Testbericht

Drei Surround-AV-Receiver unter 900 Euro im Test

Von der IFA 2010 pickte video die drei heißesten AV-Receiver-Neuheiten unter 900 Euro für einen Test heraus. Denon (AVR-2310), Pioneer (VSX-1019 AH) und Yamaha (RX-V 1065) zeigten sich im Kräftemessen von ihren Schokoladenseiten.

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© Hersteller/Archiv

Wir haben die AV-Receiver Denon AVR-2310, Pioneer VSX-1019 AH und Yamaha RX-V 1065 von der IFA 2010 im Vergleichstest. Die Kaufklasse der AV-Receiver um 800 bis 900 Euro ist eine ausgesprochene Domäne von Denon und Yamaha. Pioneer düpierte zwar die beiden Platzhirsche mit einem Achtungserfolg in der prestigeträchtigen High-End-Klasse. Doch unter 1.000 Euro fahren die beiden Rivalen schon rein äußerlich die schwersten Geräte auf.

AV-Receiver-Test: Bedienung

Der Denon AVR-2310 und der Yamaha RX-V 1065 bringen jeweils über elf Kilogramm auf die Waage. Da kann der nicht einmal neun Kilo schwere VSX-1019 AH mit seinem vergleichsweise einfach wirkenden Gehäuse und den in der silbernen Variante etwas streng auf Metall-Effekt gebürsteten Kunststoffknöpfen nicht ganz mithalten.

Test Surround: AV-Receiver

© Hersteller

Denon AVR-2310

Immerhin ist er der Günstigste im Feld und trotzdem vermittelt sein Drehknopf zur Quellen-Umschaltung etwas mehr Feedback als das recht gefühllos agierende Pendant auf der Frontplatte von Denon. Dem 100 Euro teureren AVR-2310 würde eine klar definierte Rastung zu höherer Treffergenauigkeit und einem nachhaltigeren Qualitätseindruck verhelfen. Clever gemacht am Leichtgewicht von Pioneer: Seine Lautsprecherklemmen sind übersichtlich angeordnet und die darüber platzierte Beschriftung lässt sich perfekt erkennen, während einen die nur im stumpfen Winkel ablesbaren Kanal-Bezeichnungen der beiden anderen in die Knie zwingen, was die Anschluss-Arie nicht gerade zum Vergnügen macht.

Sonst gibt es während des Setups wenig zu mäkeln. Alle drei Hersteller nutzten den Generationswechsel auch zur Verfeinerung der Bedienkonzepte. Die Lautsprecher-Grundeinstellung lässt sich wie bisher an eine Einmessautomatik mit eigenem Mikrofon übertragen. Auf der Videoseite lässt sich eine Konzentration aufs Wesentliche erkennen. Zugunsten von HDMI-Anschlüssen für Bild- und Ton (der Denon besitzt einen Ausgang und fünf Eingänge, die beiden anderen jeweils vier) streichen immer mehr Anbieter die S-Video-Buchsen.

Der Yamaha-Receiver hat nur noch einen entsprechenden Eingang und keinen Ausgang mehr für die vom Aussterben bedrohte Steckernorm, der Pioneer muss ganz passen. Wer noch entsprechende Video-Recorder und Camcorder anschließen möchte, der findet am AVR-2310 immerhin drei Eingänge und zwei Ausgänge. Weitgehende Einigkeit herrscht in Sachen Aufwärtskonvertierung von verschiedenen niedrig auflösenden Video-Signalen: Alle schaffen 1080p. In Sachen Sound-Prozessor wollte ebenfalls keiner kneifen: Alle drei Kontrahenten beherrschen unter anderem die On-Board-Decodierung der via HDMI 1.3a angenommenen nativen HD-Tonformate.

AV-Receiver-Test: MP3 ist auch dabei

Yamaha bemüht sich jetzt verstärkt um iPod-Fans: Wer das optionale Dock anschließt, kann künftig die Titel des Apple-Players auch auf dem Front-Display seines Receivers ablesen. Auch Denon lässt sich das Dock extra bezahlen während Pioneer ein simples, aber effektives Direktanschlusskabel für den iPod und das iPhone mit Video-Ausgabe via Composite an der Frontplatte beilegt. Auch der Pioneer zeigt die iPod-Menüs auf der Frontplatte und dem frisch renovierten OSD an.

Gegeizt wurde an anderer Stelle: Nur 5 x 22 Watt Sinus lieferte der VSX-1019 an 8 Ohm. Mit 41 Watt pro Kanal blieb er an 4 Ohm deutlich unter den 8-Ohm-Ergebnissen der Rivalen. In Stereo konnte der Pioneer einigermaßen mithalten.

