Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegelreflex-Vergleich

Canon-SLRs im Test: Belichtung, Performance, Bedienung und mehr

Canon EOS 7D Mark II

© Canon

Die Canon EOS 7D Mark II.

Connectivity 

Während 77D, 80D und 6D lediglich einen einzelnen SDHC/XC-Steckplatz besitzen, spendiert Canon der 7D II und den drei 5D-Varianten zusätzlich​ einen CF-Slot. Bei der 1DX Mk II sitzt hinter der mit Drehschalter gesicherten Klappe ein Einschub für CF- und einer für schnellere CFast-Speicherkarten – ideal für die enormen Datenströme, die bei 4K-Videoaufnahmen anfallen.​

Anders als die APS-C-Kameras verzichten Canons Vollformater durchgehend auf einen integrierten Ausklappblitz. Der 6D fehlt darüber hinaus die Kabelbuchse für den externen Ersatz.​

Einen mechanischen Sensor-Shift-Stabilisator gibt es nicht. Dafür gewinnt die kabellose Datenübertragung im Canon- System zunehmend an Bedeutung. Die 6D war bei ihrem Marktstart die erste​ EOS-SLR mit integriertem WLAN-Modul. Mittlerweile bieten auch 5D IV, 80D und 77D eine WLAN/NFC-Funktion. Beim Neuzugang 77D kommt als Besonderheit noch eine Bluetooth- Schnittstelle dazu. Für die anderen EOS-SLRs bietet Canon einen optionalen, leider mehrere Hundert Euro teuren Wireless File Transmitter an (z. B. WFT-E8 für rund 500 Euro). Mit Kabel erlauben 1DX II, 5DS(R), 5D IV und 7D Mk II die schnelle Datenübertragung via USB 3.0; die 1DX hat als Profigerät auch einen Netzwerkanschluss (RJ-45, Gigabit- Ethernet-kompatibel).​

Belichtungssteuerung 

In der 1DX II ist der für die Belichtungsmessung zuständige RGB-Sensor mit 360.000 Pixeln und 216 Zonen besonders großzügig bestückt. In 5DS (R), 5D IV und 7D II verfügt er über 150.000 Pixel und 252 Zonen, in den anderen über 7.560 Pixel und 63 Zonen. Neben Mehrfeldmessung beherrschen die Canons eine mittenbetonte Integral-, eine auf die Suchermitte beschränkte Selektiv- (auf 6 bzw. 8 %) und eine Spotmessung (auf 1,3 bis 3,5 % der Sucherfläche). Außer der 1DX II haben sie zusätzlich zu den Standardmodi (P, Av, Tv und M) eine Vollautomatik im Repertoire.​

Autofokus und Performance 

In Canons Profigeräten mobilisiert der Phasenautofokus maximal 61 Messfelder, davon sind 41 mit Kreuzsensoren bestückt, 5 davon sind Dual-Kreuzsensoren (bei Anfangsöffnung 1:2,8). Die Zahl der effektiv verfügbaren AF-Felder kann jedoch je nach Objektivtyp bzw. Anfangsöffnung variieren. Die 7D II hat im Optimalfall 65, 77D und 80D noch immer stattliche 45 Kreuzsensoren, wobei es sich beim mittigen jeweils um einen Dual- Kreuzsensor handelt. Lediglich die 6D hinkt mit nur 11 AF-Feldern und einem Kreuzsensor hinterher. Am schnellsten arbeitet der Phasen-AF in der neuen 77D (0,29 bis 0,31 s Auslöseverzögerung). Es folgen 1DX II (0,3/0,33 s), 5D IV (0,32/ 0,33 s), 5DS R (0,33/0,37 s), 80D (0,35/0,38 s) und 6D (0,35/0,42 s). Schlusslicht bilden 7D II (0,4/0,56 s) und 5DS (0,41/0,55 s).​

Im Live-View- und Videobetrieb müssen SLRs grundsätzlich auf eine Messung am Aufnahmesensor umsteigen, weil sie ihr Phasen-AF-Modul dann wegen des Klappspiegels nicht nutzen können. Lange Zeit kam dabei zumeist ein extrem langsamer Kontrast-AF zum Einsatz, so auch in der 6D (2,2 s Auslöseverzögerung). In der 5DS (R) konnte Canon das Tempo des Kontrast-AF auf knapp unter eine Sekunde steigern. Noch spürbar flotter arbeiten die neuesten Hybridlösungen der anderen Kandidatinnen. Dank Dual-Pixel-Sensor beherrschen sie auch im LV-Modus eine Phasendetektion, was eine Auslöseverzögerung von meist unter 0,6 s, bei der 5D IV sogar von unter 0,5 s erlaubt.​

Ausgereiftes Bedienkonzept

Canon EOS 7D

© Canon

RAW/JPEGTaste: Wer standardmäßig entweder mit JPEG oder mit RAW fotografiert, kann bei besonders lohnenden oder kniffligen Motiven mit nur einem Tastendruck kurzzeitig zum JPEG+RAW-Modus wechseln.

