Testbericht

Test: Plattenspieler gegen Streaming-Client

Audiophile haben es immer gewusst: Die LP klingt besser. Doch ist das wirklich so? Jetzt will gerade Linn - Inbegriff für beste Analogwiedergabe seit über 30 Jahren - digital Paroli bieten. Wir wollten es wissen und ließen den Streaming Client Klimax DS gegen den berühmten LP 12 antreten.

Linn Klimax DS

© Archiv

Linn Klimax DS

Ziel war es, ein Gerät zu bauen, das besser ist als jedes vergleichbare?, so formuliert Gilad Tiefenbrun den Anspruch des Linn Klimax DS - und damit zugleich seinen Anspruch. Herausforderungen, große Ziele liegen Gilad im Blut. Ist doch Vater Ivor auch Vater des Linn LP 12, des Plattenspielers, mit dem genau das schon einmal gelang - vor nun 36 Jahren. Seit dieser Zeit dreht sich das Laufwerk, immer wieder verfeinert, in die Herzen anspruchsvollster Musikliebhaber in aller Welt.

Linn LP 12 SE/Ekos SE/Akiva

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Der LP 12 SE.

Gilad möchte mit dem Klimax DS die klanglischen Fähigkeiten des LP12 ins digitale Zeitalter transformieren. Das Ergebnis ist interessant:

Der Klimax DS ist keine Quelle im üblichen Sinn, er besitzt weder Laufwerk noch Festplatte, bewegte Bauteile kamen ohnehin nicht infrage, nicht einmal eine einzige Taste ziert die elegante Front. Der Klimax DS ist ein Streaming Client. Er wandelt digitale Daten in analoge Signalströme, doch ist er kein klassischer D/A-Wandler. Für diese Spezies typische SPDIF- oder Toslink-Anschlüsse fehlen. Daten empfängt der Linn via Ethernetkabel von einem Netzwerk oder einer fast beliebigen NAS-Festplatte (Network Attched Storage): Der Klimax DS wollte sich nämlich nicht so richtig mit der DLNA-UPnP-fähigen Festplatte in unserem Test-Netzwerk anfreunden.

Linn Klimax DS

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Äußerlich wirkt der Linn Klimax DS recht schlicht.

Gedanken um diese Dinge muss sich der potenzielle Klimax-Kunde nicht machen, der geschulte Linn-Händler übernimmt die Inbetriebnahme und berät in Sachen Steuerung. Denn sind irgendwann mehrere Hundert oder Tausend Titel auf einer Festplatte gesichert, genügen klassische Fernbedienungen kaum. Ein Mini-PC, auch manches Handy kann als interaktive Fernbedienung die Steuerung des Klimax DS und der Musikarchive übernehmen. Einmal installiert, fällt das denkbar leicht.

Linn Klimax DS

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Walhalla: Sicher wie in einem Tempel gehen die verschiedenen Baugruppen des Klimax DS in dem aus dem Vollen gefrästen Alublock ihrer Arbeit nach.

Mindere Qualität, wie MP3-gespeicherte Kost, verachtet der Linn. Ganz im Sinne seines Entwicklers wandelt er nur verlustfrei komprimierte Daten a la WAV und Flac in einer Auflösung von 44,1 bis 192 Kilohertz und bis zu 24 Bit. Um das ungestört zu bewerkstelligen, ruhen die Module und das Netzteil in einem aus dem Vollen gefrästen Alublock. Die einzelnen Baugruppen verrichten ihre Arbeit mechanisch strikt getrennt. Temperaturschwankungen oder Mikrophonie- Effekte haben kaum den Hauch einer Chance, den Klimax DS in seiner Arbeit zu beeinflussen, CD-Player sind hier anfälliger.

Linn Klimax DS

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Wählerisch: Der Klimax DS gestattet nur einem Ethernetkabel den Zugang ins Allerheiligste. Solide XLR- und Cinch-Buchsen ebnen den analogen Weg zu einem Verstärker.

