Testbericht

TEST: Denon AVR-1910 - Billiger als der Vorgänger, aber auch besser?

Der AVR-1910 bietet Dolby PL IIz, mehr Ausstattung und einfachere Bedienung und kostet trotzdem 100 Euro weniger als der Vorgänger. Das klingt verlockend, doch wie klingt der Denon im Hörtest?

Denon AVR1910 Receiver Aufmacher

© Archiv

Denon AVR1910 Receiver Aufmacher

Denon denkt mit: Hinter den beiden ersten Ziffern für die Typklasse seiner AV-Receiver dienen zwei Ziffern der einfachen Identifikation des Modelljahres. So erkennt der Experte im neuen AVR-1910 sofort den Nachfolger des beliebten AVR-1909. Der hatte sich in Sachen Ausstattung gewiss schon nicht lumpen lassen, doch jetzt gibt es noch einmal mehr Features - und das für weniger Geld. Der Neue kostet 100 Euro weniger, dafür gibt es inzwischen immerhin einen halben Blu-ray-Player.

Wer sich den nicht leisten kann oder will, für den packten die Japaner statt der bisherigen Farudja- Chips einen noch leistungsfähigeren Hoch-Bit-i/p-Konvertierer vom Typ ABT 1030 dazu. Der ermöglicht jetzt echtes 10-Bit-Processing mit 12-Bit-Ausgabe, um die Bilder von Video-Recordern und DVD-Playern in bestmöglicher Qualität auf 1080p hochzurechnen.

Für die Ohren spendierte Denon dem 1910er das neue Dolby Pro Logic IIz zur Ansteuerung von Höhenlautsprechern, die oberhalb der Frontboxen für ein erweitertes Raumgefühl sorgen sollen. Um die neue, gleichermaßen mit Stereo-sowie 5.1- und 7.1-Signalen kompatible Technik zu verwenden, müssen Heimkinofans ihre hinteren Surround-Kanäle opfern und die Endstufen mit der Power-Amp-Assign- Funktion den frontseitigen Höhenkanälen zuweisen. Wir probierten das neue Verfahren aus und kamen ähnlich wie bei anderen artifiziellen DSP-Effekten nicht so ganz auf den Geschmack: Der Raum scheint zwar nach oben etwas weiter geöffnet, doch verliert das Klangbild an Focus, Präzision und tonaler Balance.

Mit zunehmender Qualität von Frontlautsprechern und Centerspeaker erscheint der Einsatz von Dolby Pro Logic IIz weniger ratsam, denn wer hängt sich schon ein zusätzliches Paar Audio Physic Avanti oder B&W 801 unter die Decke?

An anderer Stelle gibt es dagegen zweifellos Mehrnutzen: Die Zahl der HDMI-Eingänge stieg von drei auf vier, was der Vielzahl digitaler Bild- und Tonquellen besser gerecht wird.

In der Anfassqualität gilt es, Abstriche zu machen. Die für Denon-Verhältnisse einfache Kunststoff- Frontblende stört aber in der Praxis weniger als die schlecht definierten Raststufen des recht gefühllosen Drehknopfs zur Quellenwahl am Gerät.

Test Surround: AV-Receiver

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Wandelbar: Mit der Amp-Assign-Funktion lassen sich die Surround- Back-Endstufen auch für Zone 2, Front-Bi-Amping oder für Dolby PL IIIIz mit Höhenlautsprechern verwenden.

Trotz aller Extras setzten sich die Entwickler das Ziel, dem AVR-1910 bessere Umgangsformen beizubringen. Weithin sichtbares Zeichen dieser Komfort-Bestrebungen ist mitten auf der Frontplatte das Navigationskreuz mit zentral angeordnetem Enter-Knopf - eine Tastenkonstellation, die man schon länger vom Mitbewerber Onkyo kennt, jener Marke, die besonders im erschwinglichen Bereich die Maßstäbe für einfache Bedienung setzt. Obwohl die On-Screen-Menüs wie üblich in dieser Klasse immer noch mit tristem, farblosem DOS-Look aufwarten, findet man sich am neuen Denon intuitiv zurecht, ohne sich zu verheddern.

Im Stereo-Hördurchgang punktete der AVR-1910 durch seinen kräftigen, trockenen Punch im Bass - gegenüber älteren Denon-Receivern ein Plus an Kick und Spritzigkeit. Der Zugewinn an Punch geht auch nicht auf Kosten des Tiefgangs. Damit wirkte die gesamte Wiedergabe temporeicher, der Rhythmus von Stücken wie "I Will Remember" ("Tambu"/Toto/Sony) oder "Wishing Well" von Michael Ruff ("Speaking in Melodies"/Sheffield) riss mehr mit. Der Fokus war exzellent, man wollte nachschauen, ob der Center tatsächlich mitlief, so stabil und plastisch greifbar stand dann Rapper Eminem ("Relapse"/Universal) genau in der Mitte der imaginären Hörbühne.

Im Film-Business darf es gewöhnlich gerne etwas mehr sein im Bass, doch räumte der AVR-1910 jegliche Zweifel aus, als Tom Cruise in "Tage des Donners" mit seiner Harley in die Arena fährt, um anschließend mit einem ebenfalls satt bollernden V8-Stockcar einige schnelle Runden zu drehen. In deren Verlauf donnerte das Cruise-Missile vehement hinterm Sitzplatz vorbei und unterstrich das präzise, stabile dreidimensionale Panorama.

Testprofil

DenonAVR-1910
www.denon.de
500 Euro

Surround-Receiver

Weitere Details

64 Prozent

Testurteil
gut
Preis/Leistung
überragend

Ganz besonders eignet sich der neue Denon für Blu-ray- Discs mit Opern-Produktionen wie Wagners Walküre (Simon Rattle, Collector's Mine), wo er seine feine Auflösung im Mittel-Hochtonbereich, seine Ortungsschärfe und die tadellose Neutralität eindrucksvoll beweisen konnte.

Fazit

Ein echter Preishammer: Der AVR-1910 kostet weniger als sein Vorgänger, bietet mehr Funktionen, bessere Bedienung und klingt vor allem so knackig frisch, als ob ihm seine Entwickler einen Schuss Tabasco eingeflößt hätten.

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Test Surround: AV-Receiver
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Nice Price

Denon AVR-1910

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