Rennspie

Project Cars 2 im Test: Vorläufiger König der Rennsimulationen

Project Cars 2 zeigt im Test, dass die Macher das Rennspiel sinnvoll erweitert haben. Für Fans von echten Rennsimulationen gibt es aktuell nichts Besseres.

Project Cars 2 Test

© Slightly Mad Studios

Project Cars 2 Test
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EUR 59,99

Pro

  • Spektakulärer Umfang
  • Tolle Grafik
  • Umwerfender Sound
  • Unvergleichliches Fahrgefühl
  • Hervorragendes Force Feedback

Contra

  • Dröge Inszenierung

Fazit

Project Cars 2 ist bis jetzt die beste Rennspiel-Simulation auf dem Markt. Punkt.
Hervorragend

Project Cars 2 ist ein Monster. Für Einsteiger ein unheimliches, für Fortgeschrittene und Profis ein wunderschönes. Denn wer keine Geduld mitbringt, sich nicht auf die authentische Umsetzung einlässt, der wird den Controller – im besten Fall das Lenkrad – in die Ecke feuern. Vor dem Release von Forza 7 (Xbox One und Windows PC) sowie Gran Turismo Sport (PS4), schicken die Entwickler der Slightly Mad Studios ein echtes Simulations-Brett auf die Piste. Warum, das verrät der Test.

Project Cars 2 im Test: Was für ein Umfang

Es gibt kein anderes Spiel, keine andere Simulation, die derart viele Einstellungsmöglichkeiten bietet wie Project Cars 2. Wer seine eigenen Veranstaltungen planen will, sein Auto auf sich ganz persönlich zuschneiden will, der kann das tun. Wir können nahezu alles einstellen. Wie lange soll das Training gehen? Wie lang das Qualifying? Wie lang das Rennen? Soll es regnen? Soll die Sonne scheinen? Wir haben allein die Wahl zwischen 17 (!) unterschiedlichen Witterungstypen. Teilweise können wir sogar kombinieren und neben Nebel und Regen auch noch Schneefall simulieren. Besonders imposant ist der Unterschied zwischen den einzelnen Jahreszeiten, die sich wunderbar an der Vegetation an der Strecke bemerkbar machen. Wer wollte nicht schon immer mal auf der Nordschleife bei starkem Schneefall unterwegs sein?

Project Cars 2 Test

© Slightly Mad Studios

Oder ganze 24 Stunden fahren? Richtig gelesen. Wer auch immer auf die Idee kommt, sich 24 Stunden lang hinters Lenkrad zu schwingen, der hat jetzt die Möglichkeit dazu. Was hier etwas fehlt, aber das ist Meckern auf irre hohem Niveau, sind Einstellungen für verpflichtende Boxenstopps oder Fahrerwechsel bei 24-Stunden-Rennen. Schwamm drüber. Ach, von Autos haben wir noch gar nicht gesprochen. Hier dürfte kein Auge trocken bleiben. Denn es ist nahezu alles dabei was vier Räder hat und sich auf einer Rennstrecke heimisch fühlt. Karts? Klar. Rallye-Karren? Klar. Prototypen? Ja, auch die gibt es. Also wirklich, wer hier etwas auszusetzen hat ... ach, den gibt es wahrscheinlich gar nicht. 180 Fahrzeige, 40 Hersteller, mehr als 50 Leistungsklassen – Rennspielherz, was willst du mehr?

Project Cars 2 im Test: Meckern auf hohem Niveau

Okay, etwas schade ist, dass man keinen eigenen Rennkalender anlegen kann. Dafür ist aber die Karriere da, die wie schon im Vorgänger im Kart-Sport startet. Wer will, kann aber auch etwas später einsteigen. Die höchsten zwei Klassen sind indes vorerst gesperrt. Das ist auch vollkommen okay so. Hier muss aber ein Einwand her. Denn die Karriere ist leider recht langweilig gestaltet. Öde E-Mails von Managern und Technikern? Kann man lesen, macht aber keinen Spaß. Wer eine Inszenierung wie in F1 2017 erwartet, der ist bei Project Cars 2 fehl am Platz. Es gibt nicht mal eine Siegerehrung. Das ist wirklich schade.