Der Klimax DS spricht Klartext

Nichts, aber auch gar nichts soll den Linn hindern, Daten 1 zu 1 aus der digitalen in die analoge Welt zu übersetzen, Mittler zu sein zwischen den Welten. Denn nicht nur in der internationalen Politik entscheiden Übersetzer über Wohl und Weh einer Sache. Leisten sie sich kleinste Schnitzer, kann eine Botschaft verfremdet, gar verfälscht beim Empfänger ankommen und manch Diplomat laviert lieber, als Klartext zu sprechen.

Unser Referenzplayer Burmester 061 steht keinesfalls im Verdacht in diesem Sinne diplomatisch zu agieren, kein der Redaktion bekannter Spieler gibt Musik so akkurat und dynamisch wieder. Traten Klimax DS und Burmester 061 gegeneinander an, gab es kein Vertun. Vom ersten Ton an reproduzierte der Linn gelassener, nicht langsamer, nicht minder packend. Da fehlte keine Information, feinstdynamische Strukturen, eine Domäne des Burmester, zeichnete der Linn sogar spielerischer nach, verwob Melodielinien gekonnter zu einem organischen Ganzen ? in Einklang mit Orchester, Interpret und Instrument.

Testbericht

Linn Klimax DS
Linn
15.000 Euro

Streaming Client

Weitere Details

92 Prozent

Fazit:Nie klang ein digitales Medium so natürlich. Der Klimax DS definiert die Spitze audiophiler Digitaltechnik.

Testurteil
überragend
Preis/Leistung
befriedigend

Den Anschlägen Atseku Sekis (?Große Sonate C-Dur?/Haydn/Divox) konnte ich leichter folgen, länger mitzählen, so ich das wollte. Den Steinway bildete der Burmester gewohnt groß und haarscharf umrissen ab, tiefe Register rabenschwarz, vor Energie nur so strotzend. Der Linn erweiterte die Farbpalette. Vom matt düsteren Kohlenstaubschwarz über satt glänzendes Tiefschwarz bis zum silbrig schimmernden Graphitgrau.

Diese prismenartige Spreizung erfuhr auch die Wiener Hofburgkapelle (Philips). Die Klangfarben der wunderbaren Gregorianikwaren gegenüber CD-Wiedergabe zurechtgerückt, alles passte, ein Ton ging in den nächsten über ohne dabei aquarellartig erstklassige High-End-Komponenten ein luxuriöses Dahingleiten durch herrlich pittoreske Musiklandschaften, andere wiederum ein hautnahes, stimulierendes Erfahren von Musik wie der Burmester 061, sodass jeder Muskel vor Freude jauchzend vibriert, tat der Linn beides. Dabei erfand er keine ?neue Mitte?, er übersetzte, was Interpret, Schreiber oder Komponist uns letztlich mitteilen wollten, klarer, direkter von einer digitalen Quelle. Und wehe ein anderer Player als der Burmester, beispielsweise ein solides Modell der 1.500-Euro-Klasse, trat gegen den Linn an. Da zogen Klangfarben nicht zu überhörende Grauschleier mit, dynamischen Strukturen mangelte es an Gruppenspiel, als fehlte dem Orchester die leitende Hand des Dirigenten. Stimmen verloren die tonale Balance, verfärbten und waren im Vergleich zum Linn fast leblose Schatten. Die Unterschiede sind eindeutig hör- und nachvollziehbar. Und damit war der Klimax DS beileibe nicht am Ende seines Lateins. Beherrscht er doch auch hochauflösende Formate mit 88,2 oder höherer Samplingfrequenz und 24 Bit Wortbreite. Musik in dieser Auflösung gibt es beispielsweise auf der Linn-Website zum kostenpflichtigen Download und auch große Plattenkonzerne wie EMI wollen den Service bald anbieten - die Stunden des klassischen Silberlings scheinen gezählt. Bevor das Herz des Klimax DS jedoch im Turbo-Takt schlagen durfte, galt es gegen den LP 12 anzutreten, den wir in der edelsten Variante mit Tonarm Ekos SE, Netzteil Lingo und MC-Abtaster Akiva zum Test baten. Derart auf die Spitze getriebene Analogtechnik weist Digitalkomponenten aller Couleur in beschaulicher Regelmäßigkeit auf die Plätze.

