Vergleichstest

Fünf AV-Receiver im Test

Features bis zum Abwinken sind heute kein Privileg der Oberklasse mehr. Selbst für einige 100 Euro gibt es bei AV-Receivern schon Streaming, Steuerung via Apps und jede Menge Kanäle. Da versucht sich die Klasse um 1.500 Euro durch besondere Musikalität abzusetzen. Geht das Konzept auf?

AV-Receiver

© Hersteller/Archiv

AV-Receiver

Wer sich das große Angebot an AV-Receivern detailliert vor Augen führt, wird erstaunt feststellen, dass bereits für weniger als 1.000 Euro der absolute Feature-Overkill zum Programm gehört. Zwar haben im Zuge einer vor wenigen Jahren von Denon eingeleiteten Wende weg vom technisch Machbaren zum praktisch Sinnvollen die großen Hersteller ihre Funktionsexzesse geringfügig eingedämmt und ihre Anschlussfelder bereinigt. Doch letztlich schlug sich das in erster Linie in der Reduktion der analogen Audio- und Video-Anschlüsse nieder.

Dafür nahmen sich die Hersteller neuer Technologien an, die sie umfangreich integrierten. Es begann mit HDMI, anspruchsvollem Video-Scaling und iPod-Konnektivität, dann folgten Internet-Radio, Online-Dienste und Streaming. Außer Sony, der bereits dem Vorgänger des STR-DA 2800ES Video-Streaming beibrachte, bedeutet Streamen bei Denon, Onkyo, Pioneer und Yamaha eine stärkere Positionierung als Hi-Fi-Gerät. Damit werden die multimedialen Alleskönner auch wieder verstärkt für den typischen Stereo-Fan interessant.

Kaufberatung: Die besten Surround-Receiver

Vor diesem Hintergrund wird es besonders reizvoll, in den ausgewogenen, reinen Klang zu investieren. Und genau hier können die Vertreter der Klasse um 1.500 Euro gegenüber der Mittelklasse noch richtig auftrumpfen. Die Frage ist nur, ob der auf das Herunterbeten von Pixelzahlen fixierte Handel das dem Endverbraucher auch näherbringt.

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Denon AVR-X4000
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Mehr als irgendwelche speziellen Buchsen stechen beim AVR-X4000 die Übersichtlichkeit und optimale Kennzeichnung der Anschlussfelder hervor.

AV-Receiver: Bildverbesserung

Was das Pixel-Posing betrifft, schmücken sich AV-Receiver inzwischen mit stattlichen Bildbearbeitungskünsten. Onkyo setzte mit seiner Qdeo-Technologie einen neuen Trend in der Bildverarbeitung seiner Receiver-Flotte. Wer etwas auf sich hielt, der musste fortan Ultra-HD-Auflösung beherrschen. Denon war beim Thema 4K auch ganz vorne mit dabei, Pioneer und Sony zogen erst mit dem neuen Jahrgang nach.

Ultra HD - Die neue Generation des Fernsehens

Das war kein großer Nachteil: Gerade Pioneer konnte vom Know-how profitieren, das der Entwicklung des KURO-Plasma-Flatscreens aus eigenem Hause zugrunde lag. Trotz 1080p-Auflösung bot Pioneer auch schon vor der Umstellung sehr gute Bildqualität. Der KURO war hoch angesehen, die Produktion wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen inzwischen eingestellt. Sogar das berüchtigte Moskitorauschen - jene Störungen, die bei stark komprimierten Videos um Konturen herum auftauchen - oder die ebenfalls berüchtigten Block-Artefakte konnten spezielle Filter in der Praxis wirkungsvoll unterdrücken. Solche Bildverbesserungen bietet auch die neue 4K-Version.

Diese Tugenden haben die Japaner beim Umstellen auf 4K zumindest in der Oberklasse beibehalten. Nachdem auch Sony mit dem STR-DA2800ES auf Ultra HD umgestiegen ist, lässt sich anhand von Pixelzahlen auch nicht mehr zwischen den Anbietern innerhalb einer Klasse differenzieren.

Denon AVR-X4000

© Denon

Die Front ist sehr aufgeräumt und bleibt auch unter der Klappe übersichtlich. Nur die Quellenwahl mit einem schlecht rastenden Drehknopf stört.

