Das richtige Blitzgerät für Nikon, Canon und Co.

Steuerung und Hersteller

 

Wie steuere ich Blitzgeräte?

Blitze können per Automatik (TTL), Mittenkontakt, per Synchronkabel, per Photodiode, per Infrarotsignal und per Funk gesteuert werden - und alle Methoden sind in der Praxis gebräuchlich, wobei die Kabellösung immer mehr von der Funksteuerung abgelöst wird. Der genaue Ablauf der TTL-Blitzmessung  ist im Ratgeber TTL-Blitzmessung beschrieben.

Der Mittenkontakt ist bei allen Blitzen seit Jahrzehnten in der Mitte des Blitzschuhs angebracht. Er wird im Auslösemoment von der Kamera oder von einem am Blitzfuss angebrachten Synchronkabel (PC-Kabel) gegen Masse kurzgeschlossen. Diese Steuermöglichkeit nutzen vor allem Strobisten - aber auch viele Bastler, die Lichtschranken oder besondere Auslösesysteme mit einem Blitz synchronisieren wollen. Diese einfache Steuerung funktioniert nur, wenn der Blitz auf manuell eingestellt ist. Einige Hersteller haben die einfache Mittelkontakt-Auslösung mittlerweile unterbunden.

Beim PC-Kabel, dem klassischen Blitzsynchronkabel, dessen Buchse sich sowohl an teureren Systemkameras als auch an Top-Blitzgeräten sowie an jeder Blitzanlage finden. Auch hier wird zur Zündung einfach der Mittenkontakt des Steckers mit dem äußeren Kontakt (Masse) kurzgeschlossen. Es gibt Verteiler, die es erlauben, per Kabel mehrere Blitze zu zünden. Meist jedoch geht das Blitzkabel nur zum Masterblitz, der dann die anderen Blitzgeräte steuert. Kameras ohne Buchse verwenden ein TTL-Blitzkabel mit Anschluss für den Zubehörschuh zur Verbindung mit dem Hauptblitz. Denn meist soll dieser nicht direkt auf der Kamera sitzen.

Die Möglichkeit, mehrere Blitzgeräte über einen Master-Aufsteckblitz zu steuern und mehrere  abhängige Blitze (genannt Sklaven oder Slaveblitze), dient hauptsächlich dazu, dem Fotografen Wege zu ersparen. Wer zum zehnten Mal einen entfernten Blitz aufsucht, um dessen Einstellung zu ändern, der weiß wovon die Rede ist.

Früher brauchte man ein teures Blitzgerät, das eine Mastersteuerung hatte, um frei im Raum aufgestellte Sklavenblitze unabhängig anzusprechen und auszulösen. Der Blitz tat dies durch Vorblitze, über die er den in Gruppen aufgeteilten Sklaven mitteilte, wann sie wie stark abzublitzen hatten. Seit einiger Zeit sind dazu einige Fotoapparate auch in der Lage, indem der eingebaute Klappblitz diese Aufgabe übernimmt .

Bei Canon ermöglichen das die Modelle 5D Mark III, 7D, 6D, 60D, 70D, 700D, 650D, 600D, bei Nikon die Modelle D4, D3x, D3s, D3, D2x, D700, D300s, D300, D200, D7000, D90, D80 und D800, sowie die jeweils neuesten Nachfolger.

Einige dieser Modelle besitzen keinen eingebauten Blitz, aber die Steuervorrichtung. Diese und andere ETTLfähige Kameras brauchen einen drahtlosen TTL-Blitzauslöser, der im Falle von Canon ST-E2 heißt. Den gibt es auch von zahlreichen Zubehör-Herstellern wie Yongnuo. Vorteil: Es wird dann auch Highspeed-Synchronisation oder etwa Blitzen auf den zweiten Verschluss für die TTL-Blitze der Slave-Gruppen möglich.

Canon ST-E2

© Canon

Der ST-E2 ist kein Blitz. Er überträgt via Infrarot -Signal Infos über Blitzstärke und Auslösemoment an verschiedene im Raum angeordnete Aufsteckblitze.

Jeder Blitz der als Slave verwendbar ist, hat eine Fotodiode eingebaut, die Vorblitze erkennt und auch im rechten Moment auslöst. Wird einfaches mitblitzen verlangt - ohne Vorblitz-Steuerung, dann sollte das Blitzgerät eine Vorblitz-Unterdrückung besitzen, um nicht zu früh loszuschießen. Soll exakt gesteuert werden, wird am Masterblitz oder in der Kamera eingestellt, welche Slave-Blitze in welcher Gruppe zusammen auslösen. Diese haben dann alle die gleiche Intensität, die am Master vorprogrammiert wird. Slaves sollten eine deutlich sichtbare Bereitschaftsanzeige haben, gewöhnlich blinkt eine rote LED auf der Frontseite. Drei, in seltenen Fällen vier Gruppen sind so steuerbar.

