Testbericht

Sigma DP2 Merrill im Test: Kompakte mit Vollformat-Niveau

Die Sigma DP2 Merrill hat das Aussehen einer Kompaktkamera, den Sensor einer SLR und eine 30-mm-Festbrennweite fest verbaut. Als wäre diese Kreuzung nicht schon speziell genug, setzt Sigma noch eins drauf und baut den Foveon-X3-Sensor ein, der mit drei Schichten zu je 14,7 Megapixeln arbeitet.

  1. Sigma DP2 Merrill im Test: Kompakte mit Vollformat-Niveau
  2. Datenblatt
Sigma DP2 Merrill

© Sigma

Sigma DP2 Merrill

Pro

  • Eingängiges Bedienkonzept
  • Sehr gute Bildqualität im unteren ISO-Bereich

Contra

  • Kurze Akkulaufzeit
  • Schlechter Griff
  • Sucher und Blitz nicht integriert
  • Langsamer Autofokus
61,8%

Pro

  • Eingängiges Bedienkonzept
  • Sehr gute Bildqualität im unteren ISO-Bereich

Contra

  • Kurze Akkulaufzeit
  • Schlechter Griff
  • Sucher und Blitz nicht integriert
  • Langsamer Autofokus
61,8%

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass Sigma die Fertigung des dreischichtigen Foveon-X3-Sensors mit 3 x 14,7 Megapixeln umstellen und deutlich günstiger gestalten konnte. Zunächst sank dadurch nur der Preis der semiprofessionellen SLR SD1, der bis dahin einzigen Kamera mit diesem Sensor, von über 6.000 auf 2.000 Euro.

Im zweiten Schritt setzt Sigma jetzt eben diesen hochauflösenden Foveon-Chip auch in den Edelmodellen der DP-Baureihe ein - bisher mussten diese Modelle aus Kostengründen noch mit 3 x 4,7 Megapixeln auskommen.

Den Anfang macht die DP2 Merrill, die mit ihrer fest verbauten Optik 2,8/30 mm (45 mm KB-Äquivalent) und dem relativ hoch angesetzten Preis von 1.100 Euro die gleiche Klientel anspricht wie Leicas X2, Ricohs GXR A12 und Fujifilms Finepix X100. Im Gegensatz zu denen bietet die Sigma allerdings weder Blitz noch Sucher. Beides muss als externes Zubehör nachgerüstet werden; der Blitz EF-140 DG kostet zusätzlich ca. 90 Euro, der optische Sucher VF-21 rund 170 Euro.

Ausstattung

Das schlichte Metallgehäuse wirkt sorgfältig verarbeitet, hat jedoch weder einen ausgeformten Griff noch eine richtig rutschfeste Beschichtung. Deshalb fühlt sich die DP2 Merrill an, als würde sie allzu leicht aus der rechten Hand gleiten - trotz der winzigen Noppen.

Sigma DP2 Merrill

© Sigma

In der DP2 Merrill steckt ein hochauflösender Foveon-Chip.

Im Vergleich zu den Vorgängerinnen wiegt sie mit 378 g etwas mehr, hat dafür aber einen größeren 3-Zoll-Monitor mit zeitgemäßer Auflösung. Bei dunklen Motiven fällt das Display durch eine stark verrauschte, unruhige Vorschau auf.

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Im Bodenfach kommt zusätzlich zur SDXC-Karte der kleine LithiumIonen-Akku unter, der bei uns relativ wenig Durchhaltevermögen zeigte. Zur Belichtungssteuerung gibt es neben der Programmautomatik alle gängigen (halb)manuellen Modi, doch keine Vollautomatik und Motivproramme.

Sigma DP2 Merrill

© Sigma

Das Metallgehäuse der DP2 Merrill wiegt 378 g und hat eine schlichte Form ohne den SLR-typischen, nach vorne gewölbten, beschichteten Griff.

Auch die Videofunktion spielt bei dieser Kamera eine untergeordnete Rolle, unterstützt nur eine Auflösung bis 640 x 480 Pixel und filmt grundsätzlich ohne kontinuierlichen Autofokus.

