Testbericht

TEST: Doping für das TV-Bild - Scaler Anchor Bay DVDO Edge

Wozu braucht man in Zeiten digitaler Signalübertragung via HDMI noch einen Scaler? Dabei ist die saubere Wandlung von normal aufgelösten Fernsehbildern in die hohe Auflösung moderner FullHD- Fernseher und Beamer heute wichtiger denn je.

Scaler aufmacher

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Scaler aufmacher

es ist nun einmal Fakt: Von ein paar wenigen HD-Fernsehprogrammen und gelegentlichen Blu-ray- Konserven abgesehen, müssen sich Fernsehkonsumenten hierzulande mit guter alter PAL-Ware, sprich maximal 768 x 576 Bildpunkten und 50 Halbbildern pro Sekunde, abfinden.

Hochauflösende Flachbildschirme und Beamer können damit wenig anfangen und müssen das gute alte Fernsehbild erst in ihre hohe Auflösung umrechnen. Damit nicht genug: In der Regel muss zudem aus zwei zeitlich versetzten Halbbildern ein Vollbild generiert werden.

Dieser als Deinterlacing bezeichnete Kunstgriff gehört nach wie vor zur hohen Schule der Bildoptimierung und führt je nach Ausgangsmaterial schnell zu Doppelkonturen, Kantenflimmern, oder zu zappeligen Bildern.

Rechenaufgabe

Die Wandlung von einem Videoformat in ein anderes ist - je nachdem, wie sorgsam man dabei vorgeht - beinahe beliebig komplex und damit rechenaufwändig. Vor allem Bildschirme im unteren Preissegment greifen dabei auf billige Bausteine zur Bildskalierung zurück, weshalb hier Fernsehsender in normaler Auflösung oft unerträglich klötzchenbehaftet und flau erscheinen. Wer zu wertigeren Geräten namhafter Hersteller greift, darf in puncto Skalierung zwar etwas mehr erwarten, vom Optimum sind aber selbst teure Geräte meist weit entfernt. Andererseits gibt es nur wenige, ausgemachte Enthusiasten, die bereit sind, tausend oder mehr Euro für einen hochwertigen externen Scaler zu berappen.

Test Video: Scaler

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Alles drin, alles dran. Lediglich einen zweiten HDMI-Video- Ausgang hätten wir uns gewünscht.

Einen Kompromiss bietet nun der amerikanische Skalierungsprofi DVDO an. Spezialisiert auf teure Geräte weit im vierstelligen Preissegment, überrascht DVDO nun mit dem Scaler Edge für rund 800 Euro.

Top oder Flop?

Schaut man dem DVDO Edge unter die Haube lautet die Antwort eindeutig "Top". Im Inneren werkelt der edle VRS-ABT2010-Prozessor des Videospezialisten Anchor Bay. Entsprechend braucht der relativ preiswerte Edge den Vergleich mit weitaus teureren Scalern nicht zu scheuen. Beim Skalieren analoger Quellen zeigte der Edge lediglich bei der Geometrie leichte Schwächen. Die von uns getesteten Multiburst-Testbilder wandelte der Proband ohne Artefakte einwandfrei in die FullHD-Auflösung.

Dabei zeigt das Gerät selbst Composite-Videoquellen in ansehnlicher Qualität. Noch weniger Probleme hatte der Scaler mit digitalem Material. Zur Höchstform läuft der DVDO immer dann auf, wenn normalerweise Deinterlacing-Artefakte das Bild trüben. Langsame horizontale Schwenks vor detailreichem Hintergrund meistert der Edge ohne Kantenflimmern, doppelte Konturen oder Ausfransungen. Ebenso auffällig ist die gute Kantenglättung; störende Treppchenbildung an diagonalen Kontrastübergängen sind wirkunsvoll unterdrückt. Diese Disziplin meistern selbst teurere Scaler nicht besser, ganz zu schweigen von hochwertigen TV-Geräten, die hier in der Regel Federn lassen müssen.

Dass es für den Edge dennoch nicht zum absoluten Überflieger reicht, liegt nicht an der Bildverarbeitung, sondern am Rotstift, den die DVDO-Buchhalter wohl schon deshalb ansetzen mussten, um ihre teuren Geräte nicht überflüssig zu machen. Denn für eine perfekte Wertung hätten wir gerne einen zweiten HDMI-Video-Ausgang gesehen - wichtig für all jene, die Flachbildschirm und Beamer problemlos parallel betreiben wollen.

Vermisst haben wir auch einen Coax-Audio-Ausgang. Ebenso fein wäre ein Display an der Front, das bei Bedarf Rückschlüsse über die momentane Einstellung zulässt. Und schließlich würden wir uns besonders für all jene, die ein Display mit 1366 x 768 Bildpunkten nativer Auflösung besitzen, auch den entsprechenden Ausgangsmodus wünschen. Denn gerade in diesem Fall tut ein guter Scaler not.

Testprofil

Anchor Bay DVDOEdge
www.kinozuhause.de
800 Euro

Videoscaler

Weitere Details

80 Prozent

Bild
Der DVDO Edge kann auch mit weitaus teureren Scalern mithalten

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Dennoch hat DVDO nicht mit Schmankerln gegeizt. So bietet der Scaler einen integrierten und sehr durchdachten Testbildgenerator mit mehr als 30 verschiedenen Testbildern wie eine Lipsync-Funktion, die lästige Unsynchronitäten zwischen Ton und Bild beseitigt. Auch erlaubt er eine freie Wahl zwischen verschiedenen Farbmodellen sowie die seltene Möglichkeit, den genormten SD-Farbraum dem HD- Farbraum anzupassen.

Wissen: Das richtige Signal setzen

HD hin oder her, die meisten Inhalte werden nach wie vor in guter alter PAL-Auflösung ausgestrahlt. Dieses Signal in adäquater Qualität auf einen HD-Bildschirm zu zaubern, überfordert viele TV-Geräte. Die Folge: Der Fernseher zeigt mit Blu-ray tolle Bilder, das normale TV-Programm jedoch ist keine Wonne. Abhilfe schafft ein externer Scaler, der die meist minderwertigen Chips für die Bildinterpolation und das Deinterlacing, die in TVGeräten verbaut sind, durch hochwertige ersetzt. Deinterlacing bezeichnet den Vorgang, bei dem Bilder eines im Zeilensprungverfahren vorliegenden Signals in Vollbilder konvertiert werden.

Test Video: Scaler

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Fazit

Der DVDO Edge ist, was die gebotene Skalierungs- und Deinterlace-Qualität angeht, ein hervorragender Scaler. Auch wenn in der Ausstattungsliste das ein oder andere Feature fehlt, ist der Edge - solange das Programmangebot von SD-Inhalten dominiert wird - zweifellos eine echte Bereicherung in jedem Videorack.

Bildergalerie

Test Video: Scaler
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Bildende Kunst

Anchor Bay DVDO Edge

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