Testbericht

Sigma SD14

Die Sigma SD14 wurde im Vergleich zu ihrer Vorgängerin SD10 klar verbessert. Das betrifft die Kameratechnik (AF-System) wie die Bildqualität. Bei ISO 100 bis 400 kann die Sigma SD14 mit 8- bis 10-Megapixelkameras konkurrieren, wozu wesentlich die gegenüber der SD 10 erhöhte Sensorauflösung beiträgt. Zwar speichert die Kamera nun auch JPEGs, doch enttäuscht deren Qualität bei höheren Empfindlichkeiten. Die Redaktion rät deswegen, den JPEG-Modus nur bei ISO 100 zu nutzen und bei ISO 400 RAW-Bilder zu machen Empfindlichkeiten ab ISO 800 sind problematisch - auch als RAW. Da die Kamera nicht mit Funktionen überfrachtet ist, die viele Anwender gar nicht benutzen, lässt sie sich sehr einfach bedienen. Was weniger ins positive Bild passt, ist die lange Auslöse- und Einschaltverzögerung sowie die Speicherzeiten, zumal sich die Kamera bei einem Gehäusepreis von 1400 Euro durchaus in semiprofessionellen Preisregionen bewegt.

  1. Sigma SD14
  2. Datenblatt
Sigma SD14 Vorderseite

© Archiv

Sigma SD14 Vorderseite

Die dritte Sigma-SLR mit dem Dreischichten-Sensor von Foveon lässt die Verwandtschaft zu den Vorgängermodellen erkennen, wirkt insgesamt aber gefälliger. Eine Kompakt-SLR ist die SD14 sicher nicht, sondern eine stattliche Erscheinung ohne allzu verbindliche Rundungen, in diesem Punkt der Nikon D200 vergleichbar. Allerdings ist der Kunststoff-Body der SD14 rund 130 g leichter als das Magnesiumgehäuse der Nikon D200. Mit 700 g bewegt sich die Sigma in der Gewichtsklasse einer EOS 30D oder Pentax K10D. Dank des ergonomisch geformten Handgriffs ist die Kamera gut zu beherrschen, auch dann noch, wenn schwere Teleobjektive oder lichtstarke Zooms zum Einsatz kommen.

Sigma SD14 Rückseite

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Bei Vollbildwiedergabe am 2,5-Zoll-Monitor sind die wichtigsten Aufnahmedaten gut lesbar oberhalb des Bildes zu sehen.

Was Wechselobjektive anbelangt, kann der Besitzer einer digitalen Sigma-SLR aus dem Vollen schöpfen: Sigma SA ist die Bezeichnung für das dazugehörige Objektivbajonett, mit dem mehr als 40 Objektive, vom 8-mm-Fisheye bis zum 800-mm-Supertele, erhältlich sind. Beim Objektivwechsel zeigt sich eine Sigma-typische Besonderheit: Die lichte Öffnung im Bajonett ist durch ein Staubschutzfilter abgedeckt - eine effektive Methode, die Verschmutzung des Bildsensors zu minimieren, weil zumindest von außen kein Staub ins Gehäuse kommen kann. Um den Bildsensor zu reinigen, können Sie das Staubschutzfilter entfernen. Es lässt sich durch Verschieben nach oben entriegeln und anschließend mit wenigen Handgriffen wieder einsetzen. Nehmen Sie dabei am besten ein Mikrofasertuch zu Hilfe, damit keine Fingerabdrücke auf dem Filter zurückbleiben.

Als Stromquelle verwendet die SD14 einen Lithium-Ionen-Akku; das passende Ladegerät ist im Lieferumfang. Tipp: Passen Sie nach dem Entnehmen des Akkus auf, dass Sie die Kamera nicht versehentlich mit dem offenen Deckel nach unten abstellen. Der Deckel ist ziemlich groß und kann dabei leicht abbrechen. Ein Netzteil  ist optional erhältlich.

