Test-Duell

Canon EOS 70D und Olympus OM-D E-M1 im Vergleichstest

Die Canon EOS 70D ist das APS-C-Topmodell von Canon, die Olympus OM-D E-M1 tritt in die Fußstapfen der E5. Im Testlabor müssen beide Digitalkameras beweisen, ob sie ihren Preis wert sind.

Canon EOS 70D Test Vergleich Olympus OM-D E-M1

© Canon / Olympus - Montage: ColorFoto

Canon EOS 70D Test Vergleich Olympus OM-D E-M1

Wir lassen Canon EOS 70D und Olympus OM-D E-M1 im Test-Duell gegeneinander antreten. Unser erster Testkandidat, die Olympus OM-D E-M1, präsentiert sich als das neue Micro-Four-Thirds-Topmodell und zugleich als E5-Nachfolger. Ein neuer Sensor soll beide Systeme zusammenführen. Canon setzt in der 70D ebenfalls auf eine neue Sensorgeometrie, um den Kontrastautofokus zu beschleunigen.

Bei der OM-D E-M1 will Olympus die Vorteile des Four-Thirds- und Micro-Four-Thirds-Systems in einem Modell vereinen. Die OM-D E-M1 löst so die E5 ab und ergänzt die OM-D-Baureihe nach oben um ein neues Topmodell. Kernstück der OM-D E-M1 ist ein neuer 16-Megapixel-Sensor mit speziellen Phasen-AF-Pixeln, der für Micro-Four-Thirds-Objektive ein Kontrast-AF-Signal liefert, aber für Four-Thirds-Objektive (E-Objektive) ein Phasen-AF-Signal.

Per Adapter angesetzte E-Objektive können so über den Phasen-AF des Sensors schnell fokussiert werden. Grundsätzlich sind die Motoren in den Objektiven entweder für den Phasen-AF (E-Objektive) oder den Kontrast-AF (Micro-Four-Thirds-Objektive) optimiert, was eine Barriere zwischen den Systemen errichtet, die Olympus so auflöst. Wie alle Micro-Four-Thirds-Kameras verzichtet die OM-D E-M1 auf einen Spiegel und damit auch auf den optischen Sucher, den ein ausgezeichneter elektronischer ersetzt.

Als SLR-Kamera geht bei diesem Vergleichstest die ebenfalls neue Canon EOS 70D ins Rennen. Eine Spiegellose mit Four-Thirds-Sensor tritt gegen eine klassische SLR mit APS-C-Sensor an - das verspricht jede Menge Reibungspunkte. Zumal die Canon mit einem kleinen Vorsprung bei der Nennauflösung - 20 gegenüber 16 Megapixeln - und einem erheblichen Preisvorteil ins Rennen geht. Das EOS-Gehäuse kostet derzeit rund 1.100 Euro, das sind 400 Euro weniger, als Olympus als Startpreis für die OM-D E-M1 verlangt.

Canon EOS 70D Touchscreen

© Archiv

Einen Monitor mit Touch-Funktion besitzen die EOS wie die OM-D. Neben der Anwahl von Funktionen und Einstellarbeiten ist auch Touch-AF mit/ohne Auslösefunktion möglich.

Zudem ist die Olympus als Kit mit Standardzoom in zwei Varianten erhältlich - mit dem 3,5-6,3/12-50 mm (24-100 mm KB-äquiv.) für 1.700 Euro und mit dem neuen lichtstarken 2,8/12-40 mm (24-80 mm KB-äquiv.) für .2200 Euro. Die 12-40-mm-Optik, die auch mechanisch sehr wertig wirkt, soll einzeln ca. 1.000 Euro kosten, im Set kommt sie nur auf 700 Euro.

Gehäuse im Vergleich

Mit ihren zahlreichen Einstellrädern unterstreicht die Olympus OM-D E-M1 bereits optisch den semiprofessionellen Anspruch. Hierzu trägt auch der Handgriff bei, der anders als bei der Olympus OM-D E-M5 (Test) nicht nur angedeutet, sondern weit nach vorne gezogen ist. Das Gehäuse besteht aus Aluminium; es wirkt zugleich edel und robust.

Der Body der Olympus OM-D E-M1 ist nicht nur gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet, sondern soll bis -10 °C zuverlässig arbeiten. Staub- und spritzwassergeschützt sind auch die Standardzooms 3,5-6,3/ 12-50 mm und 2,8/12-40 mm. Anstatt eines integrierten Ausklappblitzgeräts wie bei der Canon EOS 70D bekommt man hier einen kleinen Systemblitz zum Aufstecken (LZ 10/ISO 200) mitgeliefert.

