Testbericht

Vergleichstest Flachbildfernseher

Die deutschen TV-Hersteller haben sich vom Flat-TV-Schock erholt und stürmen mit neuen Modellen und maßgeschneiderter Ausstattung in den Markt. Können sie dem schnellen Rhythmus technischer Entwicklung in Fernost Paroli bieten?

Vergleichstest Flachbildfernseher

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Vergleichstest Flachbildfernseher

Die Deutschen haben das Fernsehen nicht nur erfunden, sondern den Markt auch lange dominiert. Deutsche Fernseher wurden nach dem Krieg zu einem Symbol des Wirtschaftswunders. Dann kamen Sony und Co., und mit der TV-Invasionen aus Fernost gingen Traditionsmarken wie Telefunken, Nordmende, Saba oder Wega in den 70er-Jahren als eigenständige Unternehmen unter. Nur wenige konnten überleben, allen voran die fränkischen TV-Ikonen Loewe und Metz. Metz produziert seit 70 Jahren Fernseher und ist nach wie vor in Familienbesitz, Loewe darf sogar als Erfinder des elektronischen Fernsehens gelten, weil den Herren Loewe und Ardenne 1931 die weltweit erste Übertragung gelang. Eine vergleichsweise junge Marke ist da TechniSat aus Daun in der Eifel, vor 20 Jahren gegründet und damit ein Emporkömmling unter den Traditionalisten.

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Portabler Fernseher - wahrscheinlich noch ohne DVB-T.

Der vierte Testteilnehmer hat wiederum eine ziemlich turbulente jüngere Vergangenheit hinter sich. Die Grundig AG musste 2003 Insolvenz anmelden. Anfang 2004 schlug das britisch/türkische Konsortium Alba/Beko zu. Die Produktion der TV-Geräte fand und findet seither bei Beko in der Türkei statt. Inzwischen ist Grundig auch in rein türkischem Besitz, seit 2006 besetzen die Nürnberger in Istanbul ihre eigene Fertigungslinie, an der 140 speziell geschulte Mitarbeiter Grundigs High-End-Modelle produzieren. Obwohl nicht mehr ?made in Germany?, will Grundig den Qualitätsanspruch so aufrecht erhalten. Ein erheblicher Teil der Entwicklung findet ohnehin weiter in Nürnberg statt, so auch für das Herzstück des Testgerätes, dem so genannten ?G-Chassis?.

Wesentliche Bauteile eines Fernsehers, vor allem das Panel, müssen alle Hersteller in Fernost kaufen. Doch sind die Vorteile der in Deutschland entwickelten und gefertigten Fernseher für den Kunden vielschichtig: Angefangen bei den Handbüchern, die mit Grundig als einziger Ausnahme umfangreich und gut geschrieben sind. Der Komfort von Bedienmenüs, die frei von Übersetzungsfehlern oder verworrenen Bezeichnungen auskommen, ist nicht zu unterschätzen. Beim alltäglichen Fernsehkonsum spielt die Standortkenntnis der deutschen TV-Marken ihren größten Bonus aus: Alle getesteten Modelle verfügen beispielsweise über einen elektronischen Programmführer ?auch für die analogen Tuner. Techni-Sat bereitet mit ?SiehFern Info? sogar seine eigene digitale Programmzeitschrift auf. Das Empfängerangebot selbst reicht weit über den veralteten Analoganschluss hinaus. TechniSats HD-Vision kommt mit kompletter Tunerausstattung ins Haus. Loewe und Metz nehmen in der Grundausstattung DVB-C und -T entgegen.

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Loewe trifft Lucky Strike: Ein dicker weißer Röhrenfernseher und eine glühende Zigarette als höchster Genuss. Im Jahr 2008 kaum denkbar.

Wer auch über Satellit empfangen will, lässt die Module gegen Aufpreis nachrüsten. Grundig verfolgt ein anderes, nicht weniger cleveres Konzept: Der Fernseher selbst kommt mit einem analogen TV-Tuner. Wer digital empfangen will, rüstet entsprechende Receiver nach. In der Größe einer Zigarettenpackung docken sie am Scartanschluss an ? und am so genannten G-Bus, der den Microreceiver mit Strom versorgt und ihn in Grundigs Bedienoberfläche integriert. Temporärer Nachteil dieser Lösung ist, dass der entsprechende HDTV-Empfänger noch bis zur Funkausstellung auf sich Warten lässt. Auf den ersten Blick soll der ?Made in Germany?-Faktor in der Verarbeitung sichtbar sein. Schon die Waage bestätigt die Hochwertigkeit der verbauten Werkstoffe: TechniSats HD-Vision bringt mit 27,5 Kilogramm fast doppelt so viel Kampfgewicht auf die Waage, als asiatische Billigheimer in dieser Größe. Kein Wunder, denn statt billiger Spritzgusskunststoffe greifen die Deutschen lieber zu Glas, Metall und sogar Holz. Letzteres findet sich unter der Metallverplankung des einzigartigen Metz-Standfußes, der der aktuellen Design-Ikone der Branche Halt gibt.

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Metz brachte in den Neunzigern Farbe ins Leben.

Aus Design- sowie Performancegründen liegen Kontrastscheiben hoch im Kurs. Bis auf Grundig setzen alle drei Hersteller dem Panel eine Glasscheibe vor. Das verleiht den Fernsehern außer Betrieb ein schickeres Antlitz, sorgt aber auch beim Fernsehen für eine subjektive Kontrastverbesserung. Der Nachteil ist deren Reflexionseigenschaft: Trotz der guten Entspiegelung sollte direkter Lichteinfall auf die Scheibe tunlichst vermieden werden.

Zu guter Letzt sei darauf hingewiesen, dass der Kunde auch von den tief verwurzelten Beziehungen deutscher TV-Hersteller zu ihren Fachhändlern profitiert. Allen voran sei hier Metz lobend erwähnt, deren Bindung an den inhabergeführten Einzelhandel in der Branche als einzigartig gilt. So sorgen sie nicht nur für Serviceleistungen wie die Anlieferung des Gerätes und dessen Installation im Wohnzimmer, sondern auch für eine möglichst schnelle Reparatur eines eventuellen Defektes. Wie auch bei Loewe darf sich der Kunde auf geschultes Personal verlassen, das den Umbau oder das Nachrüsten von Geräten schnell und zuverlässig beherrscht. Auch TechniSat steht dem kaum nach. Grundig verlängert seine Garantie beim Kauf im Fachhandel sogar um ein Jahr auf drei Jahre. Dass diese Leistungen ihren Preis rechtfertigen, weiß man spätestens nach dem ersten Schadensfall.

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Grundig: Verschließbare TV-Kabinetts waren in den Nachkriegsjahren die Lieblinge der Hausfrauen.

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