Testbericht

Arcam AVR 500

Vor einem Jahr machte der Arcam AVR 600 auf der High-End-Messe mächtig Furore. Ein Jahr später debütiert der kleine Bruder AVR 500 auf der Messe und exklusiv in Video-HomeVision. Wer diesen Receiver anhört, vergisst ihn so schnell nicht mehr.

Der Arcam AVR 500 in Bildern

© Stefan Schickedanz

Der Arcam AVR 500

Pro

  • intuitive Handhabung
  • sorgfältige Materialauswahl und Verarbeitung
  • authentische Klangqualität

Contra

An viele Testkandidaten erinnert man sich schon kurz nach der Veröffentlichung seines Berichts kaum noch. Auf der anderen Seite gibt es Receiver wie den Arcam AVR 600, dem der Autor dieses Tests mit einigen Kollegen eine gute Stunde lang nach Messeschluss auf der letztjährigen High-End-Messe in München in der KEF Lounge lauschte - nur zum Spaß.Dass ein einteiliges, vergleichsweise kompaktes und bezahlbares Gerät mit fünf anspruchsvollen Schallwandlern vom Typ KEF Reference 207/2 und einem Subwoofer den riesigen Raum zum Beben brachte und dabei mühelos und natürlich wirkte, blieb lange haften.

So war es fast eine Reflexhandlung, unmittelbar nach der Ankündigung des kleinen Bruders, der auf der im Mai stattfindenden Szene-Messe in München Premiere feiert, den feinen Briten zum Test in die Redaktion zu ordern.

Arcam AVR 500: Bild vs. Klang

Dort angekommen, spaltete der AVR 500 die Belegschaft in Audio-Liebhaber und Bildbesessene. Der Grund: Arcam implementierte in das 3.200 Euro teure Gerät nicht den letzten HDMI-Standard. Erst mit Version 1.4 steht einem Receiver die schöne neue 3D-Welt offen.

Allerdings ist es bei den kleinen Nobelmarken aus Europa und den USA mit ihren langen Entwicklungszeiten und vergleichsweise begrenzten Ressourcen eher die Regel als die Ausnahme, nicht so schnell Trends zu adaptieren wie Denon, Yamaha oder Onkyo, die untereinander in einem knallharten Wettbewerb stehen.

Auf das Thema angesprochen, entgegnete Product Manager Sven Schlicher von GP Acoustics, dass Arcam durch den modularen Aufbau in der Lage sei, neue Standards nachzureichen. Für alle, die sich zunächst auch ohne 3D-Trickfilme zum Heimkino animieren lassen, zeigt der Arcam ein messerscharfes Profil.

Er füllt die Lücke zwischen technisch hochgerüsteten, aber in mechanischer Hinsicht vom Rotstift ausgebremsten Receivern der Massenhersteller und den exorbitant teuren Vor-/Endstufen- Kombinationen der exotischen Manufakturen.

Der Arcam AVR 500 in Bildern

© Stefan Schickedanz

Der blitzsaubere modulare Aufbau des AVR 500 gliedert sich in den Leistungsverstärker (oberer Bereich), der in Leistung und Effizienz nicht ganz an den AVR 600 (hier abgebildet) herankommt. Andere Baugruppen wie Video- und Audio-Prozessoren sind identisch. Der AVR 600 hat jedoch mehr Anschlussmöglichkeiten wie 7.1 Pre Out, und die optionale Netzwerkplatine gehört zum serienmäßigen Lieferumfang.

Arcam AVR 500: Nur für Erwachsene

Der Receiver besitzt alle Zutaten, mit denen klangstarke High-End-Stereo-Verstärker aufwarten, kombiniert mit sieben Kanälen und jenen Features aus dem AV-Bereich, die nachvollziehbaren Nutzen verheißen. Und vor allem lässt er sich intuitiv bedienen. Mit anderen Worten: ein Gerät, das sich reifere Menschen wünschen, um sich mit Heimkino anzufreunden.

Schließlich spielen sich nicht nur in vielen Wohnzimmern bei der Inbetriebnahme eines neuen "Kinostars" kleine Dramen ab. Mitunter würde man auch in den einschlägigen Redaktionen Szenen für die versteckte Kamera finden, wenn etwa gestandene Redakteure verzweifeln, weil die AV-Steuerzentrale keinen Ton von sich gibt.

Gerade kleinere Hersteller sind oft nicht in der Lage, den mühsam integrierten techni- schen Overkill auch für Durchschnittskunden bedienbar zu machen.

Die auch über HDMI verfügbaren On-Screen-Menüs sind logisch aufgebaut und so professionell umgesetzt, dass sich große Anbieter daran ein Beispiel nehmen könnten. Praxisgerecht ist auch die Ausstattung, die fünf HDMI-Eingänge und zwei Ausgänge umfasst.

Für die Video-Eingänge besteht die Option, die Bildsignale zu konvertieren und bis 1080p zu skalieren. Hochauflösende Formate wie Dolby TrueHD oder DTS Master Audio lassen sich an Bord decodieren.

Optional lässt sich für 500 Euro eine Netzwerk-Platine mit USB- und LAN-Anschluss integrieren. Dann beherrscht der Receiver nicht nur Au-dio-Streaming von NAS-Festplatten oder USB-Sticks, sondern auch Web-Radio. Eine DAB-Tuner-Option für 300 Euro sowie ein iPod Dock für 250 Euro finden sich ebenfalls in der Aufpreisliste.

