflexibel gezeigt. Ein Protokoll über den erreichten Synchronisationsstand, Fehlermeldungen und eine Option, die Synchronisation zu unterbrechen und wieder neu zu beginnen, gehört zum Pflichtprogramm. Google und Microsoft integrieren dies alles in ihre App - per WebDAV ist das komplizierter und benötigt Zusatzsoftware.

Zudem ist ein Abgleich der Datenbestände notwendig, zumindest dann, wenn beispielsweise von Dritten direkt auf dem Netzlaufwerk Änderungen vorgenommen werden, was einen nahtlos zu den Zugriffsrechten führt: Selbst wenn man mehrere Benutzer definieren kann, bleiben öffentliche Ordner zum Beispiel bei Strato immer öffentlich, private Ordner immer privat. Man kann nur einzelne Dateien mit Berechtigungen versehen, was bei einem größeren Bildbestand keine große Hilfe ist. Entsprechend ist das Strato-Netzlaufwerke nur für einen engen und vertrauensvollen Nutzerkreis zu empfehlen.

Auf gute Zusammenarbeit

Bei Google, Microsoft und 1&1 kann man dagegen auch ganze Ordner für Nutzer freigeben, wobei man die Letzteren auch gleich einladen und sogar nur mit Leserechten ausstatten kann. Allerdings sollte man sowohl bei Google als auch bei Microsoft etwas vorsichtig sein: Aufgrund der Verknüpfung zu Skype (Micorsoft) und Google+ hat man schnell mehr Rechte freigegeben als man möchte.

Schwieriger wird es, wenn das Online-Laufwerk nicht nur als Backup, sondern auch zum Datenabgleich mit anderen Anwendern gedacht ist. Löscht dann jemand versehentlich Daten auf dem Onlinespeicher, werden diese auf dem lokalen Laufwerk durch den Datenabgleich auch gelöscht. Der Online-Speicher ist dann also kein Backup sondern ein Arbeitslaufwerk - es sei denn es gibt eine Backup-Funktion. Diese Funktion hatte in unserem Praxistest aber nur Strato zu bieten, wobei die Bedienung über die Web-Oberfläche relativ zäh funktioniert.

Software für den Datenabgleich

Egal, ob man den Onlinespeicher nun für den Datenabgleich oder fürs Backup nutzt: Die Handhabung über den Windows Explorer oder Apple Finder ist für einzelne Dateien in Ordnung, doch nicht für den stetigen und zuverlässigen Datenabgleich, denn man müsste sich immer merken, welche Dateien man gerade bearbeitet hat. Deshalb arbeiten Google und Microsoft mit einer App, was dazu führt, dass die Bilder in den installierten Cloud-Ordner abgelegt werden müssen, damit die Sicherungskopie in der Cloud landen kann.

Bei Strato ist ein FTP-Programm, wie das kostenfreie und sehr komfortable Filezilla, eine Option, denn als einziges Online-Laufwerk unterstützt das HiDrive das FTP-Protokoll. Der entscheidende Vorteil: So klappt der Datenabgleich mit Protokoll, man kann fehlgeschlagene Übertragungen noch einmal starten und die Übertragung auf eine maximale Datenrate begrenzen, sodass der Internetzugang nicht blockiert wird.

Getestet haben wir bei allen vier Lösungen für die Synchronisation Puresync, das sich aber bei großen Datenbeständen und der relativ langsamen Übertragung auf die Online-Speicher als zu unflexibel und wenig stabil zeigte. Etwas besser klappt das mit Synchredible, wobei beide Werkzeuge während der Synchronisation die Arbeit am Rechner merklich beeinträchtigen und daher für Datenmengen nur schwer herhalten können.

Nützlicher Datenabgleich

Lästig auch, dass sie nur am Schluss eine Zusammenfassung zeigen. Synchredible ist jedoch recht angenehm, wenn der Datenbestand schon auf dem Online-Speicher ist, denn auf Wunsch startet die Software mit dem Rechner und führt zu vorher festgesetzten Zeitpunkten einen Datenabgleich durch.

Das soll Puresync zwar prinzipiell auch beherrschen, doch in unserem Test führte das immer wieder zu einem Absturz der Anwendung. Für die erste Synchronisation und den dauerhaften Abgleich eignet sich Allway Sync, eine Freeware für den privaten Gebrauch. Hier kann man sehr viele verschiedene Synchronisationsjobs  anlegen und extrem viele individuelle Einstellungen treffen. Viele der Einstellungen versteht man erst nach genauerem Studium, sodass man deutlich mehr Einarbeitungszeit benötigt. Dafür kann man neben zeitgesteuerten Projekten definieren, welche Ausnahme es bei der Datenübertragung geben und wann die Software zur Sicherheit eine Warnung ausgeben soll. Auch benutzerdefinierte Aktionen lassen sich für die Synchronisation festlegen, sodass zum Beispiel nach bestimmten Fehlern eine automatische E-mail versendet wird.

