Neues Design

Watchever: Neuerungen im Praxis-Test

Die deutsche Abo-Videothek Watchever hat eine neue Optik und überarbeitete Bedienelemente erhalten. Wir haben uns angeschaut, wie tief die Erneuerung tatsächlich geht. Lesen Sie unseren neuen Praxis-Test.

Watchever Hauptmenu

© Watchever

Das neue Watchever-Hauptmenu.

Watchever hat ein Redesign hinter sich: Wir schauen uns die Neuerungen im Praxis-Test an. Im Januar 2013 war Watchever die erste reine Flatrate-Videothek in Deutschland und erregte so einiges Aufsehen. Mit Amazon Prime Video und Netflix gibt es mittlerweile aber starke internationale Konkurrenten, die dem ambitionierten Angebot den Rang abgelaufen haben.

Die Neugestaltung von Watchever ist seit Anfang Oktober zu sehen – zumindest in Teilen des Angebots. Zunächst bietet die Videothek in ihrer Web-Menüoberfläche am PC eine komplett neue Optik. Statt Filmcovern zeigt Watchever hier nun auf einer dynamisch gestalteten Seite einzelne Film- und Serienhighlights auf größeren Flächen, in denen teils Ausschnitte der Filme starten, sobald man den Mauszeiger darauf fährt. Die Zusammenstellung dieser Inhalte folgt Empfehlungen, die Watchever aus bereits gesehenen Filmen generiert – Netflix und deren Vorlieben-Algorithmus lässt grüßen. Nicht, dass eine Auswertung der eigenen Vorlieben und denen der Community bei Watchever neu wäre – eine Liste mit persönlichen Film- und Serientipps bot die Seite schon bisher. Nur war diese nicht so dynamisch aufgebaut und zwischen anderen statischen Filmlisten eher versteckt untergebracht. Lesen Sie dazu den Original-Test von 2013.

Lesetipp: Watchever im Test

Zu der sehr persönlich gestalteten Startseite hat Watchever nun auch Nutzerprofile eingeführt. Wie bei Netflix lassen sich mehrere Nutzer mit ihren Namen hinterlegen, die dann je nach persönlichen Lieblingsfilmen und Serien stets eine persönliche Startseite sehen.

Watchever: Der Filmchannel

© Watchever

Watchever: Der Filmchannel

In den weiteren Menüebenen unter dem Hauptmenü sortiert Watchever seine Inhalte neuerdings in Kanälen. Das Angebot unterscheidet nach Serien, Filmen, Kinderprogramm, Dokumentationen, Entertainment und Musik, dazu gibt es jeweils mehrere Kanäle. Die folgen allerdings nicht klassischen Genres, sondern eher Film-Arten oder Serienproduzenten. Es gibt also etwa einen Arthaus-Filmkanal, einen für „Mad Movies“ und je eine Abteilung für BBC-, ABC- und CBS-Serien. Erst unterhalb dieser Kanal-Ebene wird inhaltlich sortiert, also nach Abenteuer, Drama, Krimis und anderen Genres sowie in redaktionell gestalteten Gruppen wie „Literaturverfilmungen“.  Als halbwegs kundiger Film- und Serienkenner fand ich mich recht schnell in diesem Aufbau zurecht, doch eigentlich ist mir ja egal, ob eine Serie von ZDF Enterprise oder von ABC stammt, so lange mich ihr Plot fesselt.

Lesetipp: Netflix im Test

Hat man einen konkreten Titel ausgewählt, dann wird’s bildgewaltig: Der jeweilige Titel wird mit einem bildschirmfüllenden, knackscharfen Szenenbild angekündigt, von hier aus genügt ein Klick auf den mittigen Play-Button, und es geht los.

Die Navigation erschließt sich auf Anhieb, die Gliederung halte ich persönlich allerdings für einen Tick zu komplex, zu sehr für Kenner aufgestellt. Aber vielleicht soll das ja auch gerade so sein, denn eine Stärke von Wachever war von Anfang an die große Sammlung an Filme aus dem klassischen Hollywood und aus dem Autorenkino – von aktuellem Arthaus über Hitchcock–Klassiker, Marylin Monroe und Woody Allen bis Charlie Chaplin. Zu solchen Filmperlen führt einen die neue Gestaltung mit schlafwandlerischer Sicherheit.

Watchever

© Watchever

Watchever Apple TV Design.

Im Grunde wäre die neue Art der Menüführung prädestiniert für den Smart-TV, doch dort gibt es sie bislang nicht. Watchever hat angekündigt, das neue Design und die neue Menüstruktur  zunächst am PC und auf der Streamingbox Apple TV 4 zu starten und es dann nach und nach auf allen weiteren Plattformen einzuführen. Die Version für Apple TV ist zwar in ihrer Struktur gleich aufgebaut wie am PC, orientiert sich aber im Design an den Apple-Vorgaben für die Box und wirkt damit schlichter als die PC-Variante.

In aktuellen Film- und Serieninhalten auf Watchever hat sich seit dem Relaunch nicht allzu viel getan – mal abgesehen von den monatlich üblichen Zu- und Abgängen an Titeln. Bemerkenswert ist hier allenfalls, dass Watchever-Filmklassiker wie Pulp Fiction oder From Dusk till Dawn sowie die Kultserie Breaking Bad Ende Oktober aus dem Angebot nehmen wird. In Klassikern wie auch in wirklich guten Offbeat-Serien war Watchever schon bisher stark, jetzt haben diese Inhalte einen noch markanteren Platz im Angebot und scheinen an einigen Stellen auch üppiger vorhanden zu sein.

Und was ist mit Bild und Ton? Dieses Kapitel lässt sich recht kurz abhandeln: Die Streamingqualität hat sich in der Neuauflage von Watchever nicht nachhaltig verbessert. Wie in vergangenen Streaming-Tests ist die Datenrate der angebotenen Filme in SD wie auch in HD-Qualität weiterhin vergleichsweise gering. Die Bildauflösung leidet vor allem in Szenen mit feinen Details oder Nahaufnahmen von Gesichern unter dem sparsamen Einsatz an Bits und Bytes. Die Haut in Gesichtern wirkt häufig flächig und maskenhaft, wo sie etwa bei Netflix oder Maxdome einzelne Poren oder Grübchen zeigt oder zumindest erahnen lassen. Auch im Ton wird gespart: Watchever bietet Stereosound, kein 5.1. Auch hier sind die drei Konkurrenten Maxdome, Amazon und vor allem Netflix deutlich weiter. Gemeinsam haben die vier Dienste zumindest, dass sie immer mehr Inhalte auch in Originalsprache streamen und die aktuelle Wiedergabeposition eines Film abspeichern – auch für den Fall, dass man einen Titel auf einem andern Gerät als zuvor weiter anschaut.

Fazit

Die Überarbeitung von Watchever ist zwar rein strukturell und optisch angelegt, hat sich aber dennoch gelohnt, um die inhaltlichen Stärken dieser Videothek besser hervor zu heben. Allerdings  taugt das Ganze erst so richtig, wenn der Relaunch auch auf Smart-TVs und Tablets umgesetzt wird. An den bekannten Schwächen des Angebotes, allen voran die mittelprächtige Bildqualität, sollten sich die Macher aber auch endlich mit Hochdruck machen, damit die ansonsten wirklich sehenswerte Videothek nicht vollends von Maxdome und den großen US-Konkurrenten abgehängt wird.

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