Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegellose Systemkamera

Sony Alpha 6500 im Test: Die Kraft der fünf Achsen

Die Sony Alpha 6500 ist Sonys Flaggschiff bei den spiegellosen APS-C-Systemkameras. Ob die A6500 den hohen Preis wert ist, zeigt unser Test.

Sony Alpha Gehäuse

© Sony

Sony Alpha 6500: Form und Oberfläche sorgen für einen guten Halt.

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EUR 1.546,00

Pro

  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 400
  • Überragende Videofunktion
  • Schneller Autofokus
  • Integrierter Bildstabilisator
  • Kompakt und leicht
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Bewegliches Touch-Display

Contra

  • Schwacher Akku

Fazit

ColorFoto Testurteil: 59,5 Punkte; ColorFoto Kauftipp "Reise" 02/2017

Gerade einmal acht Monate ist es her, dass die Sony Alpha 6300 den Weg ins ColorFoto-Labor fand und sich an die Spitze von Sonys APS-C-Klasse setzte. Diesen Platz muss sie nun wieder räumen, denn mit der Sony Alpha 6500 zieht die „große Schwester“ an ihr vorbei. Allerdings kostet die Neue 1.700 Euro.​​ Warum sie den Preis wert ist, zeigt unser Test.

Gehäuse und Ausstattung 

Gehörte die Sony Alpha 6300​ zu den kompaktesten und mit 404 g zu den leichtesten Kandidatinnen im APS-C-Feld, trägt die Sony Alpha 6500​ jetzt etwas dicker auf. Bei identischer Höhe und Breite ist sie einen halben Zentimeter tiefer und bringt 460 g auf die Waage. Das Gehäuse, gefertigt aus einer stabilen Magnesiumlegierung, ist in die Hand konstruiert. Die rechte Kameraseite ist griffähnlich geformt und die Oberfläche hier mit einem gummiartigen Strukturmaterial beschichtet.

Die Sony Alpha 6500 liegt ausgezeichnet und wunderbar sicher in der Hand, auch bei der Verwendung von längeren und schwereren Objektiven. Die Kamera ist insgesamt sehr gut und solide verarbeitet. Durch das Versenken einzelner Bedienelemente in das Gehäuse wirkt der Body äußerst kompakt und geschlossen. Einziger Meckerer: Die Abdeckung für das Akku- und Speicherkartenfach lässt sich nur um 90° öffnen, dadurch ist der Deckel beim Herausnehmen der Speicherkarte einfach im Weg.​

Der integrierte Miniblitz schnellt mit einer solchen Affengeschwindigkeit aus dem Gehäuse,​ dass man fürchtet, er könne wegfliegen. Leichter Fingerdruck parkt ihn wieder im Kameragehäuse. Mit Leitzahl 6 bei ISO 100 macht man natürlich keine großen Sprünge. Wem das nicht reicht, der kann am Blitzschuh stärkere externe Blitzgeräte einstecken. Der schmalbrüstige Akku NP-FW50 wirkt etwas unterdimensioniert; ein Ladegerät gibt es nicht, stattdessen liegt ein Netzteil bei.​

Sony Alpha Display

© Sony

Das 3-Zoll-Display lässt sich um 90 Grad nach oben und um 45 Grad nach unten klappen. Der darüber angebrachte Sucher ist klein, aber überzeugend.

Der kabellose Datentransfer klappt via WLAN-Modul, die direkte Verbindung etwa mit dem Smartphone via NFC. Die überragende Videofunktion hat die A6500 von der A6300 übernommen. Neu ist eine „Slow-and- Quick“-Funktion, die Zeitraffer- oder Zeitlupenvideos vereinfacht. Auch eine Export-Funktion für Einzelbilder aus den Videos ist neu.​​

Display und Sucher 

Das 3-Zoll-Display hat 307.200 Pixel, die Monitorhelligkeit ist in fünf Stufen einstellbar. Daneben gibt es eine spezielle „Sonnig“-Einstellung. Sie bewirkt eine deutliche Kontrastverstärkung und macht das Bild auf dem Display auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen erkennbar. Für ungewöhnliche Aufnahmepositionen ist der Monitor verstellbar, er lässt sich um rund 90° nach oben und circa 45° nach unten klappen. Im Gegensatz zur A6300 verfügt die A6500 über ein funktionales Touch-Display.​

Der 0,39 Zoll kleine Sucher hat 786.432 Bildpunkte und ist ebenfalls in der Helligkeit regelbar. Allerdings kann hier statt der „Sonnig“-Variante die Farbtemperatur in fünf Stufen eingestellt werden. Trotz der geringen Baugröße​ des Suchers sind die Anzeigen sogar für Brillenträger gut zu erkennen. Lediglich das Einstellen des Dioptrienausgleichs an dem sehr kleinen Rädchen ist eine ziemliche Fummelei.​

Ein besonderer Gag ist, dass man beim Blick durch den Sucher gleichzeitig mit dem Finger auf dem Display einen Fokuspunkt festlegen kann. Der Sucher zeigt dabei an, worauf der Finger auf dem Display gerade den Fokus setzt. Da wird es natürlich etwas eng mit Auge, Finger und Kamera. Die Empfehlung lautet: Mit dem linken Auge durch den Sucher das Motiv anvisieren und mit der linken Hand am Display den Fokuspunkt festlegen. Die Kontrolle erfolgt im Sucher.​

