Digitale Fotografie - Test & Praxis
Micro-Four-Thirds-System

YI M1 im Test: MFT-Kamera aus China

YI bietet nun auch eine Kamera für das Micro-Four-Thirds-System. Die YI M1 hat den gleichen 20-Megapixel-Sensor wie Olympus Pen-F und Panasonic GX8. Der Test.

YI M1

© YI / Christian Rottenegger / Image Engineering

Die 291 g leichte YI M1 sieht in ihrem zierlichen Kunststoffgehäuse ohne Sucher wie eine Kompaktkamera aus. Das Kit-Zoom Xiaoyi 3,5-5,6/12-40 mm wirkt im Vergleich dazu relativ groß. Es misst ausgefahren 10 cm, in Lock-Stellung 6,7 cm in der Länge.

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Pro

Contra

  • Lückenhafte Ausstattung
  • Bildqualität
  • langsamer Autofokus

Fazit

ColorFoto Testurteil: 37 Punkte von max. 100 Punkten (15 Punkte unter dem Durchschnitt)

Die Idee scheint genial und kundenfreundlich: Als allen Herstellern zugänglicher Standard soll Micro-Four-Thirds (MFT) bestehende Grenzen sprengen, ein von mehreren Herstellern getragenes und dementsprechend vielseitiges System schaffen. So müssen Fotografen nicht mehr der einen Kameramarke treu bleiben, sondern können ihre Objektive an Kameras unterschiedlicher Marken einsetzen.​

Bisher sind nur wenige Hersteller auf den Micro-Four-Thirds-Zug aufgesprungen; im Wesentlichen sind dies Olympus und Panasonic. Dazu kommen Objektivhersteller wie Leica, Sigma, Tamron, Voigtländer und Walimex. Vor drei Jahren versuchte es JK Imaging mit der MFT-Kamera Kodak S1, allerdings ohne Erfolg. Jetzt geht die 2014 gegründete Young Innovator Technology (YI) mit der M1 an den Start.​

Aktueller MFT-Sensor mit 20 Megapixeln

 Zu den überzeugendsten Argumenten der YI M1 gehört der Aufnahmesensor Sony IMX 269, der auf der vom MFT-Standard vorgegebenen, 17,3 x 13 mm großen Fläche 20,2 Megapixe l unterbringt. Olympus und Panasonic verbauen in vielen Kameras noch den 16-MP-Chip und spendieren die neue 20-MP-Version bis jetzt nur gehobenen Modellen, etwa der Pen-F für rund 1200, der OM-D E-M1 Mark II für 2000, der GX8 für 950 und der GH5 für 2000 Euro. Die spiegellose YI M1 kommt deutlich günstiger daher: Zusammen mit dem relativ groß geratenen Standardzoom Xiaoyi 12-40 mm/f3,5-5,6 soll sie rund 600, im Doppel-Kit mit Standardzoom und lichtstarker Festbrennweite Xiaoyi 42,5 mm/f1,8 rund 800 Euro kosten. Ein Schnäppchen aus China? Leider nicht. Dafür zeigt sie zu viele Schwäc​hen bei Bedienung und Performance.

Die Stärken: Bluetooth, WLAN und 4K-Video Weil die YI M1 dem MFT-Standard entspricht, gibt es für sie aus dem Stand heraus ein riesiges Sortiment an passenden, meist relativ kompakten Objektiven von Olympus, Panasonic und anderen namhaften Herstellern. Außerdem bringt der chinesische Newcomer für den kabellosen Datentransfer sowohl eine WLAN- als auch eine Bluetooth-Funktion mit, allerdings ohne NFC. Am Smartphone oder Tablet regelt die App YI Mirrorless den Datenaustausch; sie steht für Android ab Version 4.4 (ca. 16 MB) und für iOS ab Version 9.0 (ca. 58 MB) zum kostenlosen Download bereit. Allerdings brachte YI Mirrorless unser Android-System während des automatischen Verbindungsaufbaus zum Absturz; außerdem ist ihr Repertoire beschränkt: Sie kann JPEG-Aufnahmen auf das Smartphone kopieren und Motivvorlagen wie „Sitzendes Portrait“ oder „Aufmerksame Augen“ über einen bestehenden Facebook-Account auf die Kamera laden.