Canon setzt bei der Handhabung auf Kontinuität. Die tragenden Bedienelemente finden sich an allen gehobenen EOS-SLRs​ wieder, so etwa die dem Info-Display zugeordneten Funktionstasten oben, das im Gehäuse versenkte Zeigefinger- oder das rückseitige Daumenrad inklusive mittiger Set-Taste und Lock- Schalter. Nichtsdestotrotz gibt es eine ganze Reihe von Unterschieden. Die 1DX II tut sich beispielsweise mit den meisten Direktzugriffen und zwei praktischen Joysticks hervor. Die drei 5D-Varianten, deren Tastenbelegung weitestgehend identisch ist, unterscheiden sich von den anderen EOS-Modellen u. a. durch eine Reihe von Funktionstasten links des Monitors. Und die 77D integriert als einzige im Daumenrad eine beschriftete, mit Funktionen belegte 4-Richtungs-Wippe. Außerdem bietet sie, wie auch die 80D und die beiden Profigeräte 1DX II und 5D IV, einen Touchscreen, der bestimmte Arbeitsschritte erleichtert, so etwa das Positionieren des AF-Messfelds und Eingaben im teils konfigurierbaren Quick- Menü (Q-Taste). Der älteren 6D fehlt dagegen noch das eine oder andere nützliche Detail, beispielsweise die zweite Strukturierungsebene im Menü.​

Details dank Bildstil „Feindetail“ 

Entscheidend beim Fotografieren im JPEG-Format: Nur die neueren EOS-Geräte bringen den Bildstil „Feindetail“ mit. In diesem Testfeld sind das alle Modelle außer 6D und 7D II. „Feindetail“ holt dank geänderter Schärfevoreinstellungen deutlich mehr Textur und Feinzeichnung heraus als die „normalen“ Bildstile. Bei denen optimiert Canon nämlich eigenen Aussagen zufolge die JPEG-Signalverarbeitung auf A3-Drucke statt auf eine möglichst gute Detailwiedergabe. Außerdem sollen mit „Feindetail“ weniger Halos an Objektkanten entstehen. Wenn vorhanden, verwendet ColorFoto deshalb im JPEG-Test bei sämtlichen Labormessungen den Bildstil „Feindetail“. Bei 6D und 7D II basieren die Testergebnisse auf der Werkseinstellung. Wer hier ähnliche Ergebnisse wie mit „Feindetail“ erzielen will, muss dazu den Umweg über RAW-Daten und eine Nachbearbeitung etwa mit der Software Canon DPP in Kauf nehmen.​

Kameras, die den Bildstil „Feindetail“ beherrschen, bieten auch zwei zusätzliche Regler für die Bildabstimmung an: „Feinheit“ und „Schwelle“. Je höher die „Feinheit“ eingestellt ist, desto kleinere Details schärft die interne JPEG-Signalverarbeitung nach. Bei Schwellenwert 0 wirkt sich deren Kontrastverstärkung auf jedes Pixel aus, bei Schwellenwert 5 nur auf die, deren Unterschied mindestens sechs Tonwertstufen beträgt. Beim Bildstil „Feindetail“ stehen beide Regler auf 1.​

Bildqualität

Canon EOS 5Ds Bildstil

© Canon

Bildstil:Der Bildstil „Feindetail“; die Schärfe lässt sich in drei Parametern (ähnlich Unscharfmaskierung) justieren, auch bei anderen Bildstilen.

Die beiden älteren Kandidatinnen 6D und 7D II, die den Bildstil „Feindetail“ noch nicht beherrschen und daher mit Werkseinstellung im Labor antreten mussten, fallen in der Punktewertung deutlich zurück. Trotz ihres größeren Vollformatsensors liegt die 6D in der Punktewertung nahe bei der 7D II und damit auf einem der letzten Plätze dieses Testfelds. Bei beiden ist das unterdurchschnittliche Ergebnis vor allem der aggressiven Signalverarbeitung geschuldet, die Kontraste massiv anhebt, Kanten in besonderem Maße verstärkt und zu teils ausgeprägten Artefakten und Texturverlusten führt.

Alle neueren EOS-Kameras liefern mit dem Bildstil „Feindetail“ weitaus zurückhaltender, harmonischer und detailschonender abgestimmte JPEGs. Am besten schneiden in der Gesamtschau die drei 5D-Varianten ab. Die beiden 50-MP-Kameras 5DS und 5DS R punkten wie erwartet ganz besonders bei der Auflösung (5DS: bis 2609; 5DS R: 2722 LP/BH) und liegen auch bei der Dead-Leaves-Messung weit vorne. Weniger überzeugend: ihre Dynamik mit maximal 9,7 Blenden. Außerdem zeigen sich ab ISO 3200 zunehmend die Nachteile der winzigen lichtempfindlichen Pixel in Form von stärkerem, ab ISO 6400 störendem Luminanzrauschen. An dieser Stelle ist die 5D IV klar im Vorteil: Sie setzt sich an die Spitze des EOS-Systems, wenn es um Dynamik (bis 12 Blenden) oder Visual Noise (min. 0,7 VN) geht, und kann ihre Leistungen bei steigender Empfindlichkeit relativ hoch halten – insbesondere die Auflösung (bis 2091 LP/BH). Daher zieht sie ab ISO 3200 locker an den 50-Megapixel-Kameras vorbei. Das gilt ebenso für die EOS 1DX II. Bei niedrigen Empfindlichkeiten muss sich diese jedoch wegen der geringeren (Nenn-) Auflösung (max. 1735 LP/BH) hinter den drei 5D-Varianten einordnen.​​

Die beiden APS-C-Kameras 77D und 80D haben es im Vergleich zu den Vollformatern generell mit stärkerem Visual Noise zu tun, können aber bis ISO 800 trotzdem überzeugen. Ab ISO 1600 wirken sich die Nachteile der kleineren Sensorfläche sichtlich negativ auf den Bildeindruck aus. Dass die 77D in der Gesamtwertung 3,5 Punkte Vorsprung gegenüber der 80D herausarbeiten kann, liegt unter anderem an der deutlich besseren Dynamik und der höheren Auflösung (bis 1858 statt 1771 LP/BH).​

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