Testbericht

Sony Alpha 700

Sony positioniert die Alpha 700 in der Mittelklasse gegen Canon EOS 40D und Nikon D300. Zwar hat die Sony kein Liev-View, aber ein gegen Staub geschütztes Metallgehäuse, einen 12-Megapixel-Sensor und das große hochauflösende Display für 1400 Euro. Bei Nikon kostet die ähnlich aus-gestattete D300 1900 Euro und Canons EOS 40D für 1300 Euro fehlen zwei Megapixel sowie das große Display. Im Vergleich punktet die Sony zudem mit der intuitiven Bedienung auf dem Display und dem integrierten Bildstabilisator.

Sony Alpha 700 Vorderansicht

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Sony Alpha 700 Vorderansicht

Sony startete 2006 mit der Alpha 100 sein SLR-System auf Basis der Minolta-Dynax-Baureihe: Alpha-Kameras und -Objektive sind voll kompatibel zum Minolta-System. Aktuell nennt Sony 25 (bald) lieferbare Objektive, und mit der Alpha 700 gehören nun zwei Kameras zum System. Die dritte folgt in der ersten Jahreshälfte 2009. Für den Praxisbericht stand eine voll funktionsfähige Alpha 700 aus der Vorproduktion zur Verfügung. Der 12-Megapixel-Body kostet 1400 Euro, im Set mit dem 3,5-5,6/16-105 mm DT 1900 Euro und mit dem 3,5-5,6/18-70 mm DT 1500 Euro.

Das Gehäuse mit Aluminium-Alloy-Chassis sowie Magnesium- Front- und -Topschale wirkt groß, griffig und stabil. Zudem sind die Bedienelemente nun gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Allerdings beträgt das Gehäusegewicht nun auch 710 Gramm ohne Akku. Zu den Sony-Vorteilen gehört der von Minolta bekannte Bildstabilisator per Sensor-Shift: Der mit Piezo-Elementen bewegte Sensor gleicht leichte Zitterbewegungen des Fotografen aus und ermöglicht so mit allen Objektiven die Bildstabilisierung. Ein weiteres Plus ist das große 3-Zoll-Display mit 900 000 Pixeln. Da jeder Monitor-Bildpunkt immer aus drei Subpixeln in Rot, Grün und Blau besteht, beträgt die Auflösung des Alpha-Monitors stolze 300 000 Bildpunkte, die eines Standardmonitors mit 210000 Pixeln nur 70000 Bildpunkte. Der Schärfegewinn vereinfacht die Kontrolle deutlich. Den gleichen Monitor finden Sie an der Nikon D3 und der D300, da Sony dieses Hochleistungs-LCD auch Nikon liefert.

Sony Alpha 700 Rückseite

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Ein orangener Cursor bewegt sich durch die Menüdarstellung und erlaubt den schnellen Zugriff auf die Bildeinstellungen.

Eine weitere auffällige Ähnlichkeit besteht beim 12-Megapixel-CMOS-Sensor: Ob Nikon D300 oder Alpha 700: Technik (CMOS), Auflösung und Größe sind identisch, beide Firmen verweisen zudem auf die besonders effektive Rauschunterdrückung direkt am Sensor. Die Empfindlichkeitsskala reicht in Drittelstufen bis ISO 6400, bei Automatikbetrieb bis ISO 3200. Im Programm-Modus lassen sich Minimal- und Maximal-ISO-Wert vorgeben. Die spezielle Rauschunterdrückung für hohe Empfindlichkeiten ist dreistufig justierbar.

Für Hochformataufnahmen bietet Sony einen Handgriff, dessen Bedienelemente fast genauso wie am Gehäuse angeordnet sind. So greift der Fotograf nur um und findet sofort alle Knöpfe an der gewohnten Stelle. Lediglich der vordere Justierring liegt leicht ungünstiger. Schön, dass auch die gesamte Menüsteuerung vertikal durchführbar ist - denn auch die Displaydarstellung steht hochkant zur Verfügung. Dank großem Schacht passen zwei NP-FM-500-Akkus in den Hochformat-Griff, was die Aufnahmekapazität verdoppelt.

Die Autofokumotoren sind leiser geworden, wirklich leise sind sie deshalb aber noch nicht. Wer jedes unnötige Geräusch vermeiden möchte, sollte manuell scharf stellen. Dafür gibt es eine Extrataste, die den Motor entkoppelt und beim Loslassen wieder einrastet. Die Automatik arbeitet wahlweise bei halb gedrücktem Auslöser oder bei Druck auf die Vierrichtungstaste. Nähert sich das Auge dem Sucher, springt die AF-Automatik auf Verfolgungs-Autofokus und fokussiert automatisch - eine typische Minolta-Lösung.