Arcam AVR 500: Besondere Materialien

Der Arcam-Receiver lässt im modular aufgebauten Inneren jene Sorgfalt in Materialauswahl und Detaillösungen erkennen, die Audio-Liebhaber an hochwertigen Stereo-Verstärkern von der Insel schätzen. Der Receiver verfügt über einen riesigen Ringkern-Transformator, der von Klangtüftlern wegen seiner geringen Streufelder geschätzt wird.

Zudem sind die Briten entschlossen gegen Resonanzen vorgegangen. Das antimagnetische Gehäuse besteht aus einem speziellen Verbundwerkstoff aus Aluminium und Sorbothane, einem Kunststoff mit besonderen Dämpfungseigenschaften.Dämpfer-Pads aus Sorbothane auf elektrischen Bauteilen wie Umschalt-Relais und "Damping Rings" aus Polymer-Kunststoff an Kondensatoren sollen den Klang beeinträchtigende Resonanzen unterdrücken.

Gegen elektromagnetische Störfelder, die besonders in heutigen AV-Receivern mit ihrer digitalen Bild- und Ton-Verarbeitung auftreten, setzen die Entwickler Ferritplatten auf den ICs ein und schirmen den Deckel durch ein leitfähiges "Stealth Mat"-Gewebe aus der Luftfahrt ab.

Arcam AVR 500: Hörtest

Wie der Receiver die Theorie in die Praxis umsetzte, war atemberaubend. Der Realismus und das Gefühl, mitten im Geschehen zu sitzen, prägten die Darbietung so stark, dass man auf übliche Klangbeschreibungen und Beispiele verzichten kann. Die Klangfarben und das Timing stimmten auf den Punkt und erinnerten an sehr gute High-End-Audio-Verstärker oder an Vor-/Endstufen-Kombinationen.

Was den Arcam-Receiver in dieser Preisregion ganz besonders aus der Masse heraushebt wie Dom Perignon aus einer gewöhnlichen Champagner- Auswahl, sind seine kaum zu übertreffende Abbildung und der extrem knackige, satte Bass.

Diese Tugenden führen einerseits dazu, dass die gesamte Hörbühne in allen Achsen wächst und man das Gefühl hat, vor den Interpreten zu sitzen. Ob es sich dabei um Musik in Zwei- oder Mehrkanal-Betrieb oder um Filme handelt, spielt keine Rolle.

Der Arcam gehört nicht nur in den kleinen Kreis der AV-Komponenten, bei denen der Autor aufstand, um sich aus nächster Nähe davon zu überzeugen, dass der Center bei dem passend gewählten Album "Something to Remember" von Madonna (Warner) nicht mitlief.

In diesem Fall hätte er sogar eine ca. 100 Euro teure Flasche Dom Perignon darauf gewettet, dass die mittlere B&W Nautilus 801 für die extrem stabile und präzise Positionierung der Popdiva verantwortlich war (ein Glück, dass niemand dagegen gewettet hatte). Die Performance war in plastischer Hinsicht und in Sachen Bass-Fundament sensationell. Der Klangunterschied zum 1.400 Euro teureren Arcam AVR 600 fiel überraschend klein aus und äußerte sich eigentlich nur in geringfügig größeren Reserven und einer Idee mehr Informationen vom ursprünglichen Aufnahmeraum.

image.jpg

© Archiv

Langlebiger Receiver -Nachrüstungsbeschluss

Die Verarbeitung und die Konzeption des Arcam AVR 500 zielen auf eine lange anhaltende Verwendung hin. Wer über 3000 Euro für einen Receiver ausgibt, kann bei der kleinen feinen Marke aus England darauf vertrauen, dass sich zukünftige Neuerungen nachrüsten lassen.

So sitzen etwa die Video-Prozessoren auf einer eigenen Platine (Foto) und können leicht ausgetauscht werden, wenn die Technik einen neuen Stand erreicht. Auch Ausstattungsoptionen wie Netzwerk-Anschluss oder DAB-Tuner lassen sich so nachträglich integrieren.

Fazit

Mit dem sehr praxisgerechten AVR 500 hat Arcam sich selbst und die meisten Lösungen der Konkurrenz übertroffen, wenn authentische Klangqualität und intuitive Handhabung an erster Stelle stehen. Ob diese Stärken den vorläufigen Verzicht auf 3D-Bild-kompatible HDMI-Buchsen kompensieren, muss jeder selbst entscheiden. Immerhin bietet der Brite selbst mit Stereo einen 3D-Klang, der seinesgleichen sucht.

Mehr zum Thema

Denon AVR-2313
AV-Receiver

Denon hat die Anschlüsse und auch die Fernbedienung beim AVR-2313 auf das Nötigste reduziert. Ob dabei die Funktionalität erhalten bleibt, zeigt…
Marantz SR 6007
AV-Receiver

Der Marantz SR 6007 glänzt mit 7.1-Surround-Anschlüssen und liefert ein zweites Paar Lautsprecherklemmen. Wie der AV-Receiver klingt, zeigt der…
Harman AVR 370
AV-Receiver

Harman bietet bei dem AV-Receiver der 1.000-Euro-Klasse integriertes WLAN und 4K-Video-Skalierung. Bleiben bei diesem Fortschritt die alten…
arcam-avr750
AV-Receiver

Der neue Arcam AVR750 soll nicht nur der beste Receiver, sondern auch der beste Stereo-Verstärker des traditionsreichen britischen Herstellers sein.…
Onkyo TX-NR646 im Test: Vorderseite
Mittelklasse-AV-Receiver

Mittelklasse-AV-Receiver Onkyo TX-NR646 im Test: Punkten wollen die Japaner vor allem mit den neuen Objektklangformaten Dolby Atmos und DTS:X.