Testbericht

Test: HTC Shift X9500 UMTS-Subnotebook

Der HTC Shift ist ein ganz besonderes Gerät: Ein Riesen-PDA mit Organizer-Funktionen und zugleich ein Mini-Notebook mit leichten 800 Gramm und integriertem WLAN-UMTS-Surfbrett. Funktioniert die Mischung, mit der Sie überall und jederzeit ins Internet kommen?

HTC Shift

© HTC

Schnuckelig ist er schon: der HTC Shift ist PDA, Tablet-PC und Subnotebook in einem.

Der mobile Digital-Nomade wünscht sich eine Alles-Maschine: Man soll auf ihr schreiben, tippen, mailen, surfen und chatten können, natürlich drahtlos und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Am besten nicht nur per WLAN, sondern auch per UMTS. Ein echtes Windows soll drauf laufen -- kein dürftiges Eee-PC-Linux, schließlich möchte man seine lieb gewonnenen Windows-Tools weiternutzen. Und diese Wundermaschine soll bitteschön keine zwei Kilo wiegen, denn für den digitalen Nomaden ist Mobilität nicht bloß ein anderes Wort für "leichtes Umziehen": er will sein Gerät überall dabei haben, ohne sich die Schulter auszurenken.

Die Antwort heißt nicht immer MacBook Air, sondern vielleicht auch mal HTC Shift. Denn was die cleveren Taiwanesen da zusammengebastelt haben, weckt die Begehrlichkeiten eines jeden Gadget-Freaks. Das Subnotebook wiegt nur 800 Gramm, ist also sogar noch leichter als der Eee PC. Im Grundzustand hat es dabei die Abmessungen eines gebundenen Buches, die mitgelieferte Ledertasche macht es zum problemlos tragbaren Begleiter. Dabei sieht es wie ein Tablet-PC aus: Das Display lässt sich mit einem Stift, der seitlich im Gehäuse steckt, als Touchscreen mit Handschriftenerkennung verwenden. Die installierte Software Origami Central erlaubt es, viele Multimedia-Funktionen auch mit den Fingern zu benutzen

HTC Shift

© Archiv

Link oben gibts zwei Maustasten, links unten die Start-Taste. Rechts zwei Spezialtasten, das Touchpad und der Fingerabdruckscanner. Die schmalen Schlitze links und rechts gehören zum Stereo-Lautsprecher.

Cooler Slider, lahmer Rechner

Jetzt kommt's: Schiebt man das Display wie bei einem Slider-Smartphone nach oben, gibt der Shift eine Tastatur frei. Dann muss man nur noch etwas Mut fassen und gegen den vorhandenen Widerstand das Display nach oben klappen, schon hat man ein Mini-Notebook mit echter alphanumerischer QWERTZ-Tastatur und abgewinkeltem Display vor sich. Der Shift hat zwar kein Touchpad, stattdessen dient ein Mini-Pad an der Seite als erstaunlich praxistauglicher Mausersatz. Und natürlich lassen sich zusätzlich eine Tastatur und eine Maus über USB anschließen, dann ist der Shift erst recht ein vollwertiger PC. Allerdings ein ziemlich träger. Denn als OS-Bolide lastet Windows Vista schwer auf einem eher schwachem Prozessor, dem nur ein Gigabyte Speicher zur Verfügung steht. Das Ergebnis ist ein Windows-Leistungsindex von gerade mal 2,1. Geht schon, möchte mal sagen, oder besser: muss gehen.

HTC Shift

© HTC

Coole Konstruktion: das Display des Tablet-PC wird einfach hochgeklappt.

Die Überall-Online-Maschine

Fotos zieht man direkt über den SD-Karten-Slot auf den mobilen Begleiter und kann sie dann mobil zu Flickr & Co übertragen. Die integrierte Webcam macht aus dem Shift ein tragbares Chat- und Videokonferenzsystem. Der Fingerabdruckscanner vereinfacht in Kombination mit der installierten Software den Zugriff auf Windows und passwortgeschützte Services im Web.

Eine Anschlussbuchse für ein Netzwerkkabel sucht man beim Shift indes vergebens. Der gibt sich hier ganz modern und drahtlos und geht wahlweise per WLAN oder UMTS/EDGE ins Internet. Vor allem letzteres ist interessant: Sie schieben nämlich einfach eine ganz normale SIM-Karte in das Gerät. Im Test klappt es mit einer SIM-Karte von T-Online sofort auf Anhieb und vollautomatisch. Mit einer simyo-Karte klappt es hingegen nicht. Moral: Wer Exoten nutzt, der muss irgendwie irgendwas selbst einstellen, doch was genau, das ist wie bei HTC üblich leider nicht besonders gut dokumentiert.

