Ultra-HD-Fernseher

Sony Bravia KD-65X9005A im Test

Sony legt sich schwer ins Zeug, um bei der Bildrevolution Ultra HD eine Führungsrolle zu übernehmen. Dabei ist den Japanern ein genialer Coup gelungen.

Sony Bravia KD-65X9005A

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Sony Bravia KD-65X9005A

Pro

  • sehr elegantes Gerät mit zukunftsweisendem Spitzenbild
  • haufenweise Bildverbesserer

Contra

  • nicht ganz billig
  • noch ein paar Bugs

Ultra HD wird die jetzt verbreitete Full-HD-Technik ablösen. Wie schnell das passieren wird, hängt vom Innovationsdruck der Geräteindustrie und Inhalteanbieter, letztendlich aber von der Akzeptanz der Endkunden ab. Die qualitätssüchtige Speerspitze der technischen Innovatoren kann schon jetzt die umwerfenden Bilder der kommenden Ultra-HD-Technik genießen. Auf der diesjährigen IFA in Berlin werden viele Hersteller erste Geräte zeigen, doch Sony prescht voran und hat bereits 65- und 55-Zöller der zweiten 4K-Generation eingeführt.

Übergang der Standards

Zu einer rundum neuen TV-Welt gehören viele Komponenten. Auch damals, als HDTV oder 16:9-Flachbildschirme aufkamen, passierte der Durchbruch nicht auf einen Schlag. Die ersten HD-Fernseher hatten weder HDMI noch HD-Tuner, erst recht nicht die jetzt gängige volle HD-Auflösung. Und die Blu-ray Disc war am Anfang eine Scheibe, die nur japanisches Fernsehen aufzeichnen konnte.

Nun befinden wir uns wieder in der Phase, in der die neue TV-Norm Ultra HD offiziell standardisiert wurde, es aber bis auf Pilotprojekte noch keine Ausstrahlungen und auch keine Massenspeicher mit Filmen gibt. Weitere Glieder der Kette wären DVB-Normen, HDMI zur Verbindung der Geräte und eine verbesserte Videocodierung, um den Mehraufwand an Daten knapper zu verpacken. Auch die Sendetechnik mit Kameras, Mastering-Hardware und Transmittern muss mitspielen.

Das steckt hinter der neuen Ultra-HD-Norm

Einige dieser Technologien sind bereits fertig und freigegeben oder stehen kurz davor. Sony ist an vielen Innovationen direkt beteiligt. Die Broadcasting-Abteilung hat bereits 4K-Kameras, -Studio-Equipment und -Kinobeamer am Start, die neue PlayStation 4 kann 4K und Sony Pictures speichert schon seit einiger Zeit gute Filme in höchster Auflösung. Auch die ersten Heimkino-Beamer und nominell der erste 84-Zoll-Ultra-HD-Fernseher kamen von Sony.

Wir sind technisch viel weiter als bei der Einführung von HDTV, als man sich jedes Jahr einen neuen Fernseher kaufen durfte, weil der Kopierschutz der Schnittstelle oder die Bildauflösung sich geändert hatte. Selbst die Blu-ray wäre mit bereits erhältlichen Techniken (wie BD-XL oder HEVC), aber natürlich neuen Playern und nicht rückwärtskompatibel, in der Lage, Ultra HD wiederzugeben.

Sonys neuer KD-65X9005A gehört in die Topklasse mit dem Bonus, dass die HDMI-Buchsen Ultra-HD-Material in 24 bis 30 Hz annehmen und pixelgenau auf das neuartige Display bringen. Zudem akzeptiert der Ultra-HD-TV 4K (4.096 x 2.160 Bildpunkte) in 24 Hz. Das konnte schon Sonys erstes Ultra-HD-Modell KD-84X9005 (84 Zoll, 25.000 Euro), doch die Neuen nähern sich in einer anderen Beziehung deutlich stärker der künftigen Ultra-HD-Norm.

Bildergalerie

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Sony legt zwei Fernbedienungen bei. Die kleine arbeitet mit Bluetooth und erkennt Smartphones über NFC (Nahfeldkommunikation).

Ultra-HD-Farbraum

Ultra HD ist nicht nur schärfer, sondern bietet auch eine größere Farbpalette und feinere Verläufe. Und schon beim Test des ersten Sony-TVs mit Triluminos fiel uns auf, dass der neu erweiterte Farbraum genau in Richtung der Eckdaten von Ultra HD zeigt.

Bei der Triluminos-Technik setzt Sony spezielle LEDs für die LCD-Hinterleuchtung ein. Konventionell wird das weiße Backlight aus einer blauen LED, beschichtet mit gelbem Phosphor, gewonnen. Farbfilter vor den Pixeln lassen diese in den Grundfarben Rot, Grün und Blau erleuchten.

Triluminos-LEDs basieren ebenfalls auf einem blauen Energiestrahler, auf dem jedoch Nanopartikel sitzen, die exakte Quantensprünge so ausführen, dass schmalbandiges Licht in Rot und Grün ergänzt wird. Die Grundfarben werden so deutlich satter, die Farbpalette größer - erheblich zu groß für normales Fernsehen.

Farbaufbereitung

Damit Gesichter nicht erröten oder Gras neongrün erscheint, hat der Sony-TV eine ausgeklügelte Farbaufbereitung an Bord. Sie unterstützt auch den legal erweiterten HD-Farbraum x.v.Color (xvYCC, eine Erfindung von Sony), der beispielsweise in Camcordern genutzt und über HDMI übertragen wird.

