Kamera

Sony Alpha 99 II im Test

Die Sony Alpha 99 II im Test: Allen Unkenrufen zum Trotz schickt Sony das SLT-System nicht aufs Abstellgleis, sondern krönt es durch ein neues Topmodell.

Sony Alpha 99 II

© Sony

Sony Alpha 99 II

Pro

  • hohe Auflösung
  • Batteriegriff bietet Platz für zwei Akkus

Contra

Fazit

ColorFoto Testurteil: 77,5 Punkte (25,5 Punkte über den Durchschnitt)

Statt einer neuen A7-Generation präsentierte Sony zur photokina 2016 die A99 II. Die Auflösung wächst auf 42 Megapixel, 4K-Video ist jetzt auch möglich. Zudem hat die A99 II ziemlich alles an Bord, was Sony derzeit an Kameratechnik bieten kann.​ Wir haben die Sony Alpha 99 II im Test​.

Der Aufbau und die Leistungsdaten sind bereits von der A7R II bekannt: Er wird von der Rückseite belichtet, arbeitet ohne Tiefpassfilter, nimmt Videos in 4K-Auflösung (3840 x 2160/30p) auf und hat eine Nennauflösung von 42 Megapixeln für 3500 Euro.

Im Gegensatz zu den Kameras der A7- Serie gibt es bei den SLT-Modellen einen Spiegel im Suchersystem – allerdings keinen Schwingspiegel wie bei SLRs –, sondern einen fest eingebauten, teildurchlässigen Spiegel. Ein Strahlenteiler lenkt rund 70 Prozent des einfallenden Lichts auf den Bildsensor und den Rest in Richtung eines AF-Moduls oberhalb des Spiegels. Dies erlaubt kontinuierlichen Phasen-AF beim Fotografieren wie beim Filmen, während permanenter Live-View am Monitor oder im elektronischen Sucher möglich ist. Zusätzlich besitzt die A99 II ein Sensor-AF-System, das sich mit dem „dedizierten Phasen-AF“ – so der Sony- Jargon – kombinieren lässt. Im Gegensatz zum E-Bajonett der A7-Modelle kommt bei der SLT-Serie das A-Bajonett zum Einsatz, das auf dem früheren Minolta-Bajonett basiert. A-Objektive können an E-Modelle adaptiert werden, umgekehrt geht das nicht.

Gehäuse & Ausstattung 

Die A99 II ist eine stattliche, moderne Kamera, die äußerlich an SLR-Modelle erinnert, insgesamt aber etwas rundlicher ausfällt, was vor allem am flacheren Sucherhügel liegt. Das Gehäuse besteht größtenteils aus einer Magnesiumlegierung, wirkt sehr solide, liegt gut in der Hand und ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Auf ein eingebautes Blitzgerät muss der Fotograf verzichten; ein Blitzschuh nimmt Systemblitzgeräte auf. Ein beweglich gelagerter Bildsensor ermöglicht die „5-Achsen“-Bildstabilisierung mit allen angeschlossenen Objektiven. Im Vergleich zur A99 wurde die Gehäusegröße reduziert: Die A99 II hat jetzt fast die gleichen Abmessungen wie das Schwestermodell A77 II mit APS-CSensor – mit dem Vorteil, dass man den rund 250 Euro teuren Batteriegriff VG-C77 der A77 II auch an der neuen Vollformatkamera verwenden kann.

Sony Alpha 99 II Gehäuse

© Sony

Die A99 II ähnelt einer SLR, allerdings fällt der Sucherhügel deutlich flacher aus. Der Body ist eine robuste Magnesiumkonstruktion ohne integriertes Blitzgerät.

Das im Vergleich zur A7-Serie größere Gehäuse bietet nun Platz für einen leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Akku: Fast 400 Bilder pro Akkuladung, 100 mehr als eine A7R II, soll die A99 II im Sucherbetrieb schaffen. Zwei Speicherkarten- Slots für UHS-I-kompatible SD- Karten tragen dem enormen Speicherplatzbedarf für hochauflösende Bilddateien und 4K-Videos Rechnung. Slot 1 ist als Multisteckplatz für SD-Karte und Memory Stick Pro Duo angelegt. Der elektronische OLED-Sucher verfügt über eine hohe Auflösung von 786 432 RGB-Bildpunkten und ist einer der besten am Markt. Er arbeitet so gut wie verzögerungsfrei, gibt Farben differenziert, Kontraste sehr ausgeglichen wieder. Auch mit der effektiven Vergrößerung von 0,78-fach lässt er einen großen Teil der Konkurrenz hinter sich. Der 3-Zoll-Monitor an der Rückseite lässt sich aus dem Gehäuse klappen und drehen, was sehr unterschiedliche Betrachtungspositionen inklusive „Selfie- Modus“ erlaubt. Touchfähig ist der Monitor indes nicht.

