Testbericht

SD-Camcorder für SD/SDHC-Karten

Der Sommer ist da, die Sonne lacht, der Urlaubsort ruft, Hochzeit und Kinder ebenso. Zeit für die neuen Chip-Camcorder, denn die versprechen unkomplizierte Bedienung für schnelle Filme zwischendurch. magnus.de hat sich drei Geräte näher angesehen.

Panasonic SDR-SW20: wasserfeste Camcorder

© Archiv

Panasonic SDR-SW20: wasserfeste Camcorder

Jahrelang filmte eine Firma allein auf weiter Flur: Wollte man einen Chip-Camcorder, gab es nämlich nur Sanyo - oder Billig-Asiaten, die zwar ähnliches versprachen, aber keine auch nur halbwegs vernünftigen Resultate lieferten. Das hat natürlich Gründe: Die klassischen Anbieter verdienen mit ihren Band-Recordern für DV derzeit noch gutes Geld, wozu also mit Chip-Geräten das eigene Geschäft kannibalisieren?

Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht. Immer mehr Anbieter bringen Geräte heraus, die wie ein klassischer Camcorder arbeiten - aber kein Band mehr verwenden, sondern direkt auf SD- und SDHC-Karten speichern. Grund genug, sich mal anzusehen, was ein Sanyo-Gerät wie das VPC-CG9EX von Camcordern mit Standard-PAL-Auflösung (neuerdings gerne SD wie Standard Definition genannt, analog zu HD wie High Definition) wie dem Panasonic SDR-SW20 oder dem Canon FS100 unterscheidet.

Sanyo Xacti VPC-CG9EX: die Vielseitige

Sanyo ist ein alter Hase im Geschäft mit Mini-Camcordern, die Xacti-Cams gibt es schon seit Jahren. Von den dreien dieses Vergleichs ist sie auch die einzige Kamera, die immer noch mit nur 640x480 Pixel dreht. Das ist eine im Computer-Umfeld übliche Auflösung, doch auch die ältesten Fernseher arbeiten mit mehr, nämlich 720x572 Pixeln. Deshalb war die Größe von 640x480 lange Zeit bei "echten Filmern" verpönt, denn die wollten ja das Ergebnis auf fernsehgerechte DVD brennen. Heute jedoch darf man das zu Recht hinterfragen, denn das Zielmedium des Films sind immer öfters der PC, eine Webseite mit Flash-Video, YouTube, ein Video-Blog und so weiter.

Die technischen Daten können sich sehen lassen: Die Sanyo dreht Filme zwar nur in der erwähnten Auflösung von 640x480 Pixel, dafür aber auf Wunsch auch mal mit 60 Frames pro Sekunde, so dass sich auch mal Zeitlupeneffekte einsetzen lassen. Gespeichert wird in MPEG-4 AVC/H.264, das Ergebnis sind MP4-Dateien, die sich auf den meisten PCs sofort abspielen lassen. Auf eine 8-GByte-Karte passen fast drei Stunden Film in bester Qualitätsstufe. Natürlich macht die Xacti auch Fotos, in diesem Fall mit bis zu 9 Megapixel und - als einzige im Vergleich - mit Blitz. Für fotografische und filmerische Freiheiten sorgt ein 5fach-Zoom. Ja, die Konkurrenz bietet mehr, aber in der Praxis ist die "5x" völlig ausreichend. Auch an ein Stativgewinde haben die Entwickler gedacht. Was jedoch fehlt, ist ein Audioeingang für ein externes Mikrophon. Das integrierte Mikrophon befindet sich zudem seitlich und zeichnet Mono auf.

Sanyo Xacti VPC-CG9EX: kompakter Camcorder

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Die Bedienung der knapp 200 Gramm leichten Xacti ist äußerst gelungen. Dafür sorgt zum Beispiel, dass Sie zwischen simplem und vollständigem Menü umschalten können. Dort lassen sich dann alle möglichen Einstellungen vornehmen. Der Monitor zeigt 230.000 Pixel auf 2,5 Zoll, das ist angenehm fein. Zwei wirklich coole Funktionen, die die anderen nicht haben: Die CG9 kann Fotos mit voller Bildauflösung auch dann aufnehmen, während Sie gerade Filmen. Und: Klappen Sie die Kamera auf, schaltet sie sich an, klappen sie sie zu, geht sie aus - einfacher kann Point & Shoot nicht sein. Was die Sanyo außerdem von den anderen unterscheidet, ist die klassische Pistolenform. Die mögen manche Benutzer, andere mögen es nicht - reine Geschmacksache.