Hersteller/Modell Denon AVR-2310 Pioneer VSX-1019 AH Yamaha RX-V 1065
Preis in Euro 900 800 850
Ranking im Testfeld 1. Platz 3. Platz 1. Platz (Testsieger)
Klangqualität (300) gut 67 % (202) gut 62 % (185) gut 68 % (203)
Stereo (150) 100 90 98
Surround (150) 102 95 105
Ausstattung (165) gut 64 % (105) befriedigend 58 % (95) gut 62 % (103)
Audio (100) 59 52 58
Video (65) 46 43 45
Bedienung (75) sehr gut 80 % (60) sehr gut 80 % (60) sehr gut 82 % (62)
am Gerät (30) 28 30 30
via Fernbedienung (45) 32 30 32
Verarbeitung (60) sehr gut 75 % (45) gut 73 % (44) sehr gut 75 % (45)
Anmutung (30) 25 24 25
Verarbeitung (30) 20 20 20
Testurteil (600) gut 69 % (412) gut 64 % (384) gut 69 % (413)
Preis/Leistung sehr gut sehr gut sehr gut

AV-Receiver: Hörtest

Im Hörtest fiel der Pioneer mit Gebläse in vielerlei Hinsicht auf. Nicht nur, dass sein Lüfter in Tutti-Passagen Hochbetrieb hatte, er vermochte es auch, Bläser sehr klar und differenziert wiederzugeben. Dabei enthielt er sich bei aller zur Schau getragenen Frische harscher Töne. Sehr filigran und feinfühlig wirkte seine Darbietung. Sehr weiträumig, je nach Aufnahme fast schon eine Spur diffus zerstäubte der Feingeist die akustische Bühne. Die Stimme von Eagles-Frontman Don Henley wirkte in der Live-Aufnahme von "New York Minute" und "Wasted Time" vom viel zitierten Live-Album "Hell freezes over" (Geffen) eine Spur kehliger als gewohnt, aber durchaus glaubhaft.

Der Bass blieb relativ unauffällig, sprich schnell und kurz und fügte sich perfekt ins Gesamtklangbild ein, das für sich genommen wenig Grund zu Beanstandungen gab. Fast wirkte der VSX-1019 wie ein etwas softerer Bruder des Yamaha, der sich anschickte, schon im Stereo-Durchgang den "Terminator" herauszukehren. Für alle, die gerne zwischen den Zeilen lesen: Das soll jetzt nicht heißen, dass der RX-V 1065 etwa metallisch wirkte.

Er haute nur auf die Bassdrum und was sich sonst noch bot, um seinen ungestümen Dampf abzulassen, sodass den Testern fast der Atem stockte. Selten hatten sie in dieser Preisklasse einen derart dynamischen, präzisen und beherzt attackierenden Sieben-Kanal-Receiver gehört. Es schien so, als ob dieser Vertreter der neuen Yamaha-Generation die Trommelfelle noch mal straffer spannte und die Hiebe und Fußtritte der Musiker an der "Schießbude", wie die Drum-Sektion gerne genannt wird, mit mehr Nachdruck zum Aufschlag bringt.

So stand etwa die Bassdrum in "Hotel California" groß und mächtig im Hörraum. Der Rest der Band passte zu dieser Heraufskalierung wodurch sich ein weiträumiges und stabiles Panorama aus zwei Lautsprechern ergab.

Gegenüber dem Pioneer kam das Begleitorchester bei Elvis Costellos "My Flame Burns Blue" (DG) noch weiter auf den Hörplatz zu und riss einen mehr mit. Allerdings hätte sich der dynamische Kraftmeier RX-V 1065 vom Pioneer etwas mehr Einfühlungsvermögen abschauen können, denn er neigte dazu, bei Gitarren das Anreißen der Saiten gegenüber dem Korpus mit seiner hölzernen Note etwas überzubetonen. Dieser Effekt zeigte sich mit den Eagles oder Al Di Meola ("Saturday Night in San Franzisco" Philips), aber auch mit klassischer Musik wie dem legendären Gitarrenkonzert von Aranjuez ("Allegro con Spirito", Philips).

In diese Lücke stieß der Denon, der ähnlich dynamisch wie der Yamaha, aber sogar noch körperhafter und sensibler als der Pioneer die Musik aus den Lautsprechern herausarbeitete. Wirklich fast wie aus Stein gemeißelt, stellte er Chöre, Instrumente und Solo-Gesangsstimmen in den Hörraum. Speziell in der Mitte zwischen den Stereo-Lautsprechern, gelang es dem AVR-2310, Sängerinnen wie Tori Amos oder Sänger wie Jamie Cullum plastischer als mit den beiden anderen Receivern vor dem geistigen Auge aufzubauen.

