Kompaktkamera

Sigma dp1 Quattro im Test

Die Sigma dp1 Quattro ergänzt mit Dreilagen-Sensor und 19-mm-Festbrennweite in futuristischem Design, aber mit sparsamer Ausstattung die kompakte Quattro-Familie von Sigma.

Sigma dp1 Quattro

© Sigma

Sigma dp1 Quattro

Zeigt die Sigma dp1 Quattro im Test die typischen Eigenschaften, die wir von den Kameras des Herstellers kennen? Sigma setzt seit Jahren konsequent auf Dreischichtsensoren von Foveon mit einer außergewöhnlichen Detailzeichnung, aber Problemen bei höheren ISO-Stufen. Wie das Schwestermodell dp2 nutzt auch die neue Sigma dp1 das aktuellste Foveon-Design, den Quattro-Sensor.

Hinzu kommt bei der Sigma dp1 Quattro ein fest verbautes Weitwinkel mit 19 mm Brennweite, was 28 mm im Kleinbild entspricht. Die dp2-Schwester ist mit einer klassischen 30-mm-Porträtgröße ausgestattet (45 mm KB-Äquivalent). Parallel dazu kommt im Frühjahr eine dp3 mit 50 mm und 75 mm KB-Äquivalent. Allen dreien gemein ist das solide, stark futuristisch anmutende Gehäuse. Ungewöhnlich auch die spärliche Ausstattung: Es gibt weder Sucher noch Touchscreen oder WLAN. Selbst auf Videobetrieb muss man verzichten.

Foveon-Sensor

Herzstück der dp1 ist der neu entwickelte Foveon-X3-Sensor, der mit seinen Abmessungen von 23,5 x 15,7 mm der APS-C-Größe entspricht, dabei aber komplett anders arbeitet als herkömmliche Sensoren. Bei Letzteren sitzen alle Pixel nebeneinander und eine vorgesetzte RGB-Farbfilterschicht ordnet jedem Pixel "seine" Farbempfindlichkeit zu. Je Bildpunkt kann die Kamera somit nur eine Farbinformation erfassen. Fehlende Farbinformationen rechnen die Kameras aus den benachbarten Pixeln hinzu, was zu Lasten von Auflösung und Feinzeichnung geht.

Sigma dp1 Quattro

© Sigma

Puristisches Gehäuse in ungewöhnlichem Design: Die neue dp1 Quattro ergänzt das Quattro-Trio aus dem Hause Sigma mit fest verbauter 19-mm-Festbrennweite. Die sechs Direkttasten, eine Kreuzwippe und die beiden Einstellräder liegen so, dass man sie per Daumen und Zeigefinger intuitiv gut erreichen kann.

Foveon-Sensoren erfassen dagegen in drei Schichten je Bildpunkt bereits bei der Aufnahme drei Farbwerte. Im Gegensatz zu älteren Foveon-Sensoren mit beispielsweise einheitlich 15 Megapixeln je Schicht, arbeitet die neue Quattro-Generation mit unterschiedlich vielen Pixeln je Farbschicht. Auf der obersten für Blau angelegten Schicht liegen knapp 20 Megapixel. Die beiden darunter liegenden Schichten für Grün und Rot besitzen jeweils 4,9 Megapixel. RAW-Bilder speichert die Kamera mit 5424 x 3616 Pixeln in der obersten Schicht, JPEGs in höchster Auflösung mit 7680 x 5120 Pixeln, also mit 39 Megapixeln.

Gehäuse

Nicht weniger atypisch als der Sensor ist das Gehäuse der Sigma dp1 Quattro. Die hochwertige Magnesiumlegierung wirkt robust und wertig, erinnert im Design, zumindest ohne das Objektiv, aber mehr an ein futuristisches Design-Element denn eine Fotokamera. Das rechteckige Format ist untypisch lang gezogen und zu den Rändern hin auffallend kantig. Es gibt eine ausgeprägte Griffwulst, sodass die Sigma dp1 Quattro recht gut in der Hand liegt. Mit ihrem Gewicht von 425 g und ihren Abmessungen ist sie aber dennoch nicht jackentaschentauglich.

