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Audio-Streaming-Dienste im Vergleich

Millionen von Musiktiteln auf einem Gerät - oder auf vielen, die alle mit dem Internet verbunden sind: Streaming-Dienste wie Deezer, Napster oder simfy machen eine riesige Song-Auswahl bequem verfügbar. Bleiben da überhaupt noch Wünsche offen?

Audio-Streamingdienste

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Audio-Streamingdienste

Streamingdienste im Test

Eine durchschnittliche Musiksammlung in iTunes enthält etwa 3.000 Songs. Das haben Programmierer der iTunes-Erweiterung TuneUp herausgefunden, mit der sich die Medienbibliothek am Computer verwalten und optimieren lässt. 3.000 klingt nach viel, ist es aber gar nicht - wenn zum Beispiel Freunde mit einem völlig anderen Musikgeschmack zu Besuch kommen oder wenn der Hardrock-Fan zum Candlelight-Dinner mal ausnahmsweise Bar-Jazz hören möchte.

Musik-Streaming-Dienste können mit ganz anderen Zahlen aufwarten: Zwischen 10 und 16 Millionen Tracks sollen bei JUKE, Napster, simfy & Co. auf Abruf bereitstehen - für eine Monatsgebühr, die teilweise den Preis einer CD unterbietet. Niemand muss sich mehr für ein bestimmtes Album entscheiden. Man kann sie alle haben, allerdings nur auf Zeit: Endet das Abo, sind auch die Songs weg.

Audio-Programme mieten statt kaufen

In Deutschland setzt sich der Gedanke nur langsam durch. Kaum eine andere Nation hält an der guten alten CD so fest wie die Heimat von Media-Markt und Saturn: Im vergangenen Jahr spielte die Silberscheibe noch immer drei Viertel des Umsatzes mit Musikaufnahmen ein. "Daran wird sich entgegen anderslautender Gerüchte auch in absehbarer Zeit nichts ändern", kommentiert Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, die jüngsten Zahlen seines Verbandes. Digitale Vertriebswege brachten es 2011 auf gerade mal 17 Prozent, wobei Download-Dienste wie iTunes oder Amazon MP3 den Löwenanteil stellten. Offenbar wollen die Deutschen für ihr Geld ein physisches Produkt erwerben, auch wenn es nur eine Audio-Datei ist, die sie auf der Festplatte ihres Computers speichern können.

Anderswo hat sich das Kauf- und Nutzungsverhalten schon stärker verändert: In Schweden, dem Heimatland des Streaming-Dienstes Spotify, wurden in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres 84 Prozent der digitalen Musik-Erlöse mit Abo-Diensten erwirtschaftet (Quelle: IFPI, Digital Music Report 2012). Laut IFPI, dem internationalen Dachverband der Musikindustrie, stieg die Zahl der zahlenden Abonnenten weltweit um 65 Prozent auf 13,4 Millionen.

Zwei Namen fehlen in der Liste: rara, weil er sich außer am Computer nur mit Android-Handys nutzen lässt. Und Musicload Nonstop: Für den Streaming-Ableger der Telekom gibt es keine Smartphone-Apps, er funktioniert ausschließlich mit Windows-PCs.

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CEOL von Denon
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Die Komplettanlage CEOL von Denon holt Musik von Napster ins Wohnzimmer - ohne Umweg über ein Smartphone oder den PC. Preis: um 800 Euro.

Erst registrieren, dann hören

Um Abo-Musik aus dem Internet zu streamen, lässt sich der Hörer bei einem der Dienste registrieren. Anschließend kann er das Angebot eine Zeit lang gratis ausprobieren. Die kostenlose Testphase kann eine Woche dauern (bei Napster und Rdio), 14 oder 15 Tage (bei JUKE und Deezer) oder einen ganzen Monat (bei simfy und Music Unlimited). Außer bei Deezer und Rdio muss während der Anmeldung auch gleich eine Kreditkarte oder ein anderes Zahlungsmittel angegeben werden, weil sich das Konto nach der Testperiode automatisch in ein kostenpflichtiges Abonnement umwandelt.

Wer nur mal reinschnuppern will, sollte die Kündigungsfristen beachten. Die meisten Verträge sind monatlich kündbar, es gibt aber auch Sparpakete (etwa bei JUKE, Napster und simfy), die mehrere Monate im Voraus bezahlt werden und entsprechend länger laufen.