Ergebnisse

1&1

© 1&1

1&1 SmartDrive

Bei 1&1 gibt es eine praktische Verwaltung von Anwenderrechten und einen vergleichsweise günstigen Online-Speicher, der sich auch gut ins Betriebssystem einbinden lässt. Der klare Haken an diesem Dienst: die langsame Datenübertragung. Dafür bietet 1&1 die Möglichkeit, die Bilder aus dem Ordner in ein Archiv zu laden, das man für Freunde freigeben kann. Die Bilder im Archiv kann man sortieren und dann in einer Diashow im Browser ablaufen lassen.

Google

© Google

Google Drive

Google hat das Drive eigentlich nicht zum Austausch von Bildern gedacht, sondern denkt viel mehr an Dokumente, die man direkt online anlegen und bearbeiten kann; sogar im Team. Google liefert keine WebDAV-Anbindung, sondern setzt wie Microsoft auf eine App, die einen Ordner auf dem Rechner installiert, der dann mit dem Onlinespeicher abgeglichen wird. Wer hier Bilder ablegt, bekommt diese direkt auf den Online-Speicher geladen.

Die Synchronisation ist nicht die schnellste, doch die Preise sind relativ moderat. Größter Pluspunkt: Hier gibt es eine ordentliche Freigabeverwaltung und kaum Dateibeschränkungen. Google beherrscht das Öffnen von PSD-Dateien im Browser, dafür braucht man aber Zeit, um sich einzuarbeiten. Zudem fordert die Lösung mit dem lokalen Cloud-Ordner eine Umstellung im Workflow, weil dann eigentlich alle Bilder von der Speicherkarte direkt dort abgelegt werden sollten. Auf Wunsch gibt es auch hier eine Diashow, wobei diese nicht so schick ist wie bei Strato und 1&1.

Microsoft

© Microsoft

Microsoft Skydrive

Microsofts Skydrive ist eigentlich nur für Windows-8-Anwender eine gute (und vor allem recht günstige) Wahl. Dank der Integration ins Betriebssystem hat man die Synchronisation ohne spezielle Software inklusive.

Besonderheit ist die Option, über das Skydrive von einem weiteren Rechner nicht nur auf das online liegende Datenmaterial, sondern auch auf den Speicher des ersten Rechners zugreifen zu können. Bedingung ist die vorherige Registrierung des Rechners, die Freigabe der Ordner und ein Sicherheitscode, der wahlweise als SMS oder E-mail verschickt wird. Der Haken daran: Wer so alles freigibt, sollte das Skydrive nicht zum Austausch von Fotos mit Dritten nutzen - davor warnt selbst Microsoft.

Strato

© Strato

Strato HiDrive

Die flexibelste Anbindung liefert Strato mit dem HiDrive. Hier kann man wählen, ob die Dateien per FTP, WebDAV oder via App mit VPN übertragen werden sollen, wobei die App nicht ganz stabil funktioniert und sie nicht, wie bei den anderen Diensten, automatisch die Synchronisation übernimmt. Unverständlich ist, warum man hier keine Berechtigungen für Ordner, sondern nur für einzelne Dateien setzen kann. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist ordentlich, die Dateibeschränkung auf 2 Gigabyte in der Regel verschmerzbar.

Ratgeber Web-Apps: Fotos online bearbeiten 

Fazit

Der Anspruch, den Fotografen auf einen Online-Speicher haben sollten, ist etwas höher als das Niveau, das einige der Anbieter derzeit liefern. Wer sich für einen Online-Speicher interessiert, sollte zuerst schauen, wie groß der Datenbestand und die größten Dateien sind.

Wer viele Videos oder große bearbeitete Photoshop-Dateien im Archiv hat, muss zu Google oder Strato greifen, da nur sie mit größeren Dateien gut zurechtkommen. Bei 1&1 gibt es einen vergleichsweise günstigen Online-Speicher, der sich gut ins Betriebssystem einbinden lässt.

Bei Google stört die durch die vielen unterschiedlichen Funktionen komplizierte Bedienung - auf Bilder ist der Dienst nicht optimiert, auch wenn Google genau hier unlängst mit einer Vorschau nachgebessert hat. Bei Strato fehlt uns eine ordentliche Rechteverwaltung - eine Empfehlung ist der Dienst damit nur für Anwender, die das HiDrive wirklich nur als Backup nutzen.

Die genauen Testergebnisse finden Sie hier im Download:

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