Vergleichstest

2 HDTV-Kabel-Receiver mit HDD im Vergleich

Mit diesen beiden HDTV-Kabel-Receivern können Sie im TV-Alltag nur gewinnen. Beide nehmen das TV-Programm auf und bringen Online-Dienste auf den TV - doch welcher sammelt im Test mehr Trümpfe?

TechniSat DigiCorder ISIO C

© TechniSat

Der neue TechniSat DigiCorder ISIO C mit integrierter 500 GB Festplatte

Egal, ob via Satellit oder Kabel - in der TV-Landschaft werden die Karten neu gemischt: Langsam aber sicher sind immer mehr HDTV-Kanäle zu sehen. Und Sender sowie Gerätehersteller schicken Online-Inhalte parallel zum Fernsehsignal mit durchs Kabel oder über die Internet-Datenleitung.

Private HD-Sender, der hybride Videotext-Nachfolger HbbTV und Online-Portale mit TV-Apps und TV-freundlichen Webseiten sind für engagierte Satelliten-Nutzer keine Besonderheit mehr.

In den großen Kabelnetzen verbreiten sich diese Innovationen allerdings etwas langsamer. Vor allem Online-Inhalte parallel zum Sendesignal konnte dort bislang kaum jemand nutzen - mangels Geräten, die diese HbbTV-Informationen unterstützen.

Der Humax iCord Cable und der TechniSat DigiCorder ISIO C zählen zu den ersten Internet-fähigen Kabel-Receivern. Doch sie haben noch weitere Talente unter der Haube.

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Humax iCord Cable, sat-receiver,
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Der Humax iCord Cable kostet 400 Euro.

HDTV-Rekorder-Talente

Der DigiCorder ISIO C von TechniSat kostet in der Version mit 500-Gigabyte-Festplatte knapp 700 Euro (Listenpreis) und zählt damit zu den Premium-Geräten in Sachen TV-Empfang. Für 50 Euro Aufpreis ist er auch in einer Version mit einem Terabyte Aufnahmekapazität zu haben.

Mit zwei Kabel-Tunern empfängt er digitale DVB-C-Programme und schneidet sie auf Knopfdruck oder per EPG-Programmierung auf Festplatte mit. Ob Pause-Funktion, Aufnahmen ansehen, während der Rekorder eine Sendung aufzeichnet, Bild-im-Bild oder alles, was man sonst von einem edlen Digital-Rekorder verlangt - der TechniSat kann's.

Er ist voll auf Recording eingestellt, selbst die Nachbearbeitung erledigt er mit einigen Fernbedienungsbefehlen. Man kann so störende Werbeblöcke aus Filmaufnahmen schneiden oder überflüssigen Vor- und Nachlauf löschen.

Pro

  • komfortable Bedienung
  • guter EPG
  • zuverlässige Aufnahme

Contra

  • keine Schnittfunktionen
  • langsame Kanalwechsel
  • keine USB-Aufnahme

Auch der Humax iCord Cable ist ein Vollblut-Kabelrekorder. Mit 500 Gigabyte Festplattenspeicher kostet er nur knapp 400 Euro, er beherrscht aber ähnliche Funktionen wie der TechniSat: aufnehmen, abspielen, TV-Sendungen pausieren - und all das mit zwei Sendungen parallel.

Im Detail unterscheiden sich die beiden aber doch - zugunsten des teuren TechniSat: Der Humax bietet etwa keine Schnittfunktionen. Werbeblöcke lassen sich nicht löschen - man kann sie nur überspulen, sofern der Sender das erlaubt. Und man kann das laufende TV-Programm mit ihm zwar pausieren, um etwa einen Telefonanruf entgegenzunehmen, und später zeitversetzt weiterschauen. Schaltet man aber während der Pause auf ein anderes Programm um, dann geht der Timeshift-Speicher verloren.

Wer spontan etwas aufnehmen und dann den Sender wechseln möchte, der muss die Record-Taste verwenden. So ist es auch nicht möglich, eine Aufnahme aus der Pause-Funktion heraus dauerhaft zu speichern. All das sind keine alltäglichen Funktionen für jedermann. Wer viel aufnimmt und Wert auf Flexibilität beim Fernsehen legt, der weiß sie aber zu schätzen.

Komfortable Einrichtung

In ihren TV-Grundfunktionen sind die beiden Receiver insgesamt gut ausgestattet. Der Erstkontakt gestaltet sich unproblematisch: Ein Installationsassistent führt den Kunden bei beiden Geräten durch die Inbetriebnahme. Am Ende sind alle Sender gefunden, die Netzwerk-Verbindung per LAN-Kabel - beim Humax auch über einen optionalen WLAN-USB-Stick - steht, und die Daten für den elektronischen Programm-Guide (EPG) werden geladen.

Pro

  • viele Aufnahmeoptionen
  • viele Multimedia-Formate
  • Front-Display mit Menüsteuerung
  • Hilfe-Menü

Contra

  • etwas schlichtes Online-Menü

Dafür ist bei keinem der beiden Receiver viel Kopfarbeit notwendig. Der TechniSat DigiCorder bastelt mit seiner ISIPRO-Sendersortierung ab Werk in jedem Kabelnetz eine sinnvolle Kanal-Sortierung für die Haupt-Programmliste.

