High-End Surround

Sonus Faber Principia im Test

Wir ergänzen das 5.0-Surround-Set Sonus Faber Principia mit dem Velodyne EQ-Max 8 Subwoofer. Das Gespann verheißt hohen Heimkino-Genuss: der Test.

Sonus Faber Principia

© Sonus Faber

Das Sonus Faber Principia mit dem Velodyne-Subwoofer

Pro

  • Ausgewogener und detailreicher Klang
  • Herausragende Räumlichkeit

Contra

  • Frontboxen in Stereo bassschwach

Fazit

video Testurteil: gut, Preis/Leistung: überragend
79,0%

Ein amerikanischer Subwoofer soll einem italienischen Team aus fünf Surround-Spezialisten zum nötigen Durchbruch verhelfen. Ist der Auftritt der Sonus Faber Principia mit dem Velodyne Woofer wirklich filmreif?

Sonus Faber - ein Name, der im Heimkino-Bereich noch einiger Erklärung bedarf, der aber in eingeweihten High-End-Audio-Zirkeln für ein Leuchten in den Augen sorgt. Die Marke aus Vicenza wahrte nicht nur Italiens Anspruch im Lautsprecherbau. Der detailverliebte Hersteller schuf Klangskulpturen mit den Sekundärtugenden eines Musikinstruments. Dafür sorgte seine unvergleichliche Handwerkskunst und der virtuose Einsatz von aufwendig verarbeiteten Naturhölzern. Auch Lack und Leder zierten die Oberflächen dieser Preziosen. Das sorgte dafür, dass jene Argumente, die wenige Auserwählte mit Besitzerstolz erfüllten, den Durchbruch im Massenmarkt verhinderten: Die meisten Boxen erreichten locker den Preis eines Klaviers, einige den eines Flügels - was gerade im Multi-Kanal-Bereich ganz schön ins Geld geht.

Raus aus dem Anzug

Die Lösung der Italiener entspricht in etwa folgender Analogie im Film: James Bond legt seinen maßgeschneiderten Tom-Ford-Anzug ab und bekämpft die Gegner im Sportdress aus Nylon. Unvorstellbar? Sonus Faber verabschiedete sich bei der neuen Principia-Serie von den piekfeinen Gehäusen und schickt die Lautsprecher mit ebenso preisgünstigen wie pflegeleichten Folienfurnieren ins Rennen. Damit bleibt unser Set - mangels eigener Alternativen von einem rund 700 Euro teuren Velodyne-Sub unterstützt - im Rahmen der 3000-Euro-Klasse. Für Sonus-Verhälnisse ist das geradezu ein Super-Schnäppchen. Für das italienische 5.0-Set sind lediglich 2200 Euro zu berappen.

Immerhin erkennt man auf den ersten Blick, dass sich die sonst auf ein perfektes Outfit wie von einem Mailänder Laufsteg bedachten Italiener nur zur Knauserigkeit bei Äußerlichkeiten verleiten ließen. Die Chassis entsprechen der Tradition des Hauses. Sie wurden speziell für diese Baureihe entwickelt und wirken durch die silbrig glänzende Beschichtung der Polypropylen-Koni sehr futuristisch. Dass die Hochtöner auf Seidenkalotten setzen, spannt den Bogen zu den anderen Serien des Herstellers. Ebenso die Tendenz, mit möglichst wenigen Wegen auszukommen: Vier von fünf Modellen der Principia-Serie sind 2-Wege-Konstruktionen. Wir wählten daraus neben dem Center Principia C die größere der beiden Regalboxen, die Principa 3, sowie die kleinere der beiden Standsäulen. Im Gegensatz zum 3-Wege-Topmodell Principia 7 handelt es sich bei ihr gleichermaßen um einen 2-Wege-Bassreflex-Lautsprecher. Der Center vertraut ebenfalls auf das 2-Wege-Prinzip, arbeitet aber mit einem Passiv-Radiator für den Bass.

Seine beiden Tief-Mitteltöner haben einen Durchmesser von 15 cm und übergeben bereits bei 2 kHz an den Hochtöner. Die gleiche Bestückung findet sich auch in den Front-Lautsprechern Principia 5, die jedoch eine andere Filterstrategie fahren. Hier übergeben die beiden parallel geschalteten Tief-Mitteltöner erst bei 2500 Hz an den Hochtöner, der dadurch gegenüber dem Center in dem Bereich, in dem er den meisten Hub machen muss, entlastet wird.

Eine Frage des Timings

Die Principia 3 trägt in ihrer timing-optimiert schrägen Schallwand einen 18-cm-Tief-Mitteltöner, der über einen stattlichen Antriebsmagneten verfügt. Die im Labor gemessenen 96 dB Maximalpegel gehen für eine so kompakte Regalbox vollkommen in Ordnung - vor allem, wenn man den niedrigen Klirr ins Kalkül zieht, der selbst bei voller Power noch weitgehend unter der Messgrenze bleibt. Die Kleinste im Bunde scheint den Konstrukteuren ohnehin besonders gut gelungen zu sein. Sogar in der unteren Grenzfrequenz schlägt sie die Standbox mit mit einem 3-dB-Punkt von 54 gegenüber 67 Hz. Im Frequenzgang gibt sie sich auch als Streberin, die lediglich bedingt durch ihre recht große Kalotte ab 8 kHz zu bündeln beginnt, während sich die beiden Team-Kollegen etwas gröbere Schnitzer auf und jenseits der Achse leisten.

