Testbericht

Sony SLT-A77 - Im Test

Sonys neue Alpha-Modelle A77 und A65 fordern mit ihrem 24-Megapixel-Sensor im APS-C-Format die Konkurrenz heraus. 24 Megapixel - diese Auflösung boten in der Vergangenheit nur Vollformatkameras.

  1. Sony SLT-A77 - Im Test
  2. Datenblatt
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© Sony

Pro

  • Elektronischer Sucher
  • Aluminiumgehäuse
  • Schutz vor Staub und Spritzwasser
  • Sehr gute Videofunktionen

Contra

  • Teilweise umständliche Bedienung
51,2%

Mit 24 Megapixel, hochauflösendem elektronischem Sucher und feststehendem teildurchlässigen Spiegel - Sony geht bei den neuen Modellen A77 und A65 einen etwas anderen Weg als die klassischen Kamerahersteller Canon, Nikon und Pentax. Kernstück ist die vor einem Jahr vorgestellte "Translucent-Mirror"-Technik (SLT): Ein halbdurchlässiger, feststehender Spiegel lässt permanent zirka 70 Prozent des Lichts auf den Sensor fallen. Dieser liefert dann das Live-View-Bild für den Monitor und den elektronischen Sucher. Die restlichen 30 Prozent lenkt der Spiegel zu den Autofokus-Sensoren. So steht beim Live-View sowie im Videomodus der schnelle Phasen-AF zur Verfügung. Mit Preisen von 1300 Euro für die A77 und 900 Euro für die A65 gehören beide Modelle zur gehobenen Mittelklasse und füllen die von der A700 hinterlassene Lücke.

Bildergalerie

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AusstattungIm direkten Vergleich ist die A77 ein gutes Stück größer als die A65. Dabei ist die A77 mit Aluminiumgehäuse nur gut 100 g schwerer als die gut 620 g wiegende A65 mit Kunststoffgehäuse. Die Gehäuseverkleidung beider Modelle besteht aus Kunststoff, macht aber einen soliden Eindruck. Beide liegen gut und sicher in der Hand. Die A77 ist zudem vor Staub und Feuchtigkeit geschützt.

Auch bei Sony ist das ambitioniertere Modell A77 mit zusätzlichem LC-Display auf der Gehäuseoberseite für die Direktanzeige ausgestattet, auf das die A65 verzichtet. Der integrierte Blitz der A77 mit LZ 9 leuchtet bis 24 mm Weitwinkel aus, der A65-Blitz mit LZ 8 nur bis 28 mm Weitwinkel. Die kabellose Steuerung externer Systemblitzgeräte ist mit beiden Kameras möglich.

Exmor-Sensor und Bionz-Bildprozessor sind in der A65 für ISO-Werte von 100 bis 16000 gut, während bei der A77 Empfindlichkeiten schon ab ISO 50 einstellbar sind. Über den Maximalwert hinaus sind mit Hilfe einer "Mehrbild-Rauschreduzierung" zur Not auch ISO 25600 drin. Dazu rechnen die Sonys sechs Aufnahmen zu einem Foto mit weniger Rauschen zusammen. Die Bildstabilisierung erfolgt per Sensor-Shift.

Der CCD-Liniensensor des TTL-Phasendetektionssystems der A65 ist mit 15 Fokuspunkten inklusive 3 Kreuzsensoren gut bestückt, bei der A77 mit 19 Fokuspunkten inklusive 11 Kreuzsensoren noch besser. Die jeweils in drei Gruppen mittig, rechts und links angeordneten Sensoren können in unterschiedlicher Konfiguration vom großen Mehrfeld bis zum gezielten Einzel-Spot eingesetzt werden. Die Schärfeverfolgung bei seitlicher Bildbewegung erfolgt nicht nur im Bereich der markierten Sensoren, sondern auch in den darüber hinaus gehenden Randbereichen des Bilds.

Bei manueller Fokussierung hilft die praktische "Peaking"-Funktion, die im Fokus liegende Bereiche rot, gelb oder weiß hervorhebt - allerdings immer nur auf die offene Blende bezogen, also ohne visuelle Schärfentiefekontrolle. Alternativ leuchtet das mittige Fokusfeld grün auf. Zudem ermöglicht der elektronische Sucher zusammen mit der sehr effektiven Sucherlupe eine saubere manuelle Fokussierung.