Der Humax sortiert auch, allerdings zeigte er beim Testdurchlauf im Netz von Kabel Baden-Württemberg auf den Plätzen 1 bis 100 der Senderliste hartnäckig stets wieder die Kanalbelegung von Kabel Deutschland und verbannte die TV-Kanäle des Kabel-BW-Netzes unsortiert auf die hinteren Positionen.

Die Folge: Das Erste HD landete auf Platz eins, ZDF HD auf Platz zwei und die weiteren Einträge bis zum Kanalplatz 100 waren ohne Signal, so dass die Liste manuell sortiert werden musste. Wer den Receiver in einem Kabel-Deutschland-Netz betreibt, hat das Problem nicht.

Gut sortiert

Ab dem ersten Start sammeln beide Receiver Daten für ihre elektronischen Programm-Guides. Der Humax setzt auf den Programm-Service tvtv, der TechniSat auf den eigenen SiehFern-EPG. Beide sind gut sortiert und übersichtlich. Sehr praktisch: Im TechniSat lassen sich wahlweise Übersichten mit mehreren Sendern oder alle Sendungen eines Kanals anzeigen.

Beide Geräte können Programm-Infos nach Genres oder Favoritensendern auswählen und nach Stichworten suchen. Der TechniSat sucht auch nach Sendungen mit übereinstimmendem Titel wie etwa Tatort und speichert diese Suche auch für spätere Anfragen.

Per Knopfdruck übernehmen beide Geräte Sendungen aus dem EPG in den Aufnahme-Timer - wahlweise einmalig oder als Serien-Mitschnitte. Auch hier bieten beide Komfort - man kann tägliche und wöchentliche Aufnahmen festlegen oder Sendungen nur an Wochenagen oder am Wochenende mitschneiden, mit dem Techni-Sat sogar an einzeln wählbaren Wochentagen.

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Der Humax iCord Cable kostet 400 Euro.

Online-Extras

Beide Festplatten-Receiver verstehen sich auf die Darstellung von Online-Diensten auf dem TV-Schirm. Humax und TechniSat haben dafür jeweils ein TV-Online-Portal eingerichtet.

Beim Humax besteht das aus zwölf Kacheln mit Links zu Diensten wie Maxdome, den Mediatheken von ARD, ZDF und ARTE, YouTube oder Flickr sowie zu einer Service-Seite von Humax. Das sieht übersichtlich aus, ist aber für ein zeitgemäßes Smart-TV-Portal schon fast zu dürftig bestückt.

Der TechniSat listet seine Online-Dienste in zwei Menüebenen auf. Eine Seite zeigt Nachrichten und einen Link zur TechniSat-Serviceseite. Das zweite Online-Menü listet derzeit über 25 weitere Online-Angebote für den TV-Schirm auf - darunter neben Maxdome etwa eine zweite Online-Videothek namens Cloud7 und Angebote wie AUPEO! oder Putpat.

Diese Liste lässt sich erweitern: Drückt man ein weiteres Mal auf die Internet-Taste der Fernbedienung, dann lassen sich beliebige Webseiten wie das HbbTV-Verzeichnis HBBig.com aufrufen. Bei Bedarf kann man auch solche selbst angesurften Seiten als Favoriten in die vorige Online-Liste eintragen. So lässt sich das TV-Online-Portal einfach nach den eigenen Wünschen zusammenstellen. Das sieht allerdings längst nicht so schick aus wie das des Humax.

Kabelnetz-Spezialitäten

Beide Geräte sind reine Kabel-Receiver: Sie empfangen in allen Netzen ab Werk frei empfangbare SD- und HD-Kanäle. Der Humax iCord Cable bringt einen Karteneinschub für die Nagravision-Smartcards von Kabel Deutschland und Kabel BW mit.

Smartcard

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Die Smartcard entschlüsselt geschützte Kanäle. In allen Kabelnetzen werden beispielsweise private HDTV-Sender verschlüsselt ausgestrahlt.

Der TechniSat hat dagegen einen Conax-Kartenleser, mit dem sich etwa die verschlüsselten Angebote von KabelKiosk per Smartcard freischalten lassen. KabelKiosk versorgt viele kleine Kabelnetze mit verschlüsselten privaten HDTV-Sendern und weiteren Pay-TV-Paketen.

Für den Empfang verschlüsselter Sender in anderen Netzen hat der TechniSat zwei, der Humax einen CI-Plus-Einschub für die Kartenleser des jeweiligen Anbieters. Allerdings bereiten die CI-Plus-Module in den Rekordern nicht nur Freude.

Der TV-Alltag

Ansonsten gab es keine Geheimnisse. Beide Geräte boten im Test trotz ihrer umfangreichen Funktionen eine unkomplizierte Bedienung. Beim TechniSat fiel die Hilfefunktion positiv auf, die über die blaue Farbtaste in allen Menüs Handbuch-Texte auf den Bildschirm bannt. Auch als Multimedia-Player glänzte der TechniSat. Egal, ob DivX-AVI-, MKV-, Quicktime-MOV- oder iPad-typische M4V-Videos - der DigiCorder ISIO spielte fast alles ab.

