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Testbericht

Spieletest: "Star Wars: The Old Republic"

PC Magazin


teleschau - der mediendienst

5. Januar 2012

"Free-to-Play" lautet zurzeit die Zauberformel in der Computerspielbranche. Vor allem im Bereich der Online-Rollenspiele setzt man auf das ungewöhnliche Geschäftsmodell, in dem das eigentliche Programm kostenlos zur Verfügung gestellt wird, Vorteile und Zusatzinhalte jedoch nur gegen bare Münze freigeschaltet werden. Titel mit Abo-Modell wirken dagegen ewiggestrig. Und wie sieht es mit "The Old Republic" aus?


Die Neuveröffentlichung "The Old Republic" kann es sich trotzdem erlauben, zuzüglich zum Kaufpreis von rund 50 Euro monatliche Gebühren in Höhe von 13 Euro zu verlangen. Der Grund dafür ist ebenso simpel wie verkaufsfördernd: Das Online-Rollenspiel ist im "Star Wars"-Universum von Filmemacher George Lucas angesiedelt und gilt als wichtigster Genre-Vertreter seit "World of Warcraft".

"The Old Republic" stammt von Bioware, einem der zuverlässigsten Hitlieferanten der Branche. Es ist lange Zeit vor den Geschehnissen der sechs Kinoepisoden angesiedelt, von denen die erste am 9. Februar als 3D-Fassung ins Kino kommt. Also kein Luke Skywalker, kein Darth Vader, kein Han Solo. Die Machtblöcke sind jedoch nahezu dieselben wie in der Filmvorlage und werden in spektakulären Einleitungsvideos präsentiert: Da gibt's zum einen das böse, militärisch organisierte Sith-Imperium und zum anderen die freiheitsliebende Republik.

Die Wahl der Fraktion hat direkten Einfluss auf die zur Verfügung stehenden Heldentypen. Gut-Menschen treten als Soldat, Schmuggler, Jedi-Botschafter oder Jedi-Ritter an. Auf der dunklen Seite der Macht finden sich entsprechende Pendants wie der Agent, der Kopfgeldjäger, der Sith-Inquisitor oder Sith-Krieger. Ab Stufe zehn darf man zudem seinen Charakter spezialisieren. So wird aus dem Jedi-Ritter beispielsweise ein Wächter oder Hüter, was weitere Vor- und Nachteile sowie spezielle Talente mit sich bringt.

Der Weg dorthin ist als eine Art überlange Einleitung angelegt, in denen zwei Dinge offenbar werden. Erstens: "The Old Republic" erfindet das Online-Rollenspiel-Genre nicht neu und orientiert sich in Punkten wie Aufbau, Aufgaben und Spielweise deutlich am nach wie vor genredominierenden "World of Warcraft". Bedeutet: Man kämpft sich mit Laser-Schwert, Blastern und Machtfähigkeiten durch monster- und banditenverseuchte Gebiete, sammelt Erfahrungspunkte, Geld und allerlei Gegenstände ein, trainiert seine Fähigkeiten bei Meistern und erledigt reichlich Botengänge.

Allerdings ist die Art, wie Bioware diese Genrestandards in Szene setzt, bahnbrechend. Statt Aufträge in Form schnöder Texttafeln zu präsentieren, wird man hier Zeuge von zahlreichen Zwischensequenzen und vollvertonten Dialogen, in denen man sich ähnlich wie in anderen Bioware-Titeln ("Mass Effect", "Dragon Age") zwischen mehreren Gesprächsverläufen entscheiden kann - was wiederum Einfluss auf die eigene Gesinnung hat.

Das Resultat ist ein deutlicher Atmosphäregewinn, zumal "The Old Republic" der Handlung mehr Bedeutung beimisst als der Jagd nach dem nächstbesseren Ausrüstungsgegenstand. Entsprechend sind manche Gebiete, die für den Fortgang der Geschichte wichtig sind, nur dem Spieler zugänglich. Der muss sich insofern nicht fürchten, dass ihm andere Sternenkrieger dazwischenfunken.

"The Old Republic" mag ein Online-Rollenspiel sein, aber auch Einzelgänger können ihren Helden problemlos bis zur aktuell maximalen Stufe 50 bringen. Für teamorientierte Spieler gibt es allerdings genügend Aufgaben, die sich nur in kleinen Gruppen lösen lassen - sogenannte Flashpoints. Wer auf Krawalle aus, betritt Spieler-gegen-Spieler-Schlachtfelder oder schließt sich größeren "Operationen" an, in denen meist besonders mächtige Gegner besiegt werden müssen und reiche Beute lockt. Eine automatische Suche nach Mitstreitern fehlt allerdings (noch). Man muss tatsächlich das Chat-System bemühen, um Anschluss zu finden.

Damit die Spieler bei der Stange bleiben, bietet ihnen "The Old Republic" genügend Schauplätze und Möglichkeiten zum Austoben. Planeten wie die Eiswüste Hoth, die Wüstenwelt Tattoine oder das Regierungszentrum Coruscant kennt man bereits aus der "Star Wars"-Saga, andere Handlungsstränge wurden an Bord von großen Schiffen wie Sternenzerstörern verlegt. Sogar Raumschlachten lassen sich in "The Old Republic" ab einer bestimmten Stufe austragen. Auch wenn das Geschehen dabei in engen Flugbahnen verläuft und mitunter "Moorhuhn"-Charakter besitzt, macht es einen Heidenspaß sich mit Schwärmen feindlicher Jäger anzulegen.

Um Kurzweil zu finden, muss man aber nicht zwangsläufig zu fernen Welten reisen. Grund hierfür sind die computergesteuerte Kameraden, die der Spieler von Bioware im Verlauf der Geschichte zur Seite gestellt bekommt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um treudoofe Speichellecker, sondern um echte Charaktere mit eigener Meinung. Sogar Liebesbeziehungen zwischen Held und Begleiter sind möglich.

Fazit: Auch wenn man der Grafik von "The Old Republic" die lange Entwicklungszeit zu jeder Zeit ansieht, ist Bioware das bislang einzigartige Kunststück gelungen, ein Online-Rollenspiel wie ein vollwertiges Soloabenteuer wirken zu lassen - einer großartigen Kulisse, durchgehenden Geschichten für jeden Heldentyp, einer cineastischen Inszenierung und der Komplettvertonung aller (!) Figuren und Dialoge sei Dank. Das Spiel liefert erwartungsgemäß Unterhaltung für Monate - und schlägt mit entsprechenden Abogebühren zu Buche. Ein mächtiger Konkurrent für "World of Warcraft", wie sich zeigt. Über eine Million Exemplare sollen bereits verkauft worden sein.

Spielsysteme
System PC
Game
Spielname Star Wars: The Old Republic
Hersteller LucasArts/BioWare
Vertrieb EA
Genre Rollenspiel
Erhältlich ab 20.12.2011
Preis ca. 50 Euro
EAN Code 5030932104557
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene und Profis
Alter ab 12 Jahren
Multiplayer ja (WWW)
Sonstiges
Bewertung Grafik gut 4/5
Bewertung Steuerung sehr gut 5/5
Bewertung Sound sehr gut 5/5
Bewertung Spielspass sehr gut 5/5
Bewertung Gesamt sehr gut 5/5





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