Autofokus & Belichtung

 Das über dem Spiegel angeordnete Phasen-AF-Modul der A99 II kennt man vom Schwestermodell A77 II. Es stellt 79 AF-Punkte bereit, von denen 15 als Kreuzsensoren arbeiten. Neu bei der A99 II ist der Sensor-AF mit 399 Phasen-AF-Punkten. In einem mittleren Bereich des Bildfelds überlagern sich die AF-Sensoren beider Systeme zu insgesamt 79 Kreuzsensoren. Im Aufnahmemenü (AF1, Seite 4) kann man unter „AF-System“ entscheiden, ob man den „dedizierten Phasen-AF“ alleine („Nur ded.PhasDet.AF“) oder in Kombination mit dem Sensor-AF nutzen will („Auto“). Letzteres bietet die höhere Bildfeldabdeckung, während der „dedizierte Phasen-AF“ im Solobetrieb etwas schneller ist. Allerdings bleibt die A99 II mit einer Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit von 0,39/0,47 s bei 300/30 Lux hinter den Erwartungen und den sehr guten Werten der A77 II (0,22/0,22 s) zurück. Auch arbeitet nicht jedes A-Mount-Objektiv mit dem präziseren Sensor-AF zusammen, weshalb die A99 II eine Option für die Feinjustierung des „dedizierten Phasen-AF“ bietet.

Mit einer maximalen Serienbildrate von 12 B/s (JPEGs) bzw. 11,2 B/s (RAW) inklusive AF-/AE-Nachführung ist die A99 II die schnellste Vollformatkamera, die Sony je im Repertoire hatte. Selbst eine Sportskanone wie die Nikon D5 kann’s nicht schneller. Allerdings bietet die D5 einen Speicherpuffer für bis zu 200 Aufnahmen, während die A99 II „nur“ 62 JPEGs und 25 RAWs in Serie schafft und dann wesentlich länger für den Speichervorgang braucht – angesichts ihrer hohen Nennauflösung ist das aber eine reife Leistung.

Die Belichtung wird von der A99 II über ein 1200-Zonen-Bewertungssystem ermittelt. Als Messmodi stehen dabei neben der Matrix- und mittenbetonten Messung auch Integral-, Highlight- und Spotmessung (Standard/groß) zur Verfügung. Die Spotmessung lässt sich auch mit dem Fokusmessfeld verknüpfen, wenn „Flexible Spot“ oder „Erweit. Flexible Spot“ eingestellt ist.

Der Verschluss erlaubt Kurzzeiten bis 1/8000 s (auch bei Videos) und eine Blitzsynchronzeit von 1/250 s. Der erste Verschlussvorhang kann wahlweise mechanisch oder elektronisch realisiert werden; die elektronische Variante reduziert das Auslösegeräusch. Über das arretierbare Programmwahlrad stellt der Fotograf neben den Standards wie Auto, P, A, S, M auch den Video- und Panorama-Modus ein; zudem hat man an dieser Stelle Zugriff auf drei frei konfigurierbare Anwenderprogramme. Videos nimmt die Kamera im Format XAVC S in 4K-Qualität auf; der kontinuierliche Autofokus unterstützt dies unaufgeregt und präzise.

Bedienung & Performance

 Im Gegensatz zu den spiegellosen Sony-Modellen bringt die A99 II ein beleuchtbares Info-Display an der Oberseite mit, das die wichtigsten Aufnahmedaten anzeigt. Neben den Einstell- rädern für Daumen und Zeigefinger gibt es einen Joystick als 4-Wege-Schalter und den A99-typischen Multicontroller an der Vorderseite. Dieses kleine Drehrad mit Bestätigungstaste ist jetzt wahlweise stufenlos oder mit „Clickstop“ verwendbar. Mit ihm hat man schnellen Zugriff auf AF-Funktionen, Aufnahmeeinstellungen, Bildstile und -effekte.

Sony Alpha 99 II von oben

© Sony

Das beleuchtbare Status-Display zeigt die wichtigsten Aufnahmedaten an. Am Programmwahlrad links finden sich auch Rastpositionen für Video und Panorama sowie drei Individualspeicher.