Project Cars 2 Test

© Slightly Mad Studios

Auch bei der KI muss man ein paar Abstriche machen. Vor allem kurz nach dem Start knallt es quasi immer. Das bessert sich erst nach den ersten hundert Metern, dann kann man sich mit den KI-Kollegen teilweise echt packende Duelle liefern. Licht gibt es aber am Horizont. Die Entwickler arbeiten bereits daran, die KI cleverer zu machen. Hoffen wir, dass das Update zügig kommt.

Und auch das Schadensmodell ist nicht perfekt. Dafür können die Boliden zu viel einstecken. Eine berstende Frontscheibe? Gibt es nicht. Was es aber gibt, das ist ein traumhaftes Fahrgefühl.

Project Cars 2 im Test: Das Fahrgefühl

Project Cars 2 Test

© Slightly Mad Studios

Und das ist es, was eine gute Simulation ausmacht. Hier war schon Project Cars, also der Vorgänger, ein Traum. Mit dem neuen Reifenmodell schießen die Entwickler den Vogel aber richtig ab. Man merkt sehr deutlich, wie die Pneus über die Zeit den Grip verlieren. Da muss man dann gegensteuern, sich neu einstellen, das Fahrverhalten entsprechend anpassen. Hinzu kommt, dass sich jetzt selbst kleinste Bodenwellen auswirken. Fährt man ein stark motorisiertes Leichtgewicht, dann kann jede hektische Lenkbewegung auf Abwege führen. Aquaplaning? Ja sicher! Wer das erlebt, den kann kaum noch etwas schockieren. Sämtliche Boliden neigen zwar zum Übersteuern, aber es ist eine Wonne, den Grenzbereich auszuloten, kennenzulernen und zu meistern. Wer das Heck in einer kniffligen Situation wieder unter Kontrolle bringt, der kann sich stolz auf die Schulter klopfen. Besonders interessant wird das bei den neuen Rallycross-Events, die erstmals mit an Bord sind und uns in den Staub schicken.

Wer seine Karren wirklich kontrollieren will, der kommt um ein Force-Feedback-Lenkrad allerdings nicht herum. Denn erst dann kommt die ganze Wucht der Simulation zum Tragen. Project Cars 2 liegt hier auf einer Wellenlänge mit dem Force-Feedback-Wahnsinn Assetto Corsa. Kleine Entwarnung: Auch mit einem Controller macht Project Cars 2 Spaß. Hier haben die Entwickler im Vergleich zum Vorgänger dazugelernt. Übrigens: Hilfen gibt es natürlich auch. Wer will, der fährt mit ABS, Brems- und Lenkassistenten.

Project Cars 2 im Test: Grafik und Co.

Project Cars 2 Test

© Slightly Mad Studios

Vor allem auf der PS4 Pro macht Project Cars 2 eine richtig gute Figur und geht an die Grenzen des Möglichen. Wer noch mehr will, der muss auf die PC-Fassung zurückgreifen. Die Boliden, die Wettereffekte – sie suchen ihresgleichen. Okay, die Pappkameraden am Streckenrand stören etwas, die sehen wir aber meist eh nicht. Dafür entschädigt der umfangreiche Foto-Modus, der sogar spezielle Filter bietet. Hier können Sie schnell schöne Rennspiel-Kunstwerke basteln.

Auch auf die Ohren gibt es. Und zwar satt. Während wir mit der Helmkamera eher gedämpften Klang hören, so schreien uns bei Außenperspektiven der Motor und die Endrohre regelrecht an. Wer ein 5.1-System sein Eigen nennt, kann sich außerdem auf knallige Fehlzündungen hinter sich freuen.

Project Cars 2 im Test: Fazit

Project Cars 2 ist nicht perfekt. Wer das Haar in der Suppe sucht, der findet es auch. So zum Beispiel in der lieblos inszenierten Karriere. Wer aber eine Rennspiel-Simulation sucht, die ihn fordert, der kommt um Project Cars 2 nicht herum. Einsteiger sollten sich aber darauf einstellen, dass das Game wirklich einiges an Einarbeitungszeit erfordert. Einsteigen und direkt gewinnen? Eher nicht möglich.

Mit den demnächst erscheinenden Konkurrenten Forza Motorsport 7 (3. Oktober) und Gran Turismo Sport (17. Oktober) wird es einen heißen Dreikampf um die Rennsimulator-Spitze geben. Project Cars 2 hat in jedem Fall bereits sehr, sehr stark vorgelegt.

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