Nicht vorgesehen sind bisher der​ Transfer von RAW- und Videodateien, die GPS-Anbindung zum Verorten der Bilder und die Fernsteuerung der Kamera per Smartphone. Möglicherweise liefert YI Technology dafür ein Update nach. Als Highlight führen die Chinesen auch die 4K-Videofunktion ins Feld: Die M1 erlaubt Aufnahmen mit 3840 x 2160 Pixeln und bis zu 30 B/s – bei zu langsamer Speicherkarte begrenzt sie die Aufnahme auf einige Sekunden. Mit Full-HD-Auflösung sind bis zu 60 B/s drin. Doch auch hier gibt die M1 Anlass zur Kritik. Vor allem reagierte ihre Schärfenachführung oft nur deutlich zeitverzögert und dann zu ruckartig. Zudem erfolgt die Bildstabilisierung elektronisch und beschneidet das Bild. YI Technology verzichtet bei Gehäuse und Kit-Objektiven auf einen mechanischen oder optischen Bildstabilisator.​​

Bedienung per Touchscreen 

Die YI M1 fühlt sich mehr nach einer Kompakt- als nach einer gestandenen Systemkamera an. Das Kunststoffgehäuse wiegt inklusive SD-Karte und Lithium-Ionen-Akku gerade einmal 291 g und kommt ohne Sucher daher. YI bietet nicht einmal einen optionalen Sucher zum Nachrüsten an. Der Hersteller hat uns gegenüber durchblicken lassen, dass sich daran beim Nachfolgemodell etwas ändern könnte. Vorerst muss der Fotograf aber mit dem fest verbauten 3-Zoll-Touchscreen vorliebnehmen. Bei bewölktem Himmel oder Innenaufnahmen geht das trotz mittelmäßiger Monitorqualität einigermaßen in Ordnung. Doch bei direkt einfallendem Sonnenlicht ist die Monitoranzeige kaum noch zu erkennen, was sowohl die Bildeinteilung als auch die Touch-Bedienung erheblich erschwert. 

Ein Problem, zumal sich YI bei der Handhabung konsequent am Smartphone orientiert. Der Hersteller setzt den Touchscreen als zentrales Bedienelement ein und spart Tasten weitestgehend ein. Neben dem Display finden sich lediglich zwei Buttons: einer zum Abruf des Wiedergabemodus und ein multifunktionaler, der beispielsweise die Lupenansicht beim manuellen Fokussieren öffnet. Oben gibt es neben Foto- und Videoauslöser immerhin ein Modus- und ein unbenanntes Wahlrad, mit dem sich bei manueller Belichtungssteuerung die Blende oder die Verschlusszeit ändern lässt. Das war es dann allerdings auch schon. Um Aufnahmeparameter wie ISO-Zahl, Weißabgleich oder Dateiformat einzustellen, heißt es wischen: von links nach rechts, damit sich das Menü der M1 öffnet, von rechts nach links zum Wechsel der Vorlage, etwa zu „Lebhaft“ für satte Farben oder zu „SW natürlich“ für Schwarz-Weiß-Aufnahmen.​

YI M1 Display

© YI / Christian Rottenegger / Image Engineering

Das Bedienkonzept der YI M1 erinnert an das von typischen Smartphones. Viele Eingaben lassen sich nur über den relativ kleinen 3-Zoll- Touchscreen tätigen. Mit Handschuhen will das allerdings nicht so recht funktionieren.