Sanyo Xacti VPC-CG9EX: Bedienung

© Josef Bleier

Das Bedienfeld: Was auf den ersten Blick verwirrend aussieht, erweist sich in der Praxis als unkompliziert und praktisch.

Fazit: Zum Straßenpreis von 220 Euro bietet Sanyo mit der Xacti VPC-CG9EX einen hervorragenden und preiswerten Allrounder. Mit dem dreht man sicher keine Beiträge für klassische Kurzfilmwettbewerbe, aber für Video-Blogger und YouTube-Regisseure gibt's nichts, was vielseitiger und unkomplizierter wäre.

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Sanyo Xacti VPC-CG9EX: kompakter Camcorder
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Panasonic SDR-SW20: die Sportliche

Die Panasonic SD-SW20 kann als typischer Stellvertreter der neuen SD-Camcorder gelten. Sie nimmt also Videos mit 720x576 Pixeln auf, der klassischen Fernseh-Norm. Dabei kann die Kamera einen 4:3 oder 16:9-Modus benutzen, dessen Output dann aber nicht jedes Videoschnittprogramm auch in diesem Format bearbeiten kann. Die Clipdateien selber kommen mit der Endung MOD, hinter denen sich aber MPEG-2-Container verbergen, die man einfach in MPG umbenennen und so direkt weiterarbeiten kann. Die Videos gehen qualitativ in Ordnung, wirken aber im Vergleich zu denen der Konkurrenz etwas nervös und unruhig. Die mitgelieferte Videoschnittsoftware geht gerade noch so in Ordnung, besser man schafft sich eine neue, besser an, etwa Magix Video deluxe oder Pinnacle Video Studio.

Die SW20 liegt wie ein typischer Camcorder in der Hand, das heißt, man umfasst das Gerät mit seiner gesamten Hand und filmt aus dem Handballen heraus. Die Halteschnur wirkt nicht besonders robust, tut aber ihren Job, denn die Kamera liegt mit knapp 250 Gramm nicht schwer in der Hand. Die Aufnahme von Ton erfolgt in Stereo, die vorne liegende Öffnung macht aber nicht gerade Hoffnung auf ein breites Stereo-Bild.

Panasonic SDR-SW20: wasserfeste Camcorder

© Josef Bleier

Die Bedienung des SDR-SW20 erweist sich in der Praxis als nicht hundertprozentig gelungen.

Auch bei dieser Kamera gibt es keinen Anschluss für ein externes Mikrophon. Das liegt vielleicht auch am Gehäuse, das bei der SDR-SW20 staub- und wasserdicht ist. Tatsächlich kann man mit dem Camcorder bis 1,5 Meter Tiefe tauchen, ohne befürchten zu müssen, dass Wasser eindringt. Das und eine gewisse Stossfestigkeit empfehlen die SW20 als Outdoor-Camcorder für Wanderer, Schlauchbootfahrer oder Surfer. Das 10fach-Zoom surrt allerdings ein wenig, was auf Aufnahmen störend zu hören ist.

Panasonic SDR-SW20: wasserfeste Camcorder

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Die Bedienung setzt auf verschiedene Knöpfe und eine Tastenwippe, ist aber letztlich komplizierter als bei der Xacti von Sanyo. Das liegt auch daran, dass die Bedienelemente auf der Innenseite liegen, und man abwechselnd auf das Menü und auf die Tasten schauen muss. Man kommt auch damit zurecht. Das Display wirkt mit seinen 127.000 Pixel auf 2,7 Zoll ein wenig gröber als das der Konkurrenz.

Fazit: Der Straßenpreis der SDR-SW20 liegt bei 320 Euro. Eine besonders vielseitige Videokamera kriegen die Käufer für ihr Geld nicht, die Foto-Funktion ist zum Beispiel auf schlechtere Handy-Bilder beschränkt. Aber vor allem Wasserratten, Outdoor-Sportler und Flachseeschnorchler werden damit wegen der abgedichteten Bauweise trotzdem viel Spaß haben.

