Sigma DP2s - Neuer Anlauf

Sigma bleibt bei den Kompaktmodellen mit SLR-Sensor am Ball und bringt eine überarbeitete DP2s mit dem bekannten 24-mm-Objektiv (41 mm KB-äquiv.) sowie neu gestalteter Rückseite.

  1. Sigma DP2s - Neuer Anlauf
  2. Datenblatt
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Nicht jeder, der Wert auf hohe Bildqualität legt, braucht Wechselobjektive oder möchte sich mit dem sperrigen Gehäuse einer SLR-Kamera belasten. Für diese Klientel hat Sigma die DP-Modelle mit SLR-Sensor und Festbrennweiten entwickelt. Als erstes erschien die DP1 mit 16,6-mm-Objektiv (vergleichbare Kleinbildbrennweite: 28 mm), anschließend die DP2 mit 24-mm-Objektiv (vergleichbare Kleinbildbrennweite: 41 mm).

Nun bringt Sigma eine verbesserte Generation auf den Markt: Die DP2s löst die DP2 ab, und die DP1x kommt statt der DP1s - war bis Redaktionsschluss aber noch nicht verfügbar. Allen Modellen gemein ist der in drei Schichten aufgebaute Foveon-X3-Bildsensor mit annähernd APS-C-Format (20,7x_13,8 mm), den man auch von Sigmas SLR-Modellen kennt (s. Kasten).

Neu bei der DP2s ist laut Hersteller ein Energiesparmodus, der im Vergleich zur Vorgängerin einen um rund 8% verringerten Strombedarf zur Folge haben soll. Hinzu kommt ein softwareseitig verbesserter AF-Algorithmus. Besitzer einer DP2 sollen in Form eines Firmware-Updates ebenfalls von dieser Verbesserung profitieren (Download unter www.sigma-dp.com/DP2/firmware.html).

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An der Kamerarückseite wurde die Lesbarkeit der Tastenbezeichnungen verbessert, Funktion und Anordnung sind im Vergleich zur Vorgängerin gleich geblieben.

Hochwertiges Gehäuse

Mit ihrem robusten Magnesiumgehäuse ist die DP2s ein Stück größer und schwerer als eine typische Kompakte. Das fest eingebaute Objektiv hat eine Brennweite von rund 24 mm, was einer KB-äquivalenten Brennweite von 41 mm entspricht (Bildwinkelfaktor 1,7). Modelltypisch ist das leichtgängige Daumenrad, das hier nicht für allgemeine Einstellungen genutzt wird, sondern für das manuelle Fokussieren mit Entfernungsanzeige und zuschaltbarer Lupe. Dies tröstet über den immer noch trägen Sensor-AF mit 9 wählbaren AF-Feldern hinweg; die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit beträgt 0,91/ 1,50 bei 3000/30 Lux. Auch die Einschaltverzögerung ist mit 4,6 s ungewöhnlich lang. Zeit lässt sich die Kamera auch beim Abspeichern der Bilder - 3 bis 4 s im JPEG-Modus (Fine) und 7 bis 8 s bei RAWs (SD-Karte: SanDisk Ultra II, 15 MB/s). Bildserien sind mit 3,4 B/s und 4 Bildern in Folge möglich.

Zur Bildwiedergabe und als Motivsucher steht ein 2,5-Zoll-Monitor zur Verfügung. Ein optional erhältlicher optischer Sucher (VF-21) lässt sich auf den Kamerablitzschuh stecken, was unter anderem den Vorteil hat, dass der Monitor bei der Aufnahme abgeschaltet werden kann und dann keinen Strom verbraucht. Auch im Energiesparmodus erwies sich der Lithium-Ionen-Akku BP-31 der Sigma nämlich als nicht besonders standfest. Vor ausgedehnten Fotosessions sollte man den Akku deshalb vorsichtshalber komplett aufladen. Das in die Kamera eingebaute Blitzgerät mit Leitzahl 6 gibt sein Licht recht nahe der optischen Achse ab. Aus diesem Grund treten vergleichsweise häufig rote Augen bei Porträts auf. Als Zubehör erhältlich ist das Systemblitzgerät EF-140DG (Leitzahl 14). Will man es in Betrieb nehmen, muss allerdings der praktische Aufstecksucher den Platz am Blitzschuh räumen.

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Das Daumenrad rechts neben dem Moduswahlrad für die Belichtungsprogramme ist nicht für allgemeine Einstellungen, sondern ausschließlich zum manuellen Fokussieren gedacht.

