Testbericht

Vergleichstest Lautsprecher

Unterschieden sich lange Zeit Lautsprecher großer Marken in ihrer Klangcharakteristik eher gering, zeigen Hersteller heute mehr individuelles Profil in der Abstimmung ihrer Boxen. Diese müssen nicht einmal teuer sein. HomeVision lauschte vier spannenden Charaktermodellen unter 1.000 Euro.

  1. Vergleichstest Lautsprecher
  2. Teil 2: Vergleichstest Lautsprecher
Lautsprecher

© Archiv

Lautsprecher

Besuchen Sie regelmäßig Konzerte? Keine Fangfrage, tun Sie es nicht, frönen Sie doch zuhause dem Hobby Musik.

Wie unser Lautsprechertest zeigt, geben die Speaker Musik sehr unterschiedlich wieder. So besitzen beispielsweise die Canton GLE 409 und die Nubert nuBox 511 vier Chassis, um aus elektrischen Signalen Schall zu erzeugen. Ein Blick hinter die Kulissen auf die Frequenzweichen ? offenbart, dass die Gemeinsamkeiten schnell enden. Canton verteilt die Musik auf drei Wege, im Bass leisten die beiden unteren 18-Zentimeter-Töner gemeinsame Arbeit; Mitten und Höhen übertragen jeweils eigene Chassis. Nubert setzt auf mehr Teamwork. Alle drei 14-Zentimeter-Konusse schwingen in den tiefen Oktaven im Gleichtakt, zu den Mitten blenden sich die beiden unteren aus. Eine Gewebekalotte kümmert sich um die obersten Frequenzen.

Canton GLE 409

© Archiv

Der Mitteltöner der GLE 409 besitzt ein eigenes geschlossenes Gehäuse in der Box. Ein Metallgitter (links) schützt auf Wunsch vor neugierigen Kinderfingern oder Katzentatzen. Akustisch fällt das Gitter recht wenig ins Gewicht, der Sound wird minimal unruhig durch den Schutz.

Die nuBox 511 ist der einzig magnetisch geschirmte Schallwandler im Testfeld. Die Speaker können also noch neben herkömmlichen Röhren-TVs ihren Dienst tun. Die anderen Hersteller wähnen sicher schon moderne LCD- oder Plasmaschirme, die unanfällig für die magnetischen Streufelder eines Lautsprechers sind, in den Haushalten. Auch offeriert die nuBox allein eine clevere Raumanpassung für die hohen Frequenzen. Hier darf der stolze Besitzer über einen Kippschalter am Anschlussfeld den Frequenzgang der Boxen beeinflussen. Die Schalterstellung ?sanft? bedeutet dabei nur mittelbar eine zarte Absenkung der Höhen, denn sowohl Raum als auch ein größerer Abstand zu den Lautsprechern dämpfen von sich aus schon die Lautstärke gerade in den Höhen. Wer sich dem Diktat des Raumeswidersetzen will, wählt die Schalterposition linear oder brillant. Dann geben die nuBoxen eine Prise mehr Dampf sprich Pegel in den Höhen.

Testergebnisse

Canton GLE 409
Canton
840 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

63 Prozent

Fazit:Großer Lautsprecher mit großem Sound. Die Canton GLE 409 gefällen grob- wie feindynamisch.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
sehr gut

Diesen Luxus bietet die Focal Chorus 716 V nicht, doch weiß auch sie zu überzeugen. Das beginnt schon mit den akustisch vorteilhaft abgeschrägten Seiten der Frontpartie, die den Boxen bereits optisch ein klares Profil verleihen. Auch der Rücken überzeugt: Dort nimmt ein bequem zugängliches Anschlussfeld mit supergriffigen und robusten Schraubklemmen sogar störrische Kabel entgegen. Ein Blick in das Chorus-Innere zeigt mehrere Streben, die den Korpus versteifen, der mit Wänden von bis zu 25 Millimetern Stärke trumpft, sowie moderne, strömungsoptimierte Treiber mit Metallkörben aus eigener Entwicklung und Fertigung. Hier verlässt man sich nicht gerne auf Zulieferer. In den Höhen favorisiert Focal traditionell die inverse Kalottenform, von der sich die Franzosen eine besonders präzise Kraftübertragung von der Schwingspule und auf die Membran versprechen.