Olympus OM-D-EM1 Rückansicht

© Olympus

Olympus OM-D-EM1: Besonders praktisch ist der Wahlschalter (1/2) an der AEL-/AFL-Taste, mit dem sich die Funktionalität der Einstellräder umstellen lässt: In Position 1 lassen sich Zeit/Blende und Belichtungskorrektur verstellen, in Position 2 Weißabgleich und ISO-Wert. Der Kontrast-AF bietet 81 Messfelder, die sich einzeln anwählen lassen.

Im direkten Vergleich mit dem Canon-Gehäuse wirkt die Olympus OM-D E-M1 noch etwas filigraner, als es die tatsächlichen Größenunterschiede vermuten lassen: Die EOS ist 9 mm breiter, 10 mm höher und 16 mm tiefer, außerdem rund 250 g schwerer. Vor allem von oben betrachtet wirkt die Canon EOS 70D deutlich wuchtiger. Den verwendeten Materialmix beschreibt Canon als "Aluminiumlegierung mit glasfaserverstärktem Polycarbonat".

Der Body liegt aufgrund seiner rauen Oberflächenbeschichtung gut in der Hand; er ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Angenehme haptische Qualitäten kann man der Canon EOS 70D wie der Olympus OM-D E-M1 bescheinigen. Entscheiden Sie also selbst, ob Sie bei einer Kamera lieber etwas mehr in der Hand haben wollen oder den kleineren, leichteren Gegenentwurf bevorzugen.

Canon EOS 70D Rückansicht

© Canon

Canon EOS 70D: Dreh- und Angelpunkt der Bedienung an der Rückseite ist der 8-Wege-Richtungsschalter; das umgebende Rad wird mit dem Daumen bedient. Praktisch ist der Drehschalter rechts neben dem Suchereinblick mit integrierter Start-/Stop-Taste für Live-View und Video.

Kombiniert man die Olympus OM-D E-M1 über Adapter (MMF-1) mit einem Four-Thirds-Objektiv wie dem Zuiko Digital 2,8-3,5/14-54 mm, hat man plötzlich deutlich mehr Masse in der Hand. Und man fühlt sich ein wenig an die NEX-Modelle von Sony erinnert, bei denen die Objektive im Vergleich zu den Gehäusen ebenfalls ziemlich voluminös wirken.

Dank eingebautem WLAN-Modul erlauben beide Kontrahenten die zeitgemäße Kommunikation mit einem kompatiblen Smartphone oder Tablet, um dieses z.B. als Fernbedienung mit Live-Monitor zu verwenden. Bei Canon ist dafür die Android-App "EOS Remote" zuständig; die entsprechende Olympus-App war während des Testzeitraums noch nicht verfügbar.

Der Verbindungsaufbau zwischen Kamera und Smartphone soll laut Hersteller ganz einfach über einen am Kameramonitor angezeigten QR-Code möglich sein, der mit dem Smartphone gescannt wird. Zusätzlich punktet die Olympus OM-D E-M1 mit einem im Gehäuse eingebauten Bildstabilisator, den man bereits von der E-M5 kennt. Der Stabilisator arbeitet mittels Sensor-Shift und erlaubt die Bildstabilisierung auf fünf Achsen: Drehbewegungen um die vertikale und horizontale Achse - die übliche Form der Bildstabilisierung - ergänzt durch horizontale wie vertikale Verschiebungen. Die fünfte Achse sind Drehbewegungen um die optische Achse.

Olympus OM-D-EM1 Innenansicht

© Olympus

Olympus OM-D-EM1: Anders als beim SLR-Prinzip steht beim MFT-System nur der Verschluss zwischen Linsensystem und Bildsensor. Schwenkspiegel und Pentaprisma entfallen, was kompaktere Gehäuse und ein geringeres Auflagemaß ermöglicht.

Autofokus-Technik

Beide Kameras können mit fortschrittlicher AF-Technik punkten. Für den Sucherbetriebbietet die Canon EOS 70D den für SLR-Kameras typischen Phasen-AF mit Sensormodul im Gehäuse. Alle 19 AF-Punkte sind Kreuzsensoren; die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit beträgt 0,35/0,45 s bei 1000/30 Lux. Zum anderen findet sich der erstmals bei Canon eingesetzte Sensor-AF vom Typ "Dual Pixel CMOS AF":

Jedes Pixel am Bildsensor der EOS besteht aus zwei Fotodioden, die zur Fokussierung separat und zum Erzeugen von Bilddaten gemeinsam ausgelesen werden. Der Dual Pixel CMOS AF deckt laut Hersteller etwa 80 Prozent der Live-Bild-Ansicht in der Horizontalen wie in der Vertikalen ab. Das heißt, dass die außerhalb dieses Bereichs liegenden Pixel zwar ebenfalls "Dual-Pixel" sind, nicht aber zur AF-Berechnung herangezogen werden. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit im Live-View beträgt enttäuschende 1,17 s.

