Der große Browser-Test 2016

Welcher Browser ist der Beste? 6 Kandidaten im Vergleich

In unserem Browser-Test 2016 rennt Firefox davon, doch zwei Browser sind ihm dicht auf den Fersen. Überraschung: Die Verfolger heißen weder Chrome noch Edge. Wie es dazu kommt, verrät unser Vergleich.

Logos der Browser Firefox, Chrome und Internet Explorer

© Hersteller

In unserem Browser-Test treten insgesamt sechs Kandidaten an: Firefox, Maxthon, Opera, Chrome, Vivaldi und Edge.

Bevor wir uns dem Browser-Test 2016 widmen, werfen wir einen Blick auf die Marktlage: Mehr als ein Drittel der Deutschen nutzt den Browser Firefox, ein knappes Drittel surft mit Chrome, und jeder sechste Anwender geht mit dem Internet Explorer ins Web, obwohl es mit Edge längst einen Nachfolger gibt. Gut zehn Prozent der Deutschen nutzen Safari, den Standard-Browser unter Mac OS.

Alle anderen Browser fristen ein Schattendasein. Nur etwa drei Prozent der Internetnutzer in Deutschland vertrauen auf Opera, und lediglich zwei Prozent verwenden bisher Edge. Übrige Browser tauchen in den Statistiken gleich gar nicht auf.

Edge ist also der Nachfolger des Internet Explorers und zugleich der Standard-Browser in Windows 10. Je mehr Anwender auf Windows 10 umsteigen, desto beliebter könnte Edge werden. Allerdings muss Microsoft noch viel verbessern, wenn der Browser überzeugen soll. In unserem Test landet Edge weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Deutlich besser schneiden die Browser Maxthon und Vivaldi ab. Sie sind zum ersten Mal bei einem Browser-Test des PC Magazins dabei. Drei junge Debütanten gegen drei alte Bekannte: ein spannender Vergleich.

Alle Browser sind komfortabel

Anwender erwarten einen bestimmten Bedienkomfort, den alle Browser haben. Dazu gehört zum Beispiel das Tabbed Browsing, das vor ein paar Jahren noch nicht selbstverständlich war: Mehrere Webseiten lassen sich zeitgleich in einem Browser-Fenster öffnen, wobei es für jede Webseite einen eigenen Reiter gibt. Außerdem erlauben es alle Browser, mehrere Browser-Fenster zu öffnen.

Ebenso selbstverständlich ist inzwischen ein intelligentes Eingabefeld, in das der Anwender sowohl Webadressen als auch Suchbegriffe eingeben kann. Schon während des Tippens unterbreiten die Browser Vorschläge, was gemeint sein könnte. Ein zusätzliches Suchfeld neben der Adresseingabe bieten nur Firefox, Maxthon und Vivaldi.

Firefox Add ons

© Weka/ Archiv

Firefox: Für keinen anderen Browser gibt es so viele nützliche Add-ons wie für den Testsieger.

Zur Grundausstattung aller Browser gehört auch die Suche innerhalb von Webseiten, die sich schnell mittels der Tastenkombination Strg + F aufrufen lässt. Bei allen Testkandidaten ist es eine Instant-Suche, das heißt: Sobald der Internetnutzer etwas ins Suchfeld eintippt, markiert der Browser die zutreffenden Stellen auf der Webseite. Beim Weitertippen werden die Ergebnisse mehr und mehr eingegrenzt.

Für große Bildschirme ist eine Zoom-Funktion nützlich, die alle getesteten Browser besitzen. Viele moderne Webseiten passen sich von selbst an Bildschirmgröße, Bildschirmauflösung und Fenstergröße an (Responsive Design), doch auch bei solchen Webseiten kann der Nutzer die Darstellung vergrößern (Strg und +) oder verkleinern (Strg und -). Eine wichtige Funktion bieten hingegen nur Chrome, Edge und Firefox: Bei diesen Browsern lässt sich die Standard-Schriftgröße für Webseiten definieren. Wer Sehprobleme hat, wird diese Einstellmöglichkeit zu schätzen wissen.

