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Sky Online im ersten Test

Mit Sky Online bietet der Pay-TV-Sender Inhalte seiner exklusiven Premiumsender jetzt erstmals auch nur online als Streaming-Angebot an. Ist das ein heißer Konkurrent zu Netflix, Maxdome und Watchever? Ein erster Test.

Sky Online

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Sky Online kommt einem Paukenschlag gleich: Bisher bot Sky aktuelle Film- und Serien-Highlights sowie Live-Sport nur in Pay-TV-Abonnements mit Laufzeiten von mindestens einem Jahr. Parallel dazu bietet Sky dieses Programm schon seit einiger Zeit über den Onlinedienst Sky Go auch zeitversetzt an, auf dem iPad und bestimmten Smart-TVs sowie  am Computer. Das sahen aber eben nur Kunden, die auch das linear ausgestrahlte Pay-TV-Programm abonniert haben.

Filme, Serien und mehr jetzt auch ohne Abobindung

Das neue Streaming-Angebot Sky Online wirft das Prinzip über den Haufen: In zwei Paketen für monatlich 9,99 oder 19,99 Euro können Kunden jetzt Filme und Serien aus dem aktuellen Sortiment des Senders ausschließlich über das Internet anschauen. Das günstigere Paket heißt "Sky Start" und bietet die Inhalte einiger Sender aus dem Pay-TV-Paket Sky Welt : TNT Serie, TNT Glitz, Fox HD sowie Doku-Sender wie Spiegel History und National Geografic und ein paar Kinderprogramme steuern ihre Inhalte als Livestream und, zumindest teilweise, zum zeitversetzten Abruf bei. 

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Die Startseite von Sky Online listet neben Filme auch die aktuellen Livestreams des Pay-TV-Senders.

Das doppelt so teure Streamingpaket "Sky Film" bietet Filme und Serien der Kanäle Sky Cinema, Sky Atlantic und Disney XD zum zeitunabhängigen Abruf - ähnlich wie in  Onlinevideotheken wie Netflix (Test) oder Watchever. Nur sind die hier gelisteten Titel deutlich aktueller als in den sonstigen Flatrate-Videotheken.

Beide Pakete zeigen den Sport-Nachrichtensender Sky Sport HD als Livestream. Und wer mal einen Bundesliga-Spieltag oder Partien der Champions League live sehen möchte, der kann den Zugang zum Sky-Sportprogramm für täglich 19,99 Euro dazu buchen - auch hier per Streaming statt digitalem TV-Empfang.

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In der iPad-App wirbt Sky Online zuvorderst mit aktuellen Topfilmen.

Sky Snap ist dabei

Im Sky-Starter-Paket bietet das Film- und Serienangebot von Sky Snap die Basis der Videothek. Sky Snap (Test) listet nicht die neuesten und die meisten Titel unter den Flatrate-Videotheken, aber doch auch hochkarätige Unterhaltung aus der Film- und Serienwelt von Sky. Es funktioniert auch nach dem Netflix-Prinzip: Monatlich zahlen und freien Zugang zu allen Inhalten genießen.

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In der Filmabteilung von Sky Online werden Kunden des Einsteigerpaketes Sky Start nicht fündig. Fast alle hier gelisteten Titel sind nur im Sky-Film-Paket für 19,99 Euro pro Monat zu sehen.

Im Abrufangebot von Sky Start kommen gegenüber Sky Snap vor allem die Livestreams der angeschlossenen Sender hinzu - und ein paar Serien aus deren Programm zum Direktabruf. Die Vampirjäger-Serie The Walking Dead dürfte hier zu den Zugpferden gehören. Das Spielfilmangebot in Sky Start unterschiedet sich kaum von dem in Sky Snap, dafür gibt es hier zusätzlich eine Reihe spannender Dokumentationen von National Geographic und Spiegel Geschichte.

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Filme für alle bietet die bei Sky Start integrierte Videothek Sky Snap, die ihre Inhalte in einem separaten Menü auflistet.

Für Sky Film, das zweite Onlinepaket, wird gleich der doppelte Preis fällig. Es ist damit die mit Abstand teuerste Film- und Serien-Flatrate, bietet aber auch das mit Abstand aktuellste Angebot: Was bei Sky Cinema und Sky Atlantic läuft, ist auch hier zu sehen, etwa die letzte Staffel der HBO-Edelserie "Boardwalk Empire" mit Steve Buscemi in der Hauptrolle, die Netflix-Serie House of Cards sowie Filme wie Der Hobbit - Smaugs Einöde, Die Unfassbaren oder Die Eiskönigin. Eben das, was gerade auch in den Kanälen des Sky Filmpakets läuft. Ältere Serienstaffeln einiger HBO-Serienhits wie eben Boardwalk Empire sind allerdings auf Sky Snap zu sehen - und das ist nicht Teil des teuren Online-Filmpaketes. Und für knapp 20 Euro kann man ja auch schon vier bis sechs aktuelle Blockbuster in HD-Auflösung bei Maxdome oder iTunes ausleihen. Für Serienjunkies ist das Paket dagegen recht attraktiv, zumal man ja monatlich kündigen kann.

