Vollformat-Kompaktkamera

Sony Cybershot RX1 im Test: Neuer Meilenstein

Im kompakten Gehäuse der Sony DSC-RX1 stecken ein 24-Megapixel-Vollformatsensor und ein lichtstarkes Zeissobjektiv mit 35-mm-Festbrennweite. Kann die Digitalkamera im Test an den Erfolg der RX100 anknüpfen?

  1. Sony Cybershot RX1 im Test: Neuer Meilenstein
  2. Datenblatt
Sony Cybershot DSC-RX1 Test

© Sony

Sony Cybershot DSC-RX1 Test
EUR 2.499,00

Pro

  • Vollformatsensor
  • gute Bildqualität auch bei hohen ISO-Werten
  • fast geräuschloser Verschluss

Contra

  • kein Sucher
74,2%
Jetzt kaufen
EUR 2.499,00

Pro

  • Vollformatsensor
  • gute Bildqualität auch bei hohen ISO-Werten
  • fast geräuschloser Verschluss

Contra

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74,2%

Mit der DSC-RX100 (88,5 Punkte im Test) bietet Sony bereits Qualität im kleinen Gehäuse. Sie ist nicht größer als eine Kompaktkamera, setzt aber auf einen 1-Zoll-Sensor mit 20 Megapixel Auflösung. Mit der RX1 geht Sony nun noch einen großen Schritt weiter: Herzstück der RX1 ist ein Exmor-CMOS-Vollformatsensor (35,8 x 23,9 mm, 24,3 Megapixel), und zwar der gleiche, mit dem auch Sonys neue Profi-SLR Alpha 99 (57 Punkte im Test) aufwartet. Hinzu kommt eine Zeiss-Festbrennweite 2/35 mm

Die Bildverarbeitung übernimmt der weiterentwickelte Bionz-Prozessor, mit dem Serienaufnahmen von bis zu fünf Bildern pro Sekunde bei voller Auflösung und Vorfokussierung möglich sein sollen. Der Technik entsprechend ist auch der Preis, der bei 3.100 Euro liegt. Wir testen die DSC-RX1 wie alle Modelle mit großem Sensor nach dem Testverfahren für SLRs.

35-mm-Festbrennweite

Von außen betrachtet wirkt die RX1 für eine Vollformatkamera fast zierlich: Sie ist auffallend schlank und mit 482 g samt Akku und Speicherkarte leicht. Für das Objektiv gilt dies allerdings nicht, Zeiss hat das 2/35 mm Sonnar-T-Objektiv speziell für die RX1 gerechnet, und Lichtstärke 2 führt zu entsprechend großen Linsen. Der Fokussierbereich beginnt bei 24 cm und verkürzt sich im Makromodus auf 14 bis 29 cm.

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Auch bei der RX1 bietet Sony ein "Klarbildzoom", das die Bilddaten durch einen Algorithmus interpoliert. Im Vergleich zu konventionellen Digitalzooms bleiben Bilddetails besser erhalten, aber wer kauft für 3.100 Euro eine Kamera mit Festbrennweite, um dann Bildausschnitte in der Kamera hoch zu interpolieren? Auffällig: Obwohl die Akkuladung fürs Fotografieren und Zoomen ausreichte, ließ sich der Zoommodus im Menü bei rund 20 Prozent Ladung nicht mehr anwählen. 

Sony Cyber-shot DSC-RX1 hinten

© Sony

Das 3-Zoll-Display der RX1 ist scharf und klar.

ISO 50 bis ISO 102 400

Die Lichtempfindlichkeit der RX1 ist den großen SLR-Schwestern ebenbürtig und bietet Einstellungen von ISO 100 bis 25.600. Mit Mehrbild-Rauschunterdrückungsfunktion reicht die maximal mögliche Lichtempfindlichkeit bis rein rechnerisch ISO 102.400, in einem "Expanded-"Modus lässt sich ISO 50 einstellen.

Die möglichen Verschlusszeiten hat Sony kurz vor Verkaufsstart sinnvollerweise noch erweitert: Es sind nun Zeiten von 1/4000 s möglich, allerdings nur bei Blendenwerten unter 5,6. Mit f4 sind noch 1/3200 s drin, bei f2 nur mehr 1/2000 s, womit die Gefahr besteht, dass die Aufnahmen bei sehr hellem Tageslicht und offener Blende schon mal überbelichtet sein könnten. Hier wäre ein eingebautes Grau- oder Neutraldichtefilter nützlich. Mit an Bord ist ein optischer Bildstabilisator.