Übersichtliches Menü 

Das Menü umfasst zweieinhalb Seiten, auf denen alle verfügbaren Einstelloptionen in Form von gut erkennbar dargestellten Touch-Icons Platz finden. Ein solch schmales Funktionsspektrum schränkt den Handlungsspielraum zwar deutlich ein, macht es Einsteigern aber leicht, sich an der M1 ohne Handbuch sofort zurechtzufinden.​

Dass man im Menü ausschließlich durch Wischen und Antippen der Touch-Icons blättern oder Eingaben tätigen kann, mag den Gewohnheiten typischer Smartphone-Nutzer entgegenkommen, wäre da nicht ein entscheidender Haken: Die M1 reagiert oft zeitverzögert – beim Öffnen des Menüs, vor allem aber beim Seitenwechsel und bei Einstellungen. Wer vom JPEG- auf das RAW-Format umschaltet, muss sich auf noch längere Wartezeiten einstellen. Bei uns brauchte die M1 im RAW-Modus beispielsweise eine gefühlte Ewigkeit, um das Untermenü für die ISO-Wahl einzublenden. 

Zeit kostet auch eine andere Eigenheit: Die M1 kennt keinen Ruhemodus im herkömmlichen Sinn; stattdessen schaltet sie bei Pausen einfach ab, was bei einer Einschaltverzögerung von 2,9 s besonders stört. Außerdem nummeriert sie Dateien nicht wie üblich fortlaufend, sondern beginnt nach einem Speicherkartenwechsel stets von vorne, was zu Doppelungen führt.​

YI M1 Menü

© Montage: WEKA Media PUBLISHING GmbH; Christian Rottenegger / Image Engineering

Die YI M1 bringt alle Aufnahme- und Kameraeinstellungen in einem einzigen Touch-Menü auf zweieinhalb Seiten unter: einfach langsam von links nach rechts wischen, um das Menü zu öffnen, und dann von unten nach oben streichen, um zur nächsten Seite zu blättern (l.o.). Wegen der aggressiven JPEG-Signalverarbeitung, bei der feine Details auf der Strecke bleiben, lohnt sich der Umweg über Rohdaten ganz besonders. Allerdings kann die M1 nur entweder RAW oder JPEG aufnehmen; die übliche JPEG+RAW-Einstellung gibt es nicht (r.o.). Wer im C-Modus von rechts nach links über den Touchscreen streicht, bekommt eine Reihe von Motivvorlagen zu sehen (u.).

Abgespeckte Ausstattung 

Der Zubehörschuh mutet mit seinem einsamen Mittenkontakt antiquiert an; die Blitzsynchronzeit setzt mit 1/125 s enge Grenzen; und einen integrierten Ausklappblitz gibt es nicht. Außerdem fehlt das Akku-Ladegerät im Lieferumfang. Der Hersteller legt stattdessen ein USB-Kabel, nicht einmal ein Netzteil bei.​

Zwar bietet die YI M1 die üblichen Belichtungsmodi von der Voll- und Programmautomatik bis zum manuellen Modus. Und auch eine Programm- Shift-Funktion ist an Bord.​

Sonst aber gehen der China-Kamera einige durchaus nützliche Einstelloptionen ab, beispielsweise eine Bulb-Langzeitbelichtung, ein manueller Weißabgleich sowie eine benutzerdefinierte WB-Feinkorrektur. Das Live-View-Bild zeigt bei Bedarf weder ein Gitter als Ausrichthilfe noch ein Histogramm an. Und auf das Autofokus-Tracking muss der Fotograf hier ebenfalls verzichten.​

