Testbericht

Test: Canon EOS 450D vs. 400D

Die EOS 400D gilt als meistverkaufte digitale Spiegelreflexkamera für Einsteiger. Mit der neuen 450D will Canon die Erfolgsgeschichte der Amateur-Knipse fortschreiben. Muss der Foto-Freund da wirklich mitmachen? magnus.de hat's gestestet.

  1. Test: Canon EOS 450D vs. 400D
  2. Teil 2: Test: Canon EOS 450D vs. 400D
Canon EOS 450D im Test

© Andreas Winterer

Canon EOS 450D im Test

Der Artikel [int:article,22518]Erster Praxistext der Canon EOS 450D[/int] basierte noch auf dem Vorserienmodell der DSLR bei ihrer Premiere in Berlin. Inzwischen hatten wir die Kamera drei Wochen im Praxiseinsatz und haben sie dabei vor allem mit dem Vorgänger 400D verglichen, wollen aber auch die Frage beantworten, unter welchen Umständen die ältere Profi-DSLR Canon EOS 40D eventuell die bessere Alternative ist.

Megapixel: mehr Bild

12,2 Megapixel statt 10,1, also Bilder mit 4.272 x 2.848 Bildpunkten Auflösung -- Braucht man die wirklich? Eigentlich nein: Wie man dem Größenvergleich bei den Bildern (siehe Bild rechts) entnehmen kann, machen sich die zusätzlichen Megapixel kaum bemerkbar. Allerdings rollt bereits Einsteigerkonkurrenz in Form von Samsungs GX20 oder Sony Alpha 350 in die Läden, mit jeweils 14 Megapixeln - insofern kann man Canon kaum vorwerfen, das Megapixelwettrennen voranzutreiben.

12 versus 10 Megapixel im Vergleich

© Andreas Winterer

Beim Vergleich zeigt sich, dass der Unterschied zwischen 10 und 12 Megapixel nicht besonders gross ist.

Fazit: Wegen der zusätzlichen Megapixel brauchen Besitzer der 400D die 450D nicht zu kaufen. Die 40D bietet übrigens dieselbe Auflösung wie die 400D: 10,1 Megapixel. Reicht völlig auch für Profis.

Display: mehr Fläche

Das Display misst 3 Zoll in der Diagonale statt bisher 2,5 Zoll. "So ein Riesendisplay braucht kein Mensch", mag so mancher sagen, aber in 14 Tagen Praxiseinsatz haben wir es zu schätzen gelernt. Und Canon nutzt es schlau. So gab es bei der 400D mit dem eingebauten Bildbetrachter nur die Möglichkeit, 1 oder 9 Bilder anzeigen zu lassen. Bei der 450D gibt es nun auch eine 4-Bild-Vorschau, die sich dank des größeren Displays als sinnvoll und nützlich erweist. Die Zahl der reinen Pixel ist übrigens gleich geblieben: Das Display ist nicht feiner, nur flächiger - ein Nachteil ist das aber in der Praxis nicht. Im Gegenteil wirken die Menüs klarer und übersichtlicher, obwohl sich inhaltlich im Vergleich zur 400D keine Revolutionen bemerkbar machen. Wegen des größeren Displays sind allerdings die vier seitlichen Tasten der 400D teils nach oben, teils nach rechts gewandert -- es sollte dennoch jeder damit klar kommen.

Canon EOS 450D Menü

© Archiv

Die übersichtliche Statusanzeige profitiert von der größeren Displayfläche.

Fazit: Beim Display zieht die 450D mit der 40D gleichauf und hebt sich damit wohltuend gegen das Vorgängermodell 400D ab.