Über die Fn-Taste kann der Nutzer am Monitor oder im elektronischen Sucher das Funktionsmenü einblenden. Über zwölf Funktionsfelder am unteren Bildfeldrand kann man mit dem Drehrad direkt Einstellungen verändern oder in ein Untermenü wechseln. Ein Druck auf die „Disp“-Taste führt in einen Anzeigemodus, der die gesamte Monitorfläche für Informationen nutzt. Rechts am Bildschirmrand finden sich ebenfalls Funktionsfelder, die sich über die Fn-Taste ansteuern lassen. Direktzugriffstasten für ISO, Weißabgleich, Betriebsmodi (Einzel-/Serienbild, Bracketing, Selbstauslöser etc.) sowie zwei frei belegbare Funktionstasten (C1/2) runden die Ausstattung ab. 

Das Hauptmenü ist, dem üppigen Funktionsumfang entsprechend, umfangreich bestückt, aber jetzt übersichtlicher strukturiert. Hinter fünf Karteireitern (Aufnahme A1/A2, Drahtlos, Wiedergabe, Einstellungen) verstecken sich insgesamt 32 Menüseiten, logisch gruppiert, mit bis zu sechs Einträgen pro Seite. Was man vermisst, ist eine „MyMenu“-Abteilung für die persönlichen Favoriten. Zum Trost: Die Felder im Funktionsmenü kann man nach eigenem Gusto zusammenstellen. Zur Fernauslösung der Kamera mittels Smartphone muss auf diesem die App „PlayMemories Mobile“ installiert und geöffnet sein. 

Die Verbindung lässt sich am einfachsten herstellen, indem man den am Kameramonitor angezeigten QR-Code mit dem Smartphone scannt. Aufnahmeinstellungen wie Blende, Verschlusszeit, ISO, Weißabgleich oder Belichtungskorrektur kann man direkt in der App vornehmen, auch das Einblenden von Gitterlinien ist möglich. Worauf man dagegen verzichten muss, ist Touch-AF bzw. Touch-Auslösung im Live-Bild am Smartphone. Die Bildübertragung von der Kamera zum Smartphone funktioniert reibungslos: Man kann das aktuell am Kameramonitor angezeigte Bild übertragen oder mehrere Dateien zum Übertragen selektieren. Neben WLAN bietet die A99 II auch Bluetooth 4.1 als alternative Drahtlosverbindung. Erfahrungen konnten wir im engen Zeitrahmen unseres Tests damit leider noch nicht sammeln.

Sony Alpha 99 II Bedientasten

© Sony

Der 4-Wege-Schalter ist bei der A99 II als Joystick ausgeführt. Über die Fn-Taste darunter schaltet man auf das Funktionsmenü um. Der 3-Zoll-Monitor lässt sich über ein Doppelgelenk aus dem Gehäuse klappen und anschließend drehen.

Bildqualität 

Dank 42-Megapixel-Sensor ohne Tiefpassfilter erreicht die A99 II eine phänomenal hohe Auflösung über 2400 LP/BH, die von ISO-Stufe zu ISO-Stufe nur langsam absinkt und bei ISO 12 800 noch immer knapp über 2200 LP/BH liegt. Das zeigt zugleich, dass eine hohe Auflösung noch kein gutes Bild garantiert, denn ISO 12 800 taugt maximal für Notfälle. Auch bei den Dead-Leaves liefert die Kamera Spitzenwerte (high/low) von 1756/1629 LP/BH bei ISO 100. Bei ISO 1600 hat der DL-Wert für niedrige Kontraste jedoch bereits 400 Linienpaare verloren, was sich auch in den Bildern zeigt. Durchaus typisch für Vollformatkameras werden ab ISO 800 Texturverluste sichtbar, die ab ISO 1600 noch deutlich zunehmen. Hinzu kommt, dass die Sony Kanten massiv aufsteilt, was je nach Motiv irritierend wirkt. So differenziert die A99 II Strukturen mit niedrigem Kontrast derart akzentuiert, dass es die Grenzen des Natürlichen bereits überschreitet. Das Rauschen bleibt bis ISO 3200 mit VN 1,7 moderat und steigt erst ab ISO 6400 (VN 2,2) deutlicher an. Die Dynamik ist bei ISO 400 mit 10,3 Blenden am höchsten und bleibt ansonsten konstant um 9 Blenden bis ISO 6400.

Fazit

Ist die A99 II nur eine Pflichtübung von Sony, um die SLT-Serie und das A-Bajonett länger am Leben zu erhalten? Definitiv nicht: Das neue SLT-Modell kombiniert feinste Zutaten aus dem Sony-System zu einer Topkamera, die mit den besten SLRs auf Augenhöhe konkurriert. Sie kann die spiegellose A7R II aber bei der Bildqualität nicht toppen.

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