Da kann keine traditionelle SLR mit optischem Sucher mithalten. Für die Belichtungsmessung stehen Mehrfeld, Mittenbetonung und Spot zur Verfügung. Bei der Belichtungssteuerung hat der Fotograf ebenfalls die volle Auswahl: "Auto+"-Vollautomatik mit automatischer Motivprogrammwahl, Programmautomatik mit Shift oder Zeit- und Blendenautomatik sowie manuelle Zeit-/Blendenwahl. Besonderheiten wie DRO-Dynamikoptimierung in fünf und HDR-Auto-Funktion in drei Stufen sowie 2D- und 3D-Schwenkpanoramen verdanken A77 und A65 den kombinierten Fähigkeiten des schnellen Exmor-Sensors und Bionz-Prozessors. Wobei das 3D-Schwenkpanorama wohl eher in die Rubrik Features gehört.

A77 und A65 erlauben mit 7,9 bzw. 7,7 RAW-B/s die schnellsten Bildserien dieses Vergleichs. Die A65 schafft aber nur vier, die A77 immerhin 14 Bilder hintereinander. Bei den Verschlusszeiten wartet die A65 mit minimal 1/4000 s und x=1/160 s auf, die A77 kommt auf 1/8000s und x=1/250s. Blitzbelichtungsreihen macht die A77 mit 5 oder 3 Aufnahmen, die A65 nur mit 3 Aufnahmen.

Zu den Ausstattungsbesonderheiten bei-der Modelle gehört die integrierte GPS-Funktion mit Uhrzeit-Synchronisation. Sie macht den bislang zügigsten und genauesten Eindruck von allen GPS-Systemen in Kameras.VideoAls erste SLRs nehmen Sony A77 und A65 Full-HD-Videos 1920 x 1080 im progressiven Modus 1080p mit 50 Vollbildern/s auf, was für noch bessere Kantendarstellung sorgt. Gestartet werden kann die Videoaufnahme jederzeit über eine Direktstarttaste, gespeichert wird im AVCHD-Format.

Wichtiger ist jedoch die saubere Schärfenachführung: In den ersten SLT-Modellen vor einem Jahr führte der Phasenautofokus die Schärfe noch zu ruckartig nach. Nun sorgt der Phasenautofokus einerseits für wesentlich mehr Tempo als die Kontrastlösungen von Canon und Nikon, zugleich zieht er die Schärfe aber nun weicher nach. Wenn es um Video geht, kann Sony zwar nicht den maximalen Schärfentiefe-Spielraum einer EOS 5D Mark II bieten, aber das praktikabelste Gesamtpaket. Wer nicht in teure Speziallösungen zur manuellen Schärfenachführung investieren will, erhält mit den neuen Sonys die besten SLR-Videos.

Ein weiterer Video-Vorteil ist der elektronische Sucher: Bei klassischen SLRs muss beim Filmdreh der Spiegel hochgeklappt sein. Nur dann fällt das Licht vom Objek-tiv auf den Sensor zur Videoaufzeichnung. Damit bleibt aber der optische Sucher dunkel, und der Filmer ist auf den Monitor beschränkt. Im Fall der Sonys sind (elektronischer) Sucher wie Monitor auch im Videobetrieb aktiv.

BedienungRändelräder links oben auf den Kameras erlauben die schnelle Vorwahl der grundlegenden Aufnahmefunktionen. Im Detail ist die Bedienung der A65 stark monitor- orientiert. Vom Konzept her ist die A77 zwar gleich aufgebaut, doch bieten die zahlreichen Tasten und Knöpfe als eine Art zweite Ebene auch adäquate Direktzugriffsmöglichkeiten. Gezielte Voreinstellungen für Aufnahme, Wiedergabe und Kamera-Management werden bei beiden Modellen nach Druck auf die Menütaste auf sieben Reiterkarten mit bis zu drei Unter-Screens vorgenommen. Aktuelle Einstellungen wichtiger Aufnahmenfunktion sind durch Ansteuern der nach Druck auf die "Fn"-Taste erscheinenden Symbole per 4-Richtungs-Joystick bei der A77 oder der entsprechenden Wippe bei der A65 schnell möglich.

Viele Einstellungen wie Zeit und Blende oder Belichtungskorrektur, ISO-Wert, Weißabgleich, Serienbildfunktion oder Sucherlupe können an der A77 aber auch per Direkttaste plus Dreh am klassischen Einstellrad vorgenommen werden. An Einstellrädern bietet die A65 eines für den Auslösefinger und die A77 zusätzlich ein zweites für den Daumen. Die Umschaltung zwischen dem Live-View-Sucher- oder Monitorbild kann bei Annäherung bzw. Entfernung des Auges vom Okular automatisch erfolgen. Auch die einst von Minolta erfundene "Eye-Start"-Funktion für den AF findet sich in A77 und A65 wieder.

