Testbericht

Samsung GX-10

Mit der GX-10 bringt Samsung abermals ein modifiziertes Pentax-Modell, dieses Mal gleich das Flaggschiff des Kooperationspartners mit 10 Mio. Pixeln, Bildstabilisator und semiprofessionell Gehäusedesign. Sowohl bei der Bildqualität als auch in der Gesamtpunktzahl bleibt die Samsung etwas unter der Pentax - allerdings mit einem kleinen Vorsprung bei der Menüführung. Das Rennen dürfte sich am Preis entscheiden: Derzeit kosten Samsung GX-10 und Pentax K10D 900 Euro. Will Samsung Marktanteile gewinnen, müssen die Koreaner Pentax unterbieten. Noch besser wäre freilich eine eigenständige SLR mit GX-Technik und innovativen Merkmalen aus der NV-Kompaktkameraserie von Samsung.

  1. Samsung GX-10
  2. Datenblatt
Samsung GX-10  Vorderseite

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Samsung GX-10 Vorderseite

Samsungs Kooperation mit Pentax hat bislang drei digitale SLR-Modelle hervorgebracht, die sich jeweils eng an bestehende Pentax-Kameras anlehnen. Im Fall der Samsung GX-1L und GX-1S standen *istD-Modelle von Pentax Pate - die *istDL und DS sowie die in Europa nicht erhältliche *istDS II, alle mit 6 Mio. Pixel Auflösung.

Samsung GX-10  Rückseite

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Unterschiede im Detail: Neu gestaltete Menüs und eckige statt runde Bedientasten links neben dem Monitor gehören zu den Eigenheiten der GX-10.

Auch das neue Topmodell von Samsung entspricht fast 1:1 einem Pentax-Modell, der K10D mit 10 Mio. Pixel Auflösung. Damit katapultiert sich Samsung mit einem Schlag in semiprofessionelle Regionen: Das leicht modifizierte, etwas rundere Gehäuse besitzt ein Edelstahlchassis, über das sich eine robuste Haut aus faserverstärktem Polycarbonat spannt. Sämtliche Spalten und Stöße am Gehäuse sind mittels Silikondichtungen hermetisch gegen Feuchtigkeit, Spritzwasser und Staub abgeschottet. Mit 710 g liegt die Kamera im Gewicht zwischen Nikon D80 und D200. Mit diesen beiden Modellen hat sie zudem das große Sucherbild gemeinsam: Ihr Pentaprismensucher deckt 95 Prozent des Bildfeldes ab; die effektive Suchervergrößerung liegt bei 0,6. Der TFT-Monitor misst 2,5 Zoll.

Die Kameratechnik befindet sich auf dem hohen Stand der Zwillingsschwester von Pentax. Das AF-System arbeitet mit 11 Messfeldern, von denen neun Kreuzsensoren sind. Möglich sind drei Messmodi, die sich durch einen, den 4-Wege-Schalter umgebenden Rändelkranz einstellen lassen: Neben der automatischen Messfeldwahl kann man einzelne Felder anwählen oder auf ein zentrales Messfeld umschalten - erfreulich, dass diese häufig gebrauchten Einstellungen so unbürokratisch vorgenommen werden können. Das Gleiche gilt für die Wahl der Belichtungsmessmethode (Matrix, mittenbetont und selektiv). Dafür existiert ein Schalter unterhalb des Moduswahlrades für die Belichtungsprogramme.

Samsung GX-10  Bedienerelement

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Die Anti-Shake-Funktion lässt sich durch einen Schalter an der Rückseite ein- und ausschalten.

Zur Wahl stehen Voll-, Programm-, Zeit- und Blendenautomatik, ergänzt durch manuelle Einstellung und B. Die Programmautomatik arbeitet wie bei Pentax als "Hyperprogramm": Verstellt man mit dem Daumenrad die Blende, wird automatisch die richtige Zeit eingestellt. Stellt man mit dem Rad am Auslöser die Zeit ein, wird die dazu passende Blende gewählt. Hat man sich dabei verrannt, kehrt man durch Druck auf die grüne Taste neben dem Auslöser zur ursprünglichen Zeit/Blenden-Kombination zurück.