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Olympus OM-D E-M1 Einstellmotor Screenshot
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Vollflächige Anzeige der Funktionsfelder, die sich mittels Rad, Richtungstaste oder Touchscreen anwählen lassen.

Dennoch konnten wir beim Arbeiten mit kontinuierlichem Autofokus ein deutliches Plus feststellen, etwa bei der Verfolgung bewegter Objekte im Live-View-Modus oder beim Filmen. In Kombination mit einem STM-Objektiv (EFS 3,5-5,6/18-55 mm IS STM) arbeitete der permanente Autofokus der 70D ohne Ruckeln oder Pumpen und nahezu geräuschlos. Der Sensor-AF lässt sich als Mehrfeld- und Einzelpunkt-Autofokus konfigurieren oder mit Gesichtserkennung inklusive AF-Verfolgung verwenden. Ergänzend bietet die EOS den etwas betagten "Quick-Modus" mit 19-Punkte-AF und Dunkelpause beim Scharfstellen.

Auch die Olympus OM-D E-M1 beherrscht den Phasen-AF am Bildsensor, allerdings auf andere Art als die Canon. Innerhalb eines zentralen Bereichs im Live-Bild - geschätzt etwa ein gutes Drittel des Bildfelds - werden die Grünpixel durch Autofokuspixel ersetzt. Die an diesen Stellen fehlenden Farbkanalinformationen werden durch Interpolation aus den benachbarten Pixeln ergänzt.

Theoretisch könnte dies zu Einbußen bei der Auflösung führen, was angesichts der hohen Auflösungswerte der OM-D E-M1 aber keinen Anlass zur Kritik gibt. Beim Phasen-AF stehen maximal 37 AF-Punkte zur Verfügung. Alternativ bietet die Olympus einen Kontrast-AF mit 81 Fokuspunkten. Manuell wählen kann der Anwender zwischen den beiden AF-Methoden nicht - das macht die Kamera selbst.

Olympus OM-D-EM1 Vorderansicht

© Olympus

Olympus OM-D-EM1: Der Batteriehandgriff HLD-7 erleichtert Hochformataufnahmen durch einen zusätzlichen Auslöser sowie je zwei Einstellräder und Funktionstasten. Wie das E-M1- Gehäuse selbst ist der Batteriehandgriff gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet und "frostsicher" bis -10 °C.

Das heißt: Wird die OM-D E-M1 mit MFT-Objektiven und kontinuierlichem Autofokus betrieben, wechselt sie je nach Motiv und Laune zwischen beiden Methoden hin und her; beim One-Shot-Autofokus kommt dagegen ausschließlich der Kontrast-AF zum Zug. Wird wiederum ein Four-Thirds-Objektiv an die Kamera adaptiert, ist immer der Phasen-AF aktiv, da die Motoren der Four-Thirds-Objektive für den Phasen-AF ausgelegt sind.

Noch wichtiger ist freilich die Frage, wie schnell der "Dual Fast AF" der Olympus tatsächlich scharfstellt. Hut ab, kann man da nur sagen: Mit dem für die Labormessung verwendeten MFT-Objektiv 3,5-6,3/12-50 mm beträgt die Auslöseverzögerung inklusive AF nur 0,17/0,32 s bei 1.000/30 Lux - da haben die meisten SLR-Kameras das Nachsehen.

Etwas träger verhält sich die Kamera mit einem adaptierten Four-Thirds-Objektiv wie dem 2,8-3,5/14-54 mm. Für eine Objektivadaption sind 0,47/0,56 s jedoch gute Werte, wenn man bedenkt, dass eine Nikon D7100 mit 0,43/0,59 s auch nicht schneller ist. Was der Sensor-AF der Olympus an Schnelligkeit und Präzision zu bieten hat, lässt sich derzeit kaum überbieten. Auch beim Serienbildtempo hat die Olympus OM-D E-M1 mit 10 B/s im Vergleich zur EOS (rund 7 B/s) die Nase vorn, wenngleich Letztere mehr Bilder nacheinander (19 statt 10) verarbeiten kann.