Autofokus und Performance

In Sachen Autofokus bleibt es bei einem Kontrastmessverfahren mit 9 Feldern, das auffallend langsam arbeitet: Im Test brauchte die DP2 M zum Scharfstellen und Auslösen 1,24 s bei ausreichend Licht (1.000 Lux) und 1,57 s bei abgedunkelten Verhältnissen (30 Lux). Außerdem dauerte es nach dem Einschalten beinahe 4 Sekunden, bis die Kamera startklar war.

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Fortschritte sind dagegen bei der Verarbeitungszeit und Seriengeschwindigkeit zu verzeichnen: Die DP2 Merrill speichert die etwa 4 (JPEG) bis 46 MB (RAW) großen Dateien dezent im Hintergrund und ist nach dem Auslösen und einer noch erträglichen Schwarzpause einigermaßen zügig für das nächste Bild bereit. Serien erstellt sie nun mit 3,8 statt 3,5 B/s (DP2x) und stoppt nach 7 statt nach 4 Bildern in Folge. Trotzdem besteht noch Aufholbedarf: Die Konkurrentinnen von Fujifilm und Leica schaffen deutlich über 4 B/s.

Sigma DP2 Merrill

© Sigma

Nach Drücken der QS-Taste öffnet sich das Quickmenü, das aus zwei Ebenen (QS1 und QS2) mit je vier Einstelloptionen besteht.

Bedienkonzept

Die DP2 M lässt sich auf Anhieb effizient und angenehm bedienen. Das Quick-Menü besteht aus zwei Ebenen, zwischen denen man durch mehrmaliges Drücken der QS-Taste wechselt. Zum Auswählen der gewünschten Einstelloption dient der Vier-Richtungs-Schalter, zum Ändern des jeweiligen Aufnahmeparameters das große Wahlrad oben.

Sigma DP2 Merrill

© Sigma

Wer im übersichtlichen Hauptmenü "AF + MF" aktiviert, kann den Autofokus nutzen und gleichzeitig per Objektivring scharfstellen.

Ebenfalls praktisch: Wenn im übersichtlichen Hauptmenü "AF + MF" aktiviert und der Auslöser halb durchgedrückt sind, stellt die Kamera automatisch scharf und ermöglicht zugleich die Fokuskorrektur per Objektivring. Die Vorschau wechselt dabei verzögerungsfrei zur gut erkennbaren Lupenansicht.

Bildqualität

Dank der drei Schichten des Foveon-Sensors kann die DP2 Merril an jedem der 4.704 x 3.136 Bildpunkte alle primären RGB-Grundfarben erfassen und kommt ohne Moire-Filter aus. Beides zusammen verhilft ihr zu einer herausragenden Auflösung bei ISO 100 und 400. Dabei schont ihre JPEG-Signalverarbeitung die Feinzeichnung, ohne das Rauschen zu stark ansteigen zu lassen.

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Noch besser schneiden die mit der beiliegenden Software ins JPEG-Format konvertierten Rohdaten ab, die den Messwerten (Tabelle) zugrunde liegen. Dank des Foveon-Sensors erreicht die DP2 die Qualität von Vollformatkameras zu einem wesentlich günstigeren Preis.

Ab ISO 800 fällt die Qualität der JPEGs allerdings rapide ab. Bei ISO 1.600 wird das Farb- und Luminanzrauschen deutlich, ab ISO 3.200 wirken die nun entsättigten Aufnahmen fast kaputt. Das RAW-Format führt immerhin bis ISO 1.600 zu ordentlichen Ergebnissen.

Fazit

Als 1.100 Euro teure Kamera mit Festbrennweite und SLR-Sensor ist die DP2 Merrill für ambitionierte Anwender ausgelegt. Ausstattung und Bedienung sind auf diese Zielgruppe sehr gut abgestimmt.

Im unteren ISO-Bereich wird auch die Bildqualität den hohen Anforderungen absolut gerecht und erreicht das Niveau von Vollformat-SLRs. Bei ISO 800 und 1.600 empfehlen wir den Umweg über RAW. Ab ISO 3.200 können weder die JPEG- noch die RAW-Aufnahmen überzeugen. Als Kritikpunkt bleibt ferner der langsame Autofokus.

SIGMA DP2 Merrill

HerstellerSIGMA
Preis1000.00 €
Wertung46.0 Punkte
Testverfahren1.6

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