Das Design ist Ansichtssache

Studien zeigen: Bevor sie Unterschiede in der Bedienung wahrnehmen, beurteilen Anwender eine Software nach der Optik, nach dem äußeren Erscheinungsbild. Und das unterscheidet die getesteten Browser erheblich. An dem einen Ende steht Edge mit einer extrem schlichten, auf das Allernötigste reduzierten Bedienoberfläche. Es gibt kaum Schaltflächen, keine Symbolleiste, und selbst das Eingabefeld für Webadressen und Suchbegriffe wird automatisch ausgeblendet.

Wer Edge zum ersten Mal benutzt, wird dieses Eingabefeld womöglich suchen. Erst ein Klick rechts neben das Neu laden-Symbol macht es sichtbar. Anstatt einer Menüleiste gibt es in Edge nur eine Schaltfläche mit drei Punkten darauf, hinter der sich die wenigen Einstellmöglichkeiten verbergen. Keine Frage: Mit der hypermodernen Optik fügt sich Edge makellos in Windows 10 ein.

Mit modernen Elementen und ohne viel Schnickschnack zeigt sich ebenso der zweitplatzierte Browser Opera. Die norwegischen Entwickler waren allerdings cleverer als das Microsoft-Team und haben ihrem Sprössling ein richtiges Einstellungsmenü spendiert, dass sich hinter der Opera-Schaltfläche in der linken oberen Ecke verbirgt. Opera ist der einzige Browser mit so einem hierarchischen Menü, das wirklich praktisch ist. Ferner lassen sich die Symbolleisten von Opera individuell anpassen, bei Edge und bei Chrome klappt das nicht.

IE Edge Firefox

© Weka/ Archiv

Größere Werte, schnellere Browser: Benchmarks zeigen, wie Edge hinterherhinkt. Beim wichtigen Browsermark-Test schneidet der Internet Explorer sogar besser ab. Mit HTML5 kommt Edge zwar etwas besser zurecht als sein Vorgänger – von der Leistungsfähigkeit des Testsiegers Firefox ist der Microsoft-Browser jedoch weit entfernt. Alle Benchmarks liefen auf ein- und demselben PC unter Windows 10.

Gerade Linien wie bei Edge und Opera, aber viel mehr Farbe: so präsentieren sich Maxthon und Vivaldi. Bei Vivaldi passt sich die Farbe des aktiven Tabs und der Menüleiste automatisch an die dominierenden Farben der geöffneten Webseite an. Wer sich daran nicht gewöhnen mag, kann den Farbwechsel in den Einstellungen abschalten. Die Symbolleiste am linken Bildschirmrand erlaubt den Zugriff auf Lesezeichen, Downloads, Notizen und mehr - das ist ideal. Eine ähnliche Symbolleiste hat Maxthon, allerdings mit viel größeren und noch dazu bunten Schaltflächen - die sind Geschmackssache.

Wer klassische Bedienoberflächen liebt, bekommt sie bei Firefox und Chrome. Diese Browser bieten auch die größte Auswahl an Themes: Design-Vorlagen, mit denen sich die Browser-Optik variieren lässt - von wenigen Farbnuancen bis hin zu völlig neuen Symbolen. Opera bietet ebenfalls eine Auswahl an Themes, Maxthon ein kleines Sortiment. Bei Vivaldi kann man zwischen hellem und dunklem Farbschema wählen und die Farbe der Symbolleiste festlegen. Nur Edge bietet keinerlei Möglichkeiten, um das Standard-Design zu ändern.

Funktional gibt es Unterschiede

Auf den ersten Blick sind alle Browser komfortabel. Sieht man sich einzelne Funktionen genau an, werden die Unterschiede deutlich, die zu Sieg oder Niederlage führen. Zum Beispiel die Lesezeichenverwaltung. Bei Edge und Maxthon lassen sich Lesezeichen nicht einfach per Drag-and-drop in die Sammlung ablegen, Edge fehlt eine Symbolleiste für häufig genutzte Lesezeichen, und Chrome hat keine Lesezeichenleiste an der Seite. Der Testsieger Firefox erhält dagegen die volle Punktzahl für seine ausgefuchste Lesezeichenverwaltung.

Edge Startbild

© Weka/ Archiv

Edge: Die Bedienoberfläche wirkt blitzeblank, die Startseite modern und übersichtlich. Doch das allein macht keinen guten Browser.

