Testbericht

TEST: Luxus-Boxen von Klipsch für 5.000 Euro - 5.0-Surround-Set

Unverkennbar, markant, nachhaltig - nur wenige Produkte erreichen je diesen Status. Lautsprechern gelingt das noch seltener. Klipsch aber schaffte das Kunststück mit den Heresey; Boxen für echte Männer.

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Klipsch Aufmacher Boxen

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Klipsch Aufmacher Boxen

Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen, sagt die Bibel. Ob Klipsch, um die These zu widerlegen, diese Lautsprecher Heresey taufte, was nichts anderes als Ketzerei bedeutet? Eines versichere ich Ihnen, werte Leser: Diese Boxen gehören in die zuvor zitierte Reihe. Wer nicht ein Mal im Leben eine Heresey gehört hat, der hat nicht gelebt.Auch oder gerade weil diese Speaker Wesenszüge des "Leibhaftigen" in sich tragen, weil sie so anders sind als konventionelle Lautsprecher, so dynamisch, so packend, so rassig. Hier herrscht akutes Suchtpotenzial. So groß, dass die Heresey ein FSK-Logo mit fetten Lettern "ab 18" verdienen.

Dafür sorgen Druckkammerhörner für Mittel- und Hochton wie der potente 30er-Pappbass im geschlossenen Gehäuse. Der Korpus als solcher ist mehr oder weniger ein schlichter, solide gefertigter Kasten; gewiss nichts für Schöngeister. Doch scheren sich die Boxen einen Teufel um Zeitgeist, schlanke Formen oder gar auf Resonanzarmut hin optimierte Gehäuse (entsprechend zerklüftet schaut das im Labor ermittelte Wasserfalldiagramm aus).

Warum auch? Klappte doch 50 Jahre ohne diese Prämissen - so lange gibt es die Heresey in immer wieder leicht optimierter Form schon.Und wenn es nach der eingeschworenen Fangemeinde geht, bleibt das auch die kommenden fünf Jahrzehnte so.

Test High-End: Surround-Set

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Ein Blick durch die Öffnung für das 30er-Bass-Chassis ins Innere der Box zeigt den Trichter des Exponentialhorns für den Mitteltöner, der am hinteren Ende sitzt und wie der Hochtöner mit einer Titanmembran aufwartet. Die Abdeckung wird über kleine Magnetplättchen an der Front gehalten.

Heresey-Fans sind der direkte Konterpart zum Frauen-Versteher. Auf diversen Messen sind sie leicht zu erkennen: lange wilde Haarpracht, Dreitagebart, die Selbstgedrehte im Mundwinkel, durchgewaschenes Holzfällerhemd halb über der Hose. Für moderne Lautsprecherkonstrukte mit High- Tech-Materialien haben sie ein leichtes Lächeln übrig. Typen eben, die Musik am liebsten hautnah und live erleben.

Was lag näher als diesem Phänomen im beginnenden dritten Jahrtausend, dem Zeitalter von HD- Tonformaten auf die Spur zu kommen und fünf der Boxen-"Fossile" zum Test zu bitten? Im Vergleich zu den Heresey erscheinen viele konventionelle Schallwandler tatsächlich wie Schmusekätzchen mit Arthritis. Damit die mal aus den Puschen kommen, muss man lauter und lauter drehen. Die Heresey dagegen belegen, was Dynamik wirklich bedeutet.

Hier bringen die im Labor ermittelten 91 Dezibel Wirkungsgrad echte Vorteile, denn damit sind die Modelle unter elektrischen Gesichtspunkten unkritische Spielpartner, sie benötigen nur geringe Verstärkerleistung, um hohe Lautstärken zu erreichen. Wer nun annimmt, die Boxen seien nur für hohe Pegel gut, dem lege ich "Encore" von Jacques Loussier nahe ("Plays Bach"/ Telarc). Blitzartig wechseln die Speaker zwischen Flüstertönen und Brachialgewalt - auch leise. Wie die Heresey ist der Jazzpianist Loussier nicht mehr der Jüngste, doch greift er in die Tasten eines Konzertflügels, strotzt das vor Energie, ein musikalischer Jungbrunnen erster Güte. Sekunden nur und meine Beine und mein Oberkörper wippen im Takt.

Test High-End: Surround-Set

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Die Frequenzweiche sitzt direkt huckepack auf dem Bi-Wiring-Anschlussfeld und besticht mit grundsolidem Aufbau. Für den Signaltransfer vom Netzwerk zu den einzelnen Tönern sorgen Litzenkabel mit großzügig bemessenem Querschnitt.

Absolut lässig und doch punktgenau begleiten Bassdrum und der gezupfte Kontrabass sein Spiel. Es juckt mir in den Fingern, den Pegelsteller immer weiter nach rechts zu drehen. Mit dem kleinen, feinen NAD C 325 BEE komme ich in Stereo aber kaum über die 9- Uhr-Position hinaus, ohne den Zorn intensiv arbeitender Kollegen auf mich zu ziehen; auch wenn mehr drin ist - mit dem Amp und den Boxen. Nicht minder spannend aber ist, wie leise die Heresey schon aus einem Guss spielen. Ich konnte den Lautstärkeknopf fast zum Linksanschlag kurbeln und das dynamische Spektrum der Aufnahme blieb erhalten.

Messdaten sowie ein Fazit lesen Sie auf Seite 2...

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