Telekom erneuert IPTV-Angebot

Entertain TV im Hands-on-Test: Flexibel wie nie

Eine ganze Reihe Innovationen wie „Restart“ und „Replay“ sowie eine universelle Suchfunktion sollen das neue Entertain TV der Telekom ab sofort zum führenden TV-Angebot in Deutschland machen. video konnte schon einen ersten Blick auf das neue IPTV-Angebot werfen.

Neu bei Entertain TV:

© WEKA Media Publishing GmbH

“Restart” ist eine der innovativen Funktionen des neuen Entertain TV der Telekom.

Zum 1. Mai wird aus Telekom Entertain das neue Entertain TV. Vorgestellt wurde das neue Angebot kurz vor dem Startschuss von Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme. Laut van Damme sehen mittlerweile rund 2,7 Millionen Kunden über Entertain fern. Die Drei-Millionenmarke will man in diesme Jahr knacken. Die Vorreiter-Tradition führt das neue Entertain TV fort, das künftig im Verbund der Magenta-One-Tarife der Telekom zum Preis von 14,95 Euro zusätzlich zu jedem aktuellen Festnetz-Internettarif buchbar ist.

Gleichzeitig sattelt der Anbieter technisch um - weg von der IPTV-Infrastruktur von Microsoft, die in Fachkreisen zuletzt als reichlich unflexibel galt, hin zu einem neuen Playout-System von Huawei und einem neuen IPTV-Receiver auf Linux-Basis. Von der technischen Umstellung bekommt der Kunde allerdings wenig mit, abgesehen von einem komplett neuen Erscheinungsbild der Menüs und einer deutlich geschrumpften Empfangsbox, in der aber noch immer eine Festplatte als Aufnahmemedium rotiert - das 500-GB-Harddrive ist nun sogar wechselbar.

Telekom Entertain Media Receiver

© Telekom

Der neue Telekom Entertain Media Receiver kommt mit einer 500-GB-Festplatte.

Mehr inhaltliche als technische Qualitäten

Ansonsten halten sich die TV-technischen Innovationen in Grenzen. Für Video-Enthusiasten: Nein, die neue Box ist nicht UHD-tauglich und nein, sie kann auch keine 10 Bit- bzw. HDR-Videos zum TV schicken. Dafür löst die Telekom die Grenze zwischen SD- und HD-Kanälen auf und will fortan jedem Zuschauer eben die Bildauflösung und Qualität zukommen lassen, die sein Internetanschluss optimal empfangen kann.

Auch hier vermeldeten die Telekom-Manager Fortschritte: Bereits 30 Millionen Haushalte sollten bis dato technisch in der Lage sein, hochauflösendes IPTV zu empfangen. Bis 2020 soll sich die Zahl auf 35 Millionen und somit in eine nahezu flächendeckende Versorgung weiter entwickeln.

Einen wichtigen Grund, das neue Entertain einmal genauer unter die Lupe zu nehmen erschließt sich für Video-Leser auch abseits von UHD. Wer in der aktuellen Ausgabe 5/2016 den Beitrag "Zappst Du noch oder findest Du schon?" gelesen hat, der findet im neuen Entertain TV einige Antworten auf die Fragen aus dem aktuellen Artikel. Es ging um TV-Mediatheken und die Möglichkeiten in IPTV- oder Kabelangeboten nach zeitversetzten TV-Inhalten zu suchen. Die sind bis dato - gelinde gesagt - bescheiden.  Mit dem neuen Entertain TV bringt die Telekom nun einige Funktionen heraus, die das TV-Erlebnis weiter in Richtung Internetzeitalter katapultieren.

Die erste heißt "Restart" und soll das leidige 20.15-Uhr-Problem lösen: Bei vielen Sendungen wird es künftig möglich sein, eine laufende Sendung später zu starten, diese aber dennoch von Anfang an zu sehen. Entertain TV macht's möglich, indem alle Sendungen auf den Servern der Telekom zwischengespeichert werden und von dort aus gestreamt werden, so lange sie noch im Fernsehen laufen. Das funktioniert tatsächlich nur, wenn man den Stream einer Sendung startet, solange diese noch nicht zu Ende ist.

Immerhin klappt dies bei allen großen deutschen Sendern - einschließlich der RTL-Gruppe, die ja ansonsten sehr verschlossen ist, wenn es um die zeitversetzte Nutzung ihrer Inhalte geht. Bei den Privatsendern kann man in den Restart-Inhalten zwar auch nicht vorspulen und muss so Werbeblöcke in voller Länge genießen.

Das zweite Top-Feature hört auf den Namen "Replay" und steht für eine übergreifende Mediatheken-Suche über die letzten sieben Tage. Der elektronische Programmguide "verlängert" dafür seine Zeitleiste in die Vergangenheit und markiert darin alle Sendungen mit einer kleinen Uhr, die sich nachträglich zeitversetzt abrufen lassen.

Mit dabei sind die beiden öffentlich-rechtlichen Sendergrupen, die Kanäle der Pro7Sat1-Gruppe und eine ganze Reihe weiterer Privatprogramme. Wer fehlt, ist RTL. Deren Inhalte sind auf kaum einer TV-Plattform zeitversetzt abrufbar, und wenn, dann keinesfalls gemeinsam mit den Sendungen der Konkurrenz.