Der Fight Analog gegen Digital wurde fair ausgefochten ? mit identischem Ausgangsmaterial. Der Testjury diente eine Einspielung, die ich im Studio begleiten durfte und dann sowohl auf CD wie Vinyl gepresst wurde. Entscheidend, denn nicht immer sind die Abmischungen für beide Trägermedien gleich.

LP 12 gegen Klimax DS: Vater gegen Sohn

Aber tatsächlich fair? Hier ein eleganter Metallblock, da die sich anmutig drehende Scheibe. Erliegen wir nicht unterbewusst ihrem Charme und machen bereitwillig Zugeständnisse? Im Falle des LP 12 tat das keine Not. Denn der spielte mit aller denkbaren musikalischen Wucht und Eleganz auf, als wolle er alte Vorurteile gegen die Digitaltechnik flammend neu belegen. Stimmen reproduzierte er natürlicher mit mehr Fleisch, mehr Energie, mehr Farbe. In den Höhen atmete er kräftig durch, Details blitzten polierter und eleganter. Der Klimax DS wehrte sich hartnäckig, setzte das Geschehen auf ein Fundament aus Granit und leuchtete den akustischen Raum fantastisch aus. Allerdings kam der LP 12 gerade erst so richtig auf den Geschmack.

Linn LP 12 SE/Ekos SE/Akiva

© Archiv

Wunder: Ausgestattet mit dem Tonarm Ekos SE und dem Tonabnehmer Akiva markiert der LP 12 die Spitze analoger Schallplattenwiedergabe.

Von unbändigem Gemüt, doch voller Finesse kickte er Rhythmen a la Jamiroquai in den Raum. Gewaltig erklangen dann die Pauken der Sinfonischen Tänze, angsteinflößend drohend das Kontrafagott in der Todesinsel (Rachmaninoff). Um letztlich mit Mozarts Zauberflöte musikalisch zu explodieren. Wer will da nicht Tamino sein? Der Analogspieler rockte um das Quäntchen erdiger, tänzelte um das nachhaltige Jota beschwingter, das für manchen die Welt bedeutet.

Gegen diese verschwenderisch lebendige Spielfreude tat sich der Klimax DS noch etwas schwer ? noch. Durfte er alle Register ziehen und Musik in hoher Auflösung mit 88,2 oder 96 Kilohertz Samplingrate kredenzen, war von Quäntchen keine Rede mehr. Vorbei Gedanken an Tonalität, an quantitative Messlatten wie Detailtreue, mehr Bass oder mehr Dynamik. Gänzlich neue Bilder drängten sich mir auf, wie eine im Sommerwind freudig hüpfende Libelle, das Geräusch rieselnder Sandkörner, die Atlantikbrandung im Herbst, die grenzenlose Weite eines sternenklaren Nachthimmels? reine, wahre Natur. Eine unglaublich authentische Performance, neben der die CD grau wie ein Fossil tönt.

Testbericht

Linn LP 12 SE/Ekos SE/Akiva
Linn
13.250 Euro

Plattenspieler

Weitere Details

94 Prozent

Fazit:Mit dem LP 12 SE setzt sich Linn ein Denkmal. An ihm haben sich andere Analogspieler zu messen - die Referenz.

Sicher ist der Klimax DS kein Schnäppchen. Doch welche Komponente, die den Stand der Dinge definiert ist das schon? Weniger Betuchte dürfen sich freuen, denn Linn kündigte bereits einen erheblich preiswerteren Client für die Akurate-Serie an.

Fazit

Ob Gilads Klimax DS den Status des LP 12 erreicht, wage ich zu bezweifeln, nicht der Qualität, sondern der rasanten Entwicklung digitaler Hard- wie Software wegen. Doch ist das wichtig? Gilad Tiefenbrun gelang aus dem Stand, was Vater Ivor mit der Entwicklung des Linn LP 12 seinerzeit - er schuf ein einzigartiges, unvergleichliches Produkt, eines das heute in Technik und Klang den Maßstab setzt und über Jahre richtungsweisend sein wird. Wie der Vater so der Sohn.

Bildergalerie

Linn Klimax DS
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