Systemkamera mit Android

Samsung Galaxy NX im Praxistest

Bildqualität wie eine Systemkamera, Bedienung wie ein Smartphone, das macht die Samsung Galaxy NX derzeit einzigartig. Wie sich mit der Android-Systemkamera fotografieren lässt, konnte ColorFoto-Autor Horst Gottfried als Berlin-Tourist in einem ersten Test in der Praxis ausprobieren.

Samsung Galaxy NX Praxis Test

© Samsung

Samsung Galaxy NX Praxis Test

Mit der Galaxy NX präsentiert eine spiegellose Systemkamera im konservativen Design einer klassischen Spiegelreflexkamera. Doch der Schein trügt: Die Galaxy NX gehört dank Android-Betriebssystem zu den innovativsten Digitalkameras am Markt. 

Was die Galaxy NX kann, musste sie auf einem kurzen Trip durch den Spree-Park, einen stillgelegten Vergnügungspark im Berliner Plänterwald zeigen. Da keine Bedienungsanleitung vorlag, war bei unserem Test in der Praxis "Learning by doing" angesagt.

Leichter Einstieg für Smartphone-Nutzer

Schon die für eine Kamera äußerst geringe Zahl von Bedienelementen macht die Galaxy NX anders als andere: Auslöser, Video-Taste, Ein-Aus-Schalter und Blitztaste, dazu ein großes Funktionswählrad, mehr sind nicht zu sehen.

Samsung Galaxy NX - vorne

© Horst Gottfried

Auf den ersten Blick sieht die Galaxy NX aus wie eine herkömmliche DSLR - doch im Inneren arbeitet das Google-Betriebssystem Android.

Nach dem Einschalten präsentiert sich auf dem riesigen 4,8-Zoll-Monitor (12,2 cm), der fast die gesamte Rückseite der Galaxy NX beherrscht, das von Smartphones oder Tablets Android 4.2 gewohnte Bild. Dank der Touchscreen-orientierten Bedienung mit Icons für Funktionen und Apps brauchen sich Android-Nutzer nicht groß umgewöhnen.

Wer von der klassischen DSLR kommt, tut sich mit der Galaxy NX etwas schwerer. Er muss sich erst einmal mit den verschiedenen Touch-Gesten wie Tippen, Doppeltippen, Ziehen und Wischen sowie doppelter Fingerbewegung zum Ein- und Aus-Zoomen ins Bild vertraut machen - und wird dabei den ein oder anderen Schnellzugriff wie gewohnt über ein Bedienungselement vermissen. Immerhin bietet Samsung für wichtige Einstellungen die "i-Function"-Lösung mit Taste und Drehring am Objektiv.

Galerie: Samsung Galaxy NX in Bildern

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Die Samsung Galaxy NX wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische DSLR.

Nach dem Antippen des Kamera-Icons auf dem hochauflösenden AMOLED-Touchscreen mit 921.600 RGB-Pixeln erscheint das Live-View-Bild, das in Farbe, Kontrast und Schärfe vorbildlich ausfällt. Es wird an den Rändern überlagert von Touch-Symbolen für zahlreiche Kamera-Funktionen. Hier lässt sich nach Herzenslust Herumexperimentieren.

Zuerst muss sich der Fotograf für den gewünschten Aufnahmemodus entscheiden. Es stehen Vollautomatik, 30 Motivprogramme und der Experten-Modus mit manuellen Vorwahlmöglichkeiten zur Verfügung. Wie umfangreich letztere ausfallen, hängt davon ab, ob in den Einstellungen, die nach Antippen des Zahnradsymbols vorgenommen werden können, "Standard" oder "Professionell" als Benutzertyp gewählt wurde. Praktisch sind Schnellzugriffe etwa für "One-Touch"-Weißabgleich oder RAW-Aktivierung. Die "i-Function" erwies sich vor allem für die schnelle Belichtungskorrektur als praktisch.

Da Belichtungsmessung und Autofokus zuverlässig arbeiten, kommt man schon in der Standard-Programm-Einstellung gut über die Runden. Von den weiteren Optionen erwiesen sich bei den starken Hell-Dunkel-Kontrasten im Park das "Richtone" genannte HDR-Motivprogramm und die automatische Kontrastoptimierung mit "Smart Range+" als hilfreich. Die Samsung Galaxy NX lieferte jedenfalls beim Foto-Walk durch den Park-Dschungel mit Bäumen, Bahnen, Booten und Baracken unter oft schwierigen Lichtverhältnissen - steile Sonne, starke Kontraste - durchweg technische überzeugende Fotos.