Neu ist das Sv-Programm mit Empfindlichkeitspriorität, eine Programmautomatik, bei der man durch Drehen des Einstellrades schnell den kompletten ISO-Bereich von 100 bis 1600 durchfahren kann. Praktisch beispielsweise bei Schnappschüssen, wenn man unter ständig wechselnden Lichtverhältnissen fotografiert. Steht das Wahlrad dagegen auf X, so stellt sich automatisch die kürzeste Blitzsynchronisationszeit (1/180 s) ein, zu der man eine passende Blende wählen kann. Motivprogramme gibt es nicht, dafür aber die wichtigere User-Option, mit der sich ein komplettes Set an individuellen Einstellungen abrufen lässt.

Reihenbelichtungen sind bei der GX-10 nicht nur mit Blick auf die Bildhelligkeit möglich, sondern können auch auf andere Parameter ausgedehnt werden - wie Weißabgleich, Farbsättigung, Schärfe und Kontrast (erweiterte Belichtungsreihe). Ebenfalls möglich: Mehrfachbelichtungen aus 2 bis 5 Einzelaufnahmen mit oder ohne automatischer Belichtungsanpassung. Mit dem eingebauten Bildstabilisator hat die Samsung von der Pentax eines der wichtigsten Argumente im Konkurrenzvergleich übernommen. Zum Ein- und Ausschalten dieser Funktion findet sich an der Rückseite ein Schiebeschalter. Der magnetisch bewegte CCD erlaubt zudem die automatische Staubentfernung, die vom Anwender manuell ausgelöst oder mit dem Einschalten der Kamera gekoppelt werden kann. Zusätzlich soll eine Fluorid-Beschichtung des Sensors das Ablagern von Staub bereits im Vorfeld erschweren.

Samsung GX-10  Unterseite

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Die Kontakte an der Unterseite sind für einen ansetzbaren Handgriff gedacht, der derzeit noch nicht erhältlich ist. Pentax-Pendant passt wegen des modifizierten Gehäuses nicht.

Mit zwei Drehrädern, 4-Wege-Schalter und zahlreichen Bedientasten lässt sich die Samsung GX-10 nach kurzer Einarbeitung sehr intuitiv bedienen. Auch für die Belichtungskorrektur gibt es eine Taste, die ungewöhnlicherweise auch die LC-Display-Beleuchtung aktiviert, was den Energieverbrauch der Kamera allerdings kaum negativ beeinflussen dürfte.

Eine sehr praktische Angelegenheit ist die Funktionstaste (Fn). Drückt man sie, erscheint im Monitor ein Auswahlwahlmenü, in dem man mit den vier Pfeiltasten in ebenso viele Untermenüs wechselt: ISO, Blitz, Aufnahmeart und Weißabgleich. Im Blitz-Menü kann man neben verschiedenen Betriebsarten auch korrigierend eingreifen, praktischerweise mit einem der beiden Drehräder. Im Weißabgleichsmenü haben Sie neben verschiedenen Presets die Möglichkeit der manuellen Einstellung in einem grafischen Menü (Farbkreis). Die Unterschiede zwischen Pentax und Samsung lassen sich am deutlichsten an den Menüs festmachen: Die Menüs der Pentax sind bunter, die Schriften größer. Die Menüreiter zur Anwahl der vier Untermenüs sind bei der Pentax horizontal, bei Samsung vertikal angeordnet. Zudem sind es bei der Samsung fünf Untermenüs, weil die Individualfunktionen auf zwei Untermenüs verteilt sind. Die Samsung gibt sich in den Menüs sachlicher, Weiß, Schwarz und verschiedene Blautöne bestimmen das Erscheinungsbild.