Reihenaufnahmen: 'n bisschen schneller

Canon hat mehr Power reingepackt. Die Kamera ist nach dem Anschalten nach einer knappen Sekunde betriebsbereit, die Auslöseverzögerung ist unmerklich. Der Digic-III-Sensor der 450D arbeitet mit 14 Bit statt mit 12 Bit wie bei der 400D und legt mit 14 Bit auch seine RAW-Dateien ab - genau wie die 40D. Das ermöglicht auch schnellere Reihenaufnahmen: Die Canon EOS 450D schafft knappe 3,5 statt 3 Bilder pro Sekunde und knipst dabei kontinuierlich 53 Bilder statt bisher nur 37. Allerdings schießt die neuere 450D nur noch 6 RAW-Bilder hintereinander, während es die ältere 400D auf 10 RAWs am Stück brachte. Zum Vergleich: Die knapp doppelt so teure Semiprofi-DSLR Canon EOS 40D schafft bis 6,5 Bilder pro Sekunde und schaufelt in einem Rutsch 75 JPEG-Fotos oder 17 RAW-Aufnahmen auf den Bildspeicher.

Canon EOS 450D - DIGIC-III-Prozessor

© Archiv

Der DIGIC-III-Prozessor verarbeitet knapp 3,5 Bilder pro Sekunde im Serienbildmodus.

Fazit: Schnellere Serienbilder schafft die 450D schon, doch wer wegen Sport-Fotografie oder wahllosem "Dauer-Draufhalten" wirklich Tempo fordert, greift besser zur 40D.

Sucher: heller und größer

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Canon EOS 450D DSLR
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Foto:Kameras

Der Akku der 450D hält fast drei Mal so lange wie der aus der 400D - mehr als 600 Fotos sind kein Problem.

Wer als 400D-Besitzer einen Grund sucht, den Kauf einer 450D vor seinem Ehepartner zu rechtfertigen, der braucht bloß durch den Sucher zu schauen. Dieser ist deutlich größer und damit auch heller als das der EOS 400D, die für ihre dunkle Höhle oft und zu Recht gerügt wurde. Bei der 450D fällt es daher deutlich leichter, Motive manuell scharf zu stellen - für ambitionierte Fotografen ganz klar ein Must-have-Feature. Allerdings braucht man nur durch den Sucher einer 5D zu gucken (die freilich mehr als drei Mal soviel kostet), um festzustellen, dass es noch besser ginge. Der Sucher der 40D ist ebenfalls immer noch besser als der der 450D, weil die 40D ein Prisma anstelle eines Spiegels verwendet.

Fazit: Allein wegen des Suchers lohnt es sich schon, von der 400D zur 450D umzusteigen. Einen noch besseren Sucher bietet aber die 40D.

Livebild-Funktion: auch nützlich

Drückt man die Taste Set, schaltet die Kamera ein Livebild vom CMOS-Sensor auf das Display. Das kann man ganz puristisch als Schnickschnack für die Featuretabelle verwerfen -- oder aber klug einsetzen. Dafür ein paar Beispiele: Unterwasserfotografen benötigen das Live-Feature, weil sie wegen des wasserdichten Gehäuses nicht durch den Sucher schauen können. Und Studiofotographen haben die Möglichkeit, mit dem Livebild auf dem großen Display präzise scharf zu stellen. Dazu erlaubt die 450D eine 5fache und 10fache Vergrößerung des Livebilds, die sich in der Praxis tatsächlich als nützlich erweist. Und Über-Kopf-Fotografen müssen nun nicht mehr blind knipsen, sondern haben zumindest eine grobe Einsicht in das Motiv. Kurz: Am Ende des Tages ist die Funktion doch sinnvoll. Und wer sie nicht braucht, kann sie im Menü "unterdrücken", was ohnehin Vorgabe ist.

Canon EOS 450D

© Andreas Winterer

Ungeschickt: Hier lässt sich die Livebild-Funktion ab- und anschalten - welchen Autofokus sie verwendet, regeln Sie hingegen andernorts.

Passend zu diesem Modus gibt's auch zwei Autofokus-Systeme. Beim Quick-Autofokus klappt die Kamera im Augenblick des Scharfstellens den Spiegel hoch und misst die Schärfe über das AF-Messfeld. Fühlt sich unangenehm und umständlich an. Beim Live-Autofokus verwendet die 450D zum Scharfstellen die Kontrastdaten des Bildsensors, genau wie Kompaktkameras. Das ist weniger kompliziert, dauert aber sehr lange.

Fazit: Die neue Livebild-Funktion ist für verschiedene Motivsituationen durchaus nützlich, der 450D fehlt hier im Vergleich zur 40D nichts.