Monatliche Kündigung möglich - fast fristlos

Sky Online lässt sich monatlich buchen, die Vertragsdauer ist der jeweilige Kalendermonat. Wer sich Mitte eines Monats anmeldet, der kann frühestens zum Ende des darauf folgenden Monats wieder kündigen und muss dies mindestens sieben Tage vor Monatsende ankündigen. Das klingt etwas kompliziert, ist aber eigentlich fair. Bei der Konkurrenz dauert der Vertragsmonat teils ab dem Anmeldedatum - bei Maxdome sogar mit 14 Tagen Kündigungsfrist. Wer hier kündigten möchte, der muss häufig mehr als einen Monat weiter bezahlen, denn wer kann sich schon genau merken, wann er sein Abo genau gestartet hat? Die Vertragsbindung an Kalendermonate ist da schon übersichtlicher.

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Die Unterscheidung zwischen speziellen Sky-Online-Titeln und den Inhalten von Sky Snap findet sich in der iPad-App wieder.

Portal mit vielen Abteilungen

Das Onlineportal wie auch die Apps von Sky Online, die bislang nur fürs iPhone und iPad zu haben sind, ähneln denen von Sky Snap und vor allem dem Angebot von Sky Go. Sie haben eine übersichtliche Menüoberfläche, die aber auch ihre Schwächen hat. Beispiel: Die Suche nach Film- und Serientiteln hat einige Bugs. Im Test suchte ich zum Beispiel immer wieder nach dem Titel Der Pate. Über die Eingabe des Titels ist der nicht zu finden, gibt man aber den Namen "Corleone" ins Suchfeld ein, dann listet Sky Snap alle drei Teile der Gangster-Trilogie von Francis Ford Coppola.

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Die App bietet ein übergeordnetes Hauptmenü, in dem sich die verschiedenen Bereiche aufrufen lassen.

Punkt Zwei: Die günstige Flatrate-Videothek von Sky ist Teil von Sky Online Start. Das ist deutlich sichtbar, da die Inhalte von Sky Snap separat zum Rest der Videotheken gelistet sind. Die Filme und Serien von Sky Start und Sky Film sind dagegen im selben Bereich aufgeführt, auch wenn man nur das kleinere Paket gebucht hat. Sky-Start-Kunden zeigt die Film- oder Serienliste deshalb reihenweise Titel an, die mit dem gebuchten Abo nicht zu sehen sind, sondern nur im doppelt so teuren Filmpaket. Sky Online Start offeriert nämlich kaum mehr Spielfilme als Sky Snap.

Auch unter den Serien ist der Anteil der in Sky Start zusätzlich vertretenen Titel überschaubar und mitunter schwer zu finden - die meisten Exklusiv-Inhalte gibt es eben erst mit Sky Online Film. In den Listen einzelner Filme und Serienfolgen sind die beiden Abo-Stufen zumindest farblich erkennbar: Ein roter Balken neben dem Titel steht für Sky Film, ein Orangener für Sky Start.

Unpraktisch ist die Aufteilung nach Sky Snap und Sky Online vor allem bei Serien: Von Boardwald Empire etwa sind die ersten beiden Staffeln bei Sky Snap gelistet - und somit bei Sky Start zu sehen. Staffel drei, vier und fünf können dagegen Kunden von Sky Film abrufen. In beiden Bereichen gibt es also je eine Serien-Übersichtsseite für ein und dieselbe Serie, ohne dass auf die übrigen Staffeln verwiesen wird.

Wiedergabe und Qualität

Die Wiedergabe von Sky-Online-Inhalten beschränkt sich derzeit noch auf den Browser am Computer und Apps für iPhone und iPad. Apps für Android-Geräte wurden angekündigt - so wie auch der TV-Abonnenten-Dienst Sky Go dieser Tage auf Androiden verfügbar werden soll. Auch Smart-TVs von Samsung und LG sowie die Xbox One sollen demnächst mit Apps ausgestattet werden. Und schließlich will Sky eine eigene Streaming-Box für die Pay-TV-Inhalte anbieten. Deren Technik stammt vom Online-Video-Experten Roku, der sich in den USA, Kanada und Großbritannien mit seinen sehr nutzerfreundlichen Streaming-Geräten schon einen Namen gemacht hat. Mit Sky Online lizenziert Roku seine Technik erstmals an einen Pay-TV-Streamingdienst. Die Box soll demnächst auf den Markt kommen, weitere Details, etwa über den Preis oder zusätzlich auf der Box verfügbare Apps oder TV-Mediatheken, sind derzeit noch nicht bekannt. Wir bleiben aber dran.

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Die Aufteilung zwischen Sky Online und Sky Snap trennt mitunter die verschiedenen Staffeln einer Serie. Die ersten beiden Staffeln von Boardwalk Empire sind hier beispielsweise bei Sky Snap gelistet, ....

