Alternative zu Oculus Rift und HTC Vive

Pimax 4K im Test: Scharfes VR-Bild, aber nur mit Dritthersteller-Apps richtig gut

Das Pimax 4K bringt im Test ein höher aufgelöstes VR-Bild als Oculus Rift und HTC Vive – zu einem deutlich niedrigeren Preis. Doch es gibt einige Schwächen.

Pimax 4K im Test

© Pimax

Pimax verspricht 4K-Auflösung für VR-Brillen. Im Test schauen wir uns das Ergebnis an.

Pro

  • Display: Scharfes Bild ohne Fliegengittereffekt
  • Leicht und angenehm zu tragen
  • unkomplizierte Verkabelung
  • Steam-Support

Contra

  • Display: Blur-Effekte bei Bewegungen
  • Träge Sensoren
  • Software(-Angebot) und Einrichtung

Fazit

Scharfes Display, aber für Spiele weitgehend ungeeignet. Wer die Nutzung auf VR- und 3D-Filme reduziert, bekommt ein gutes und preiswertes VR-Headset.
Gut

Das VR-Headset Pimax 4K präsentiert sich als günstige Alternative zu Oculus Rift und HTC Vive. Im Test überzeugen möchte der chinesische Hersteller Pimax mit einer 4K-Auflösung und einem Preis von gerade einmal 300 bis 350 Euro – je nachdem, ob Sie die Kopfhörer dazu kaufen möchten oder nicht. Kann das gutgehen? In unserem Test schauen wir uns das Head-Mounted-Display genauer an, nennen die Stärken sowie Schwächen und verraten, für wen sich die VR-Brille tatsächlich lohnen kann.

Unser Testmuster der Pimax 4K kommt von Gearbest​. In immer wiederkehrenden Flash-Sales und mit regelmäßig verfügbaren Coupons können Sie die VR-Brille auch schon für rund 300 Euro bekommen. Das ist immerhin knapp beziehungsweise deutlich weniger als die Hälfte im Vergleich zur Konkurrenz.

Die Pimax-Brille wirkt sehr klein und weiche Polster schirmen das Bild zuverlässig vor Lichteinstrahlung ab. Der Nasenbereich stößt an Plastik, hier hätte eine weichere Oberfläche nicht geschadet. Für Nutzer mit größeren Augenpartien könnte die Brille zu klein und somit unbrauchbar sein. Die Geräte von Oculus und HTC sind deutlich wuchtiger. Ansonsten ist die Pimax 4K durch den Einsatz von Kunststoffen sehr leicht und angenehm zu tragen. Sie bietet Gurte wie bei der Samsung Gear VR, um sie sich auf den Kopf zu schnallen.

Die separaten Kopfhörermuscheln, durch die jeweils links und rechts vom Kopf der Gurt durchgezogen wird, bieten eine ausreichende Klangqualität und lassen sich entlang des Kopfbandes verschieben – sind also anpassbar. Das Headset bietet auf beiden Seiten jeweils Anschlüsse für den linken und rechten Kanal. Das sorgt für wenig Kabelsalat. Gut gelöst!

Lesetipp: HTC Vive im Test​​

Die Verarbeitung ist auf dem Niveau des genannten Samsung-Headsets. Pimax ist übrigens wie Gear VR auf Kopfbewegungen reduziert. Sensoren, die Bewegungen des Körpers im Raum wie bei HTC Vive registrieren, gibt es nicht. Anpassungen an verschiedene Sehstärken nehmen Sie in der Software vor. Für Brillenträger ist die Pimax 4K ebenso geeignet, wenn das Gestell nicht allzu groß ist.

Pimax 4K im Test

© Pimax

Die Kopfhörer kommen separat für jedes Ohr und werden am Kopfband angebracht.

Die Pimax 4K benötigt seitens des Rechners nur einen HDMI- und einen USB-Anschluss. Ein einzelnes Y-Kabel mit beiden Anschlüssen kommt an den PC und führt zum Headset. Es ist unerheblich, ob Sie einen USB-3.0- oder USB-2.0-Port verwenden. Die unkomplizierte Verkabelung ist im Gegensatz zur PS VR eine Wohltat. Die Einrichtung aber nicht, dazu später mehr. Die Pimax 4K bietet zwar ein einzelnes 4K-Display mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln (Sichtfeld: 110 Grad). Teilt man dies aber auf jedes Auge auf, bleiben jeweils nur 1920 x 2160 Pixel, die Sie nicht immer voll ausnutzen können. Warum? Das erklären wir auch später ab dem Abschnitt zur Software. Bei der High-End-Konkurrenz sind es mit jeweils 1080x1200 Pixel pro Auge knapp die Hälfte. Nimmt man bei Rift und Vive noch leicht ein Fliegengitter ob der niedrigen Pixelzahl wahr, kann das Pimax 4K durch seine Pixeldichte von erstaunlichen 806 PPI wirklich punkten. Sowohl in Spielen – das Pimax lässt sich mit Steam VR verbinden – als auch in 360-Grad- oder 3D-Videos müssen Sie schon genau hinschauen, um einzelne Pixel wahrzunehmen. Das ist nach Oculus Rift, Vive, PS VR und Gear VR (mit dem an sich sehr guten Galaxy-S7-Display) tatsächlich eine Weiterentwicklung – zumindest in Sachen Schärfe. Denn in typischen VR-Anwendungen wird es anstrengend.