Sony RX1

© Sony

3 Zoll großer, 307200 RGBW-Pixel auflösender Monitor: Die Helligkeit lässt sich automatisch oder manuell an das Umgebungslicht anpassen. Für den Monitor und optionalen Sucher kann man individuell festlegen, welche Informationen eingeblendet werden sollen

Höchstauflösendes Display

Die RX1 besitzt zwar einen integrierten Pop-up-Blitz, der fällt allerdings mit LZ 6 etwas schwach aus und wirkt im Verhältnis zur soliden Kamera sehr filigran und etwas instabil. Was in der Praxis fehlt, ist ein integrierter Sucher. Beides, Aufsteckblitz und Sucher (optisch oder elektronisch), als auch ein externer Monitor können optional über den Blitzschuh adaptiert werden. Ein Sucher macht in jedem Fall Sinn, um die volle Funktionalität der Kamera wie etwa Peaking beim manuellen Fokussieren optimal anzuwenden.

Das 3-Zoll-Display mit 307.200 Pixeln ist kein Touchscreen und weder dreh- noch schwenkbar, bietet aber als RGBW-Display mit zusätzlichen weißen Subpixeln eine besonders hohe Leuchtkraft, wenn die Sonne ungünstig auf das Display trifft. Entsprechend überzeugend ist die Abbildungsqualität: Sie ist klar, knackscharf und rauscharm. Die Helligkeit lässt sich automatisch oder manuell über das Menü an das Umgebungslicht anpassen, allerdings könnte die Oberfläche etwas besser entspiegelt sein.

Sony Cyber-shot DSC-RX1

© Sony

Die Programm-Einstellscheibe findet sich gut erreichbar neben dem Auslöser, rechts daneben der Drehregler für die Belichtung. Die Einstellungen für Blende und Fokusart lassen sich bequem über den Objektivring vornehmen.

Bedienkonzept

Dem Käuferkreis angemessen, spielen Automatiken eine eher untergeordnete Rolle. Das Tastenprinzip ist schlüssig und lässt sich weitgehend den individuellen Bedürfnissen anpassen. Blende und Fokus stellt man komfortabel über einen Ring am Objektiv mit brauchbarer Lupenansicht ein. Die Fokusart wird über einen Drehknopf an der Front festgelegt.

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Die Scharfstellung erfolgt über den Auslöseknopf, links davon findet sich das Moduswahlrad, das alle gängigen Belichtungsmodi bietet von der Automatik, über Halbautomatiken bis zur voll manuellen Belichtungskontrolle, drei Anwenderspeicher, Videobetrieb oder Panoramamodus. Daneben ist ein weiteres Einstellrad für die Belichtungskorrektur untergebracht mit einer Korrektur um +3 Blendenstufen.

Sony Cyber-shot DSC-RX1 Menü

© Sony

SLR-Ausstattung: Wie die Alpha A99 hat auch die RX1 eine Peaking-Funktion: eine farbige Kantenmarkierung zur Schärfenkontrolle.

Auf der Rückseite gibt es neben Drehrad und AEL-Taste, ebenfalls gut erreichbar für den Daumen, eine Fn- und Vierwege-Taste. Praktisch: Um den Set-Knopf des Vierwege-Schalters herum sitzt ein zweites Rändelrad, das neben der Navigation durch das Menü als komfortables Einstellrad zu verwenden ist, etwa um Bilder in der Voransicht zu zoomen (Lupenmodus). Das Menü ist umfangreich, dennoch gut gegliedert und logisch, mit kurzen Reitern, so dass man sich schnell zurechtfindet.

Videoaufnahme in Spielfilmqualität

Bildgestaltung und Kreativität haben die Entwickler im Konzeptentwurf der RX1 groß geschrieben: Neben drei wählbaren Bildeffekten stehen 11 Bildeffekte zur Auswahl. Zusätzlich können bei der Aufnahme 13 verschiedene Kreativfunktionen und Nachbearbeitungseffekte hinzugeschaltet werden. Es gibt eine Auto-HDR-Funktion, eine D-Range Kontrast optimierung, Serienbildaufnahme mit unterschiedlichen Belichtungsstufen, Weißabgleichen oder DRO-Einstellungen.

Den Videobetrieb startet man direkt und schnell über eine rote Video-Taste an der rechten Gehäuseseite. Um weitere Einstellungen wie Blende, Zeit, Programmautomatik und die generelle manuelle Steuerung vorzunehmen, muss man im Menü allerdings in den dezidierten Videomodus wechseln. Dank des lichtstarken Objektivs mit Offenblende 2 können selbst bei schlechten Lichtverhältnissen noch Szenen mit geringem Rauschen und Detailreichtum eingefangen werden.

