Oppo vs. Cambridge

Unterschiede, Bild und Ton

Kleine Unterschiede

In puncto Laufwerk und Decoder-Platine gleichen sich die zwei Testspieler, auch das Netzteil ist ähnlich. Dann allerdings beginnen die Unterschiede.

Der Digital-Spezialist OPPO hat im BDP-103D ein Video Processing von DVDO verbaut, das auch den Wunder-Bildverbesserer Darbee integriert. Die On-Board-Wandlung der Toninformationen ist seit einigen Typgenerationen mehr oder weniger gleich geblieben und anerkanntermaßen gut. OPPO bietet einen auch für reine Stereo-Anwendungen zu verwendenden 7.1-Ausgang. Ganz klar gehen die Entwickler trotz der guten Analogsektion beim Ton aber eher von einer rein digitalen Verknüpfung des Players mittels HDMI aus. Die Fernbedienung hat sich im Test bewährt dank der sinnvoll angeordneten, funktionalen beleuchteten Tasten. Rein haptisch wirkt sie aber vergleichsweise simpel.

Home-Menü

© Julian Bauer/Hersteller

Sehr praktisch: Unter Netzwerk erscheinen im Home-Menü alle DLNA-Quellen und sogar freigegebene lokale Laufwerke.

Dass das ganz anders gehen kann, zeigt Cambridge mit der neuen Fernbedienungs-Generation beim Azur 725BD. Die Steuerzentrale ist organisch gestaltet und steht ergonomisch günstig in einem Tischstativ griffbereit. Die gesamte Oberfläche ist samtig weich gummiert und schmeichelt förmlich der Haut. Auch das Stativ hüllt sich in diesen organisch wirkenden Überzug. Die Tasten wurden neu gruppiert und bieten eine Reihe nützlicher Direktfunktionen, für die man sonst ins Menü eintauchen müsste. Endlich sind die Tasten auch hinterleuchtet. Als Zubehör lässt sich der edle neue Handgeber auch für den Vorgänger-Player nachbestellen.

Ausgeklügeltes Scaling für die Audiosignale

Zwar bietet Cambridge in seiner Azur-Serie die passenden AV-Verstärker mit HDMI-Anschlüssen an, aber die Produktmanager denken offenbar an den weiteren Einsatz des Bild und ebenso Ton hochauflösenden Geräts auch in eher konventionellen Stereoanlagen. Darauf jedenfalls deutet das aufwendig gestaltete Audioboard hin, das die Engländer huckepack in die zweite Platinen-Etage eingebaut haben. Es besitzt nicht nur einen 7.1-Kanal-Ausgang, sondern eine zweite, separate und noch aufwendiger ausgelegte Stereo-Sektion.

Splitscreen

© Julian Bauer/Hersteller

Ein Splitscreen: Im Bild links erkennt man das in Detail und Kontrast verstärkte Bild nach dem Darbee-Prozess.

Alle zehn Kanäle werden nach ihrer Ankunft aus dem MediaTek-Decoder-Chip nochmals auf Takt gebracht und im patentgeschützten Anagram-Prozessor auf volle 24 Bit und 192 Kilohertz Abtastrate umgerechnet - egal, mit welcher tatsächlichen Auflösung sie die Audioplatine des Cambridge Azur erreichen.

Das erleichtert es den Entwicklern, die darauf folgende Digital-/Analog-Wandlung zu optimieren: Die folgende Filterung muss nun nur noch an diese eine Taktfrequenz angepasst werden. Damit das auch mit DSD-Bitströmen von SACD funktioniert, muss man den Player im Menü auf PCM-Konvertierung stellen, was eine Umrechnung des 1-Bit-Stroms auf 24 Bit mit 88,2 Kilohertz erzeugt.

Wie beim OPPO steht auch hier das volle Signal- und Bassmanagement für den 7.1-Ausgang zur Verfügung, ebenso eine Regelung des Ausgangspegels und die Lip-Sync-Korrektur. Der dedizierte Stereoausgang ist aber direkt verschaltet und erhält unabhängig vom Ausgangssignal stets seine zwei Stereokanäle - entweder direkt oder als Downmix.

Ein weiteres Indiz für die Audio-Ausrichtung gegenüber dem OPPO-Kollegen sind die zwei Digitalaudio-Eingänge: einer optisch als TOSLINK, der zweite als Cinchbuchse. Damit kommen nicht nur HDMI-Geräte in den Genuss der feinen Transformation der Klänge in die analoge Welt, sondern auch Historisches wie etwa ein alter Laserdisc-Spieler.

MediaControl App

© Julian Bauer/Hersteller

OPPO bietet mit der MediaControl App eine kostenlose und komfortable Verwaltung per Netzwerk-Freigabe oder USB-Anschluss verfügbarer Medien, egal ob Musik, Fotos oder Videos.

Bild- und Tontest

Im Kino-Hörraum aufgebaut, finden sich die zwei Kandidaten zunächst in ihrer Rolle als klassische Blu-ray-Player wieder mit Scheibenkost und HDMI als Ausgangssignal. Audioseitig unterscheiden sie sich kaum und zeigen, wie gut eine HDMI-Quelle heute klingen kann. Der AV-Vorverstärker Marantz AV8801 jedenfalls bietet ein angenehm durchgezeichnetes und dabei plastisches Bühnenabbild schon von der CD. 