Der Bildsensor der SD14 ist eine Ausnahmeerscheinung: Der Foveon-CMOS-Sensor besteht aus drei übereinander liegenden lichtempfindlichen Schichten mit je 4,65 Megapixeln für die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau, ähnlich einem Farbfilm. Der Foveon-Sensor zeichnet so zu jedem Bildpunkt drei Farbinformationen auf. Alle Konkurrenzsensoren erfassen je Bildpunkt immer nur eine Farbinformation und rechnen den Rest hinzu. Bei seinem Dreischichtsensor nutzt Foveon die Tatsache, dass Silizium für rotes, grünes und blaues Licht in jeweils unterschiedlichen Materialtiefen empfindlich ist. Multipliziert man nun die maximale Auflösung von 2640x760 (= 4,65 Mio) Pixel je Schicht mit drei, so kommt man auf die von Sigma genannten 14 Mio. "Farbrezeptoren", was auch Bestandteil der Typenbezeichnung ist. Analog galt für das Vorgängermodell SD10: 3x3,43 Mio. Pixel = 10 Mio. Pixel, woraus sich die Ordnungszahl 10 ergab.

Die Labormessungen der Auflösung ergaben eine Einstufung der Kamera im Bereich der 8-Mio.-Pixel-Kameras: 1056/1056 Lp/BH bei ISO 100/400 - 20 % über der Nyquistgrenze der SD14.

Sigma SD14 Bedienelemente/Anschlüsse

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Oberhalb der Anschlüsse für Netzteil, TV und USB findet sich auch ein Kabelanschluss für externe Blitzgeräte.

Neben der Auflösungsstufe "Hi" (2640 x 1760 Pixel) steht auch "SuperHi" zur Auswahl, dessen 4608 x 3072 (= 14 Mio.) Pixel durch Interpolation erreicht werden. Durch Hochrechnen eines "Hi"-Bildes (22,35 x 14,9 cm bei 300 dpi) auf "SuperHi" (39,01 x 26,01 cm bei 300 dpi) in Photoshop kommen Sie zum prinzipiell gleichen Ergebnis. Die SuperHi-Stufe ist außerdem nur für JPEGs verfügbar, die direkt in der Kamera berechnet werden, nicht aber im RAW-Modus.

Damit ist gleichzeitig gesagt, dass die SD14 die erste D-SLR des Herstellers ist, die neben RAW-Bildern auch JPEGs direkt, ohne Umwege über die mitgelieferte Software Sigma Photo Pro 3.0, erzeugen kann - eine Tatsache, die man prinzipiell nur begrüßen kann, weil sie die Flexibilität im Umgang mit Bilddaten doch erheblich erhöht. Prinzipiell - denn beim Test haben die JPEG-Bilder bei höheren Empfindlichkeiten ein starkes flächiges Farbrauschen gezeigt. Besonders in schwach strukturierte, mittelhelle Flächen rechnet die interne Software deutlich störende, teils komplemetärfarbige Artefakte hinein. Unser Beispiel zeigt grüne Fehlstellen in einer Richtung Magenta verfärbten beige/gelben Wand. Probleme können auch starke Kontraste bereiten. Die gleiche Aufnahme als RAW fotografiert, zeigt zwar ein Helligkeitsrauschen und teilweise in der Standardeinstellung eine niedrigere Farbsättigung, aber weder das großflächige niederfrequente Farbrauschen noch die störenden Artefakte. Wer nun ganz genau hinschaut, kann auch bei einigen ISO-100-Bildern ein ganz leichtes großflächiges niederfrequentes Farbrauschen entdecken. Dennoch ist bei ISO 100 die JPEG-Qualität ok, und auch die Konkurrenz liefert keine völlig fehlerfreien ISO-100- und erst recht keine rauschfreien ISO-400-Bilder. Die Sigma-Bilder zeigen bei ISO 400 und RAW ein stärkeres Helligkeits-, aber ein schwächeres Farbrauschen als viele Konkurrenten. Unterm Strich gilt: Wer mit RAW bis ISO 400 fotografiert und JPEGs ausschließlich bei ISO 100 einsetzt, bekommt eine gute Bildqualität auf dem Niveau einer 8-, eventuell auch 10-Megapixelkamera. Wegen der JPEG-Probleme basieren unsere Messwerte auf RAW-Daten.

Der Blick durch den Sucher lässt eine wichtige Verbesserung im Vergleich zu SD9/SD10 erkennen: Mussten die Vorgängermodelle noch mit einem zentralen AF-Sensor auskommen, bietet das AF-System der SD14 fünf Felder, von denen das mittlere ein Kreuzsensor ist. Das AF-Feld kann bei Bedarf auch manuell ausgewählt werden.