Scharfes Bild, aber träge bei Bewegungen

So scharf das Bild auch ist – das Display reagiert träge. Es unterstützt bei 2K-Inhalten lediglich 60 Hertz, in 4K sind es sogar nur 30. Die Konkurrenz bietet bis zu 90 Hertz. Die Folge, auch im Zusammenhang mit dem vergleichsweise durchschnittlichen LCD-Bildschirm: Bei Bewegungen – und die müssen nicht einmal schnell sein – kommt es schnell zu Blur-Effekten. Scharfe Kanten verschwimmen und Sie nehmen stetig Schlieren wahr, die je nach Bewegungsgeschwindigkeit intensiver werden. Das sorgt bei schnellen Spielen rasch für Unzufriedenheit, zumal die Sensoren auch nicht die schnellsten sind und Verzögerungen an dieser Stelle bei einigen Nutzern zu Übelkeit führen können. Besser sind dann Inhalte, die wenige Bewegungen voraussetzen, etwa ein Film. Sich bewegende Inhalte im Content sind nicht das Problem, sondern die Anpassung des sichtbaren Ausschnitts auf die Kopfbewegungen des Nutzers.

Software-Support ist ausbaufähig

Pimax 4K im Test

© pc-magazin.de

Die PiPlay-Software ist wacklig. Die Brille scheint oft die Verbindung zum Rechner zu verlieren. Mit Steam arbeitet sie aber trotzdem zusammen, auch wenn sie scheinbar nicht verbunden ist.

Pimax bewirbt die Brille mit einem Support für Steam. Damit harmoniert die Pimax 4K recht gut – wenn Sie es schaffen, die PiPlay-Software zu installieren und erfolgreich zu starten. Uns ist das auf einem System mit Windows 10 Pro nur gelungen, wenn wir sowohl die Installation als auch jeden Start mit Administratorberechtigungen durchführten. Neben Chinesisch können Sie das Setup auch auf Englisch durchführen. Das anschließend englischsprachige Tool benötigt Java, verschiedene Bibliotheken und installiert unter anderem den Media Player Classic und DirectX nach. Vorsichtige Virenscanner können sich dann während der Installation auch noch melden. Es handelt sich aber bedingt durch Java und verschiedene Systemeingriffe immerhin nur um potenzielle Sicherheitsrisiken.

Lesetipp: PS VR im Test

Anschließend können Sie sich im Store umschauen, der im Test aber oftmals keine Inhalte wegen einer schlechten Serververbindung nach Deutschland anzeigte. Und wenn Sie die Inhalte mal sehen, dann stellen Sie fest, dass sie noch nicht so vielfältig sind und sich vorrangig an den chinesischen Markt richten. Neben Videos und kurzen Demos, die Sie direkt in PiPlay laden können, führt Sie die Software für einige Apps neben Steam bisweilen auch auf chinesische Webseiten – mit chinesischer Beschreibung! Eine Übersetzung ins Englische fehlt. Die PiPlay-Software hält immerhin Abspielmöglichkeiten für Videos und Fotos in 360-Grad-Ansicht und 3D bereit. Eigene Dateien können Sie per Windows Explorer in das Verzeichnis für die PiPlay-Bibliotheken kopieren. Dass Sie zum Bedienen der Brille und beim Wechseln der Inhalte jedoch die Brille abnehmen und auf den PC-Monitor schauen müssen, ist für den bequemen Nutzer nicht ganz durchdacht. Denn es gibt keine Steuerelemente auf der Brille – abgesehen von einem An-/Ausschalter und der Lautstärkeregelung. Eine vollständig in VR gestaltete Oberfläche bringt PiPlay nicht mit.

Pimax 4K: "UHD"-Auflösung nur eingeschränkt nutzbar

Pimax 4K im Test

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Den Abstand des Displays zum Auge stellen Sie in der Software ein. Im selben Menüpunkt können Sie auch den 2K-Support aktivieren. Nur damit können Sie in Windows 4K-Auflösung auswählen. Dann streikte bei uns aber Steam.