Ganz gemeinsam funktioniert die Replay-Funktion allerdings auch wieder nicht. Hat man eine Sendung im Rückwärts-EPG gefunden und ruft sie auf, dann öffnet sich zunächst die jeweilige Sender-Mediathek, in der dann der Stream startet. Die Bedienung und das Look & Feel unterscheiden sich dabei ebenso deutlich wie die Bildqualität, wenn man mal die Tagesschau und mal "Richterin Salesch" per Replay-Sucher aufruft.

Suche mit vielen Fundstellen

Somit ist die Replay-Funktion eigentlich nicht mehr als eine sehr anschauliche Suche nach Sendungen, die in der letzten Woche ausgestrahlt und in Mediatheken gespeichert wurden. Aber auch nicht weniger, was direkt zum nächsten Punkt führt: Die übergreifende Suche. Das IPTV-System mausert sich hier vollends zum Findefuchs der Meisterklasse. Fahndet man nämlich über die "Suche"-Taste auf der Fernbedienung nach Sendungstiteln, Schauspielern, Regisseuren oder auch Genres, dann durchforstet der TV-Browser tatsächlich alle verfügbaren Inhaltsquellen: Den EPG ebenso wie TV-Mediatheken und alle verfügbaren Online-Videotheken. Davon hat das neue Entertain TV schon zum Start  einige auf Lager. Neben dem Videoload von der Telekom sind Maxdome, Sky On Demand und Watchever vertreten. Laut dem für das Telekom-Privatkundengeschäft verantwortlichen Geschäftsführer Michael Hagspihl laufen obendrein Gespräche mit Netflix und Amazon, so dass die Suche in abeshbarer Zeit auch deren Film- und Serienangebot ausspucken dürfte.

Die übergreifende Suche ist ein echter Vorsprung des neuen Entertain-TV gegenüber allen anderen Smart-TV-, Kabel- und IPTV-Plattformen. Dort sind Inhalte in der Regel nur in den einzelnen Anbieter-Apps einfach auffindbar, nur selten sind einzelne Pay-Angebote mit EPG- oder Archivsuchen verknüpft.

Startmenü mit Tipps und Quoten

Weitere Innovationen sind eher kosmetischer Natur, bringen aber auch einen neuen Zugang zu aktuellen TV-Inhalten. Das neue Hauptmenü etwa zeigt nicht mehr in erster Linie eine große Navitaionsleiste durch alle Funktionen der Box, sondern listet aktuelle Top-Sendungen, Serien- oder Filmtipps sowie News über TV- und Musik-Stars. Wechselt man zum TV-Programm, dann zeigt das Inhaltsmenü zuoberst die aktuellen Top-3-Sendungen, also die Programme, die gerade von den meisten Telekom-Entertain-Kunden geschaut werden. So bekommt man als Zuschauer gleich einen Überblick über die aktuellen TV-Hits. Eine personalisierte Startseite à la Netflix , also mit TV- oder Film-Empfehlungen, die den Sehgewohnheiten des Zuschauers entsprechen, bringt das neue System allerdings nicht mit.

Vollwertige App

Eine der größten Defizite das bisherigen Entertain war das weit gehende Fehlen einer Second-Screen-Anwendung - es gab zwar eine App, mit der man auf dem Handy fernsehen konnte, das war's aber auch schon. Die neue App kann das weiterhin - gegen Aufpreis.

Doch ihre Connectivity mit dem laufenden Programm auf dem TV ist der eigentliche Schatz darin. Sind TV-Receiver und Tablet im selben WLAN angemeldet, dann dient das Mobilgerät über die App als Fernbedienung und als Monitor für EPG- und weitere Zusatzinfos zum laufenden Programm. Per Fingertippen lässt sich das auch auf den Mobil-Bildschirm holen und dort weiter schauen, oder mit einem weiteren Tippen wieder zurück zum TV-Gerät schieben. Natürlich eignet sich die Touchscreen-Tastatur auch als bequemes Eingabemedium bei der Suche.

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video Magazin Fazit: Quantensprung mit viel Potential

Technisch ist das neue Telekom Entertain TV absolut auf der Höhe der Zeit, mit seiner umfassenden Suche und der Restart-Funktion zeigt es der gesamten TV- und Provider-Branche den Weg ins Internet-TV-Zeitalter. Doch es präsentiert eben auch die Spezialitäten des deutschen Medienrechtes auf dem Silbertablett: Die Telekom darf eine Cloud-Kopie laufender Sendungen für die Restart-Funktion anfertigen, muss diese aber nach dem Ende der Sendung wieder löschen.

Jedermann kann RTL-Sendungen auf seine Festplatte aufnehmen, wann immer er mag, doch ein grundsätzlicher Rückwärts-EPG scheitert eben an der Weigerung von RTL und Co., ihre Inhalte zum Wohle des Zuschauers flexibel bereitzustellen. Das ist nicht neu, bisher wurde man nur nicht bei jedem zweiten Bedienschritt mit der Nase darauf gestoßen. Das ist aber wiederum ein großes Kompliment für  Entertain TV - nie war ein TV-Empfangsweg eben so nach dran am technisch Machbaren.

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