Denon AVR-X4000

Pro

  • homogen, kraftvoll und dynamisch mit großartigem Tiefbass

Contra

  • beschränkte Anschlussmöglichkeiten

Vielleicht hilft dieser abgehakte Entwicklungsschritt den Ingenieuren, sich wieder verstärkt um den Klang zu kümmern und mit ihren wenig spektakulären, zur vereinfachten, plakativen Darstellung kaum tauglichen Tuning-Maßnahmen beim Käufer Gehör zu finden. Immerhin hat sich bereits beim Test des Denon AVR-X2000 gezeigt, welchen großen Unterschied bereits vergleichsweise kleine, gezielt an den entscheidenden Stellen vorgenommene Verbesserungsmaßnahmen auf die Klangqualität haben können. Größere Kondensatoren sichern den Endstufen gegenüber der Vorgängergeneration eine spürbar höhere Strom-Lieferfähigkeit, die sich beim kleinen Bruder des X4000 auch prompt in einer souveräneren Tiefbasswiedergabe bemerkbar machte.

Im neuen Modell kommen zudem hochwertigere, geschirmte Flachbandkabel für besseren Fokus sowie verbesserte Wandler-Sektionen zum Einsatz. Die Entwickler vertrauen hier auf den Burr-Brown-D/A-Wandler PCM 1690 mit 24 Bit/192 kHz, höherwertige Kondensatoren und besonders hochwertige Operationsverstärker aus der für Profis gedachten Muses-Serie von JRC. Zudem optimierten sie das Bass-Management für eine bessere Ankopplung des LFE-Kanals in Systemen ohne Subwoofer.

Yamaha RX-A2030 mit Fernbedienung

© Yamaha

Unter Filmfans genießt Yamaha einen ausgezeichneten Ruf. Der RX-A2030 macht da keine Ausnahme. Mit seinen SCENE-Tasten erleichtert er das Handling.

Yamaha RX-A2030

Pro

  • satter, spritziger Klang
  • ausgesprochen viele Anschlussmöglichkeiten neben HDMI

Contra

  • Fernbedienung nicht ganz optimal

Dass Kleinigkeiten den Klang beeinflussen können, wissen auch die Entwickler von Yamaha: Sie haben ihre Aventage-Serie mit verwindungssteifen Chassis mit H-förmigen Verstrebungen und einem mittig angebrachten fünften Gerätefuß ausgestattet. Der neue RX-A2030 schmückt sich zudem mit professionellen Digital-Analog-Wandlern der im Studiobereich geschätzten Firma ESS.

Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern besitzt er einen analogen Mehr-Kanal-Eingang und bei analogen Video- Eingängen, wo die Konkurrenten am meisten abgerüstet haben, trumpft er so richtig auf. Der RX-A2030 besitzt nicht nur ebenso wie der Onkyo die meisten Composite-Anschlüsse, als einziger hält er mit einer Handvoll S-Video-Buchsen auch dem aussterbenden Anschlussprinzip die Treue. Auch in puncto S/PDIF-Digitaleingänge macht dem Yamaha keiner etwas vor. Er hat die meisten optischen und koaxialen Digital-Eingänge plus einen Digital-Ausgang.

Praxis: So optimieren Sie den AV-Receiver

Mit diesen Maßnahmen eignet sich der Yamaha insbesondere für Käufer, die klassischen Audioquellen wie CD-Playern oder analogen Videoquellen die Treue halten. Doch er hat auch einige Highlights für die Generation iPod in petto: Sein MHL-Interface (Mobile High Definition Link) unterstützt Videos bis zu einer Auflösung von 1080p und digitales Mehrkanal-Audio von Android-Handys und anderen Mobilgeräten. Diesbezüglich können im Moment nur der Pioneer und der Onkyo mithalten.

Onkyo TX-NR 929

© Onkyo

Mit seinen Direktwahltasten lässt sich der TX-NR929 auch am Gerät gut bedienen. Unter der Klappe sitzt eine Pairing- Taste für Bluetooth.

Onkyo TX-NR 929

Pro

  • spritziger, detailreicher Klang
  • WLAN und Bluetooth integriert

Contra

  • kein AirPlay

Was drahtloses Audio-Streaming von Apple-Devices wie dem iPhone angeht, muss der Onkyo dagegen passen. Wer auf AirPlay Wert legt, ist auf die nicht gerade preisgünstige Docking-Station DS-A5 angewiesen. Dabei besitzt der Onkyo die besten Anlagen für dieses nützliche Feature. Er verfügt als einziger über integrierte Bluetooth- und WLAN-Funktechnologie. An den rückseitigen Antennenstäben erkennt man die Weitsicht der Entwickler: Sie haben nicht einfach die Antennen im Gehäuse untergebracht, wo sie in die klangrelevanten Bereiche eingreifen könnten.