Langsamer Autofokus

 Wie die Olympus Pen-F arbeitet die M1 mit einem Kontrastautofokus und 81 auffallend ähnlich angeordneten AF-Feldern. Während der Autofokus im Olympus-Pendant besonders schnell agiert, gehört das AF-Tempo der M1 zu deren gravierenden Mankos: Mit dem Kit-Zoomobjektiv Xiaoyi 3,5-5,6/12-40 mm und hinzugeschaltetem Einzel-AF brauchte die M1 bei uns im Durchschnitt länger als eine Sekunde zum Scharfstellen und zum Auslösen – bei 25 mm Brennweite, Blende 5,6 und guten wie schlechten Lichtverhältnissen. Als Schnappschusskamera taugt sie damit nicht. Zum Vergleich: Die Pen-F löst teils schon nach 0,16 s aus.​

Auch bei Serienaufnahmen könnte die M1 gerne einen Zahn zulegen: Ein Durchsatz von 4,3 B/s ist an sich schon eher mäßig; doch selbst das hält sie nur 4 bis 5 Bilder pro Serie durch.​

Bildqualität

 Die JPEG-Aufnahmen der YI M1 zeigen eines so deutlich wie selten: Der beste Sensor hilft nur wenig, wenn die kamerainterne Signalverarbeitung sein Potenzial nicht ausschöpfen kann. In der M1 scheint sie vor allem auf eine hohe Auflösung und starke Kontraste getrimmt zu sein, weniger auf einen natürlichen Bildeindruck. 

Besonders bei ISO 200 und​ 400 setzt YI Technology auf extrem ausgeprägte Kantenverstärkung. Das verleiht den Bildern einerseits eine überzogene Schärfe und führt andererseits zu schlanken Geisterlinien entlang kontrastreicher Konturen. Dazu kommt bis ISO 400 eine beherzte Anhebung von ohnehin schon starken Kontrasten. Das schönt zwar die DL-High-Contrast-Werte (bis 1136 LP/BH), kommt der Bildqualität aber keineswegs zugute – auch, weil die kontrastschwachen und feinen Strukturen dabei auf der​ Strecke bleiben: Im Dead-Leaves-Diagramm verlaufen die DL-LC- weit unterhalb der HC-Kurven; offensichtlich behandelt die JPEG-Signalverarbeitung starke Kontraste anders als schwache. Die Folge sind in sich unstimmige, inhomogene Ergebnisse. Da hilft es wenig, dass die M1 bei ISO 200 und 400 sogar eine höhere Grenzauflflösung erreicht als 20-MP-MFT-Kameras wie Pen-F oder GX8 (bis 1993 LP/BH). Zwischen ISO 400 und 800 brechen die Leistungen, insbesondere die Feinzeichnung, erdrutschartig ein. Der Visual Noise verstärkt sich von 1,1 auf 1,3 VN. Ab ISO 1600 kommen zunehmend Artefakte an feinen Strukturen dazu.​

Alles in allem bleibt die M1 im JPEG-Test trotz höherer Auflösung bei allen ISO-Stufen hinter Pen-F und GX8 zurück, und muss sich auch der deutlich günstigeren 16-Megapixel-Kamera GF7 geschlagen geben. Da die M1 das schwache Ergebnis vornehmlich der wenig schonenden JPEG-Signalverarbeitung verdankt, ist bei ihr der Einsatz des RAW-Formats unbedingt empfehlenswert. Allerdings erreichen auch die RAW-Bilder nicht das Niveau der Konkurrenz.​

Fazit

Sei es der langsame Autofokus, das auf den trägen Touchscreen fokussierte Bedienkonzept, die lückenhafte Ausstattung oder die Bildqualität, die unter den massiven Eingriffen der JPEG-Signalverarbeitung leidet – die YI M1 lässt noch reichlich Spielraum für Verbesserungen. Unser Tipp: Lieber auf die Nachfolgerin warten und dann sehen, was die taugt. Zum jetzigen Zeitpunkt bieten Micro-Four-Thirds-Kameras wie die Olympus Pen E-PL8 oder die Panasonic Lumix DMC-GF7 trotz des älteren 16-Megapixel-Sensors deutlich​ mehr Komfort und wesentlich bessere Bildqualität für weit weniger Geld.

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