Mit der Display-Taste lassen sich unterschiedlich umfangreiche, das eigentliche Monitorbild überlagernde Anzeigeebenen nacheinander aufrufen, so auch Histogramm und elektronische Wasserwaage. Insgesamt erweist sich die Bedienung beider Modelle trotz ihre Funktionsvielfalt nach kurzer Eingewöhnung als durchdacht und praktisch.

Sucher/MonitorMit ihren elektronischen Suchern setzen A77 und A65 neue Maßstäbe. Die OLED-Sucher mit 786432 RGB-Pixeln überzeugen in Farbigkeit und Schärfe. Hinzu kommt die Suchervergrößerung von 0,72x, die hervorragenden Überblick garantiert. Lediglich bei schnellen Bewegungen ruckelt das Sucherbild. So erreichen die Sony-Sucher noch nicht ganz die Qualität eines optischen Profisuchers, sind aber den teils recht kleinen Lösungen in den günstigen SLRs überlegen. Ein weiteres Plus ist ihr funktioneller Vorteil mit einer  Sucherlupe beim manuellen Fokussieren und die Unterstützung der Videofunktion. Die Helligkeit der beweglichen 3-Zoll-LCD-Monitore von A77 und A65 mit 307200 RGB-Pixeln Auflösung lässt sich in fünf Stufen, auf Wunsch automatisch, anpassen. Die Bildschirme sind unterschiedlich gelenkig. Bei der A65 kann der Monitor um bis zu 180° heruntergeklappt und dann um 90° nach rechts oder 80° nach links gedreht werden. Der A77-Monitor kann über die beschriebene Freiheitsgrade hinaus noch samt Drehgelenkträger aus der Rückwand herausgezogen und dann mit variabler Neigung in der Höhe parallel verschoben, auf der Oberseite der Kamera abgelegt oder nach vorne gerichtet werden. Der Fotograf erhält damit so etwas wie einen Lichtschachtsucher, nur ohne Schacht.

Bildqualität Weiche detailarme Bilder, Probleme bei höheren Empfindlichkeiten - in der Vergangenheit konnte die Sony-Signalverarbeitung nicht immer überzeugen. Das gilt für die neuen "As" nun ganz und gar nicht mehr. Die Auflösung ist erwartungsgemäß hoch und bis ISO 1600 auch sehr konstant, aber nicht übertrieben hoch. Sie bleibt eher etwas unter dem Potential eines 24-Megapixel-Sensors, was den Bildern insgesamt zugutekommt.

Trotz kleinerer Pixel liegen Rauschen und Feinzeichnung auf gleichem Niveau wie die Testergebnisse der Konkurrenten. Nur Pentax liegt bei den Kurtosiswerten klar vorne. Erst ab ISO 1600 und deutlicher noch bei ISO 3200 sinken die Messwerte dann insgesamt deutlich ab. Die ISO-3200-Bilder sind noch nutzbar, aber nicht mehr gut.

Auffällig sind die DeadLeaves-Werte mit schlechteren Ergebnissen bei ISO 100 gegenüber ISO 400. Offensichtlich stimmt Sony die niedrigste Empfindlichkeit weicher ab - was auch das NEX-5-Ergebnis in diesem Heft zeigt. Insgesamt hat Sony bei der Bildqualität die etablierten Hersteller nicht nur eingeholt, sondern teils auch knapp überholt.

Pentax punktet immer noch mit der schonendsten Signalverarbeitung, aber Sony hat deutlich aufgeholt, so dass die kleineren Pixel erst bei sehr hohen Empfindlichkeiten zu Nachteilen bei der Feinzeichnung führen. Eigentlich war auch ein RAW-Test geplant, den müssen wir aber schieben, da der RAW-Konverter von Sony noch seine Macken hat. So sind aktuell die JPEGs besser als die RAWs, und bis zur Auslieferung könnte es auch bei der internen Firmware noch einmal ein Update geben.

Fazit: Die zweite Generation der SLTs überzeugt auf ganzer Linie mit einem verbesserten elektronischen Sucher, der besten Videofunktion, guter Bildqualität und Bedienung. Für das Topmodell sprechen das bessere Gehäuse und die wesentlich zahlreicheren Direktzugriffe auf wichtige Funktionen. Bei gleichem Sucher und minimal besseren Testergebnissen des günstigeren Modells werden allerdings viele Kunden die 400 Euro sparen und die A65 wählen.

Sony Alpha 77

  
HerstellerSony
Preis1200.00 €
Wertung51.5 Punkte
Testverfahren1.6

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