Verschachteltes Bedienkonzept

Im Bedienkonzept erweist sich die Sigma als gewöhnungsbedürftig. So ruft man z._B. das Setup-Menü für allgemeine Kameraeinstellungen nicht über die Menü-Taste, sondern über "Setup" am Moduswahlrad für die Belichtungsprogramme auf. Zum Navigieren im Aufnahmemenü benutzt man neben den Tasten des 4-Wege-Schalters auch zwei weitere Up-/Down-Tasten in der Gegend des Fokussierrads.

Für häufig gebrauchte Aufnahme-Einstellungen gibt es ein auf zwei Ebenen verteiltes Schnellzugriffsmenü (Quick-Set-Menü) mit jeweils vier Optionen. Nur schade, dass man beim Einstellen immer nur in einer Richtung navigieren kann. Ist etwa die zweite Weißabgleichsmethode (Sonne) in der Liste gewählt, muss man siebenmal drücken, um zur ersten Position (Automatik) zu gelangen.

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Im Ruhezustand - wie abgebildet - ragt die Objektivfassung nur etwas mehr als 2 cm über das Gehäuse heraus; beim Ausfahren verlängert sich das Objektiv um weitere 2,5 cm.

Erfreulich dagegen: Individuelle Kamera-profile lassen sich in drei Benutzerspeichern ablegen. Zudem praktisch: Das eingebaute Mikrofon lässt sich nicht nur für Videoaufnahmen mit 320 x 240 Pixel, sondern auch für Kommentare zu einzelnen Bildern nutzen.

Bildqualität

Bereits bei der Vorgängerin DP2 wurde deutlich, dass die Bildqualität am besten ist, wenn man im RAW-Modus fotografiert und die Bilder dann zu TIFFs verarbeitet. Auf dieser Grundlage wurden auch die Labormessungen bei der DP2s durchgeführt. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Grenzauflösung liegt zwischen ISO 100 und 1600 konstant bei 1056 LP/BH, die Texturverluste variieren zwischen 0,0 und 0,7. Das Rauschen ist bei ISO 100 mit VN 0,6 gering, steigt bei ISO 400 allerdings auf VN 1,6 an, um bei ISO 800 wieder auf VN 1,2 abzufallen. Auf übermäßige Aktivität des Rauschfilters deutet dabei allerdings nichts, weil die Texturverluste von ISO 400 auf ISO 800 nur unwesentlich ansteigen. Bei ISO 1600 erreicht die Kamera mit VN 1,8 einen ordentlichen Wert. Auch mit dem Objektkontrast kann man zufrieden sein. Die Maximalwerte von 9 Blenden erreicht die Kamera bei ISO 100/800, bei ISO 400/1600 werden 8,5 Blenden erzielt.

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Helle Flächen mit moderatem Hell-Dunkel-Verlauf führen beim Foveon-Sensor häufig zu einem Grün-Magenta-Farbkipp - auch dann übrigens, wenn man ein RAW zum TIFF verarbeitet.

Fazit: Grenzgänger haben Konjunktur: Die Sigma DP2s ist etwas größer und schwerer als eine klassische Kompaktkamera, liegt dadurch aber gut und wertig in der Hand. Mit ihrem Foveon-Bildsensor kann sie auch anspruchsvollere Fotografen zufriedenstellen - vor allem dann, wenn man den Umweg über RAW und externe Verarbeitung zum TIFF nicht scheut.

Der Autofokus funktioniert etwas schneller als bei der Vorgängerin, macht die Kamera aber noch lange nicht action-tauglich. Dafür schafft das beschauliche und präzise Fokussieren am Monitor mittels Drehrad und Entfernungseinstellung nostalgischen Lustgewinn - ein Fall für die "Anglernaturen" unter den Fotografen.

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Verarbeitet man RAWs aus der Kamera in Sigma Photo Pro 4 zum TIFF, sind bei höheren Empfindlichkeiten (hier ISO 800) rauschärmere Ergebnisse zu erzielen.
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Beim Live-View kann der Anwender unter anderem verschiedene Gitternetze wählen.
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Von der Listendarstellung gelangt man auf Knopfdruck in das betreffende Untermenü.
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Beim manuellen Fokussieren wird eine Entfernungsskala in den Monitor eingeblendet.
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Quick-Set-Menü: Zum Einstellen benutzt man die Tasten des 4-Wege-Schalters.

SIGMA DP2s

HerstellerSIGMA
Preis400.00 €
Wertung28.0 Punkte
Testverfahren1.6

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