Im AF-A-Modus wechselt die Kamera vom Single-AF in den Verfolgungsmodus, sobald sich das Objekt bewegt. Je nach Situation kann beides hilfreich oder lästig sein und lässt sich deswegen abschalten. Zehn Sensoren plus mittlerem doppeltem Kreuzsensor messen die Schärfe. Bei lichtstarken Objektiven ab Blende 2,8 unterstützt ein zentraler "Offenblenden"-Sensor mit großer Messbasis das AF-System für optimale Ergebnisse bei kleiner Schärfentiefe.

Mit fünf Bildern pro Sekunde gehört die Sony zu den schnellsten ihrer Klasse, erreicht aber nicht ganz die Spitzenwerte der Nikon D300 und deren acht Bilder pro Sekunde mit Hochformatgriff (beides Firmenangaben). Bereits das Vorserienmodell schaffte mit einer Standard CF-Karte zehn Aufnahmen im kombinierten Raw- und JPEG-Format. Im reinen Raw-Modus waren es 15 Bilder.

Sony Alpha 700 mit Blitz

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Der Blitz wird manuell aufgeklappt. Ein Zuatzdisplay neben dem Blitz fehlt.

Die Alpha 700 bietet zwei Steckplätze für CF-Karten und Memory-Pro-Duo-Sticks, beide Slots unterstützen die High-Speed-Varianten. Schnell arbeitet auch der vertikale Schlitzverschluss mit bis zu 1/8000 Sekunde, und kurz ist die Einschaltzeit: Wer den Auslöser drückt und die Kamera einschaltet, hat das erste Bild postwendend im Kasten.

Der große Monitor ist das zentrale Bedienelement. Ein Druck auf die FN-Taste, und die Übersicht aller Aufnahmeeinstellungen erscheint deutlich lesbar. Per Joy-Stick wird der zu ändernde Parameter angefahren, ein Druck aktiviert die Auswahloptionen: Einstellen, Bestätigen - fertig, die nächste Auswahl kann folgen. Das ist einfach, übersichtlich und ohne Doppelorganisation im normalen Menü. Dieses zeigt in 13 Karteireitern mit je maximal sieben Einträgen nur darüber hinausgehende Grundeinstellungen. Doppelte Einstellmöglichkeiten bieten nur die Direktwahltasten für Weißabgleich, Empfindlichkeit oder Blendenshift direkt auf der Geräteoberseite. Blende und Verschluss werden mit Daumen und Zeigefinger per Drehräder eingestellt, die zusätzlich durchs Menü navigieren. Auf dem linken Modusrad gibt es sechs Motivprogramme, Zeit- und Blendenvorwahl.

Neu ist der MR-Memory-Modus für drei Nutzerprofile plus eine frei belegbare Funktionstaste. Wer schnell gut durchgezeichnete Bilder braucht, kann eine dreistufige Dynamikerweiterung zuschalten - auch als Bracketing: Von den drei bis fünf Bildern des Bracketing-Modus sollte eines den motivgerechten Kontrastumfang bieten. Neben dem Standard-Raw-Format kann der Fotograf auch cRaw wählen, eine um 30% komprimierte Raw-Version, die Speicherplatz spart und kaum Qualität kosten soll. Der Pentaprismensucher mit 95% Bildabdeckung war beim Vorserienmodell noch nicht optimal eingepasst. In der Serie dürfte das kein Problem mehr sein. Zur bequemen Haltung wäre eine etwas weiter vorspringende Suchermuschel aber wünschenswert.

Zur Wiedergabe der 16:9-Bilder, die die Alpha 700 mit maximal 4272 x 2400 Pixeln aufzeichnet, dient eine HDMI-Verbindung zum Fernsehgerät. In diesem Modus zeichnet die Kamera parallel zum Hauptbild ein 2-Megapixel-Thumbnail auf, das für die Fernsehdarstellung optimiert ist. Die beiliegende Fernbedienung dient als Fernauslöser und steuert die Diaschau bei angeschlossenem Fernsehgerät. Zudem liegt eine Fernsteuer-Software für die Aufnahme bei, um per USB-Verbindung direkt vom Rechner aus die Belichtung zu regeln.

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Test

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$umbruch$ Beurteilung nach neuen Testkriterien

Sony Alpha 700

Zaubert mit 12 Megapixel eine sehr gute bis gute Grenzauflösung hin. Dem Bildstabilisator ist zu verdanken, dass es die Sony-Kamera zum Kauftipp schafft. Die Bildqualität ist gut, kommt aber nicht an die hohen Werte mancher Kameras in der Kategorie der semiprofessionellen Geräte heran. Das starke Bildrauschen bei höher werdender Empfindlichkeit zieht die Werte nach unten, zunächst ist die Sony noch ordentlich, bei ISO 1600 bleibt sie aber unter den Erwartungen. Durch knappe Auslöseverzögerung macht sie noch einmal Boden gut, landet in ihrer Kategorie im oberen Mittelfeld.

Detaillierte Testergebnisse - Sony Alpha 700

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