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Wahlweise können Full-HD-Videos mit maximal 50/60 B/s im AVCHD oder MP4-Format gedreht und ein Vierfach-Digitalzoom genutzt werden. Sehr überzeugend der kontinuierliche Autofokus im Videobetrieb: Er zieht die Schärfe präzise, ruckelfrei und ohne merkliche Geräuschentwicklung nach. Die Aufnahme erfolgt über eingebautes Stereomikrofon, ein professionelles externes lässt sich per Blitzschuh adaptieren, ein Kabelfernauslöser über das integrierte Gewinde im Auslöseknopf.

Serien und Auslösen

Anders als zunächst angekündigt, ermöglicht die RX1 beim Fotografieren außer manuellem Scharfstellen auch die automatische Einzelfokussierung, der kontinuierliche Fokus bleibt dem Videobetrieb vorbehalten. Die 25 Messfelder des Autofokus arbeiten mit Kontrastmessung auf den Sensor.

Dank des neuen Bionz-Prozessors benötigte die Kamera zum Auslösen moderate 0,43 s bei 1.000 lux wie bei 30 lux. Das ist kein absoluter Topwert, für einen Vollformatsensor aber sehr anständig und auch mit den Leistungen der meisten SLRs mit Phasendetektions-Autofokus konkurrenzfähig.

Die Einschaltverzögerung lag bei lahmen 2,1 s. Im Serienmodus erreichte sie 12 Bilder (RAW) bzw. 14 Bilder (JPEG) bei 5,3 B/s - ein Top-Ergebnis in beiden Formaten.

Vorbildlich geräusch- und erschütterungsarm läuft der Verschluss. Der Akku, der teilweise zu früh schlapp macht, ist jedoch zu klein.

Sony Cyber-shot DSC-RX1

© Sony

Die RX1 besitzt einen integrierten Pop-up-Blitz.

Top-Bildqualität

Bei der Bildqualität landet die RX1 ganz vorne und auf Augenhöhe mit den Profikameras Canon 1DX (60 Punkte im Test) und Nikon D4 (57 Punkte im Test). Bis ISO 800 zeigt die RX1 quasi keine Schwächen, die Unterschiede zu ISO 100 sind minimal, was Auflösung, Feinzeichnung und Rauschen angeht.

Der neue Exmor-CMOS-Sensor mit einer Nennauflösung von 24 Megapixel und dem verbesserten Bionz-Prozessor macht alles richtig, was bei der A900 noch misslang. Im Vergleich zur Sony A99 liefert die RX1 eine etwas höhere Auflösung - da stellt das Zeiss-Objektiv seine Qualität unter Beweis -, aber auch bessere Dead-Leaves-Werte. Der Unterschied erschien uns zu groß, und so haben wir die A99 noch einmal nachgemessen und mit einem anderen Objektiv bessere DL-Werte erzielt.

Auch bei den hohen Empfindlichkeiten bis ISO 12.800 steigt der Noise-Wert bis maximal 1,1 an. Bei ISO 100 erreicht die Grenzauflösung 1743 LP/BH. Sie hält sich bis ISO 6.400 (1658 LP/BH) konstant und fällt bei ISO 12.800 auf 1.449 LP/BH ab. Durchaus erfreuliche Werte förderten auch die DL-Messungen zu Tage: Im Bereich ISO 100 bis ISO 3.200 sind 1.368 LP/BH bis 1.115 LP/BH drin, ohne dass Sony dazu den Kontrast extrem anhebt. Die Texturverluste sind in Ordnung und steigen erst bei ISO 3.200 an.

Fazit

Mit der neuen DSC-RX1 hat Sony ganze Arbeit geleistet und ein Konzept realisiert, das den Spaß am Fotografieren erhöht und zugleich technisch überzeugt: Ausstattung und Leistung der RX1 sind beachtlich - nur der Akku sollte größer sein.

Die Bildqualität ist sehr hoch und liegt wie bei der Sony A99 bis in die hohen ISO-Stufen auf dem Niveau der aktuellen Top-Modelle von Canon und Nikon. Weitere Pluspunkte sind der fast geräuschlose Verschluss, das lichtstarke Carl-Zeiss-Objektiv, ein brillanter 3-Zoll-Monitor sowie eine üppige Ausstattung und eine komfortable Bedienung.

Vor allem Letztere liegt auf Top-SLR-Level, da sie jede Menge manuelle Einstellungen und individuelle Tastenbelegungen erlaubt. Absolut konkurrenzfähig ist auch der Kontrastautofokus mit 0,43 s, auch wenn er keine Spitzenwerte beim Tempo erreicht.

Sony Cybershot DSC-RX1

HerstellerSony
Preis3100.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.6

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