Der Preis hängt außerdem vom gewählten Paket ab. Fast alle Dienste bieten einen Basistarif, der zwischen 3,99 und 7,95 Euro im Monat kostet. Damit lässt sich oft aber nur am Computer Musik hören. Die Nutzung auf mobilen Geräten wie dem Smartphone verlangt ein teureres Premium-Abonnement (9,99 Euro bis 12,95 Euro pro Monat). Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel: JUKE bietet kein Basispaket an; und Sony beschränkt darin nicht die Geräteauswahl, sondern das Programmangebot - es lassen sich in Music Unlimited Basis keine Songs gezielt anwählen, sondern nur fertig gemixte Webradio-Kanäle hören.

Das Smartphone als Jukebox

Dauerhaft Spaß macht das Audio-Streaming natürlich nur, wenn man zum Musikhören nicht am Computer sitzen muss. Zwar lässt sich heutzutage jeder PC oder Mac über seinen Tonausgang mit einer Stereoanlage verbinden, aber die Musikauswahl findet dann trotzdem am Computer statt - kein besonders gemütlicher Ort, um in Millionen von Songs zu stöbern.

Deshalb bieten fast alle Abo-Dienste zusätzlich das Streaming auf mobilen Geräten an. Apps, die auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden, empfangen das Audiosignal und geben es wieder. Der Musik-Abonnent kann damit durch Plattencover blättern und nach Titeln, Künstlern oder Genres suchen, so als wäre eine riesige Bibliothek mit vielen Terabyte an Daten auf seinem Smartphone gespeichert. Tatsächlich beansprucht das Song-Archiv nur wenig Platz - weil die App gerade so viele Audiodaten aus dem Internet holt, wie zur Wiedergabe nötig sind.

Der Nachteil der Prozedur: Beim Streaming werden ständig Daten aus dem Internet geladen. Für Besitzer eines Mobilfunkvertrags mit geringem Datenvolumen kann das zum Problem werden: Eine Stunde MP3-Musik in durchschnittlicher Qualität beansprucht etwa 60 bis 80 MByte. Ein Datentarif mit 200 MByte ist da schnell erschöpft. Zu Hause stellt sich das Problem nicht, solange ein drahtloses Heimnetzwerk (WLAN) die Internet-Verbindung herstellt. Unterwegs, wenn per UMTS (3G) gesurft wird, schon. Daher gibt es den sogenannten Offline-Betrieb.

Musik hören ohne Internet-Zugang

Alle Apps, mit Ausnahme der aktuellen Android-Software für Music Unlimited, speichern zusätzlich Songs auf dem Smartphone oder Tablet. Das Gerät kann sie somit abspielen, ohne Daten nachladen zu müssen. Die Musikwiedergabe funktioniert selbst dann, wenn keine Internet-Verbindung besteht (etwa im Flugzeug) oder wegen hoher Roaming-Gebühren zu teuer wäre (zum Beispiel auf Urlaubsreisen im Ausland).

Welche Titel offline zur Verfügung stehen, entscheidet der Musikfan je nach Dienst über seine Favoritenlisten oder quasi nebenbei durch einmaliges Abspielen von Songs. Die Musikstücke bleiben so lange auf dem Smartphone gespeichert, bis man sie löscht. Oder bis das Abo endet: Dann verschwinden sie in der Regel nach spätestens 30 Tagen von selbst.

Apropos Smartphone: Wer ein Android-Modell besitzt, kann alle sechs Dienste nutzen. Immerhin fünf bieten Apps für iPhone oder iPad - Sony hat auf der CES in Las Vegas angekündigt, das fehlende Programm für iOS-Geräte baldmöglichst nachzuliefern. BlackBerrys werden derzeit von drei Anbietern, Modelle mit Windows Phone 7 nur von Deezer und Rdio unterstützt. Ein Blick auf die Webseite des Dienstes lohnt sich, weil sich die Software-Auswahl täglich ändern kann.

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Deezer
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www.deezer.comGute Klangqualität, soziales Netzwerk und viele Smartphone-Apps: das Abo für die Generation Facebook

Vom iPhone-Dock auf die Stereoanlage

Das Mobiltelefon dient aber nicht nur als musikalischer Begleiter auf Reisen, beim Sport oder im Freibad. Als digitales Transportvehikel versorgt es auch die Stereoanlage daheim mit dem Abo-Programm. Per Kopfhörer-Ausgang oder über ein passendes USB-Kabel lässt sich jedes Smartphone an stationäre HiFi-Geräte anschließen. Prädestiniert dafür sind Apple-Produkte mit ihrer großen Auswahl an Docking-Lösungen.

