Testbericht

Test: Motorrad-Navigation NavGear Tourmate MX-350 von Pearl

Bisher waren Motorrad-Navis selten und sehr teuer, jetzt gibt es die ersten Geräte ab 170 Euro von Pearl. Kann das was sein, oder sollte man die Finger davon lassen. Unser erster Test zeigt überraschende Ergebnisse.

Pearl NavGear Tourmate MX-350 Screenshots

© David Göhler

am Lenker: Die Halterung lässt viele Freiheiten bei der Montage und hält das Navi sauber fest.

Mancher verzweifelte Autofahrer schafft es, während der Fahrt eine Karte aufzufalten und gleichzeitig zu fahren. Dieses nützliche, aber gefährliche Verhalten ist auf dem Motorrad gleich zum Scheitern verurteilt. Da heißt es anhalten, Lederkombi auf, Karte raus, auffalten, schauen, merken, schauen, merken, einfalten, einstecken, weiterfahren. Es sei denn, man hat ein Navi am Lenker und ein Headset am Ohr.

Bisher waren Motorrad-Navis selten und sehr teuer (im Vergleich zu Auto-Geräten). 500 Euro war die Schallmauer, unterhalb derer nichts ging. Die Anforderungen an ein Outdoor-Navis auf einem Motorrad sind sicher nicht ohne, aber der Preis war übertrieben hoch. Jetzt hat TomTom die neue Generation ab 250 Euro angekündigt und Pearl drängt mit dem NavGear Tourmate MX-350 auf den Markt, dass es ab 170 Euro (je nach Kartenmaterial bis 200 Euro) gibt.

Was ist anders als im Auto: Die Sonne scheint direkt aufs Display (ohne getönte Scheibe dazwischen), das sich auch noch mit dicken Handschuhen bedienen lassen muss. Es muss Wasserdicht auch bei einem Wolkenbruch sein und sollten heftige Vibrationen und reichlich Staub abkönnen. Dennoch muss es leicht an- und abzunehmen sein, um Dieben gar nicht erst die Chance zu geben, es zu stehlen. Und dann ist da noch das Helm-Problem: Wie kommt der Ton ans Ohr. Ein Lautsprecher reicht da nicht und konsequenterweise ist beim NavGear auch gar keiner eingebaut. Statt dessen liefert Pearl ein Bluetooth-Headset mit aus, das am und im Helm anzubringen ist.

Pearl NavGear Tourmate MX-350 Screenshots

© David Göhler

am Lenker: Die Halterung lässt viele Freiheiten bei der Montage und hält das Navi sauber fest.

An meinem Helm hat es gleich gar nicht gepasst, weshalb ich die Elektronik am Kragen der Lederjacke festgeklemmt habe. Dann muss man beim Helmabsetzen allerdings aufpassen, das Kabel für den Minilautsprecher nicht abzureißen. Eine Verbindung mit anderen Bluetooth-Headsets ist aber möglich.

Bedienung

Die Grundfunktionen beherrscht das Tourmate einwandfrei. Es berechnet schnell eine Route, insbesondere auch dann, wenn man sich spontan umentscheidet und einen anderen Weg als den Vorgeschlagenen nimmt. Die Bedienung per Handschuh klappt gut; wenige große Felder erlauben auch die flotte Eingabe von Zieladressen. Die Menüs sind sinnvoll angeordnet - man findet sich sehr schnell zurecht. Nur die Wischgeste, die man zum Scrollen braucht, taugt nicht. Zu oft wählt man bei Wischen den Eintrag unter dem Finger aus, statt zu Scrollen. Das klappt während der Fahrt gar nicht.

Pearl NavGear Tourmate MX-350 Screenshots

© David Göhler

Die Menüoberfläche lässt sich auch mit dicken Handschuhen noch bedienen und gibt keine Rätsel auf.

Die Helligkeit des Displays ist ausreichend, könnte aber besser sein. Auch bei direktem Sonnenlicht kann man die Karte erkennen, muss sich aber sehr anstrengen, etwas zu sehen. Angesichts dessen war es eine Schnappsidee, beim Spurassistenten über die Helligkeit anzuzeigen, welche Spur zu nehmen ist. Das lässt sich kaum erkennen.