Besitzer von Apple TV sollen auch nicht in die Röhre schauen: Von iDevices und Mac-Computern lassen sich Filme und Serien per Airplay-Videostreaming über die Apple-Streamingbox zum TV übertragen, so Sky Deutschland bei der Vorstellung von Sky Online. Das funktionierte in meinem ersten Test aber nur per Bildschirm-Synchronisierung vom Mac-Computer und iPad aus, nicht wie bei Maxdome oder Netflix üblich über eine Schaltfläche in der App selbst.

Unterschied: Bei der Bildschirmspiegelung wird das 4:3-Bildformat des Tablets auf den Breitbild-TV übertragen, was schwarze Balken links und rechts mit sich bringt und die sichtbare Auflösung auf dem TV empfindlich stört. Beim Direktstreaming aus der App heraus wird dagegen die volle Auflösung bis Full-HD übertragen. Außerdem ließen sich Inhalte aus Sky Online Start oder Sky Snap gar nicht per Airplay übertragen. Nur einige Filme aus dem Filmpaket sollen auf diese Weise auf den TV gelangen.

Einige wenige Filme und eine ganze Reihe Serien auf  Sky Online sind derzeit in HD zu sehen. Laut Sky sollen beide Pakete aber auf Dauer nur noch SD-Filme und -Serien zeigen, um Sky Online gegenüber dem teureren Pay-TV deutlich abzugrenzen. Ähnliches konnte ich in den letzten Wochen auch bei Sky Snap feststellen - auch hier wurde der Anteil an HD-Inhalten reduziert. Die vorhandenen HD-Inhalte sehen indes sehr gut aus - schade drum.

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...während die Staffeln Drei, Vier und Fünf unter Sky Online zu finden sind. Wer das nicht weiß, der sucht die einen oder die anderen Teile vergeblich.

Außerdem fiel mir auf, dass man Sky Online zwar auf bis zu vier Geräten pro Account nutzen kann, nicht aber zeitgleich. Die Anmeldung ist immer nur auf einem möglich. Die iPad-/Phone-App speichert zudem die Zugangsdaten nicht über die Abmeldung hinaus, so dass jedes Mal erneut die Sky-Kundennummer und das Passwort eingegeben werden müssen, nachdem die Sitzung beendet wurde. Hier muss Sky unbedingt nachbessern. Sky Snap erlaubt übrigens mehrere parallele Logins, wenn man das Extra-Abo für 6,99 Euro pro Monat bucht. Darin sind auch zwei parallele Videostreams inbegriffen - eine solche Option gibt es bei Sky Online nicht.

Fazit: Schnellschuss mit Potential

Das Angebot von Sky Online kann sich sehen lassen - so aktuelle und exklusive Filme und Serien gab es bisher nur im Pay-TV Jahres-Abo. Allerdings muss man das Angebot differenziert betrachten: Sky Start bietet ein paar Dokus und Serien sowie eine gute Handvoll Livestreams mehr als Sky Snap, kostet aber mehr als das Doppelte des Basispakets (3,99 Euro) - und drei Euro mehr als Sky Snap Extra (6,99 Euro). Sky Snap unterstützt solo Chromecast und Airplay sowie einige Smart-TVs und ist damit für die meisten Nutzer der klar bessere Deal. Größer ist der Schritt im Angebot zu Sky Film. Hier gibt es Spielfilme und Serien, die anderswo teils noch als reine Einzelabruf-Titel zu haben sind. Knapp 20 Euro im Monat sind in den Zeiten von Maxdome-, Netflix- und Watchever-Paketen für weniger als den halben Preis aber auch ein ambitionierter Preis - zumal Sky für das Angebot von Sky Snap und/oder Sky Start nochmals zusätzlich kassiert. Das macht den Komplettzugang ähnlich teuer wie das entsprechende Pay-TV-Paket, das noch mehr Sender bietet

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Der Player der iPad-App bietet eine schlichte Funktionalität. Airplay-Streaming funktionierte in meinem ersten Test aber noch nicht.

Unabhängig vom hochwertigen Angebot wirkt Sky Online aber auch wie ein recht eilig hergestelltes Produkt. Beim Design der Menüführung etwa stand offenbar die Paket-Zusammenstellung im Mittelpunkt der Überlegung, weniger der Nutzer. Was die Verfügbarkeit an Apps angeht, kündigt Sky vieles an, liefert aber bislang nur wenig - wie etwa Airplay, Smart-TV-Apps und weitere Geräte. Das Produkt muss eben noch reifen. Toll ist immerhin, dass wie schon bei Sky Snap fast alle fremdsprachigen Titel mit Originalton zu haben sind - inklusive Umschaltung während der Wiedergabe. Dass Filmfans solche Features goutieren, wissen die Sky-Macher eben schon aus ihrem linearen Digital-TV-Angebot.

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