Canon EOS 70D Vorderansicht mit ausgeklapptem Monitor

© Canon

Canon EOS 70D: Der 3-Zoll-Monitor lässt sich aus dem Gehäuse schwenken und um seine eigene Achse drehen. Damit wird jede sinnvolle Betrachtungsposition möglich, auch für Selbstporträts mit Gesichtskontrolle.

Sucher und Monitor

Besonders augenfällig sind die Unterschiede bei der Suchertechnik. Die Canon EOS 70D ist mit einem Pentaprismensucher ausgestattet. Dessen effektive Suchervergrößerung beträgt 0,58fach, die Bildfeldabdeckung 98 Prozent. Eine LCD-Mattscheibe erlaubt das Einblenden eines Gitters.

Bei der Olympus steht ein elektronischer Sucher (EVF) mit einer hohen Auflösung von 786.667 RGB-Pixeln, 100 % Bildfeldabdeckung und 0,74facher Suchervergrößerung bereit. Im visuellen Vergleich - die eine Kamera am linken, die andere am rechten Auge - ist der Olympus-EVF deutlich größer als der SLR-Sucher der EOS 70D.

Bildergalerie

Canon EOS 70D Zonen-AF Screenshot
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Die Messfeldgruppen umfassen vier Felder (links, rechts, oben, unten) oder neun Felder, wenn man die Mitte anwählt.

Selbst im Vergleich zu einer Vollformatkamera wie der Canon EOS 6D (0,69x) oder Nikon D600 (0,70x) bietet der Olympus-Sucher noch einen erkennbaren Formatvorteil und prinzipbedingte Stärken - vor allem die präzise Bildkontrolle vor bzw. direkt nach der Aufnahme und bessere Motivbeurteilung bei schlechtem Licht.

Wichtigster Vorteil des SLR-Suchers: Er benötigt weniger Strom. Dennoch ist die Olympus in der Sucher-disziplin klarer Sieger, zumal der hier verbaute EVF das Motiv ziemlich natürlich und nahezu verzögerungsfrei darstellt; die Zeitverzögerung gibt der Hersteller mit 0,29 ms an. Ein Augensensor schaltet das Live-Bild am TFT-Monitor ab, wenn sich das Auge dem Sucherfenster nähert.

Die Unterschiede beim TFT-Monitor fallen weniger ins Gewicht - jeweils 3 Zoll (7,6 bzw. 7,7 cm) Diagonale und eine Auflösung von 346 667 (EOS) bzw. 345 667 Bildpunkten (OM-D). Beide Monitore sind touchfähig und erlauben somit auch das Fokussieren eines Motivdetails durch Antippen mit dem Finger, was bei aktiviertem Touch-Auslöser gleich zur Aufnahme führt.

Der Monitor der Olympus OM-D E-M1 lässt sich aus dem Gehäuse klappen und nach oben oder unten verschwenken, während man den EOS-Monitor auch um seine Achse drehen kann, was unter anderem Selbstporträts mit Live-View-Kontrolle ermöglicht.

Canon EOS 70D

© Canon

Canon EOS 70D in der Seitenansicht.

Belichtungsfunktionen

Die Belichtungsfunktionen beider Kameras sind umfassend. Belichtungsprogramme werden bei beiden Modellen über ein Moduswahlrad mit Verriegelungsmöglichkeit eingestellt. Neben Standardprogrammen (Auto, P, A, S, M) finden sich diverse Motivprogramme (Scenes), bei der Olympus ergänzt durch Art-Filter zum Aufpeppen von Motiven.

Videos nehmen beide Kameras maximal in Full-HD (1920 x 1080 Pixel) und mit 30 Vollbildern pro Sekunde auf. Verschlusszeiten werden zwischen 1/8000 s und 30 s (EOS) bzw. 60 s (OM-D) elektronisch gesteuert; die Olympus glänzt überdies mit einer sehr kurzen Blitzsynchronzeit von 1/300 s (EOS: 1/250 s). Die ISO-Einstellung lässtsich bei beiden Kameras bis 25.600 hochschrauben.

Das ISO-Minimum ist bei der EOS 70D mit 100, bei der OM-D E-M1 mit 200 definiert, lässt sich aber auf "ISO Low" (entspricht ISO 100) erweitern. Neben Matrix- und Integralmessung(mittenbetont) bietet die EOS die Wahl zwischen selektiver Messung (ca. 7,7 Prozent des Bildfelds) und Spotmessung (ca. 3 Prozent). Die Olympus hat neben Matrix-, Spot- und mittenbetonter Integralmessung eine spezielle Lichter- und Schatten-Spotmessung imProgramm.

