Testbericht

Vergleichstest: Home-Server

Mehr als nur NAS-Laufwerke: Das sollen Windows Home Server sein. Wir fü?hlen den ersten Vertretern dieser neuen Art auf den Zahn.

Home Server

© Archiv

Home Server

Vergleichstest: Home-Server

Mehr als nur NAS-Laufwerke: Das sollen Windows Home Server sein. Wir fühlen den ersten Vertretern dieser neuen Art auf den Zahn.

Home Server

© Archiv

Der Trend zum Zweit-, Dritt- oder gar Viert-PC im Haushalt hält an: Da gibt es den PC im Arbeitszimmer, das Notebook, die Rechner von Söhnen oder Töchtern und dann vielleicht noch eine XBox 360 oder gar einen Media-Center-PC im Wohnzimmer. Vernetzt sind die ganzen Rechner in der Regel auch schon, denn schließlich wollen ja alle Familienmitglieder auch ins Internet. Was in diesem Szenario noch fehlt, ist ein zentraler Datenspeicher, der auch noch die Sicherung aller angeschlossenen PCs übernimmt.

Da man bei Microsoft dieses Feld nicht den NAS-Laufwerken überlassen will, hat man als neue Betriebssystemsparte den Windows Home Server geschaffen. Man kann das Betriebssystem zwar alsSystem-Builder-Version separat kaufen, um so auf Basis eines älteren PCs selbst einen Home Server zu bauen, aber primär sollen spezielle Home Server als Basis für das neue Betriebssystem dienen. Fünf dieser Geräte haben wir im Test: Belinea o.center, chiliGREEN HomeMaster, HS1 von Hush, Scaleo Home Server von Fujitsu Siemens und Piranha Home Server von Leo.

Home Server statt NAS-Laufwerk

Der Zentrale Datenspeicher für das Heimnetzwerk - das war bislang die Domäne der NAS-Geräte: Kleine Server mit Embedded-Prozessoren, einer oder mehreren Festplatten und meist einem auf das Nötigste reduzierten Linux-Betriebssystem. Moderne NAS-Geräte können aber auch als Media-Server dienen oder verfügen sogar über integrierte Download-Clients. Gesteuert werden diese Geräte grundsätzlich über ein Web-Interface, das allerdings von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich gestaltet ist.

In den Grundfunktionen unterscheiden sich Windows Home Server nur wenig von NAS-Geräten. Allerdings basieren die Home Server auf ausgewachsenen PCs und das Betriebssystem auf Windows Server 2003, allerdings angepasst an die Bedürfnisse eines Heimservers. Aus dieser vergleichsweise üppigen Grundlage resultiert auch der große Vorteil gegenüber einer NAS, die größere Flexibilität und die bessere Erweiterbarkeit des Home Servers. So kann der Funktionsumfang einfach durch Add-ins erweitertwerden, spezielle, auf den Home Server zugeschnittene Software-Pakete, die über den Connector, die Konsole des Home Servers aufgerufen werden.

Bildergalerie

Leo Piranha Home Server
Galerie
Computer:Netzwerk:WLAN & Router

Home Server Vergleichstest

Die Palette dieser Zusatzprogramme umfasst neben einigen kommerziellen Tools wie Virenscannern und Defragmentierern vor allem Freeware. Hier reicht die Liste der Zusatzprogramme von Verwaltungs-Tools, über alternative Media-Server bis hin zu Programmen für die Hausautomation oder einem Anrufbeantworter für die FritzCard.

Eine sehr gute Anlaufstelle für Add-ins ist auch der Home Server Blog (www.home-server-blog.de). Für NAS-Geräte gibt es zwar auch Firmware-Versionen mit erweitertem Funktionsumfang, aber die Installation erfordert hier schon tiefgehende Linux-Kenntnisse. Ein weiterer Pluspunkt eines Home Servers gegenüber einer NAS ist die einfache Erweiterung der Speicherkapazität: Zusätzliche Festplatten, egal ob intern oder extern, mit SATA- oder USB-Interface, werden nach dem Einbau automatisch dem Serverspeicher hinzugefügt.

Für die Verwaltung der Festplatten verwendet der Home Server einen Mechanismus, der sich Drive Extender nennt. Bei mehreren Festplatten können wichtige Daten auch gespiegelt abgelegt werden. Anders als bei traditionellen RAID-Systemen erfolgt beim Drive Extender die Spiegelung auf Dateiebene. Allerdings hat sich beim Drive Extender ein Bug eingeschlichen, der unter Umständen zu Datenverlusten führen kann.

Auf Nummer sicher gehen

Ohne Probleme arbeitet dagegen die sehr komfortable Backup-Funktion des Home Servers. Sie sichert zeitgesteuert oder manuell alle angeschlossenen Clients mit Windows XP SP2 oder Windows Vista, auf denen der Home Server Connector installiert ist. Verlorene oder versehentlich gelöschte Daten auf Client-PCs können auf zwei verschiedene Arten wiederhergestellt werden. Mit einem virtuellem Abbild der Festplatte zum Zeitpunkt der Sicherung können einzelne Dateien restauriert werden, die bei jedem Home Server mitgelieferte Restore-CD dient zur kompletten Wiederherstellung einer Festplatte des Client-Rechners.