Neues Kit-Objektiv: besser als nichts

Das Kit-Glas EF-S 18-55 der 400D wird von Objektiv-Liebhabern gerne als "Flaschenboden" abgetan. Auch das Nachfolgemodell EF-S 18-55 mm 1:3,5-5,6 IS gewinnt sicher keine Preise, auch wenn der eingebaute Bildstabilisator (Image Stabilisator, IS) den einen oder anderen Verwackler während oder nach der durstreichen Grillparty verhindern dürfte. Wer schon ein Objektiv hat, kann darauf verzichten: Auch wenn es für Schnappschüsse durchaus alltagstauglich ist, so ist das Scharfstellen hier wie beim Vorgängerobjektiv eine gemeine Qual. Und spätestens im Urlaub oder auf dem Sportplatz fehlt Ihnen eine Zoom-Stufe, weil der Brennweitenbereich von 18-55 Millimeter sich effektiv in 27 bis 98 Millimeter Kleinbild-Äquivalent niederschlägt, als mäßiger Weitwinkel mit ein bisschen Zoom. Andererseits ist der Preisunterschied bei klugem Preisvergleich so gering, dass man die Scherbe auch mitnehmen kann...

Canon EOS 450D mit EF-S 18-55 IS

© Andreas Winterer

Neuheit des Kit-Objektivs EF-S 18-55 IS: der integrierte Bildstabilisator. Er lässt sich bei Bedarf abschalten.

Fazit: Wenn Sie schon Geld in die Hand nehmen, dann für ein besseres Objektiv. Ob Sie das einer neuen 450D spendieren oder der vorhandenen 400D, macht dabei kaum einen Unterschied - die Bilder werden in beiden Fällen besser.

Veränderte Bedienung: gelungen

Besser gelöst ist das Scrollen durch Menüs: Bisher funktionierte die Gehe-nach-Rechts-Taste nur, wenn die Registerreihe oben markiert war -- ein überflüssiges Hindernis, das Canon abgeschafft hat. Sie können jetzt beliebig vertikal Menüpunkte und horizontal Menüseiten ansteuern. Übernommen von der 40D hat Canon die My Menu-Menüseite: Dort kann der Nutzer seine wichtigsten Funktionen selbst eintragen, statt sie jedes Mal suchen zu müssen. Sehr praktisch für HDR-Fans, um dort zum Beispiel die AEB-Funktion zu parken.

Die ISO-Taste ist auf die Oberseite gewandert, passend dazu zeigt das Sucherdisplay nun auch den aktuellen Wert ein. So können Sie noch beim Blick durch den Sucher schnell den ISO-Wert anpassen. Anders als bei der 400D ist es bei der 450D außerdem möglich, auch in Halbautomatik-Programmen wie Av und Tv einen ISO-Wert Auto zu verwenden, den die Kamera dann zwischen 100 und 800 wählt - bei der 400D gab's die Auto-Funktion nur bei der Vollautomatik.

Canon EOS 450D

© Andreas Winterer

ISO: Die Taste zum Ändern wanderte auf die Oberseite, zugleich hat der Wert nun endlich eine Anzeige im Sucher.

Weil die ISO-Taste entfällt, sind Bedientasten des Tastenkreuzes nun anders belegt und erlauben den schnellen Aufruf von Serienbild/Selbstauslöser, Belichtungsmodus, Autofokus und Pictures Styles. Der Set-Button in der Mitte lässt sich praktischerweise neu belegen. Allerdings war Canon nicht so schlau, hier das neue My Menu eintragbar zu machen. Abgesehen von der Einstellung Qualität ändern, mit der Sie rasch zwischen JPG und JPG+RAW umschalten können, findet sich hier wenig sinnvolles.

Fazit: Die neue Bedienung ist durchweg gelungen, aber sicher kein Grund, seine alte EOS wegzugeben.

Weiter geht's auf der folgenden Seite mit den vielen Detailverbesserungen der Canon EOS 450D, einem Blick auf die verbesserte Bildqualität, den Macken der neuen DSLR und dem Fazit des Tests.

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