Sigma dp1 Quattro

© Sigma

Das aparte breitgezogene Format mit der ausladenden Griffwulst ermöglicht ein bequemes Handling. In die Jackentasche passt die dp1 allerdings kaum noch. Statt per Einstellrad wird der Aufnahmemodus per Mode-Taste gewählt.

Bedienung

Puristisch gehalten ist das Bedienkonzept. Ein einfacher Monitor, sechs Direkttasten und zwei Einstellräder zieren das Gehäuse. Die Tasten sind gut erreichbar, bieten einen angenehm satten Druckpunkt. Auch die beiden konfigurierbaren Einstellräder findet man intuitiv per Daumen und Zeigefinger. Sie rasten gut ein und die Bedienung ist angenehm. Ebenso lässt sich die Start/Wiedergabe-Taste, die zur Hälfte im Monitor sitzt, ohne großes Suchen finden.

Rechts daneben gibt es ein individuell gestaltbares Quick-Set-Menü, das die wichtigsten Kameraeinstellungen wie Weißabgleich oder den ISO-Wert per Knopfdruck anzeigt. Man wählt mit der Kreuzwippe, die sich im Bereich des rechten Daumens auf der Griffwulst befindet, den gewünschten Wert aus, die einzelnen Parameter werden per Einstellrad gesteuert. Oben platziert sich eine eigene "Modus"-Taste, um zwischen der Programmautomatik, Zeit/Blendenvorwahl und manueller Steuerung zu wechseln.

Aufnahmemenü

Zum Aufnahmemenü der Sigma dp1 Quattro gehören ebenso drei individuell belegbare Custom-Settings. Mit der Kreuzwippe wechselt man auch zur Bildübersicht, wählt Bilder aus oder zoomt, um die Schärfe zu kontrollieren. Letzteres funktioniert in der Praxis allerdings weniger gut: Zwar zeigt die Kamera schnell ein Vorschaubild, Zoomen ist aber während des Speicherns nicht möglich.

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Wir zeigen, was die Labormessungen zur Sigma dp1 Quattro in Sachen Bildqualität ans Licht brachten.

Beim Sichten sind also Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Beim Fotografieren sind sieben Bilder in Serie möglich, die in einen Zwischenspeicher laufen. Ist der voll, muss der Fotograf ebenfalls warten.

Autofokus

Die Sigma dp1 Quattro arbeitet mit neun Autofokus-Feldern und bietet verschiedene Autofokus-Modi: Ein Feld kann frei per Kreuzwippe angesteuert und verschobenen werden. Dreht man am Einstellrad, ändert sich die Größe des Felds. Es gibt eine "Gesichtserkennung", einen "AF+MF"-Fokus, einen "AF-Bereich-begrenzt"-Modus und einen "Auslöseprioritäts-AF", der kurzzeitig den Live-View stoppt, um schneller zu fokussieren.

Dennoch zählt die Geschwindigkeit zu den Schwachstellen der Sigma dp1 Quattro: Schon zum Starten benötigt sie ganze 3,3 s. Beim Auslösen ergaben unsere Messungen im Labor bei besten Lichtbedingungen fast eine halbe Sekunde Verzögerung (0,46 s), bei nur 30 Lux Licht brauchte die dp1 ganze 0,69 s. Im Serienmodus erreicht sie 3,7 RAWs oder JPEGs in der Sekunde, allerdings ist bereits nach 7 Bildern Schluss.

Ein weiterer Minuspunkt ist der vergleichsweise hohe Stromverbrauch der Kamera. Sigma kennt das Problem und legt ab Werk einen zweiten Akku bei. Da auch schon das Vorgängermodell unter einem zu kleinen Akku im Vergleich zum Stromverbrauch litt, hätten wir uns für die Sigma dp1 Quattro einen größeren Akku gewünscht.

