Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegellose Systemkamera

Sigma sd Quattro H im Test

In der Sigma sd Quattro H arbeitet ein APS-H-Sensor mit XXL-Auflösung. Wir haben die spiegellose Systemkamera im Test.

Sigma sd Quattro H

© Sigma

Mit dem größeren APS-HSensor (Cropfaktor 1,3) bringt es die Sigma sd Quattro H auf eine Auflösung von 25,5 blauen, 6,4 grünen und 6,4 roten MP, interpoliert ergibt dies 51 Megapixel im JPEG-Format.

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EUR 1.399,00

Pro

  • exzellente Bildqualität bei ISO 100
  • robustes Gehäuse

Contra

  • langsamer Autofokus
  • kein/e WLAN, Touchscreen Videoaufzeichnung und Ausklappblitz
  • hoher Energieverbrauch
  • lange Einschaltzeiten

Fazit

ColorFoto Testurteil: 40 Punkte ( 12 Punkte über dem Durchschnitt); Kauftipp ISO 100

Auch Sigma setzt auf spiegellose Systemkameras und startet mit dem Duo sd Quattro und sd Quattro H. Dabei bleibt Sigma seiner Linie treu und kombiniert ein in Optik und Ausstattung ungewöhnliches Design mit dem eigenen Foveon-Drei-Schicht-Sensor. Er liefert bei niedrigen Empfindlichkeiten beeindruckende Bildqualität, lässt aber schon bei mittleren Empfindlichkeiten nach. Als Schwestermodell der sd Quattro mit APS-C-Sensor hat die weitgehend baugleiche sd Quattro H einen um 30 Prozent größeren APS-H-Sensor (17,9 × 26,6 mm, Cropfakor 1,3) und entsprechend mehr Pixel. Allerdings ist die H mit knapp 1400 Euro rund 600 Euro teurer als die kleinere Quattro.​

Die Neue hat das gleiche Sensor-Design wie die Quattro, sodass die größere Sensorfläche bei gleicher Pixelgröße nun mehr Bildpunkte liefert. Foveon-Sensoren bestehen aus drei Schichten für Grün, Glau und Rot. In der H arbeitet die oberste Schicht mit 25,5 Megapixeln, in der zweiten und dritten Schicht sind es je 6,4 Megapixel. Die Quattro H berechnet daraus JPEG mit 51 Megapixeln gegenüber 39 Megapixeln bei der Quattro (siehe Kasten). Das RAW-Bild hat 25,5 Megapixel.​

Gehäuse 

Mit 14,7 x 9,5 x 9,1 cm und einem Leergewicht von 625 g ist die Quattro H nicht gerade kompakt und leicht. Sie besteht aus einer robusten Magnesiumlegierung und ist mit Gummidichtungen gegen Eindringen von Staub und Wasser geschützt. Im Objektivbajonett sitzt zudem ein Staubschutz aus Planglas, eine Sensorreinigung fehlt entsprechend. Im unteren Teil macht das H-Gehäuse am Handgriff einen Knick, was ihn verkürzt und den kleinen Finger etwas unkommod in der Luft hängen lässt. Abhilfe schafft der optional erhältliche Multifunktionsgriff PG-41 für 210 Euro.

Die Vorliebe für ungewöhnliche Designs kennt man von Sigma. Doch der lange Objektivtubus hat technische Gründe. Um mit einer großen Objektivauswahl zu starten, übernimmt die sd Quattro das SA-Bajonett von der Sigma SD1 Merrill – einer SLR, deren Spiegelkasten Platz brauchte, was einen entsprechenden Abstand zwischen Bajonett und Sensor erforderte. Dieses Auflagenmaß gilt nun auch für die viel flachere sd Quattro und führt zu dem entsprechend längeren Objektivtubus. Am Ende eine gute Entscheidung, da so 15 Objektive zur Auswahl stehen.