Bug im Home Server: In diesen Fällen droht Datenverlust

Ein Server, der gespeicherte Daten zerstört: Etwas Schlimmeres kann bei der Einführung eines neuen Produkts eigentlich nicht passieren. Und wenn dann die Beseitigung des Fehlers noch mehrere Monate in Anspruch nimmt, scheint das Fiasko komplett. Wenn man den Home-Server-Bug etwas genauer unter die Lupe nimmt, dann wird aber schnell klar, dass der Fehler nur unter ganz bestimmten Bedingungen auftritt, die sich umgehen lassen.

Home Server Vergleichstest Bug

© Archiv

Betroffen von dem Fehler im Windows Home Server sind nur Geräte mit mehr als einer Festplatte. Und das auch, wenn die Duplizierung abgeschaltet ist.

Ein Verlust von auf dem Home Server gespeicherten Daten droht nur dann, wenn man die Dateien mit den folgenden Programmen direkt auf dem Server bearbeitet: Microsoft Outlook, One Note, Synctoy 2.0 Beta, Money 2007, Windows Vista und Windows Live Photo Gallery, Intuit QuickBooks sowie dem Bittorrent-Client ?Torrent. Diesen Programmen ist gemein, dass sie beim Speichern die Datei nicht komplett ersetzen, sondern nur Teile davon verändern und genau damit hat der Drive Extender im Windows Home Server unter Umständen Probleme, wenn der Server gleichzeitig unter hoher Last arbeitet.

Wenn man also Daten mit diesen Programmen lokal auf dem PC bearbeitet und sie erst dann auf den Server kopiert, kann nichts passieren. Der Bug macht sich laut Microsoft auch nur selten tatsächlich bemerkbar, deshalb wurde er wohl auch während des Beta-Tests nicht entdeckt. Uns gelang es auch während des Tests nicht, einen Datenverlust zu provozieren. Trotzdem ist der Fehler für betroffene Anwender natürlich katastrophal, etwa wenn die auf dem Home Server gespeicherten Fotos verloren gehen oder die Daten des digitalen Haushaltsbuchs zerstört werden. Da der Fehler tief im System des Drive Extenders steckt, müssen Teile davon komplett neu geschrieben werden.

Da zudem noch langwierige Tests notwendig sind, ist wohl nicht vor Juni mit einer Behebung des Fehlers zu rechnen. Was aber bleiben wird, ist der Imageverlust für Microsoft und das verloren gegangene Vertrauen in den Windows Home Server.

Offene Baustellen

Auch abgesehen von dem Drive-Extender-Bug merkt man den Home Servern an, dass sie zu einer neuen Produktkategorie gehören. Verantwortlich für die offenen Baustellen ist aber vor allem Microsoft. So ist derzeit noch kein Backup von PCs mit der 64-Bit-Version von Vista möglich, da die passende Client-Software noch fehlt. Der 64-Bit-Connector wird im Power Pack 1 nachgereicht, einem Update für Windows Home Server, das auch ein Backup-Tool für die Daten auf dem Home Server enthalten wird.

Die zweite Baustelle war bisher das Powermanagement: Während die Leistungsaufnahme einiger der Windows Home Server im Test mit weniger als 50 Watt kaum über der in der Leistung vergleichbarer NAS-Geräten liegt, schlug sich das nicht funktionierende Powermanagement negativ in der Energiebilanz der Home Server nieder. Mit dem Scaleo von Fujitsu Siemens ist nun der erste Home Server auf dem Markt, der ohne Probleme in den Ruhezustand geht.

Bildergalerie

Leo Piranha Home Server
Galerie
Computer:Netzwerk:WLAN & Router

Home Server Vergleichstest

Die Home Server im Test

Für den Test der Home Server messen wir die Zeit für das Kopieren eines mit 10,9 GByte an Daten gefüllten Verzeichnisses von einem Laborrechner zum Home Server und wieder retour. Der PC ist mit einer GBit-Ethernet-Schnittstelle ausgestattet, er hängt zusammen mit dem Home Server an einem GBit-Ethernet-Switch. Neben der Datentransferrate messen wir noch die Leistungsaufnahme sowie die Lautstärke der Geräte. Denn schließlich stehen Home Server nicht in Serverräumen, sondern im Flur, Arbeitszimmer oder gar im Wohnzimmer und sollten daher möglichst leise arbeiten.

Mehr zum Thema

Netgear
WLAN-Router

Im Test beweist sich der Netgear Nighthawk R7000 mit hohen Transferraten und einer üppigen Ausstattung als sehr guter Router.
Trendnet TEW-818DRU: Wir testen den WLAN-Router mit schnellem ac-WLAN.
WLAN-Router

Wir haben den Trendnet TEW-818DRU im Test: Der WLAN-Router unterstützt den schnellen ac-Standard und überzeugt eher als Netzwerk-Ergänzung.
Netgear NightHawk X4 (R7500)
AC-WLAN-Router

80,0%
Der Nighthawk X4 ist einer der ersten AC-WLAN-Router mit vier MIMO-Antennen. Erreicht er damit Funkraten…
All-in-One-Router
All-in-One-Router

Der TP-Link Archer VR200v bietet sich als Alternative zu AVMs Fritzbox-Modellen an. Im Testlabor stellen wir den Router auf die Probe.
AVM Fritzbox 4020
WLAN-Router

70,0%
Die AVM Fritzbox 4020 kommt mit aktuellem FritzOS, jedoch ohne GBit-Switch und ohne AC-WLAN. Wir prüfen den günstigen…