Gitarren, Geigen oder Stimmen und sogar der Applaus bekamen einen Hauch mehr Körper und Authentizität, wenn der Denon an der Reihe war. Der Bass erschien satt und mächtig. Obwohl er nicht ganz so brottrocken und explosiv wie über den Yamaha erschien, bedeutete dieser Grad an Kontur und Kick für die Marke Denon einen deutlichen Gewinn an Spritzigkeit und Timing-Gefühl.

AV-Receiver: Klangqualitäten

In Surround blieb zunächst alles beim Alten - tendenziell zumindest. Denn der Pioneer schien neuen Mut zu fassen und ließ seinen Ventilator den Endstufen eine frische Brise zufächern. Mit Erfolg: Er schaffte es, ein ganzes Stück näher an die schweren Jungs von Denon und Yamaha heranzukommen. Goethe soll mal gesagt haben: "Getretener Quark wird breit, nicht stark." In diesem besonderen Fall wirkte allerdings die Verlagerung der Wiedergabe auf ein ganzes Lautsprecher-Ensemble Wunder. Der Pioneer wirkte mit einem Mal müheloser, ja geradezu entfesselt. Seine fein ziselierte, beinahe diffuse Räumlichkeit kam im 360-Grad-Surround-Panorama erst richtig zu Geltung.

Seine feine Hochtonauflösung half, einzelne Phantomschallquellen prägnanter aus dem Klangteppich hervorzuholen. Stimmen klangen in Filmen und Konzertmitschnitten etwas farbiger und authentischer als über den Yamaha, der dennoch nichts anbrennen ließ. Er vertraute abermals auf Powerplay und ergänzte das straffe Bassfundament mit einer frischen Brise Hochtonglanz. Kam schon mit dem ebenfalls recht schlanken VXS-1019 zum Beispiel das von metallischen Obertönen und Fauchen durchsetzte Harley- und V8-Gebrabbel in "Tage des Donners" eine Spur packender als über den körperhaften, aber oben herum etwas undurchsichtiger wirkenden Denon, ließ der Yamaha Motorenfreaks glatt die Nackenhärchen aufstehen.

Was dem AVR-2310 in Stereo gelang, schaffte der RX-V 1065 schließlich in Surround. Alles wirkte noch eine Spur packender, authentischer als mit den beiden anderen.

AV-Receiver: Stärken und Schwächen

Klangqualität: Denon dominiert in Stereo, Yamaha in Surround. Pioneer schlägt sich achtbar für den günstigen Preis.

Ausstattung: Vor allem videoseitig wird bei allen drei Receivern wirklich viel geboten.

Bedienung: Alle drei Hersteller verfeinerten ihre Bedienkonzepte.

Verarbeitung: Pioneer fällt gegen die beiden teuren Geräte leicht ab.

Fazit

Während Pioneer am VSX-1019 mit selbst auferlegter Budgetbeschränkung eher Detailarbeit leistete, schärften Denon und Yamaha ihr Markenprofil erheblich nach. Zwar legten auch schon frühere Tests nahe, den Denon für alle mit Schwerpunkt auf Zweikanal, den Yamaha für alle mit besonderer Surround- Affinität zu empfehlen. Doch der absolute Level, auf dem die Wertung basiert, liegt diesmal ein ganzes Stück höher.

Tabelle mit Testdaten

Hersteller/Modell Denon AVR-2310 Pioneer VSX-1019 AH Yamaha RX-V 1065
Preis in Euro 900 800 850
Ranking im Testfeld 1. Platz 3. Platz 1. Platz (Testsieger)
Klangqualität (300) gut 67 % (202) gut 62 % (185) gut 68 % (203)
Stereo (150) 100 90 98
Surround (150) 102 95 105
Ausstattung (165) gut 64 % (105) befriedigend 58 % (95) gut 62 % (103)
Audio (100) 59 52 58
Video (65) 46 43 45
Bedienung (75) sehr gut 80 % (60) sehr gut 80 % (60) sehr gut 82 % (62)
am Gerät (30) 28 30 30
via Fernbedienung (45) 32 30 32
Verarbeitung (60) sehr gut 75 % (45) gut 73 % (44) sehr gut 75 % (45)
Anmutung (30) 25 24 25
Verarbeitung (30) 20 20 20
Testurteil (600) gut 69 % (412) gut 64 % (384) gut 69 % (413)
Preis/Leistung sehr gut sehr gut sehr gut

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