HTC Shift - Kommunikations-Manager

© Andreas Winterer

Der Kommunikations-Manager des HTC Shift erlaubt es, Bluetooth, WLAN und andere Funk-Funktionen schnell an- und abzuschalten.

Ohnehin gilt: Wer mit dem HTC Shift surfen will, sollte dringend einen Flatrate-ähnlichen Datentarif haben. Denn Windows Vista updatet sich bekanntlich sehr oft, da läppern sich schnell etliche MByte zusammen, noch ehe man eine Website aufgerufen hat.

Das doppelte OSchen

HTCs Shift hat übrigens gleich zwei Betriebssysteme: neben Windows Vista ist auch Windows Mobile 6 eingebaut. Allerdings sieht der User davon wenig bis nichts, denn HTC versteckt es unter einer Oberfläche namens SnapVUE. Die bietet nur die wichtigsten PDA-Features wie SMS, E-Mail (Push und Pop), Kalender und Adressbuch an -- die allerdings, ohne dafür Vista starten zu müssen. Verwendet man nur SnapVUE, hält die kleine Kiste zwei Tage Akkubetrieb durch. Mit Vista sind es nur zwei Stunden.

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HTC Shift
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Computer:Notebooks

Link oben gibts zwei Maustasten, links unten die Start-Taste. Rechts zwei Spezialtasten, das Touchpad und der Fingerabdruckscanner. Die schmalen…

Schade: Das vorhandene Windows Mobile ist ohne Manipulation nicht direkt erreichbar, lässt sich also auch nicht als Anwendungsplattform einsetzen. Doch wer im Web sucht, findet Tipps, die das Mini-OS freischalten.

Schattenseite der Miniaturisierung

Für sich genommen ist der Shift genau die Wundermühle, die man sich erhofft: Volles Windows, in noch erträglicher Geschwindigkeit, mit Internet-Anschluss, egal, wo man sich gerade aufhält, und so klein und leicht, dass sie sogar in Damenhandtaschen passt. Kritikpunkte sind allenfalls die kurze Akkulaufzeit, die teils nicht besonders überzeugende Verarbeitung des Gehäuses und die hohe Empfindlichkeit für Fingerabdrücke: nach drei Tagen sieht der Klapp-Kamerad aus wie die private Beweissammlung von Sherlock Holmes.

HTC Shift - Browsen mit Internet Explorer

© Andreas Winterer

Beim Browsen mit Internet Explorer zeigt sich, dass das Display des mobilen Minis mit seinen 800x480 Pixeln eben doch etwas knapp ausfällt.

Wirklich problematisch sind aber das kleine Display und die winzige Tastatur. Dass die bei einem 300-Euro-Spielzeug wie dem Eee PC klein und fummlig ist, sieht jeder ein. Doch der Shift schlägt mit dem gut vierfachen Preis zu Buche und bietet irgendwie auch nicht mehr. Klar: Das geht systembedingt auch gar nicht, bei diesen kompakten Abmessungen. Wir beim Eee PC tut man sich also schwer, den Shift als "Notebook" zu akzeptieren.

Fazit: Schon toll, aber zu teuer

Die technische Leistung ist für sich genommen beeindruckend: Unter den UMPCs ist der HTC Shift zweifellos einer der besten. Das integrierte UMTS macht ihn wahrlich zu einer Surf-Maschine für jeden Ort. Doch ein echter Notebook-Ersatz ist er nicht, weder auf Reisen noch zu Hause. Wer sich dieses starke Gimmick gönnt, dem muss das Geld also schon ziemlich locker in der Tasche sitzen.

Daten: HTC Shift

HTC Shift
HTC
ca. 1150 €

www.htc.com

Weitere Details

Fazit:Das HTC Shift bietet ernstzunehmende Vista-Leistung bei kompakten Abmessungen und einem Gewicht, das sogar den Eee PC schwer aussehen läßt. Für das, was es bietet, ist es aber letztlich zu teuer.

4/5
gut
Preis-Leistung
ausreichend

Alternativen: Wer ein Riesen-PDA mit Mini-Tasten sucht, um überall ins Internet zu gehen, der ist mit dem HTC X7500 (alias "T-Mobile Ameo") unter Umständen besser bedient. Als Mini-PC für Sofa-Surfen per WLAN ist der Eee PC genauso gut, bietet ähnlich wenig Auflösung und Keyboard, hat aber kein integriertes UMTS. Für etwa 1800 Euro gibt's ein Fujitsu-Siemens Lifebook P8010 mit echter Tastatur und 12,1-Zoll-Display, das ebenfalls UMTS(HSDPA integriert.

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