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Canon FS100: die Zoomstarke

Mit der FS100 legt Canon einen recht wuchtigen Vertreter seiner Zunft vor, der mit 300 Gramm auch am schwersten ausfällt. Rein technisch gesehen ähnelt er Panasonics SDR-SW20, vor allem bei der PAL-Auflösung von 720x576 Punkten und der länglichen Bauform, die mit der Handschlaufe so gehalten wird, dass die Optik aus dem Handballen heraus zeigt. Das Display misst 2,7 Zoll in der Diagonale und löst 127.000 Pixel auf. Die Aufzeichnung erfolgt auch hier in MPEG2, das man problemlos weiterverarbeiten kann, und zwar wahlweise in 16:9 oder 4:3.

Allerdings ist alles ein bisschen besser und wertiger ausgeführt als bei der SDR-SW20. Das optische Zoom schafft satte 37-fache Vergrößerung, genug für Nachbars Garten. Die Zoom-Wippe ist klug auf der Oberseite platziert und lässt sich erstaunlich sanft steuern. Und anders als bei den Camcordern von Panasonic oder Xacti gibt's einen eingebauten Objektivschutz. Die Stereo-Aufnahme erfolgt mit zwei getrennten Mikros auf der Vorderseite, alternativ lässt sich auch ein externes Mikrophon anschließen. Die Handschlaufe ist deutlich stabiler ausgeführt. Und die Bedienelemente verteilen sich auf Basisfunktionen am Camcorder und auf einen Joystick neben und Drucktasten unterhalb vom Display. Ein Stativgewinde fehlt nicht, die FS100 hat sogar ein Arretierloch dazu.

Canon FS100: Mikrofoneingang

© Josef Bleier

Gut für ernsthafte Filmer: Die Canon FS100 hat einen Eingang für ein externes Mikrofon.

Bild- und Ton-Qualität der FS100 sind erstaunlich gut und besser als bei den beiden Konkurrenten. Die Fotos taugen allerdings auch hier nichts. Der Zoom ist leise, aber bei Aufnahmen in leisen Umgebungen hören. Der Autofokus arbeitet stellenweise etwas langsam. Schade auch, dass Canon auf ein gutes Videoschnittprogramm verzichtet, somit fallen also noch 50 bis 100 Euro für eine Einsteiger-Schnittsoftware an.

Fazit: Unter den getesteten drei Kameras macht die FS100 die ruhigsten und klarsten Videos, sie hat das stärkste Zoom und lässt sich gut bedienen. Wer "bessere" Videofilme drehen will, muss auf den Ton achten - und nur bei der FS100 hat er dazu eine Chance. Es gibt übrigens zwei Varianten der FS100: Die FS10 und FS11 haben 8 beziehungsweise 16 GByte internen Speicher zusätzlich zu dem, den Sie wie bei der FS100 per SDHC-Karte einstecken können.

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Canon FS100 Flash-Camcorder
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Fazit

Der Sommer ruft - und zwar zu den Camcordern. Die Frage ist nur, was genau Sie eigentlich filmen wollen und wo es später erscheinen soll.

Die Sanyo Xacti VPC-CG9EX hat zwar eine etwas geringere Auflösung, doch das ist im Web egal - zugleich erhalten Sie mit ihr einen extrem vielseitigen, unkomplizierten, leichten und kompakten Gefährten für sehr spontane Fotos und Videos. Sie ist daher die beste Kamera für Web-Filmer.

Sanyo Xacti VPC-CG9EX: kompakter Camcorder

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Wer an Kurzfilmwettbewerbe oder DVDs als Ziel denkt, aber kein Budget für die HD-Königsklasse hat, greift zur Canon FS100, denn die macht in dieser Preisklasse der Chip-Camcorder die besten Bilder und erlaubt es außerdem, besseren Ton über ein externes Mikrofon aufzunehmen.

Filmende Schnorchler, Badenixen, Outdoor-Fans und Eltern sollten dagegen die Panasonic SDR-SW20 ins Auge fassen. Die macht nämlich auch Raufereien und Wasserschlachten mit.

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