Ein ausrangierter iPod touch und ein Lautsprecher-Dock von Bowers & Wilkins, JBL, Philips oder einem anderen Hersteller - fertig ist die Streaming-Anlage fürs Badezimmer. Viele AV-Receiver erlauben den direkten Anschluss eines Apple-Geräts per USB und können damit ebenfalls das Tonsignal der Streaming-Apps wiedergeben. Noch komfortabler wird die Wohnraum-Beschallung per iPhone oder iPad mit AirPlay: Die Apps von immerhin drei Abo-Diensten (Deezer, Napster und Rdio) unterstützen Apples neue Streaming-Technologie. Das heißt: Sie können per WLAN Songs oder Wiedergabelisten direkt an AirPlay-Geräte im Heimnetzwerk weiterleiten.

Ohne ein einziges Kabel anrühren zu müssen, schickt der Abokunde das Programm auf Funklautsprecher, HiFi-Systeme oder AV-Receiver mit AirPlay-Funktion. Dient die kleine Set-Top-Box Apple TV am Fernseher als Empfänger, erscheinen auf dem Flatscreen so gar Plattencover, Künstler und Titelnamen - sofern die sendende App solche Metadaten weitergibt. Im Augenblick ist das nur bei Deezer und Rdio der Fall, Napster streamt via AirPlay zwar das Musiksignal, behält die Titelinformationen aber für sich.

Streaming ohne Smartphone und PC

Nun sind Touchscreen-Telefone a la iPhone oder Samsung Galaxy nicht jedermanns Sache. So mancher Musikfan möchte sein gutes altes Tasten-Handy behalten, auf die Songvielfalt im Wohnzimmer aber trotzdem nicht verzichten. Für diesen Typ traditioneller HiFi-Hörer empfehlen sich vernetzte Audiogeräte, die selbst Verbindung zu einem Streaming-Dienst aufbauen und von dort Musik empfangen können. Meist handelt es sich dabei um Napster. Der dienstälteste Abo-Anbieter streamt sein Programm auf viele unterschiedliche Gerätetypen - vom Netzwerk-Player bis hin zum Flachbild-Fernseher.

Dazu muss der jeweilige Empfänger mit dem Internet verbunden sein, einen Offline-Modus wie in den Apps für Mobilgeräte gibt es nicht. Der Abonnent gibt seinen Benutzernamen und das Passwort direkt ins Wiedergabegerät ein. Danach stehen alle Favoritenlisten und der komplette Musikkatalog auf Abruf zur Verfügung. Bedient wird die persönliche Hitparade mit der Infrarot-Fernbedienung oder - komfortabler - über kostenlose Steuer-Apps für iPod touch und Android-Geräte, die viele Unterhaltungselektronik-Hersteller inzwischen ebenfalls anbieten. So kommt durch die Hintertür der Touchscreen wieder ins Spiel.

Bei Multi-Room-Systemen ist er ohnehin unverzichtbar. Nur auf einem interaktiven, berührungsempfindlichen Bildschirm lässt sich die Flut von Millionen Songs, die in unterschiedliche Räume der Wohnung gestreamt werden können, noch übersichtlich kanalisieren. Anbieter wie Sonos oder Raumfeld statten ihre drahtlosen Multi-Room-Anlagen mit solchen Fernbedienungen aus. Dieselbe Steuerung, die sonst das heimische Musikarchiv am PC oder auf einem Netzwerk-Speicher durchsucht, durchforstet bei ihnen auch den Online-Katalog. So lässt sich blitzschnell zwischen Titeln von der eigenen Festplatte und dem Repertoire im Internet umschalten. Die mit Abstand größte Auswahl bietet derzeit Sonos. Der Streaming-Pionier zapft mit seinen Funklautsprechern gleich vier Abo-Dienste an: Deezer, JUKE, Napster und Rdio.