Galerie: Samsung Galaxy NX - Testbilder

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Samsung Galaxy NX: Testbild mit Richtone (HDR)

Bei der Bildqualität spielt die Galaxy NX dem ersten Eindruck nach etwa auf dem gleichen Niveau wie der Juli-Test-Sieger Samsung NX300. Auch der Hybrid-Autofokus der Galaxy NX verrichtete ähnlich wie in der NX 300 unauffällig und präzise seinen Dienst.

Allerdings war mangels fahrender Achterbahn im Park auch keine AF-Höchstleistung gefordert. Wer die technische Performance der Samsung Galaxy NX im Detail kennenlernen will, findet die Antworten im Labortest der Galaxy NX in der kommenden ColorFoto-Ausgabe.

Kaufberatung: Favoriten der Redaktion - die besten Spiegellosen

Ein wesentlicher Vorteil der Galaxy NX gegenüber der NX300 ist der integrierte, entspannt zu betrachtende Live-View-Sucher. Die Konkurrenz bietet inzwischen allerdings schon mehr als die 480.000-RGB-Pixel-Auflösung der Galaxy NX. Trotz des guten Monitor-Bildes ist der Sucher bei hellem Sonnenschein eine echte Hilfe, auch wenn die automatische Aktivierung beim Einblick mit einer Sonnenbrille auf der Nase oft nur verzögert erfolgte.

Samsung Galaxy NX - Upload

© Horst Gottfried

WLAN, NFC, Mobilfunk und GPS: Die Samsung Galaxy NX lässt in punkto Konnektivität kaum Wünsche offen.

Konnektivität satt

Dank integriertem GPS-Modul ließen sich die Aufnahmeorte den Bildern zuordnen. Dass in den Exif-Daten einiger Fotos die Geo-Koordinaten später dennoch fehlten, in anderen die Zeit- und Blendenangabe, und dass die Fotos mal im 3:2 und mal im 16:9-Format entstanden, dürfte der noch nicht finalen Software 0.01 der Testkamera zuzuschreiben sein.

Sind die Bilder im Kasten können sie direkt aus der Galaxy NX kabellos übertragen werden, ohne PC oder Smartphone, einfach  per WLAN und NFC (Nahfeldkommunikation) ins Internet oder zu anderen Geräten. Wenn eine SIM-Karte eingelegt ist geht das auch per 3G- und LTE-Mobilfunk. Die kabellose Bildübertragung in die Cloud oder zum Tablet verlief ebenso problemlos wie die Bildbetrachtung auf dem HDTV-Fernseher - zumindest zu dem verwendeten Samsung-Gerät. Wie die Kommunikation mit Geräten anderer Hersteller funktioniert, muss sich noch zeigen.

Auch wenn bei diesem Hands-on vor allem um die Fotofunktion geht, darf man nicht vergessen: wenn man mit der Samsung Galaxy NX gerade nicht fotografiert, lässt sie sich, abgesehen von der fehlenden Telefon-Funktion, wie ein ganz normales Smartphone mit all den installierten Apps nutzen, etwa zum Surfen, E-Mailen oder der nachträglichen Bildbearbeitung.

Horst Gottfried mit Samsung Galaxy NX

© S.Groenveld

ColorFoto-Autor Horst Gottfried testete die Samsung Galaxy NX in Berlin.

 

Fazit des Praxistests

Was die Bildqualität und die Möglichkeiten der Bildgestaltung angeht, kann die Samsung Galaxy NX im ersten Test überzeugen. Wie man die Touchscreen-Bedienung in der Praxis empfindet, ist Geschmacks- und Übungssache. Es wird spannend sein, zu sehen, wie die Galaxy NX bei den Fotografen ankommt. Profis und ambitionierte Amateuren sind bei ihrem Werkzeug erfahrungsgemäß eher konservativ. Bei dieser Zielgruppe dürfte sie es trotz ihres gebotenen kommunikativen Zusatznutzens der kabellosen Bildübertragung und Internetanbindung sowie des vorbildlichen Monitors nicht leicht haben.

Top: Die besten Foto-Apps für Android

Wer aber bereit ist, Vertrautes auch mal in Frage zu stellen und "gewöhnungsbedürftig" nicht zwangsläufig für ein Negativurteil hält, kann sich ebenso wie natürlich Smartphone-Fotografen, die endlich mal "richtige" Bildqualität sehen wollen, über die Galaxy NX als einen vielseitigen Einstieg in die neue Welt des Fotografierens statt Knipsens freuen. Der Spaß hat mit knapp 1.500 Euro für die Galaxy NX mit bildstabilisierendem 18-55-mm-Standard-Zoom allerdings seinen deftigen Preis. Vergleichbare Bildqualität und Foto-Talente bietet die Samsung NX300 (Test) schon für 800 Euro.

Samsung Galaxy NX: Offizielles Produktvideo

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