In Zusammenarbeit mit den Sony Pictures Studios in Hollywood gäbe es so die Möglichkeit, eine Blu-ray zu schaffen, die näher an die großen Farbräume des digitalen Kinos (DCI) oder an Ultra HD heranreicht, als HDTV es erlaubt.

Hollywood-Studiotour: Hinter den Kulissen von Sony Pictures

In der Tat machen Sony Pictures gerade auf neue Studiotechnik aufmerksam, indem spezielle Blu-ray-Filme als Mastered in 4K neu aufgelegt werden. Diese Filme enthalten ein Flag, das den passenden Blu-ray-Player und Ultra-HD-TV von Sony in einen Hochqualitätsmodus umschaltet. Im Test zeigte sich, dass die Skalierungstechnik 4K X-Reality Pro im TV dann zurückhaltender ans Werk ging, wohl weil die Quelle als besonders hochwertig erkannt und weniger manipuliert wird.

Die erwartete Farbverschiebung oder das automatische Aktivieren der großen Farbräume (Einstellung: Farbbrillanz) blieb aus, die Bildqualität war äußerst natürlich. Bei der Analyse der Datenströme der Blu-rays fanden wir auch keine Rückschlüsse auf Farbdaten in x.v.Color. Es bleibt eine Option für die Zukunft.

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© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Der Sony 4K Content Generator lieferte für den Test Trailer und Testfilme in voller Ultra-HD-Auflösung.

Ultra-HD-Bildqualität

Als Zuspieler für unsere 4K-Tests nutzen wir einen PC und möglichst viel vom wenigen Filmmaterial, das bereits erhältlich ist. Sony hat uns einen Festplattenspieler mitgeliefert, der offensichtlich für Demos im Handel vorgesehen ist und Ausschnitte in sagenhafter Ultra-HD-Qualität liefert.

Es ist atemberaubend, dass man bei der Luftaufnahme einer Südseeinsel das am Strand laufende Mädchen aus kilometerweiter Entfernung erkennen kann. Auch Differenzierungen in den feinsten Grashalmen eines Stadionrasens sind unglaublich authentisch.Schade nur, dass man bis auf einen Meter an den TV-Riesen herantreten will, um noch mehr Bilddetails aufsaugen zu können.

Download: 4K-Testbilder

Wenn in einer Szene aus Total Recall über die Stadt geschwenkt wird, muss man unweigerlich den Film pausieren, um alle Feinheiten auskosten zu können. Die Farben der Demos sind bombastisch und zeigen, wo die Reise bei Ultra HD hingeht. Die Auflösung ist fast zu fein für übliche Sitzabstände, aber die unglaubliche Klarheit der Bilder und die faszinierenden Farben überzeugen jeden Zweifler.

Sonys größte Kunst ist es jedoch, auch nomales Fernsehen, DVDs und Blu-ray-Filme überzeugend auf den futuristischen Schirm zu bringen. Rauschendes Analog-TV ist immer eine Qual, doch von DVB-T und YouTube über HDTV bis zu den besten Blu-rays kommt der Sony mit allen Quellen sehr gut zurecht.

Filter und Bewegungsglättung

Aber nur, wer genau weiß, was er tut, kann perfekte Ergebnisse erzielen. Das extrem kontrastreiche Ultra-HD-Panel mit seinem tollen Schwarz verzeiht keinen Fehler, wenn man nah genug ans Bild geht. Und die Auswirkungen von Schärfe, X-Reality und den vielen Artefaktfiltern bis hin zur Gesichtsglättung beeinflussen sich gegenseitig. Das Resultat wirkt dann oft sagenhaft scharf, aber zu hart und pixelig.

Praxis: Filmen in Ultra HD

Richtig dosiert bewirken die Filter jedoch fast kleine Wunder. Nicht ganz so überzeugend ist die Bewegungsglättung, die mit 800 Hz arbeiten soll (und echtes 200 Hz als Basis erwarten lässt). Der optimale Kompromiss zwischen leichtem Ruckeln, Flimmern und Verwischen ist hier nur schwer zu finden. Wie bei VA-Panels üblich wird ein überragender Kontrast von vorn gemessen, die Farben leiden jedoch ein wenig unter Blickwinkel.

Neu beim Panel-Lieferanten ist die 3D-Polarisation. Endlich sind die leichten Brillen bei voller Auflösung ohne Flackern nutzbar. Der integrierte Video-Player für Netzwerk- oder USB-Quellen beschränkt sich auf Full HD, Fotos werden jedoch schon mit den vollen acht Megapixeln angezeigt, und die hat bereits jeder zu Hause.

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© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Hält man ein Sony Xperia Z an die NFC-Fernbedienung des Sony-Fernsehers, verbindet sich das Tablet in wenigen Sekunden mit dem TV

Fazit

Nach der ausschweifenden Beschreibung der neuen Technik nun zum Gesamteindruck des Geräts: Der ist exzellent. Es sieht sehr ansprechend aus und ist bestens verarbeitet. Kleine Firmware-Bugs konnte unser HD+-Modul noch abfedern (Sky und KDG funktionierten) und Miracast-Verbindungen wurden nur vom Xperia Z akzeptiert. Die direkt strahlenden Drei-Wege-Lautsprecher liefern eine wohlklingende Neutralität und Präzision, allerdings kaum Bass. Die Ausstattung lehnt sich - klassisch und smart - genauso an Sonys beste TV-Reihen an wie die Bedienung.

Download: Daten und Messwerte

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