Olympus OM-D-EM1 Blitz

© Olympus

Olympus OM-D-EM1: Das mitgelieferte Mini-Blitzgerät wird wie üblich auf den Blitzschuh gesteckt und koppelt zur Stromversorgung mit dem Zubehöranschluss an der Kamerarückseite.

Neben diversen Bracketing-Optionen (Belichtung, Blitz, Weißabgleich) bieten beide Modelle die Möglichkeit von Mehrfachbelichtungen und eine HDR-Automatik. Zu den Spezialitäten der Olympus OM-D E-M1 gehören "Live Bulb" oder "Live-Time" für Langzeitbelichtungen: Während der Belichtung kann man am Monitor oder im EVF beobachten, wie sich das Bild "entwickelt".

Neu bei der Olympus OM-D E-M1 ist die Korrekturfunktion "Helllicht-/Schattenkorrektur". Wenn sie aktiviert ist, lässt sich auf Knopfdruck eine Gradationskurve in den Monitor bzw. Sucher einblenden. Durch Drehen am vorderen bzw. hinteren Einstellrad kann man die Kurve um einen zentralen Ankerpunkt herum für die Lichter- und Schattenregionen gezielt verbiegen.

Ganz ähnlich funktioniert der "Farbgestalter". Ist dieser aktiv, verändert man mit dem vorderen Drehrad die Farbabstimmung und mit dem hinteren die Farbsättigung - hübsch gelöst. Ein Live-Histogramm bieten EOS und OM-D gleichermaßen; Lichter- und Schattenwarnungen im Live-Bild gibt es dagegen nur bei der Olympus.

Bedienkonzept

Schwer zu sagen, welche der beiden Kandidatinnen sich leichter bzw. besser bedienen lässt. Bei der Canon EOS 70D bürgt die gelungene Mischung aus Bedientasten, Einstellrädern und Quick-Info-Monitor für einfache Bedienbarkeit. Als zentrales Bedienelement dient das kombinierte Drehrad mit Richtungswippe und Set-Taste in der Mitte. Im Quickmenü wählt man mit der Richtungswippe die Funktion und ändert per Rad die gewünschte Einstellung, alternativ ist Touch-Bedienung möglich.

Canon EOS 70D Ansicht von oben

© Canon

Canon EOS 70D: Das Belichtungsprogrammwahlrad ist dank Entriegelungstaste gegen unbeabsichtigtes Verstellen gesichert. Im Gegensatz zur Olympus verfügt die EOS über ein zusätzliches LC-Display an der Oberseite mit zugeordneten Funktionstasten.

Unübertroffen übersichtlich ist der Aufbau der Menüs bei der Canon; fast alles erschließt sich auf den ersten Blick und ist bestens lesbar. Ergänzend zum Monitor an der Rückseite hat die EOS ein LC-Display an der Oberseite als Anzeigeinstrument.

Bei der Olympus OM-D E-M1 dient dagegen der Monitor oder EVF als Kontrollzentrum. Am TFT-Monitor lassen recht kleine Schrifttypen die Menüs zunächst kryptischer erscheinen als bei der EOS 70D. Nach etwas Eingewöhnung - je nach Sehleistung des Anwenders durch eine Lesebrille unterstützt - erschließt sich aber auch die Bedienlogik der OM-D.

Olympus OM-D-EM1 Ansicht von oben

© Olympus

Olympus OM-D-EM1: Zwischen den beiden Einstellrädern (rechts) sitzt die Taste Fn2, mit der sich u.a. die Lichter-/Schattenkorrektur oder der "Farbgestalter" aktivieren lässt. An der linken Seite finden sich zwei Direktzugriffstasten - für Belichtungsmessmethode/ AF-Modus (unten) sowie HDR, Einzel-/Reihenbild und Selbstauslöser (oben).

Zwei Einstellräder und diverse Tasten - darunter drei konfigurierbare Funktionstasten, eine davon am Objektiv - unterstützen die intuitive Bedienung. Den allseits beliebten Einstellmonitor gibt es bei der Olympus OM-D E-M1 in zwei Varianten:

Zum einen lässt sich der Monitor - ähnlich wie bei der EOS - vollflächig zur Anzeige von Funktionsfeldern verwenden, zwischen denen man per Richtungstaste, Einstellrad oder Touch-Funktion hin- und herwechseln kann, um dann Einstellungen zu verändern. Die zweite Variante ergänzt das Live-Bild am Monitor oder im EVF durch einen horizontalen und vertikalen Randbalken mit Informationen. Der vertikale Balken zeigt die Funktionsfelder, der horizontale Balken die Einstelloptionen.