Musik völlig neu erleben

Eine Sonderrolle nimmt Music Unlimited von Sony ein. Der Service des japanischen Elektronikkonzerns ist außerhalb von PC und Smartphone nur auf Sony-Geräten zu empfangen. Er gehört zum hauseigenen Entertainment Network, in dem kürzlich der Online-Store für PlayStation-Spiele und ein Abrufdienst für Filme zusammengefasst wurden. Das wäre keiner weiteren Erwähnung wert, wenn auf der Liste möglicher Abspielgeräte nicht auch die PlayStation 3 stehen würde.

Mit ihrer immensen Rechenleistung vermittelt die Spielkonsole einen Eindruck davon, wie digitale Musik vielleicht in Zukunft konsumiert wird. Der Ton ist dabei nur die halbe Miete. Zum akustischen Ereignis kommen bei der PS3 Computer-Animationen am TV-Schirm: Plattencover scheinen dreidimensional über einer bewegten Wasseroberfläche zu schweben. Beim Blättern durch den Katalog ziehen die Bilder anmutige Wellen hinter sich her, wechselnde Hintergrundbilder stimmen den Hörer auf das gewählte Genre ein. So viel Emotion durften Musikhörer nicht mehr erleben, seit das händische Blättern in der LP-Sammlung durch Titel-Tags und Suchbegriffe ersetzt wurde. Der Coverflow-Effekt von Apple wirkt dagegen nackt wie eine Excel-Tabelle.

Die Rückkehr des Rechtemanagements

Doch es ist nicht alles Gold, was streamt. Ein überwunden geglaubtes Ärgernis digitaler Musik bringen die Abo-Dienste zurück: das Digitale Rechtemanagement (DRM). Wie früher in den Download-Shops von iTunes und Musicload soll es unbefugte Nutzung verhindern. Dabei schränken die Abo-Dienste ihre Leistungen stark ein. Nur simfy erlaubt die parallele Wiedergabe auf bis zu drei Smartphones oder Computern im Offline-Betrieb. Die anderen Anbieter schreiben in ihren Geschäftsbedingungen, dass ein Abo immer nur von einem Gerät genutzt werden darf, auch wenn mehrere Player für dasselbe Konto registriert sind.

Nach den Erfahrungen von CONNECTED HOME setzen Deezer, Music Unlimited und Rdio dieses Recht konsequent durch: Die Wiedergabe, etwa zu Hause am PC, stoppt sofort, wenn unterwegs ein Smartphone mit denselben Zugangsdaten zu streamen beginnt. Auch die PlayStation 3 lässt sich durch den Play-Befehl an einem anderen Gerät zum Aufgeben bewegen. JUKE und Napster legen die Regeln offenbar weniger streng aus, halten sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen aber das Hintertürchen offen. Mit anderen Worten: Wenn es hart auf hart kommt, braucht in Haushalten mit mehreren Streaming-Teilnehmern jedes Familienmitglied sein eigenes Musik-Abo.

Solche Einschränkungen gibt es mit Download-Dateien nicht. Sie lassen sich auf allen Geräten wiedergeben, die das jeweilige Format abspielen können. Hinzu kommt nicht selten eine bessere Klangqualität. iTunes etwa liefert AAC-Musik mit einer Datenrate von 256 Kilobit pro Sekunde. Daran reichen nach Anbieter-Informationen nur Deezer und simfy heran - mit 192 bis 320 KBit/s. Napster streamt auf stationäre Geräte mit 128 Kilobit, die App bekommt nur 64 KBit/s. Genau weiß es der Nutzer nie, weil die Menge der übertragenen Daten von Track zu Track sowie abhängig von der Qualität der Internet-Verbindung schwanken kann.

In Millionen Songs stöbern

Audiophile Hörer, die eine hochwertige HiFi-Anlage besitzen, werden daher weiter Downloads kaufen. Auch wer einen Musikgeschmack abseits des Mainstreams pflegt, wird eher bei iTunes fündig.

Für das Gros der Musikfans eröffnen Abo-Dienste aber neue Möglichkeiten: Sie können in Millionen Songs stöbern, ohne Tausende von Euro auszugeben. Die durchschnittliche iTunes-Bibliothek mit 3.000 Titeln lässt sich bei Preisen zwischen 99 Cent und 1,29 Euro pro Song schließlich leicht in harte Währung umrechnen. Der Gesamtbetrag reicht für 25 Jahre Premium-Abonnement bei einem Audio-Streaming-Dienst.

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