Pioneer setzt dagegen auf eine externe Lösung: Der WLAN-Adapter, den sich die Japaner in der Mittelklasse zusätzlich bezahlen lassen, liegt gratis bei. Für Bluetooth ist ein gesondert erhältliches Modul erforderlich.

Sony STR-DA2800ES

© Sony

Sony bietet ein sehr schlüssiges Gesamtkonzept mit Ethernet-Hub und Zugriff auf Video on Demand - und das für vergleichsweise wenig Geld.

Sony STR-DA2800ES

Pro

  • Ethernet-Hub
  • günstiger Preis
  • Video on Demand
  • homogener Klang

Contra

  • könnte etwas knackiger spielen

Sony favorisiert Networking via Draht. Wer LAN dem WLAN vorzieht, der erhält mit dem STR-DA2800ES gleich noch ein integriertes Ethernet-Hub mit Vierfach-Switch zum Anschluss weiterer Geräte. In Verbindung mit dem günstigen Preis schnürt Sony somit ein interessantes Paket, zumal der STR-DA2800 ES gleich noch den bequemen Zugriff auf das Sony Entertainment Network (SEN) und die Digital Concert Hall der Berliner Philharmonie erlaubt. Damit bringt der smarte Preisbrecher statt der allgemein üblichen Online-Musikdienste auch noch Filme ins Wohnzimmer.

Auch klanglich überzeugte der äußerst homogen abgestimmte Sony. Er verkniff sich jede Härte und lieferte eine stimmige Vorstellung, der es jedoch an besonderem Kick oder Fokus fehlte. Wer Wert auf hohe Musikalität, stressfreies Hören und tolle Sprachverständlichkeit bei Filmen legt, der ist mit diesem Preisbrecher bestens bedient.

Praxis: Alles über moderne AV-Receiver

Mehr Ecken und Kanten, aber auch deutlichere Dynamiksprünge bot der Onkyo. Er klang extrem sauber, dynamisch und frisch in den Höhen - sofern man ihm die Musik nicht via Bluetooth servierte. Der Abstand zwischen Silberscheiben und Handy trat deutlich hervor. Der Bass wirkte voll, auch wenn der letzte Durchzug in den untersten Oktaven fehlte. Grundsätzlich passt diese Abstimmung des mit THX Select 2 Plus zertifizierten Receivers am besten zu Filmen mit üppigen Spezialeffekten. Zur CD-Wiedergabe in Stereo hätte ein Tick mehr Wärme gutgetan.

Pioneer SC-LX57

© Pioneer

Pioneer setzt wieder auf Digitalendstufen. Weil die in den Höhen recht stark auf die Boxenimpedanz reagieren, lohnt sich die Einmessung hier besonders.

Pioneer SC-LX57

Pro

  • voller, stimmiger Klang für Kino und Musik
  • WLAN-Adapter

Contra

  • Bedienung kann nur via App restlos überzeugen

Zwar gab sich der Pioneer in den mittleren Tonlagen auch eher schlank, doch wirkte er mit seinem fein zerstäubten Hochtonbereich eine Spur angenehmer und flüssiger. Musik machte immer Spaß, doch so richtig in seinem Element schien der Japaner bei Filmen zu sein. Er bot unterm Strich das, was man als großes Kino bezeichnen könnte, und umhüllte die Zuhörer mit einer atmosphärisch dichten Klangwolke. Einzig für Musik hätte man sich etwas mehr Körper und Ausdruck gewünscht - speziell bei Stimmen.

Der Yamaha gab sich in den Grundzügen sehr ähnlich, wobei er allerdings besonders elegant und schmissig wirkte. Wie immer bestach die Heimkino-Aufführung in Surround durch besonders feine Details, einen riesigen Raum und ultrapräzise Ortbarkeit von Phantomschallquellen. Doch auch mit Musik-CDs in Stereo groovte der RX-A2030 richtig gut, wirkte spritzig, satt im Bass und flirrig in den obersten Tonlagen.

Ein Receiver setzte noch ein kleines Sahnehäubchen obendrauf: Der Denon zeigte viel Emotionalität und Körperhaftigkeit und lieferte eine peppige Vorstellung. Er begeisterte durch knackige, extrem tiefreichende Bässe und eine exzellente Abbildung in Stereo und Surround. Er wirkte zudem sehr neutral und ausgewogen mit feinster Hochton-Auflösung.

Fazit

Wenn man mal davon absieht, welcher Receiver ein paar Klangpunkte mehr oder weniger hat, werden in dieser Preisklasse durchweg erstklassige Performance sowie tolle Funktionalität on top geboten.

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