Ein zweites Beispiel: Downloads. Firefox zeigt wieder, was einen Testsieger ausmacht: Der Nutzer kann einen Standard-Speicherort für Downloads festlegen, und sie lassen sich anhalten, abbrechen, fortsetzen und bei Bedarf sogar erneut ausführen. Außerdem kann der Nutzer Dateitypen zu Programmen zuordnen, damit sie nach dem Download mit dem gewünschten Programm geöffnet werden.

Für Komfort und Sicherheit sorgt darüber hinaus die Option Jedes Mal nachfragen, wo eine Datei gespeichert werden soll. Das Einzige, was Firefox nicht kann, sind zeitgeplante Downloads - ansonsten hätte der Mozilla-Browser 50 von 50 Punkten in der Bewertungskategorie Bedienung erreicht. Downloads, die an einem bestimmten Tag zu einer festgelegten Uhrzeit starten, bietet jedoch nur der Maxthon-Browser.

Kein Browser ist hundertprozentig sicher

Dank hervorragender Ausstattung erreicht Firefox den ersten Platz. Ginge es allein um Sicherheit, hätten die Firefox-Verfolger gewonnen: Opera erreicht in der Testkategorie Sicherheit 25 von 30 möglichen Punkten, Maxthon 24 Punkte, Firefox nur 22 Punkte. Dem Testsieger fehlte zum Test-Zeitpunkt eine Anti-Tracking-Funktion, die alle anderen Browser besitzen. Das Anti-Tracking verhindert beispielsweise, dass Nutzerdaten und Informationen über besuchte Webseiten für Werbezwecke verwendet werden. Dazu müssen sich Firefox-Nutzer mit einem Add-on behelfen, zum Beispiel Ghostery.

Ein weiteres Add-on brauchen Firefox-Anwender, damit sich JavaScript abschalten lässt. Beliebt ist NoScript. Nur in Chrome und Opera lässt sich JavaScript ohne Add-on deaktivieren. JavaScript wird von sehr vielen Websites sinnvoll eingesetzt, etwa bei Menüs, Formularen und anderen Interaktionen mit dem Benutzer. Allerdings kann JavaScript auch missbraucht werden, zum Beispiel für Datenspionage. Vorm Besuch dubioser Websites sollte man JavaScript besser abschalten.

Aus Sicherheits-, aber auch aus Performancegründen bietet es sich manchmal an, das Laden von Bildern und Grafiken zu verhindern. Eine entsprechende Funktion fehlt nicht nur dem Testsieger Firefox, sondern auch Edge, Maxthon und Vivaldi. Wichtig erscheint uns auch, dass der Anwender bestimmen kann, von welchen Websites Plug-ins wie Flash, Shock- wave oder Silverlight ausgeführt werden dürfen - und wo nicht. Eine solche Option besitzen jedoch nur Chrome, Maxthon und Opera.

Maxthon Start

© Weka/ Archiv

Maxthon: Die Startseite wirkt etwas altbacken, und die bunten Schaltflächen des Browsers treffen sicher nicht jedermanns Geschmack.

Bei der Sicherheit haben wir uns auch mit dem Thema Passwortverwaltung beschäftigt. Alle Browser bieten eine Passwortverwaltung: Anmeldedaten werden auf Wunsch des Internetnutzers gespeichert und beim nächsten Aufruf derselben Website automatisch in die vorgesehenen Felder eingetragen. Nur der Testsieger Firefox erlaubt ein Master-Passwort: Zwar muss sich der Nutzer dieses Master-Passwort merken, dafür kann aber niemand anders die gespeicherten Anmeldedaten missbrauchen - ein dicker Pluspunkt. Die Liste der gespeicherten Passwörter kann man bei allen Browsern einschließlich Firefox einsehen, sofern kein Master-Passwort verwendet wird - das müssen die Browser-Hersteller unbedingt ändern.

 

Browser warnen vor Gefahren

Erfreulicherweise besitzen alle getesteten Browser eine Malware-Erkennung sowie einen Phishing-Schutz. Die Internetprogramme identifizieren verschiedene Bedrohungen, die von Webseiten ausgehen, und warnen den Nutzer davor. Das heißt allerdings nicht, dass man auf eine Security Suite verzichten kann - sie gehört auf jeden Computer. Chrome, Firefox, Maxthon und Vivaldi bekommen einen Punkt abgezogen, da sich der Malware-Schutz komplett abschalten lässt. Schlecht, wenn das einem Anwender aus Versehen passiert. Dagegen kann es sinnvoll sein, den Malware-Schutz für eine einzelne Website abzuschalten, zum Beispiel, wenn sie irrtümlicherweise als gefährlich eingestuft wird. Das klappt bei allen Browsern.