Eindeutig besser gelöst bei der Samsung: Die Wahl des Farbraums wurde nicht den Individualfunktionen zugeordnet, sondern dem Aufnahmemenü. Noch wichtiger aber ist, dass sich die Samsung den eben gewählten Menü-Eintrag merkt. Verlässt man das Menü, um es anschließend wieder zu öffnen, findet man sich an der gleichen Stelle wie zuvor wieder. So kann man eine Einstellung wesentlich schneller mehrmals modifizieren. Unterm Strich hat die Samsung bei der Menüführung etwas die Nase vorn.

Samsung GX-10  Bajonett

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Dank K-Bajonett akzeptiert die GX-10 Pentax-Objektive und die hauseigenen D-Xenon-Modelle - sehr wahrscheinlich Pentax-Rechnungen -, die den ehrenwürdigen Namen "Schneider Kreuznach" (made in Vietnam) tragen.

Die nominelle Auflösung der GX-10 liegt bei 10 Megapixel, die gemessene bei 1055/1072 LP/BH bei ISO 100/400, ein wenig niedriger als bei der Pentax K10D (1096/ 1101 LP/BH). Beim Rauschen werden vergleichbare Ergebnisse erreicht. Beide rauschen bei höheren Empfindlichkeiten aber mehr als andere Konkurrenten der 10-Mio.-Pixel-Klasse wie Nikon D80 oder Canon EOS 400D. Nur die Sony Alpha 100, wie die Samsung mit Bildstabilisator gesegnet, zeigt die gleiche Tendenz. Beim Objektkontrast erreicht die Samsung einen sehr guten Wert von 9,5 Blenden bei ISO 100 und befriedigende 8,0 Blenden bei ISO 400, der Pentax vergleichbar.

Als Bildformate stehen JPEGs in drei wählbaren Auflösungen (2, 6 und 10 MP) und Komprimierungsstufen bereit. Alternativ kann man Bilder im RAW-Format oder RAWs und JPEGs parallel speichern. Die Samsung kennt allerdings nur das hauseigene RAW-Format, während die Pentax zusätzlich das universelle DNG-RAW anbietet, das unter anderem von Photoshop (ab CS) und Photoshop Elements (ab Version 4.0) verarbeitet werden kann, dabei allerdings etwas größere Dateien produziert.

Eine von der Pentax K10D übernommene Besonderheit bietet die GX-10 in Form der RAW-Taste an der Vorderseite der Kamera. Mit ihr kann man, wenn JPEG als Format vorgewählt ist, spontan auf RAW umschalten. Ist RAW+JPEG vorgewählt, schaltet man mit der RAW-Taste zwischen JPEG und RAW+JPEG um. Ebenfalls von der Pentax bekannt, aber nicht weniger willkommen, ist der eingebaute RAW-Konverter, mit dem sich auf die Schnelle RAWs zu JPEGs verarbeiten lassen, wobei die wichtigsten Parameter beeinflusst werden können.

Samsung GX-10 Weißabgleich

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Der gewünschte Weißabgleich lässt sich auch in einem Grafik-Menü im Farbkreis einstellen.
Samsung GX-10 Aufnahmemenü

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Der Farbraum wird im Aufnahmemenü gewählt. Die "Erw. Belicht.- Reihe" ermöglicht auch Weißabgleichsreihen.
Samsung GX-10 Konverter

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Der eingebaute RAW-Konverter erlaubt das Verarbeiten von RAW zu JPEG ohne Computer.
Samsung GX-10 Digitale Vorschau

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Digitale Vorschau: Das Bild wird nach dem Druck auf den Auslöser am Monitor angezeigt, aber nicht auf die Karte gespeichert.

Samsung GX 10

HerstellerSamsung
Preis580.00 €
Wertung69.0 Punkte

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