Display und Sucher 

Auf der Rückseite verbergen sich unter einer Scheibe zwei Displays: Neben dem großen mit 540 000 RGB-Pixeln Auflösung und einer 3-Zoll-Diagonalen ist rechts ein Status-LCD angeordnet, das über wichtige Aufnahmeeinstellungen informiert. Dazu kommt der elektronische Sucher mit 786 667 RGB-Pixeln und 0,73-facher (KB-Äquiv.) Vergrößerung inklusive Dioptrienkorrektur. Sucher und Bildschirm helfen optional mit einer elektronischen Wasserwaage bei der Ausrichtung der Kamera. Das Display stellt unbewegte Motive sehr gut dar, bei Schwenks sahen wir jedoch deutliche Verzerrungen. Nur für Notfälle ist der Sucher geeignet: Trotz hoher Auflösung stört die teils stark flimmernde und ruckelige Bilddarstellung. Positiv:​ Der Augenabstand des Suchers fällt mit 21 mm ungewöhnlich groß aus.​

Sigma sd Quattro H Display

© Sigma

Unter einer Fläche verbergen sich zwei Displays: das 3 Zoll große Statusdisplay und rechts davon ein LCD-Monitor, der über wichtige Aufnahmeparameter informiert

Autofokus 

Die H setzt wie ihre Schwester auf eine kombinierte Phasenkontrastmessung mit AF-Empfindlichkeiten von -1 bis 18 EV. Es stehen AF-Modi wie Single-, Schärfennachführung und manueller Fokus zur Wahl. Beim manuellen Fokussieren helfen Lupenfunktion und Fokus-Peaking. Zudem gibt es einen frei beweglichen AF-Feld-Modus, Gesichtserkennung und einen normalen AF-Feld- Auswahlmodus, der allerdings nur mit neun Feldern arbeitet. Beim freien Positionieren des AF-Felds unterstützen eine eigens dafür vorgesehene Taste und der Richtungsschalter.

Konnte schon die kleine Schwester bei der Geschwindigkeit nicht überzeugen, gilt dies auch für die H mit einer Auslöseverzögerung von 1,32 s bei 300/30 Lux. Auslöse- statt Schärfepriorität bringt ein leichtes Plus, aber auch mehr unscharfe Bilder. Die H schafft im Labor 4,4 Bilder/s in Serie, doch nach acht Aufnahmen ist bereits Schluss. Besonders träge ist die Einschaltverzögerung mit 5,7 s.​​

Bedienung 

Das unkonventionelle Bedienkonzept überzeugt durch eine einfach zu handhabende Tastenlogik: Für die Einstellung von Aufnahmemodus, ISO, Messmethode oder Belichtungskorrektur gibt es Direkttasten, eine Vier-Wege-Wippe und zwei multifunktionale Drehräder. Zur Belichtung stehen neben Programmautomatik samt Programmshift und drei Custom-Funktionen auch Zeitautomatik und Blendenautomatik sowie eine komplett manuelle Belichtung zur Verfügung. Die lässt sich mit der „Modus“-Taste rechts neben dem Display anwählen und per vorderem Rändelrad einstellen.

Eine Quick-Set-Taste neben dem Auslöser gewährt Zugriff auf acht Hauptfunktionen, darunter Seitenverhältnis, ISO, Weißabgleich und Farbmodus. Ein Lock-Schieber schützt auf Wunsch vor unachtsamer Betätigung der Tasten, wobei der Anwender festlegen kann, welche Tasten er im Einzelnen blockieren will. Trotz ihres modernen Designs verzichten aber beide Quattros auf zeitgemäße Extras: Touchscreen und Videofunktion – Fehlanzeige! Ebenso wenig gibt es WLAN oder einen Ausklappblitz. Immerhin ist sie Eye-Fi-kompatibel, sodass mit entsprechender Karte eine kabellose Übertragung möglich ist.​

Sigma sd Quattro H

© Sigma

Außer praktischen Direkttasten gibt es zwei Einstellräder und eine Quickset-Taste.