Mindestens so wichtig wie Malware-Erkennung und Phishing-Schutz ist der geregelte Umgang mit digitalen Zertifikaten. Ob die Verbindung zur aufgerufenen Website abgesichert ist oder nicht, kennzeichnen alle Browser. Vor der Webadresse erscheint ein farbiges Symbol oder farbiger Text: Grün steht für sichere, Gelb für nicht geprüfte und Rot für unsichere Zertifikate. Nach einem Klick auf die Kennzeichnung werden ein paar Informationen zum Zertifikat angezeigt, ausführliche nach einem weiteren Klick. Bei nicht eindeutigen und unbekannten Zertifikaten zeigen alle Testkandidaten zusätzliche Warnungen - das ist sehr gut.

Vivaldi Website

© Weka/ Archiv

Vivaldi: Die Farbgebung der Tabs und der Menüleiste passt sich automatisch der geöffneten Website an. Im Kern von Vivaldi steckt Chrome.

Add-ons liefern mehr Funktionen

Fest steht: Die aktuellen Browser können viel mehr als frühere Generationen, und fehlende Funktionen lassen sich ziemlich leicht nachrüsten - zumindest bei Chrome und Firefox. Für die Favoriten der deutschen Internet-Nutzer gibt es die größte Auswahl an Add-ons. Davon profitiert auch Vivaldi: Da es sich im Wesentlichen um einen weiterentwickelten Chrome-Browser handelt, lassen sich die meisten Add-ons für Chrome in Vivaldi nutzen.

Aber auch Opera kann man gut erweitern - es gibt einen eigenen Add-on Store für den norwegischen Browser. In dieser Hinsicht steckt Maxthon noch in den Kinderschuhen, und für Edge gibt es noch weniger Erweiterungen. Dabei täten dem Nachfolger des Internet Explorers ein paar Extras besonders gut. Microsoft verzichtet auf viele Einstellmöglichkeiten - der Nutzer soll sich voll und ganz aufs Surfen konzentrieren können. Leider sind dadurch sinnvolle Funktionen verloren gegangen sind, die der Internet Explorer besaß. Mal sehen, wann Microsoft diese nachliefert.

Die Testergebnisse im Detail

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Im großen Browser-Test 2016 von PC Magazin treten 6 Kandidaten an. Welcher Browser ist der beste? Hier die Ergebnisse im Detail.

Fazit

Welche Software nutzen Sie am häufigsten? Textverarbeitung? Fotoverwaltung? Bei mir ist es der Browser. Genauer gesagt: Firefox. Und das nicht etwa, weil er diesen Test gewonnen hat. Es ist Gewohnheit. Man probiert eine Software aus, sie gefällt einem, man bleibt ihr treu. Im Zweifelsfall für immer.

Doch dieser Test beweist: Neues ausprobieren lohnt sich! Hätte mir vorher jemand gesagt, Maxthon sei besser als Chrome, ich hätte den Kopf geschüttelt. Und Vivaldi? Ja, die Vier Jahreszeiten ... Nein, ein Browser! Und zwar einer mit erkennbarem Entwicklungspotenzial! Die altbekannten Browser bekommen Konkurrenz - das gefällt mir.

Testverfahren Browser

Das PC Magazin testet Browser nach einem aufwendigen Verfahren. Die Vergleichstabelle zeigt nur ein paar der 80 Bewertungskriterien.

Bedienung, Sicherheit und Technik

Die Hälfte aller Punkte vergeben wir für die Bedienung. Dabei bewerten wir Installation und Deinstallation des Browsers, das Browsen an sich, Lesezeichen-, Druck- und Download-Funktionen, wichtige Einstellungen sowie individuelle Anpassungen (Themes). Für die Sicherheit sind 30 von 100 Punkten erreichbar - zum Beispiel für die korrekte Kennzeichnung verifizierter Websites (Zertifikate), den Schutz der Privatsphäre des Anwenders, sichere Passwortverwaltung, Malware- und Phishing-Funktionen. Maximal 20 von 100 Punkten gibt es im Bereich Technik. Mit verschiedenen Benchmarks testen wir Geschwindigkeit und Standardkonformität der Browser.

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