Der richtige Ton

Der Fahrer ist also auf die Ansagen aus dem Headset angewiesen, die klar und rechtzeitig aus dem Lautsprecher tönen. Das Navi spricht "mehr" als ein TomTom, was durchaus hilfreich ist, manchmal aber nervt, weil das Gefühl des allein Dahingleitens recht oft zerquatscht wird. Als Programmfehler muss man dabei werten, dass schnell aufeinander folgende Ansagen sich selbst abwürgen. Wird etwa die Route neu berechnet und eine vorherige Ansage wird noch gesprochen, unterbricht ein "die Route wird neu berechnet" jäh die laufende Ansage.

Pearl NavGear Tourmate MX-350 Screenshots

© David Göhler

Die Halterung von hinten: Über das Kugelgelenk lässt sich das Gerät fast beliebig ausrichten.

Die Ansagen geben in der Regel kein Rätsel auf und sind auch bei Kreiseln oder Kreuzungen mit mehr als vier Straßen eindeutig. Leider nennt das Navi oft Straßennummern (etwa "biegen sie rechts in die EBE 1 ab") statt Straßennamen (wie "Gruber Straße"), obwohl auf dem Display der Straßenname zu sehen und dem Navi damit bekannt ist.

Neben den Standard-Routen-Einstellungen ("schnell", "kurz") gibt es auch noch "sparsam" und "leicht". Letztere Einstellungen wählt Routen, die wenig kurvig und anspruchsvoll vom Belag her sind. Man kann das Navi allerdings auch umstellen auf Fahrrad-, Fußgänger und Auto-Navigation.

In wie weit sich das Navi dann allerdings auf die Besonderheiten einstellt, ließ sich für Motorräder nur ansatzweise ermitteln. Die bekannten Bergstrecken, die Motorräder an Wochenenden nur in eine Richtung durchfahren dürfen, sind dem Gerät nicht bekannt. Das kann gerade bei mehrtägigen Alpentouren sehr hässlich werden, weil Ausweichrouten meist "eine Bergkette weiter" liegen und der Tank eines Motorrads eher klein ist (weniger als 20 Liter).

Akku-Laufzeit

Spätestens bei der Fahrradnavigation macht sich auch die kurze Akku-Laufzeit von ca. 2 Stunden bemerkbar. Fürs Motorrad liefert Pearl eine Stromstrippe mit, die mit der Batterie des Motorrads zu verbinden ist. Hierbei gilt es selbst Hand anzulegen, um das Navi mit Strom zu verkabeln - die meisten Motorräder haben keine 12-Volt-Buchse.

Pearl NavGear Tourmate MX-350 Screenshots

© David Göhler

Man kann die Anzeige auch in einen 3D-Modus schalten, um eine bessere Übersicht über die kommende Strecke zu bekommen.

Doch auch schon bei der Montage am Motorradlenker kann man eine Überraschung erleben. Pearl liefert eine Halterung mit, die an Lenker mit einem Maximaldurchmesser von 25 mm passen. Das mag für Kinderbikes passen, auf dem Cruiser-Testmotorrad war das zu eng. Eine alternative, größere Halterung kann man bei Pearl für wenige Euros bestellen.

Was aber fehlt, ist ein Netzteil für das Navi; dieses ist über das USB-Kabel zu laden. Für das Headset liefert Pearl allerdings ein Netzteil mit - ein Netzteil für beide Geräte wäre sicher geschickter gewesen.

Fazit

Das bisher günstigste Motorrad-Navigationssystem von NavGear funktioniert recht gut. Es findet die GPS-Signale schnell, routet sauber, spricht rechtzeitig, lässt sich mit Handschuhen bedienen und ist sauber verarbeitet. Viele Details sind aber noch verbesserungswürdig: Ein Motorrad-Navi muss temporäre Streckenverbote für Motorräder kennen, der Akku ist zu klein, die Ansagen könnten mehr Straßennamen verwenden. Für den Preis macht man aber nichts verkehrt.

Bildergalerie

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Handy & Navigation:Navigation

Das Pearl-Navigationsgerät bietet eine günstige Navigationslösung für Motorradfahrer.

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