Ausstattung

Was die Ausstattung angeht, hält sich die Sigma dp1 Quattro sparsam. Es gibt weder Motiv- und Szeneprogramme noch einen Videobetrieb, kein WLAN, keinen Blitz oder Sucher und nur einen einfachen 3-Zoll-Monitor mit 306 667 RGB-Pixeln Auflösung. Zwar ist er dieser linkslastig recht günstig platziert, taugt aber aufgrund der stark spiegelnden Oberfläche vor allem im Außeneinsatz weniger. Notfalls kann man die dp1 für die Motivsuche aber mit einem optischen Sucher (VF-31, Preis ca. 200 Euro) oder einem Lichtschachtsucher (LVF-01, Preis: ca. 200 Euro) aufrüsten.

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Wir zeigen Menü und Bedienung der Kompaktkamera Sigma dp1 Quattro.

Im Aufnahme- und Wiedergabebetrieb bietet die Sigma dp1 Quattro eine Helligkeitswarnung, ein Histogramm und eine Wasserwaage. Zu den Special Effects zählen diverse Farbeinstellungen und eine Monochrom-Option - das war's. Kostenlos steht auf der Herstellerseite für die Kamera die Software Sigma Photo Pro 6.2.0, ein RAW-Konverter speziell für das Sigma-RAW-Format.

Bildqualität

Wegen der bekannten Probleme mit den von der Kamera berechneten JPEG-Bildern, testen wir alle Sigmas traditionell im RAW-Modus. Wegen des großen Sensors messen wir die dp1 Quattro im Labor nach dem Testverfahren für SLRs. Wie die dp2 erreicht auch die Sigma dp1 Quattro bei ISO 100 im RAW-Modus überdurchschnittlich hohe und homogene Auflösungsergebnisse, die auf dem Niveau einer Nikon D810 mit 36-Megapixel-Vollformatsensor liegen.

Das Rauschen der Sigma ist etwas stärker, aber feine Details werden erstaunlich differenziert wiedergegeben. Dies spiegelt auch der Messwert für die Feinzeichnung Dead-Leaves cross Low Contrast wieder. Die Kontraste zieht Sigma bis ISO 400 nur leicht nach oben, im RAW-Modus sind Over- und Under-Shoot sogar etwas zu niedrig. Die JPEGs der Kamera zeigen dagegen eine sehr ausgeprägte Kantenanhebung bei ISO 100 und ISO 400 - ein weiterer Grund die JPEGs zu meiden.

Bei ISO 400 lässt die Bildqualität der Sigma dp1 Quattro deutlich sichtbar nach und erreicht bei ISO 800 die Grenze des Nutzbaren. Wer dennoch mit ISO 800 fotografieren muss, kann das ohnehin schon sehr entsättigte Bild am Rechner auch vollends in ein SW-Bild umwandeln. Die Bilder wirken verrauscht, parallel fallen die Dead-Leaves-Werte als Indiz für die Feinzeichnung ab. Ebenso bleibt die Dynamik mit 7,3 Blenden hinter den Erwartungen zurück, sodass die Aufnahmen nicht mehr überzeugen.

Fazit

Die Sigma dp1 Quattro besinnt sich nicht nur in puncto Ausstattung auf das Wesentliche: Es gibt keinen Sucher, keinen Blitz, einen für aktuelle Kameras nur mittelmäßigen Monitor und nicht einmal Videobetrieb.

Zu den klaren Minuspunkten zählt ihr hoher Stromverbauch und die lahme Bildvorschau. Dafür erhält man ein top verarbeitetes, wertiges Magnesiumgehäuse. Das Bedienkonzept wirkt reduziert, überzeugt aber durch seine individuellen Einstellmöglichkeiten.

Was den Autofokus und die Einschaltzeit betrifft, gehört die Sigma dp1 Quattro nicht zu den Schnellsten am Markt, dafür bietet sie bei ISO 100 eine exzellent hohe Bildqualität. Diese ISO-100-Bildqualität ist beeindruckend. Doch schon bei ISO 400 sinkt die Bildqualität wesentlich stärker ab als bei einer Vollformatkamera, und ISO 800 taugt nur noch für Notfälle - Kauftipp Bildqualität ISO 100.

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