​„Dual True III“-Prozessor 

Zwei „Dual True III“-Prozessoren unterstützen den Foveon-Sensor. So kann die Quattro H Bilder in RAW (14 Bit) und in JPEG speichern, wobei die Kamera RAWs auch in JPEGs konvertieren kann. Im Modus „Super-Fine-Detail“ nimmt die Kamera sieben unterschiedliche Belichtungen auf und speichert sie im speziellen X3l-Format. X3l-Dateien kann allerdings nur die mitgelieferte Software „Sigma Photo Pro“ in ein Bild mit besonders geringem Rauschen und hoher Dynamik verarbeiten. Wer statt Sigma-Programmen Standard-Software nutzen mag, kann mit der Quattro H auch DNG-Dateien auf die Speicherkarte schreiben.​

Bildqualität 

Eigentlich testen wir Sigma-Kameras grundsätzlich im RAW-Modus, da die JPEGs zumindest bei höheren ISO-Werten deutlich abfallen. Beim Test der kleinen Quattro konnten wir die RAWs jedoch nicht über alle Empfindlichkeiten sauber öffnen (s. ColorFoto 11/16) und testeten damals mit JPEGs. Nun hatten wir mit den RAWs keine Probleme, und die Differenz JPEG zu RAW ist erstaunlich gering. Die RAWs zeigen eine bessere Homogenität, weniger Rauschen sowie moderater geschärfte Kanten. Aber noch nie lieferte eine Sigma so gute JPEGs bei ISO 100.​

Die Sigma sd Quattro H erreichte im RAW-Modus beeindruckend hohe Auflösungswerte von 2477 LP/BH, was auf dem Niveau einer Top-Vollformatkamera wie der Canon EOS 5Ds liegt. Das Rauschen ist bei ISO 100 mit einer VN von 0,9 sogar minimal niedriger als bei der Canon und besser, als man das von ihren Sigma-Foveon-Quattro-Schwestern kennt. Hinzu kommen Spitzenwerte bei der Feinzeichnung, die mit überragenden DL-high-Werten (1565 LP/BH) und noch höheren DL-low-Werten (1721 LP/BH) beeindrucken.​

Bis ISO 400 liegen die DL-Kurven für hohe und niedrige Kontraste fast übereinander, doch die höheren Kurvenverläufe der direct-Diagramme deuten auf stärkere Eingriffe der Signalverarbeitung hin, und das teils spitze Kantenprofil weist auf entsprechend kräftige Kantenanhebung hin. Insgesamt liefert der größere Sensor bei ISO 100 einen noch besseren Bildeindruck als die sd Quattro, doch das Manko des Foveon-Sensors kennt auch die H: Bereits ab ISO 400 kämpft sie mit überdurchschnittlichem Rauschen (VN 1,8), das sich ab ISO 800 bzw. 1600 (VN 2,5 und 3,5) massiv verstärkt. Gleichzeitig fallen die DL-Werte für hohe und niedrige Kontraste bei ISO 400 stark ab, während die Edge-Werte für niedrige Kontraste steigen. Bereits bei ISO 400 ist die überragende Feinzeichnung von ISO 100 Geschichte, und ab 800 empfehlen wir die Umwandlung in SW. Das ist dann durchaus noch gut nutzbar.​

Fazit

Mit dem APS-H-Sensor setzt Sigma auf ein zwar ungewöhnliches, aber größeres Sensorformat, das die Bildqualität der sd Quattro H gegenüber der sd Quattro noch steigert. Bei ISO 100 zeigen die Bilder eine ausgezeichnete Feinzeichnung und konkurrieren mit der Canon EOS 5Ds. Bei ISO 400 steigt das Rauschen, die Feinzeichnung schwindet, und bei ISO 800 empfehlen wir erneut die Umwandlung in ein SW-Bild.

Auch die Kritikliste kennt man von der Vorgängerin: Der Autofokus arbeitet deutlich zu langsam. Es gibt weder Videoaufzeichnung noch WLAN, Touchscreen oder Ausklappblitz. Hinzu kommen ein sehr hoher Stromverbrauch und lange Einschaltzeiten. Wer beispielsweise Landschaften vom Stativ fotografiert, findet in der Sigma ein tolles Werkzeug, das mit 1400 Euro wesentlich günstiger als die Konkurrenz ist. Bewegte Motive und hohe Empfindlichkeiten sollte man jedoch meiden.

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