Testbericht

Vergleichstest: Lautsprecher um 1500 Euro

Im Kampf um die Käufergunst müssen Boxen der 1.500-Euro-Klasse einiges bieten. B&W, Focal und Tannoy zählen hier zu bewährten Größen. Mit der Epos M 16 gesellt sich ein kleiner englischer Hersteller in den illustren Reigen der Top- Marken. Außenseiter trifft Riesen ? berechenbares Ende oder doch eine Neuauflage des Klassikers David gegen Goliath?

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Vergleichstest Lautspecher

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Vergleichstest Lautspecher

Der Kleine, der Underdog, zeigt den Starken, was eine Harke ist. So kennen wir es aus Hollywood und aus Büchern ? das Leben schreibt Geschichten meist anders. B&W, Focal, Tannoy ? große Hersteller, deren Name weltweit einen feinen Klang besitzt. Die Unternehmensgröße bringt Vorteile, denn die Hersteller sind selten auf Chassislieferanten angewiesen; sie entwickeln Töner nicht nur selbst, sie bauen sie auch. Von Masse gegen Klasse kann schon allein daher nicht die Rede sein. Eine vergleichsweise kleine Firma wie Epos hat es da schwerer - besonders, wenn der Proband wie die Epos M 16 neben einer B&W 683 zum gleichen Preis wahrlich wie ein David wirkt. Auch die Chorus 816 V von Focal beeindrucken mit schierer Größe, selbst die Tannoy Revolution DC 6 T warten mit mehr Volumen auf als die M 16. Ein Qualitätskriterium aber ist die Größe nur bedingt. Stattliches Volumen spricht für substanzielle Bassperformance und die Fähigkeit, auch höhere Lautstärken zu meistern. Aber Größe birgt auch Gefahren.

B&W 683

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B&W 683: Die Illustration zeigt das horizontal wie vertikal aufwändig versteifte Gehäuse unseres Testsiegers.

Was bei Instrumenten gewollt ist, schadet Lautsprechern. Denn in Bewegung regen die Töner nicht nur die Luft vor den Boxen zum Schwingen an, sondern auch das Gehäuse selbst. Schnell mischen sich unerwünschte Verfärbungen in den Klang durch minimal vibrierende Seitenwände. Genau das, was beispielsweise Streichinstrumenten ihre natürlichen Klangfarben verleiht - der mitschwingende Korpus - haben Schallwandler in der Reproduktion von Musik tunlichst zu unterlassen. Ein kleines Gehäuse wie das der Epos ist da per se im Vorteil, es bietet wenig Angriffsfläche.

Tannoy verjüngt die Revolution DC 6 T nach hinten. Schaut edel aus und ergibt einen besonders steifen Korpus. Das wirkt: Epos und Tannoy liegen in den Disziplinen Auflösungsvermögen und Basspräzision vorne im Testfeld. Beide Kriterien stehen auch in Zusammenhang mit dem Boxengehäuse. Macht dieses durch ein akustisches Eigenleben einen Strich durch die Klangrechnung, nutzen die besten Chassis nichts.

Tannoy Revolution DC 6T

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Der fünfte Anschluss am Bi-Wiring-Terminal der Revolution DC 6 T (Pfeil) kann mit der Erdungsklemme eines Verstärkers oder Receivers verbunden werden.

Das wissen auch B&W sowie Focal und spendieren ihren Modellen daher ein inneres Skelett (Abb. Seite 46) mit Streben in der Horizontalen wie Vertikalen. Wie Tannoy nutzt Focal die Vorteile eines sich nach hinten verjüngenden Gehäuses. Sind die Seitenwände nicht parallel, fällt es Stehwellen im Inneren der Lautsprecher schwer, sich konstruktiv aufzuschaukeln und dem Sound zu schaden.

Deutlich luxuriöser als Boxen um 1.000 Euro

In puncto Ausstattung heben sich die Probanden deutlich vom vorausgegangenen Testfeld der 1.000-Euro-Klasse ab. Zwar kommen nur die Epos M 16 und die Tannoy Revolution DC 6 T fein furniert daher, doch auch die folierten B&W683 wie die teilweise mit Acryl überzogenen Focal Chorus 816 V versprühen einen Hauch von Luxus.

Alle spendieren ihren Boxen Bespannungen oder Abdeckgitter (Epos), die über bruchsichere Pins oder via Magnet (Tannoy) gehalten werden. Klanglich störten die Bespannungen nur mit vernachlässigbarer ?Unschärfe?, das Gitter der Epos brachte eine leichte Nervosität ins Spiel, schützt aber in einem Haushalt mit Kleinkindern oder Katzen effektiv vor eingedellten Membranen. Epos, B&W und Focal besitzen eine Bodenplatte. Das erhöht die Standfestigkeit. Die Spikes des gusseisernen Focal-Sockels können bequem von oben justiert werden. Das brachte der Französin satte fünf Extrapunkte in der Ausstattungstabelle.

Die B&W 683 sind reinrassige Dreiwege- Konstruktionen. Mit zwei Tieftönern pro Box versprechen die Goliaths satte Reserven im Bass. Die Treiber arbeiten auf ein Gehäuse in Reflexabstimmung, die Öffnungen der Röhren sind stark gerundet und mit winzigen Ausformungen versehen. So soll es selbst mit großen Membranauslenkungen nicht zu störenden Pumpgeräuschen in den Reflexkanälen kommen. Je nach Aufstellung der Lautsprecher oder je nach Raum, ergibt sich eine Verstärkung tiefer Frequenzen - und unter Umständen ein aufgeblähter, schwammiger Bass. Für den Fall legt B&W den 683ern Schaumstoffpfropfen bei, mit denen können die Bassreflexröhren teilweise oder ganz verschlossen werden. Zwar reichen die Speaker im Bass dann nicht mehr ganz so tief hinab, doch wird die Wiedergabe meist präziser.

Auch was die Chassis betrifft, schöpfen die 683er aus dem Vollen. Verwindungssteife, strömungsoptimierte Metallkörbe, die über Gewindeschrauben im Korpus verankert sind, stattliche Antriebe, moderne Membranmaterialen - nur vom Feinsten.

Bildergalerie

Tannoy Revolution DC 6T
Galerie
Hifi & MP3

Im Herzen des Tiefmitteltöners (unten) sitzt der Tweeter der Tannoy. Der Hornvorsatz steigert die Effizienz des Hochtöners.

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