Statt der Vorblitz-Methode kann auch Infrarot-Übertragung verwendet werden. Den Infrarot Empfänger besitzen aber nicht alle Blitze. Diese sind dann nicht "slavefähig". Vorteil bei Infrarot ist die geringere Störanfälligkeit gerade in hellerer Umgebung. Auch eine Funkverbindung kann zur Steuerung von Blitzen dienen. Diese ist über weitere Strecken und ohne Sichtkontakt tauglich - aber mehr die Domäne mobiler Blitzanlagen, da jeder Slave einen eigenen Empfänger braucht. Hier kommen wieder die Strobisten ins Spiel, die wenig Geld für Blitze ausgeben - dafür aber mehr für die Steuerung ihrer Blitzfamilien.

Welche Hersteller gibt es - muss es ein Systemblitz sein?

Generell gilt: Auf eine Kamera eines Herstellers passen nur seine eigenen Blitze. Die gibt es in verschiedenen Stärken. Mit der Stärke nehmen generell auch die Fähigkeiten ab. Topmodelle kosten um die 700 Euro und sind so konzipiert, dass es für kreative Fotografen, die viele der vorher geschilderten Funktionen einsetzen wollen, kaum Alternativen gibt. Mittelklasseblitze stehen unter Preisdruck aus China und sind mittlerweile zu Preisen zwischen 200 und 300 Euro zu haben. Heute gibt es neben den Systemblitzen der Kamerahersteller gerade einmal eine Hand voll Spezialisten in diesem Sektor.

Neben dem einzigen wirklich up to date Blitzhersteller Metz (Mecablitz) sind dies die japanischen Hersteller Sigma, Sunpak und Nissin, die ihre Zentrale in Japan haben. Während diese drei Hersteller den Schwerpunkt auf Ergänzungen und Alternativen zu den Kamerasystemblitzen legen sind die Chinesen, allen voran Yongnuo nicht untätig und bringen mit günstigen Funksteuerungen und cleveren Ideen frischen Wind ins renommierte Geschäft.

Grundsätzlich gilt: Metz und Co bringen ihre Blitze in jedem Fall passend für Canon und Nikon. Hier achten Sie auch auf eine möglichst 100prozentzige Übernahme der aktuellen TTL-Automatikprogramme. Auch Sony wird zunehmend unterstützt. Das Fourthirds-system von Panasonic/Olympus ist schon seltener von zubehörherstellern im angebot. Dafür dsind die Blitze dieser Hersteller weitestgehend miteinander kompatibel.

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Allerdings sind die Qualitäten der Chinahersteller sehr unterschiedlich und der Vertrieb manchmal abenteuerlich - Reparaturen ausgeschlossen. Da sind Einkäufer von chinesischer Blitztechnik mit deutschem Markennamen wie Fotowalser, Big, Dörr oder Bilora vorzuziehen.

Doch auch hier ist die Qualität der angebotenen Blitze sehr unterschiedlich. Häufig ist die mechanische Verarbeitung sehr schwach - vor allem was Batteriefach-Deckel, Reflektormotor oder Ausklapp-Diffusor angeht. Metz sei noch einmal erwähnt: Der Hersteller bietet teure Stabblitzgeräte an, die mittels eines Adapters (SCA) auf verschiedene Herstellersysteme angepasst werden können.

Welche Trends sind zu beobachten?

Einige Hersteller, die auch das Filmen mit Systemkameras verstärkt akzentuieren, bauen in ihre Blitze Power LEDs ein und erzeugen damit Dauerlicht und Highspeed-Ausleuchtung - allerdings mit recht geringer Intensität. Dabei verzichten sie auf die unauffällige Rotlicht-Fokussier-Hilfs-LED. Nun wird per Power-LED fokussiert, was für angeblitzte Personen recht unangenehm sein kann. Schnellverschluss-Füße und immer einfachere Bedienung über Vierrichtungswippen mit Drehrad setzen sich weiter durch.

Farbige Displays mit besserer Einstellergonomie hat vor allem Metz vorgestellt. Bei Nissin dreht sich das Farbdisplay bei Hochkantaufnahmen mit der Kamera um 90 Grad. Immer öfter werden Aufsteck-Diffusoren und Farb-Konversionsfilter bereits mitgeliefert.

Die großen Blitze erweitern die Fähigkeiten ihrer Reflektoren und können den Ausleuchtwinkel mittlerweile bis zu Brennweite 200mm verengen. Dadurch erreichen sie auch höhere Leitzahlangaben. Top-Blitze unterscheiden sich durch Spritzwasserschutz, der für Kameras , die ebenfalls dieses Feature besitzen, unverzichtbar ist.

Canon hat mit dem Speedlite 600 EX RT einen Funk-Fernauslöser integriert. Statt optischer Master/Slave-Synchronisierung mittels Vorblitzen auf Sichtverbindung kann nun auf 30 Meter Distanz bei Tageslicht und bei direkter Sichtverbindung geblitzt werden. Allerdings klappt das nur mit Blitzen, die das neue Protokoll auch unterstützen oder der getrennt erhältlichen Aufsteck-Funksteuerung ST-E3-RT.

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