CI-Plus-Modul

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Mit einem CI-Plus-Modul des Kabelanbieters kann man die geschützten Kanäle auf Geräten mit CI-Plus-Einschub anschauen - aber nicht uneingeschränkt aufnehmen.

Der iCord war da etwas wählerischer. Immerhin gab er DivX-AVIs sowie MPEG-2- und -4-Filme wieder.

Im Bildtest gab sich kein Receiver eine Blöße. Der Humax rechnete HD- und SD-Sendungen zwar nur bis ins Interlaced-Format 1080i hoch, doch auch damit bot er eine einwandfreie Vorstellung. Der TechniSat lieferte vor allem bei hochgerechneten SD-Sendungen bisweilen etwas mehr Bildruhe, die Unterschiede lassen sich aber - aus normaler Entfernung betrachtet - vernachlässigen.

Auch der Ton stimmte: Per Digitalausgang oder HDMI klangen beide Geräte prima. Anders sollte man sie ohnehin nicht nutzen.

Smartcard & Co: Wo passt der Schlüssel?

Mit dem Kabelempfang im Digitalzeitalter ist das so eine Sache. In jedem Netz gelten andere Regeln und Verschlüsselungssysteme, um die schöne neue Welt des HDTV und des Privatfernsehens empfangen zu können. Deshalb bieten die großen Kabelnetzbetreiber stets eigene Geräte an. Wer aber selbst einen Rekorder wie die Geräte im Test aussuchen möchte, der muss einige Punkte beachten.

Unterschiedliche Sprachen

Im Netz von Kabel Deutschland sowie bei Kabel BW und Unitymedia werden Teile des Free-TV-Angebotes verschlüsselt übertragen. Das heißt: Wer etwa die privaten HDTV-Sender - wenn sie eingespeist werden - sehen möchte, der braucht zwingend eine Smartcard des Anbieters, auf der die betreffenden Kanäle freigeschaltet sind.

Dazu ist auch der passende Smartcard-Leser im Gerät notwendig. Entweder ist der Empfänger fit für das Entschlüsselungssystem des Kabelnetzes, oder man muss es über einen Kartenleser mit CI- oder CI-Plus-Schnittstelle nachrüsten.

Kabel Deutschland und Kabel BW etwa setzen parallel die Verschlüsselungssysteme NDS Videoguard und Nagravision ein. Letzeres kommt auch im Netz von Unitymedia zum Einsatz. Dennoch funktionieren Geräte des einen Anbieters nicht zwangsläufig beim anderen. Der Grund: Es gibt allein mehrere Versionen von Nagravision, die sich nicht untereinander verstehen.

Die Sache mit dem CI-Plus-Modul

Damit Empfangsgeräte in allen Netzen nutzbar sind, wurde CI-Plus entwickelt. Allerdings sperren die aktuellen CI-Plus-Module in Rekordern die Aufnahme vieler verschlüsselter Sender. Allenfalls Timeshifting mit einer Wiedergabe innerhalb von 90 Minuten ist erlaubt.

AlphaCrypt-Modul

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Das AlphaCrypt-Modul bietet eine Lösung für alle Smartcards mit Nagravision-Verschlüsselung. Es muss aber die passende Firmware-Version enthalten.

Das gilt für verschlüsselte Sender der Kabelbetreiber ebenso wie für den Pay-TV-Sender Sky. Geräte wie der TechniSat- oder der Humax-Receiver in diesem Test werden so zu "lahmen Enten".

Die Lösung: Man nimmt statt des offiziellen CI-Plus-Moduls vom Kabelanbieter einen freien CI-Kartenleser wie etwa das AlphaCrypt-Modul von Mascom. Mit einer bestimmten, älteren Firmware entschlüsselt es die Nagravision-Versionen aller deutschen Kabelnetze.

Wer eine neuere NDS-Smartcard von Kabel BW oder Kabel Deutschland besitzt, der braucht ein Modul, das auch NDS versteht. Diese Praxis entspricht nicht den Geschäftsbedingungen der Kabelnetzbetreiber und ist den Privatsendern ein Dorn im Auge. Händler bieten solche inoffiziellen Lösungen aber dennoch an - besonders gerne natürlich zusammen mit hochwertigen Aufnahmegeräten.

Fazit

Wem es auf ein paar Euro nicht ankommt, der sollte sich den TechniSat DigiCorder ISIO C näher anschauen: Er ist der Inbegriff eines ausgereiften, flexiblen HDTV-Archivars. Um ihn in den großen Kabelnetzen voll auszunutzen, sind aber inoffizielle Maßnahmen a la AlphaCrypt-Entschlüsselungsmodul ratsam.

Der Humax ist ideal für Zuschauer im Kabel-Deutschland-Netz. Dort bietet er eine einfache Aufnahme aller Sender, einmal abgesehen von gesperrten Vorspulfunktionen bei der Aufnahme privater HDTV-Kanäle.

Tabelle mit Testergebnissen

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