Der Schlitzverschluss ermöglicht Belichtungszeiten zwischen 1/4000 und 30 s und soll jetzt laut Hersteller eine Lebensdauer von mehr als 100 000 Auslösungen haben. Zudem wurde bei der Konstruktion Wert darauf gelegt, den betriebsbedingten Abrieb zu minimieren;  auch dies eine Maßnahme, um den Sensor auf Dauer möglichst sauber zu halten. Leider ist die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit mit 0,5 s nach aktuellen Maßstäben grenzwertig lang. Und nach 2 s Einschaltverzögerung hat sich manches Motiv längst verflüchtigt.

Sigma SD14 Bedienelemente/LC-Display

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Das LC-Display ist klein, aber beleuchtbar. Über das Moduswahlrad lassen sich Zeit-, Blenden- und Programmautomatik sowie "Manuell" vorwählen; auf Motivprogramme wurde verzichtet.

Der Pentaprismensucher deckt 98 Prozent des Bildfeldes ab, was mehr ist als bei vielen Konkurrenten; die effektive Suchervergrößerung beträgt allerdings nur 0,52, da der Sigma-Sensor mit Crop-Faktor 1,7 vergleichsweise klein ist. Damit erscheint das Sucherbild deutlich kleiner als etwa bei einer Nikon D80/D200 oder Pentax K10D mit einer effektiven Suchervergrößerung von 0,6. Der TFT-Monitor wurde im Vergleich zur Vorgängerin von 1,8 Zoll auf die heute üblichen 2,5 Zoll vergrößert. Die Auflösung ist mit 150 000 Pixeln eher bescheiden.  Üblich sind Auflösungen über 200 000 Pixel.Rechts neben dem Pentaprisma teilen sich ein Moduswahlrad und ein quadratisches LC-Display (19x 19 mm) mit zuschaltbarer Beleuchtung den verfügbaren Platz. Bei den Belichtungsprogrammen hat Sigma auf Schnickschnack verzichtet: Lediglich die Brot-und-Butter-Programme "P" (Programmautomatik mit Shiftfunktion), "A" (Blendenvorwahl), "S" (Zeitvorwahl) und "M" (manuelle Einstellung bzw. Nachführmessung) sind an Bord. Auf Motivprogramme hat man dagegen verzichtet, was auch kein Fehler ist.

Links neben dem Pentaprisma findet sich ein weiteres Wahlrad, das neben der Off-Position fünf weitere Rastpositionen besitzt: Einzelbild- und Serienbildschaltung, Selbstauslöser mit zwei Vorlaufzeiten (2 und 10 s), dazu "Up" für die Spiegelvorauslösung und "AB" zum Einstellen der Spreizung für die Reihenbelichtungsautomatik (in Drittelblendenstufen bis zu 3 EV). Tipp: Wenn die Anzeige hektisch blinkt, haben Sie das eingebaute Blitzgerät ausgeklappt, was Serienbelichtungen unmöglich macht.

Über die Funktionstaste unterhalb des linken Wahlrads und das LC-Display sind diverse Voreinstellungen etwa zur Belichtungsmessmethode möglich: Matrix, mittenbetont oder selektiv (bezogen auf den 8 mm großen Messkreis im Sucher) stehen zur Wahl. Beim Blitzgerät lässt sich ein Blendlicht zum Reduzieren des Rote-Augen-Effekts zuschalten, während das Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang und andere Finessen externen Systemblitzgeräten wie dem EF-500 DG Super vorbehalten bleiben. Langzeitsynchronisation ist nur über den Umweg der manuellen Einstellung möglich, nicht aber in Zeit- oder Programmautomatik. Dort wird jeweils 1/60 s als längste Zeit gewählt; die kürzeste Synchronzeit beträgt 1/180 s. Die Speicherzeiten sind mit etwa 7 s für ein JPEG und 8 bis 9 s für ein RAW recht lang (CF-Karte SanDisk Extreme III). Wer etwa sechs RAW in Serie fotografiert, muss anschließend geduldig warten, bevor er seine Bilder prüfen kann. Zudem stimmt die Farbdarstellung auf dem Kameradisplay bei höherempfindlichen RAWs nicht immer. Beim Hineinzoomen in ein RAW-Bild kann von einer Zoomstufe zur nächsten die Farbdarstellung abrupt wechseln und etwa der Violettstich zugunsten eines neutralen Eindrucks verschwinden.

Sigma SD14 Bedienelemente/Einstellrad

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Das linke Einstellrad ist zuständig für Einzel- und Serienbildschaltung, Selbstauslöser, Spiegelvorauslösung und Bracketing-Voreinstellungen.

