Testbericht

Sony VPL-VW90ES im Test

Sonys neues Projektor-Topmodell VPL-VW90 enthält viele Weiterentwicklungen und beherrscht nun auch 3D. Als einer der ersten erlaubt der Beamer auch diverse 3D-Justagen und verspricht Top-Farben in allen Modi.

Sony VPL-VW90ES

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Sony VPL-VW90ES

Pro

  • gute Präzision
  • sensationelles 2D-Bild

Contra

  • RGB und Component nur mit 8 Bit
  • Geisterbilder bei 3D

Sony blickt mittlerweile auf eine fast zehnjährige Erfahrung mit seinen SXRD-Projektoren zurück. Der aktuelle VPL-VW90 basiert auf dem seit gut fünf Jahren stets weiterentwickelten Flunder-Design.

Tief im Kern der Light-Engine aber fand nun ein interessanter Rückschritt statt: Schwenkte Sony bei der Ansteuerung seiner spiegelnden LCD-Chips vor Jahren von einer analogen auf eine digitale Ansteuerung um, wie dies etwa auch JVC mit seiner Konkurrenztechnologie D-ILA tat, besitzt der Neue wieder eine analoge Ansteuerung. Das könnte für 3D eine feine Sache sein. Erkennt man beim JVC DLA-X7 im 3D-Modus mit geübtem Blick, dass es der Pulsweiten-Ansteuerung der Lichtventile bei 3D eng wird, weil pro Bild nur noch die halbe Zeit und damit Frequenz zur Modulation zur Verfügung steht, so kann das beim VW90 nicht passieren. Der praktische Test zeigt, wie gut das funktioniert.

Doch zunächst ist der VW90 eine Detail-Weiterentwicklung des Vorgängers VPL-VW85. Mechanisch blieb quasi alles beim Alten, nur dass der Neue über und unter dem Objektiv nun Infrarotsender zur Steuerung der 3D-Brillen integriert. Ein externer IR-Sender lässt sich ebenfalls anschließen, falls die Reflexion des Signals über die Leinwand nicht ausreicht.

Sony VPL-VW90ES

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Sonys Projektor-Fernbedienung zeigt ein aufgeräumtes, angenehm beleuchtetes Tastenfeld.

Sony VPL-VW90ES: Aufbau

Das Anschlussfeld sitzt wieder an der Seite und bietet einen doppelten HDMI-1.4-Anschluss, nur S-Video fiel den Buchsen für den 3D-IR-Sender und einen Infrarot-Empfänger zum Opfer. Weiterhin versteckt sich das Bedienfeld hinter einer unauffälligen Klappe. Die Kühlluft saugt der riesige, rückseitige Grill ein, und die erhitzte Abluft strömt vorne aus den Ecken. Das erlaubt mit den seitlichen Buchsen auch die sonst kritische wandnahe Anbringung des Projektors.

Das Objektiv ist unverändert geblieben und bietet mit seinem riesigen, per Fernbedienung fein justierbaren Lensshift und Zoom eine große Flexibilität. Neu sind die motorischen Staubschutztürchen, die im Standby das Objektiv verstecken.

Kaufberatung: LED/Laser-DLP-Projektoren im Test

Ein Paar 3D-Shutterbrillen hat Sony dem Projektor beigelegt. Sie sind identisch mit denen der Sony-Fernseher und lagern in weichen Stoffetuis. Direkt kann man sie nicht verwenden, denn Sony nutzt bei seinen 3D-Fernsehern einen Polarisationsfilter weniger als üblich. Das erhöht die Helligkeit im 3D-Modus.

Solch eine Heimkino-Leinwand ist quasi ein perfekter Depolarisator. Für die Projektion muss man also die ebenfalls beigepackten Polfilter vor den Brillengläsern einstecken. Die angenehm beleuchtete Fernbedienung blieb auch im Konzept identisch und beinhaltet sogar Laufwerkstasten zum Steuern von Playern über HDMI-CEC-Befehle. Auch das Bildschirmmenü haben die Sony-Ingenieure angepasst: Es bietet nun - endlich - mit weißer Schrift auf schwarzem Grund guten Kontrast und dadurch Lesbarkeit.

Sony VPL-VW90ES

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Für die 3D-Shutterbrillen liefert Sony Polfilter mit, die für den Einsatz mit dem Projektor benötigt werden.