Bildqualität

Mit 16-Megapixel-Sensor und TruePic-VII-Bildprozessor schafft die Olympus OM-D E-M1 auf fast allen ISO-Stufen eine höhere gemessene Auflösung als die Canon EOS 70D (20 MP/Digic-5+) - die Differenz beträgt maximal rund 200 LP/BH bei ISO 6.400. Hier spielt mit, dass wir die Auflösung entsprechend den Normen auf der Bildhöhe messen.

Gleiche Pixelzahl in der Fläche vorausgesetzt, hat ein 4/3-Sensor im Vergleich mehr Pixel auf der Bildhöhe als der 3/2-Sensor in APS-C-Kameras. In der Fläche arbeitet die Canon EOS 70D mit 20% mehr Pixeln, auf der Bildhöhe mit 5%. Die Dead-Leaves-Werte bewegen sich bei beiden Kameras auf einem hohen Niveau, wobei die Olympus OM-D E-M1 in dieser Hinsicht ab ISO 3.200 und darüber etwas im Vorteil ist.

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Canon EOS 70D Dead Leaves
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Allerdings zieht die Olympus den Kontrast auch stärker an, was negativ in die Punktwertung einfließt. Erstaunlich ist die hohe Dynamik der OM-D E-M1, zwischen 11 und 13 Blenden im Bereich von ISO 200 bis 1600. Die EOS muss sich dagegen mit Maximalwerten zwischen 9 und 10 Blenden begnügen. Beim Rauschverhalten und bei den Texturverlusten überwiegen die Gemeinsamkeiten, mit unterschiedlichen Gewichtungen auf einzelnen ISO-Stufen.

Grundsätzlich kann man der EOS 70D eine etwas natürlichere Darstellung bescheinigen, was vor allem beim Porträttestbild erkennbar wird. Die Olympus greift zum Teil erkennbar mehr in das Bildgeschehen ein, was wohl dem kleineren Sensor geschuldet ist. Am Ende ein Kopf-an-Kopf -Rennen mit Unterschieden, aber ohne Sieger oder Verlierer.

Hinweis: Die detaillierten Testergebnisse finden Sie in diesen Datenblättern:

Testfazit

Mit der Olympus OM-D E-M1 kommt nicht nur das neue Topmodell der Micro-Four-Thirds-Reihe von Olympus, sondern die wohl überzeugendste Digitalkamera, die der Hersteller bisher gebaut hat - dies gilt für Ausstattung und Bildqualität gleichermaßen. Dass damit das Ende der SLR-Ära (E-Serie) bei Olympus eingeläutet wird, dürfte den Nostalgiker mehr schmerzen als den Pragmatiker. Denn die OM-D E-M1 ist angenehm kompakt, aber nicht zu klein.

Die E-M1 ist kein Spielzeug, sondern eine ausgewachsene Systemkamera mit einem attraktiven Objektivangebot, ein semiprofessionelles Werkzeug auf Augenhöhe mit den SLR-Modellen der APS-C-Klasse bis 1.500 Euro. E-Objektive können mit guten AF-Leistungen eingesetzt werden, und weil der Sensor-AF der Olympus schnell und zugleich präzise ist, entfällt ein wichtiges Argument für das SLR-Konzept mit Phasen-Sensor im Kameragehäuse.

Die Canon EOS 70D muss der Olympus bei den klassischen SLR-Tugenden AF-Geschwindigkeit und Sucher den Vortritt lassen, doch bietet sie auf der Ausstattungsseite als Plus den eingebauten Blitz und ein Topdisplay zusätzlich zum rückseitigen Display. Auch bei der Bedienung punktet die Canon mit einem besonders intuitiven Konzept, während die Olympus ihr besonders kompaktes Gehäuse ins Feld führt.

Viele Direktzugriffe bieten beide. Im Vergleich zum 18-Megapixel-Sensor der aktuellen Canon-APS-C-Modelle legt der neue bei der Bildqualität noch etwas zu. Im Vergleich zu Olympus ist die Auflösung der Canon etwas niedriger, aber die Abstimmung auch moderater. Am Ende holen beide trotz der Unterschiede die gleich hohe Punktzahl.

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