Autofokus 

Nominell ist der Hybrid-Autofokus der A6500 mit dem der A6300 identisch. Für die Kontrastmessung stehen 169 Felder zur Verfügung, für die Phasenerkennung 425. Die angekündigten Spitzenwerte blieb Sony bei der A6300 jedoch noch schuldig: Die gemessene durchschnittliche Auslöseverzögerung mit zugeschaltetem Single-AF betrug 0,49/0,5 s (300/30 Lux). Dank zusätzlicher Rechenpower hat der Autofokus der A6500 trotz gleicher Rahmenbedingungen leistungsmäßig mächtig zugelegt: 0,29/0,3 s (300/30 Lux) machen in der Praxis einen deutlichen Unterschied. Auch die Schärfenachführung macht einen sehr ordentlichen Eindruck.​

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Bedienung 

Das Moduswahlrad und der rechts davon angeordnete Drehregler sind versenkt und schließen fast bündig mit der leicht angerauten Kameraoberfläche ab. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt auch vor unbeabsichtigtem Verstellen. Der Vierwegetaster bietet vier Funktionsrichtungen und eine zentrale Mitteltaste. Der äußere Ring ist drehbar und erlaubt Einstellungen per Drehung. Die Tasten haben deutlich erfühlbare Druckpunkte, und die Kennzeichnung aller Bedienelemente ist sehr gut zu erkennen.​

Ja nach Position des Moduswahlrads ergeben sich unterschiedliche Zugriffsmöglichkeiten im Menü. Allgemein gilt: Das Hauptmenü ist unterteilt in sechs Menüblöcke, jeder Block hat wiederum unterschiedlich viele Unterpunkte. Eine Fn-Taste und drei C-Tasten erlauben individuelle Voreinstellungen für entsprechende Aufnahmesituationen. Der Umgang mit dem sehr umfangreichen Menü wird sicher etwas an Übung erfordern. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase gehen die wichtigen Arbeitsschritte aber schnell von der Hand, und bei Problemen empfiehlt sich ein Blick in das gut gemachte Online-Manual.​

Belichtung und Bildqualität

 In dem etwas aufgedickten Gehäuse ist jetzt auch Platz für einen integrierten Bildstabilisator, der Verwacklungen in fünf Orientierungen ausgleichen soll – mit dem passenden Objektiv. Während stabilisierte Objektive wie das Makro G OSS F2.8/90 mm Kippen und Neigen ausgleichen, kompensiert der Sensor Auf/ab-, Links/rechts- und Rollbewegungen. Davon profitieren auch Objektive ohne eigenen Bildstabilisator. Das ist auch wichtig, denn eine ganze Reihe von A6000-Objektiven sind nicht damit ausgestattet. Die Kompensationsleistung der Fünffachkombi gibt Sony mit bis zu fünf Blendenstufen an.

Sony Alpha Objektiv

© Sony

Die rechte Kameraseite ist griffähnlich ausgeformt. Dadurch liegt die A6500 auch bei schweren Objektiven gut in der Hand.

Aber in der Praxis konnte das System überzeugen. Die kürzeste Verschlusszeit liegt weiterhin bei 1/4000 s, das können andere Kameras besser – auch wenn es in der Praxis noch immer gereicht hat. Der 24-Megapixel-Sensor mit einer Empfindlichkeit von ISO 100 bis 51 200 gehört zu den besten bei Modellen in der APS-C-Klasse. Die Daten werden von einem Bionz-X-Bildprozessor verarbeitet, den ein Front-End-LSI unterstützt. Dabei handelt es sich um eine Art Zusatzprozessor, der auch in der Alpha 99 II zum Einsatz kommt. Die Serienbildgeschwindigkeit der A6500 ist mit schnellen 11,1 B/s bei RAW und JPEG die gleiche, aber dieses Tempo behält die A6500 bei, bis die Karte voll ist.​

Lesetipp: Sony Alpha und NEX: Alle Systemkameras im Test​

Mit 1885 LP/BH bei ISO 100 in der Bildmitte schneidet die Auflösung gut ab, die Werte bleiben bis ISO 1600 über 1800 LP/BH und bis ISO 6400 über 1700 LP/BH. Die DL-Werte für hohen und schwachen Kontrast ähneln sich bei ISO 100 und 400 sehr. Das spricht für ausgewogene Bilder – nur die Spitzen des Kantenprofils könnten etwas moderater ausfallen. Insgesamt hat Sony offenbar mehr Wert auf gute Abstimmung gelegt als auf plakative Kontraste. Der Praxistest bestätigt die Messwerte: Bis ISO 400 sehr gut, bis ISO 1600 brauchbar. Erfreulicherweise gehört die A6500 zu den Kameras, bei denen man dank guter Abstimmung guten Gewissens die bequeme JPEG-Variante wählen kann.​

Fazit

Sony hat die Alpha 6300 an den richtigen Stellen verbessert. Vor allem der deutlich schnellere Autofokus, die Touch-Funktion des Displays und der im Gehäuse integrierte Bildstabilisator machen richtig Spaß. Teuren Spaß, denn mit 1700 Euro für das Gehäuse respektive 2800 Euro mit dem SEL 2,8/16-70 mm ist die Sony Alpha 6500​  auch beim Preis spitze. Zwar zieht sie noch nicht an der Fujifilm X-T2​ vorbei, aber sie verkleinert den Abstand und liefert eine rundum solide Leistung. Dafür erhält sie den Kauftipp Reise.​

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