Angesichts solcher Tugenden und ihres Preisvorteils von 650 Euro gegenüber 1200 Euro pro Paar empfiehlt sie sich damit überall, wo es nicht auf Maximalpegel von über 100 dB ankommt, als Satellit für alle Kanäle. Schließlich schreit die Principia-Serie auch in der vorliegenden Konstellation nach einem Subwoofer und tritt daher nicht als 5.0-Set an. Vom Preis und vom Design passt der Velodyne EQ-Max 8 gut zu den Italienern. Und der amerikanische Bass-Macher findet sich ebenfalls im Produkt-Portfolio von Audio Reference aus Hamburg.

Sonus Faber Subwoofer

© Sonus Faber

Auf der Rückseite bietet der Subwoofer reichlich Einstellmöglichkeiten. Weitere gibt es auf der Fernbedienung.

Der 8-Zoll-Bassreflex-Subwoofer hat eine Einmessautomatik, die beim Setup über ein mitgeliefertes Mikrofon erkennt, was am Hörplatz ankommt. Diese Maßnahme verspricht ein besseres Zusammenspiel mit dem Raum. Doch der Ausgleich der Raummoden ist nur innerhalb gewisser Grenzen möglich und kann eine sorgfältige Positionierung nicht ersetzen. Durch die nach unten über einen durch die Füße definierten Bodenabstand ins Freie geführte Bassreflex-Öffnung verläuft die Platzsuche allerdings weniger dramatisch. Sehr praktisch: Über die Fernbedienung lassen sich schneller mal während der Wiedergabe Pegel anpassen als über die Menüs des AV-Receivers. Außerdem lassen sich von der Couch Presets für verschiedene Musikarten und sogar ein Nachtmodus abrufen.

Doch bevor wir zum entscheidenden Hörtest kommen, noch ein paar Worte zur Ausführung der Hauptdarsteller von Sonus Faber. Die Gehäuse wirken schnörkellos, aber sauber verarbeitet und grundsolide von der Substanz. Die Front-Säulen beziehen einen sicheren Stand aus einer breiten Bodenplatte mit Spikes zur Entkopplung vom Boden. Die 2-Wege-Weichen setzen auf hochwertige Luftspulen und Folienkondensatoren und wurden mit Rücksicht auf möglichst kleine Phasenverschiebungen nicht zu steilflankig ausgelegt.

Im Hörtest lieferte die italo-amerikanische Delegation eine packende und blitzsaubere Vorstellung. Tonale Ausgewogenheit und Emotionalität ließen sich nicht nur mit Musik goutieren. Sogar Motorensounds, und damit meinen wir nicht nur die Mini-Cooper aus dem "Italian Job", sondern richtige Sportwagen mit V8-Motor, ließen keinen Zweifel daran, dass die Sonus-Lautsprecher aus dem gleichen Land wie Ferrari kommen. Genau wie die Autos aus Maranello erzeugten die Lautsprecher aus Vicenza mit ihrer perfekten Balance zwischen Bassfundament und dem facettenreichen Obertonspektrum Gänsehaut.

Und plötzlich hörte man in Szenen Nebengeräusche, die sonst von den Dialogen völlig verdeckt werden. Auch das Timing war top, was Schüsse und Detonationen knallhart in Szene setzte. Ebenfalls begeisterte uns die extrem plastische, lückenlose Atmosphäre, die den Raum in alle Richtungen wachsen ließ. Überraschenderweise fiel die Pracht in Stereo nicht völlig in sich zusammen. Die Abbildung war so räumlich, dass man sich bei guten Live-Aufnahmen beinahe im Publikum wähnte, während der Fokus so präzise und stabil war, dass man zunächst schaute, ob nicht der Center mitläuft. Im Stereo-Durchgang der Frontboxen hätte man sich jedoch einen Subwoofer gewünscht, denn das Gebotene war schon arg trocken und begrenzt in den unteren Oktaven. Da brachte der Velodyne-Woofer mehr Fülle ins Spiel, doch sollte man ihn penibel justieren, sonst wird es ganz unten irgendwann selbst für Heimkino-Belange etwas weich und grummelig.

Fazit

Der US-Woofer erledigte seinen Italian Job mit Wonne. Einen Oscar als bester Nebendarsteller bekommt er genauso wenig wie die Principia 5 als bester Hauptdarsteller in Stereo. Dem Kino-Durchbruch der glorreichen Sechs tut das aber keinen Abbruch, denn als internationale Bande sind sie in ihrem Revier kaum zu schlagen.

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