Der TFT-Monitor an der Rückseite informiert umfassend: Per Tastendruck öffnet sich z. B. ein mit dem 4-Wege-Schalter gekoppeltes Auswahlmenü zum schnellen Einstellen wichtiger Parameter: Weißabgleich, ISO-Zahl (100-1600), Auflösung (4 Stufen), Qualität (RAW, JPEG in drei Kompressionsstufen). Da auf jeder Pfeiltaste eine Funktion liegt, muss der Fotograf immer vorwärts scrollen: Der Weg von ISO 200 zu ISO 100 führt über ISO 400/800/1600 zurück zu ISO 100. Direkt von ISO 200 zu ISO 100 geht es im Schnellzugriff nicht. Für den Weißabgleich gibt es sieben Voreinstellungen und die Möglichkeit der Messung auf eine weiße oder graue Fläche. Im Konkurrenzvergleich ist das etwas spartanisch: Man wünscht sich etwa des öfteren die Möglichkeit, den Weißabgleich von einem Preset ausgehend feinjustieren zu können.

Eine praktische Einrichtung ist die Info-Seite, zu erreichen über den I-Button links neben dem Monitor. Auf der Info-Seite sind wichtige Voreinstellungen der Kamera zusammengefasst, darunter Auflösung/Bildqualität, Farbraum (sRGB oder AdobeRGB), Weißabgleich und eventuelle Korrekturen bei Schärfe, Kontrast und Farbsättigung. Auch die Auslastung des mobilen Datenspeichers (Compact Flash) lässt sich an dieser Stelle ablesen. Zum Anzeigen von Bildern gibt es neben der Vollbildanzeige den Info-Modus mit Bildminiatur, Aufnahmedaten und RGB-Histogramm. Letzteres ist für weniger versierte Anwender nicht immer zweifelsfrei zu interpretieren; leider gibt es aber keine Umschaltmöglichkeit für ein einfaches Helligkeitshistogramm. Mit nur 19 Einträgen ist das Hauptmenü der SD14 überschaubar bestückt. Die Einträge sind untereinander gelistet, abwechselnd durch schwarze und graue Streifen gegliedert. Trotz guter Ablesbarkeit ergaben sich anfänglich Orientierungsprobleme, da man in einer Endlosschleife durch die Einträge scrollen kann (also ohne, dass es einen ersten oder letzten Eintrag gibt).

Zu den wichtigeren Einträgen gehört der "Anpassungs-Modus" mit Untermenüs, in denen man den Farbraum, Kontrast, Schärfe und Farbsättigung einstellen kann. Praktisch: Die OK-Taste innerhalb des 4-Wege-Schalters lässt sich mit verschiedenen Funktionen belegen - etwa "Schützen" (der Bilddaten), Markieren, Drehen oder Belichtungswarnung.

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Test

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$umbruch$ Beurteilung nach neuen Testkriterien

Sigma SD14

Der Sensor der Sigma-Kamera ist in drei Schichten aufgebaut und landet in der Einordnung bei etwa 8 Megapixeln. Die Bildqualität ist bei ISO 100 und ISO 400 gut, allerdings sollten man RAW-Bilder machen, da die JPEGs bei höheren Empfindlichkeiten Farbflecken zeigen können. Während wir bei den meisten Kameras JPEG-Bilder für den Test auswerten, sind es bei Sigma deswegen RAWs.

Sigma SD14 Menü Auflösung

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Die hochinterpolierte Auflösung "SuperHi" mit 4608 x 3072 Pixeln steht nur in Verbindung mit JPEGs, nicht aber im RAW-Modus zur Verfügung.
Sigma SD14 Menü Histogramm

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Das kleine RGB-Histogramm ist nicht einfach abzulesen; wünschenswert wäre die Umschaltmöglichkeit auf ein Helligkeitshistogramm.
Sigma SD14 Menü Aufnahme

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Auf der Info-Seite kann man sich per Knopfdruck anzeigen lassen, welche Einstellungen für die nachfolgende Aufnahme gelten.
Sigma SD14 Menü Kurzbefehle

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Der OK-Taste im Zentrum des 4-Wege-Schalters können verschiedene, häufig gebrauchte Kurzbefehle bzw. Funktionen zugeordnet werden.

SIGMA SD14

HerstellerSIGMA
Preis430.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.5

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