Sony VPL-VW90ES: Funktionen

Zu den Verbesserungen unter der Haube gehört unter anderem eine neue Auto-Iris zur Kontrastverstärkung. Diese schließt nun weniger weit, was dank des ohnehin sensationellen nativen Schwarzwerts der Light-Engine keinen Nachteil darstellt. Somit werden die bei Sony kaum auffallenden Regeleffekte nochmals verringert.

Auch an den Bewegungsunschärfe-Schaltungen haben die Entwickler erneut gearbeitet. "Filmprojektion" setzt Schwarzphasen zwischen die einzelnen Videobilder, was artefaktfreie superscharfe Bewegtbilder erzeugt, kostet aber Lichtleistung, und bei 24-Hertz-Filmen flackert es in großen Flächen deutlich. Der Zwischenbild-Berechner "Motion Enhancer" funktioniert in nicht linearer, kleiner Stufe recht gut; die höheren Stufen erzeugen zwar noch stärker fließende Bewegungen, das sieht aber irgendwie artifiziell aus. Bewährtes wie die vorbildliche Konvergenz-Einstellung sind unverändert geblieben.

Sony VPL-VW90ES

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Das zackige Spektrum demonstriert Sonys steilflankige Farbfilter zum Erreichen des riesigen nativen Farbraumes. Der Farbraum "Normal" liegt aber nahe an der Norm, nur Grün liegt im Farbton und Blau in seiner Sättigung minimal daneben. Gamma und Balance: perfekt.

Sony VPL-VW90ES: Bildtest

Im Testkino stellte der Beamer die Tester entsprechend vor keine Rätsel. Das Objektiv zeigte eine gute Präzision, die SXRD-Panels des Testmusters praktisch kein Shading. Farbbalance und Gamma ließen sich leicht auf Perfektion mit einer Punktlandung auf die HDTV-Norm REC709 bringen. Der Farbraum "Normal" liegt ausreichend nahe an der Norm, perfekt ist er in Grün und Blau aber nicht.

Test: Sony VPL-HW50ES

Die Überprüfung der diversen Signalarten ergab zunächst eine Ernüchterung: Kein DeepColor? Nur 8 Bit Farbe? Es stellte sich heraus, dass der Sony nur Standard-Component-Signale (4:2:2) beherrscht, dann bis 12 Bit. RGB und Component mit voller Bandbreite (4:4:4) blieben bei 8 Bit. Vorbildlich funktionierten dafür der De-Interlacer und der Scaler, und sie meldeten ihre Latenzzeiten auch brav per HDMI Lip Sync an den Verstärker zurück. Doch auch hier ein kleiner Wermutstropfen: Bei 3D-Signalen im Side-by-Side-TV-Format 1080i findet kein De-Interlacing statt, was eine gewisse Unruhe im Bild belegt.

Im praktischen Bildtest zeigte der VPL-VW90 diesen Erkenntnissen gemäß ein sensationelles 2D-Bild vom Feinsten mit dramatischem Kontrast, plastischer Tiefenwirkung und authentischen Farben. Alles wirkte sehr ruhig und fast analog. Dann setzten die Tester die 3D-Brillen auf und legten die erste 3D-Blu-ray ein. Die Bilder vom JVC DLA-X7 erschienen in der Erinnerung vergleichsweise heller und klarer. Der Sony zeigte deutlichere Geisterbilder. Kein Problem, man kann das beim Sony in drei Stufen regeln, von mehr Helligkeit mit mehr Übersprechen bis dunkler, dafür mit geringerem Übersprechen. Dennoch blieb das ungewollte Durchscheinen stärker als beim Gegner. Der Sony zeigte allerdings dank seiner analog angesteuerten Panels das gleiche, ruhige und rauschfreie Bild wie im 2D-Modus.

Fazit

Sony baut mit dem VPL-VW90 seinen bislang vermutlich besten 2D-Projektor mit verblüffender Plastizität und Ruhe im Bild. Die 3D-Integration ist gut gelungen, bleibt aber hinter der Konkurrenz zurück. Der ideale Projektor also für jemanden, der auf 2D Wert legt, sich aber die 3D-Option offenhalten möchte.

Tabelle: Daten und Messwerte

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Tabelle: Testergebnisse

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