Testergebnisse

Focal Chorus 716 V
Focal
900 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

63 Prozent

Fazit:Die Chorus 716 V spielt locker drauf los und punktet mit guter Verarbeitung. Im Bass könnte sie zurückhaltender sein.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
gut

Auch Klipsch geht seit jeher eigene Wege in Sachen Hochtonwiedergabe und schwört auf Hörner. Das spricht für einen guten Wirkungsgrad: Wir ermittelten in unserem Testlabor solide 90,5 Dezibel, aber auch relative Freiheit in der Aufstellung der Boxen, da ein Horn in seinem Arbeitsbereich Töne gerichtet abstrahlt. Schallreflexionen an Boden, Decke und Wänden gesellen sich so erst einen Tickspät er zum eigentlichen Musiksignal. Ohne Horn treten sie früher auf, was besonders dann die räumliche Wiedergabe beeinflussen kann, wenn der Lautsprecher sehr nahe an einer Seitenwand steht. Bässe und Mitten der schlanken Zwei-Wege-Boxen bearbeiten zwei 13-Zentimeter-Konusse mit fast ebenso großen Antriebsmagneten (Abb. Seite 55) und steifen Metallmembranen.

Focal Chorus 716V

© Archiv

Massive Stege versteifen den Körper der Chorus. Der Mitteltöner besitzt eine hinterlüftete Zentrierung sowie einen strömungsoptimierten Metallkorb.

Klipsch mit Rasse und Klasse

Ganz und gar nicht steif war dann aber die Performance der RF 52 im intensiven Hörtest. Mit dem legendären Drum-Duett von Saga ?A brief case? (?Best of?/Zounds) preschte die Amerikanerin wild nach vorne, projizierte die Instrumente fast direkt vor die Jury und ließ sie unmittelbar an dem Geschehen teilhaben. Die Klipsch rockten explosiv, dass es eine wahre Freude war. Dabei differenzierten sie stets bis in untere Register. Natürlichen Instrumenten in klassischen Einspielungen gaben sie wie auch Stimmen ein angenehm dunkles Timbre. Hier bevorzugten die RF 52 ebenfalls die direkte Ansprache des Auditoriums, pointierten in sehr kritischen Passagen ein wenig zu stark, sodass ?S?-Laute schon zu einem leichten ?Z?-tendierten. Atsuko Sekis flinkem Fingerspiel auf ihrem Steinway folgten sie behände und trennten die einzelnen Anschläge akribisch und zogen den Zuhörer förmlich an das Instrument heran.

Klipsch RF52

© Archiv

Ein mächtiger Doppelmagnet bringt den Tiefmitteltöner der Klipsch auf Trab. Geht es einmal heiß her, bürgt die hinterlüftete Zentrierung für eine effiziente Wärmeabfuhr.

Die RF 52 legten besonderen Wert auf den Sofortklang des Instrumentes, also den lauten, dann schnell abklingenden Ton nach dem Anschlag, und lenkten die Aufmerksamkeit so auf den befilzten Hammerkopf, der die Saiten anschlägt. In Sachen Raumabbildung und fein ausschwingenden Hallinformationen waren die Amiboxen nicht so auskunftsfreudig. Nubert und Canton gaben das Pianospiel mit deutlich mehr Distanz und Abstand zum Künstler wieder, tönten im Vergleich kühler, was dem Naturell des Steinway nahe kommt. Die Lautsprecher öffneten einen breiten, tief reichenden Raum, gewährten einen Blickauf den großen Korpus des Flügels und folgten ausdauernder dem Ausschwingen der Saiten als ihre US- Konkurrenz. Das brachte beiden ein Plus in Natürlichkeit und Raumabbildung. Die Canton konnte in Antritt und Tempo mit der Klipsch gleichziehen, über die nuBoxen wirkte Seki einen Hauch weniger beschwingt.

Testergebnisse

Klipsch RF 52
Klipsch
800 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

63 Prozent

Fazit:Rassebox mit beeindruckender Dynamik bei der Baugröße. Spielt auch wandnah recht knackig und differenziert.

Testurteil
befriedigend
Preis/Leistung
gut

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