Das Jazz-Album XXL (DVD-Audio) der Big Phat Band bringt als hochauflösende Mehrkanal-Aufnahme schon verdammt viel Leben in die Bude, stellt Bandleader Gordon Goodwin doch seine Musiker quasi direkt in die Lautsprecher. Eine krasse Dynamik, die keiner der Player zu bremsen scheint. Das gilt für alle Medien, die das Laufwerk im Laufe des Tests zu lesen bekommt, unabhängig von der Zahl der Kanäle. Audioseitig in Sachen HDMI herrscht zwischen den Playern ein Patt.

Bildvorteile für OPPO

Geringe Vorteile ergeben sich beim Bild für den OPPO. Er zeigt gegenüber dem unbestrittenen Spitzenbild des Cambridge subjektiv einen Hauch mehr Ruhe - besonders bei Interlaced-Signalen - und etwas mehr Tiefe und Plastizität vor allem bei geringer aufgelösten Videos, erst recht bei PAL-Zuspielung über den HDMI-Eingang vom Sat-Receiver. Bewegungen zeigt der De-Interlacer stabiler, selbst kritische Laufschriften kommen nie aus dem Tritt und mit sparsam dosiertem Darbee-Bildprozessor bekommen die Bilder ohne sichtbare Nachteile mehr Schärfe und Plastizität.

Cambridge Fernbedienung

© Julian Bauer/Hersteller

Samtig wie eine Angorakatze fühlt sich die organisch wirkende Gummierung der edel anmutenden Cambridge- Fernbedienung an. Die Tasten lassen sich beleuchten. Im Tischstativ wartet sie auf Eingaben.

Das Verhältnis der zwei Probanden änderte sich auch bei Zuspielung anderer Quellen nicht, egal ob via USB-Anschluss direkt von Festplatte oder über das Netzwerk. Auch spielten beide alle Testdateien stets mit korrekter, nativer Bildrate mit Kapiteln, Untertiteln etc. und flott navigierend ab: JPEG-Fotos bis 16 Megapixel Auflösung ebenso wie Videos aller Couleur von MPG über MKV bis zu TS und M2TS.

Auch audioseitig spielen beide Player in Stereo und bei einigen Formaten in Surround alles von MP3 über WMA, FLAC, WAV, AIFF, sogar Apples ALAC und einige DSD-Formate audiophiler Downloads. Einen Nachteil des MediaTek-Chips können auch unsere zwei Testgeräte nicht überlisten: Er streamt nicht gapless (unterbrechungsfrei). OPPO hat in der neuesten Firmware zwar einen Workaround gefunden, der aber funktioniert nur mit WAV, das per USB geliefert wird - wenig praktikabel. 

Cambridge Audio Menü

© Julian Bauer/Hersteller

Ungewöhnlich für Player ist die Auswahl der Eingänge, in diesem Falle des Cambridge. Er bietet auch optischen und Cinch-Digital-Audio-Signalen Einlass. Die USB-Eingänge sind dem Player zugeordnet.

Ansonsten muss man die einzelnen Dateien gegebenenfalls mit einem Joiner-Programm zu einer großen vereinen und ein CUE-Sheet erzeugen. Dann spielt das große File lückenlos und lässt sich dank des CUESheets trotzdem wie Einzeldateien navigieren.

Analog Audio: Vorteile für Cambridge

Im letzten Hördurchgang geht es um die analogen Ausgänge. Die Schaltungen des OPPO sind seit Jahren praktisch unverändert und entsprechend klingen sie auch wie gewohnt. Die Balance wirkt ausgewogen und tonal vielleicht einen Hauch heller als neutral. Absolut betrachtet, gibt es auch keinen Klangunterschied zwischen Surround- und Stereo-Wiedergabe mit einem winzigen Vorteil bei Stereo durch das Fehlen des Bassmanagements. 

Wenn man die Kabel auf die Cinch- Ausgänge des Cambridge Azur umsteckt, merkt man jedoch sofort: Da ist noch Luft nach oben. Schon der Mehrkanalausgang des Azur 752BD spielt deutlich homogener und schlicht souveräner. Der Raum wirkt größer und tiefer; am unteren Ende des Frequenzspektrums gelingt dem Engländer etwas mehr Wucht und Autorität.

Für einen fairen Vergleich eignet sich eine gute Stereoaufnahme von Ella Fitzgerald: die frisch auf highresaudio.de erhältliche Ella And Basie in 24/96 vom Server in Zwei-Kanal- Sound über den Surround- und Stereoausgang. Tatsächlich öffnet sich das Klangbild über das Cinch-Duo ein wenig, und vor allem die Raumtiefe gewinnt nochmals. Das ist ein klares Indiz für eine bessere Feindynamik.

Fazit: ein Duell mit zwei Siegern

Das Testduo Cambridge Azur 752BD und OPPO BDP-103D macht einmal mehr deutlich, dass nach Datenblättern quasi identische Player in der Praxis unterschiedliche Charaktere besitzen. Je nach Vorliebe des Nutzers ist der eine oder der andere die bessere Wahl.

Sie wünschen sich einen highendigen Digitalplayer für jeden Zweck mit bester Bildqualität und geben den Ton per HDMI an Ihren AV-Verstärker? Dann sind Sie beim OPPO genau richtig. Brauchen Sie dagegen einen universellen Digitalplayer und D/A-Wandler für Ihre Stereoanlage und mögen es in Sachen Verarbeitung und Haptik gerne etwas edler, dann empfiehlt sich der Cambridge.

Download: Daten und Messwerte

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