Sie können die Pimax 4K, wenn Sie Steam VR einmal eingerichtet haben, eingeschränkt wie eine HTC Vive verwenden. Apps, die mit dem High-End-Headset funktionieren, sind auch auf dem Pimax 4K lauffähig. Der Nachteil: Steam kann nicht alles aus der hohen Auflösung rausholen. Die von uns getesteten Spiele machten bei Full-HD und teilweise schon bei 1280 x 720 Pixel pro Auge Schluss. Das ist im ersten Falle immerhin noch höher als bei der Konkurrenz und reicht, um Fliegengitter weitgehend zu eliminieren.

Lesetipp: VR-Durchbruch mit Oculus Rift und Co.?

Die 1.920 Pixel in der Horizontalen mit 2.160 Pixeln in der Vertikalen hätten wir dennoch gerne für jedes Auge gehabt. Die bekommen Sie bei der Pimax nur im sogenannten Extended-Modus (und eingeschaltetem 2K-Support), der mit Steam aber nicht kompatibel zu sein scheint. Die Pimax 4K agiert dann als zweiter Monitor im erweiterten Desktop-Modus, auf dem Inhalte nur über PiPlay richtig wiedergegeben werden. Alternativ nutzen Sie andere 3D- oder VR-fähige Desktop-Tools, müssen Einstellungen und Vollbildanpassungen dann aber umständlich mit Windows-Bordmitteln vornehmen – das heißt per Maus auf der 2D-Oberfläche des Monitors oder auf dem VR-Brillendisplay.

Eher für Filme, als für Spiele

Spiele lassen sich genießen, wenn sie mit wenigen Kopfbewegungen auskommen. Ein Rennspiel wie Project Cars etwa lässt sich relativ angenehm spielen, da Sie den Blick zumeist starr nach vorne richten. In einem 360-Grad-Arcade-Shooter sieht das schon anders aus. Wer sich für die Pimax 4K wegen der hohen Auflösung und dem scharfen Bild interessiert, sollte sich bewusst sein, dass sie ihre Stärken vorrangig beim ruhigen Betrachten von Filmen und Fotos ausspielt. Der 3D-Effekt ist sehr gut und der Ton über die optionalen Kopfhörer mehr als ausreichend. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das Bild etwas dunkler. Durch die höhere Schärfe lassen sich Details und Texte aber stets angenehm lesen und erkennen.

Pimax 4K: Nur mit Dritthersteller-Apps richtig gut

Pimax 4K im Test

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Das Apps-Angebot im PiPlay-Store ist noch klein, die Funktionen und das vorgesehene Nutzungsverhalten nicht immer durchdacht.

PiPlay hat zum jetzigen Zeitpunkt zwar klare Schwächen. Doch eine Einbindung als zweiter Bildschirm ins System und ein Support für Steam können versiertere Nutzer mehr als entschädigen. Als Empfehlung zur Steuerung und Nutzung ausschließlich im VR-Modus (also mit festgeschnallter VR-Brille) möchten wir das Tool Virtual Desktop auf Steam (etwa 15 Euro) nennen. So müssen Sie die Brille beim Bedienen nicht absetzen wie beim Hersteller-Tool PiPlay, das komplett in 2D gehalten ist und die Bedienung auf den PC-Monitor reduziert. Virtual Desktop hingegen simuliert eine große Leinwand, die Sie mit der VR-Brille betrachten können, und auf der Ihr kompletter Windows-Desktop abgebildet wird. Sie können die Größe und den Sichtabstand anpassen, einen Curved-Effekt einstellen und im integrierten Media-Player Fotos und Videos öffnen und darin navigieren. Dateien müssen Sie auch nicht wie in PiPlay in Bibliotheken verschieben. Sie können sie direkt über das Tool auf dem Rechner oder im Netzwerk suchen und öffnen. So büßt die Pimax 4K deutlich weniger Komfort ein und kann ihr Potenzial besser entfalten - auch wenn es Einschränkungen bei der höchstmöglichen Auflösung gibt.

Fazit:

In Verbindung mit Steam VR und Programmen wie Virtual Desktop ist Pimax 4K ein tolles Gadget. Wer Spiele mag, sollte ruhigere Titel bevorzugen. Bei schnellen Kopfbewegungen zeigen sich Schwächen – sowohl beim Display als auch bei den Sensoren. Das macht sie für viele schnelle Games uninteressant. Am besten ist es, sich bei der Nutzung auf VR-Filme und -Fotos zu beschränken. Das Bild ist scharf, Texte sind sehr gut lesbar und das Display kommt weitgehend ohne Fliegengittereffekte aus. Beim ausschließlichen Einsatz als mobiles VR-Kino ist sie abgesehen von der verbesserungswürdigen Software die niedrigen Anschaffungskosten wert. Denn - falls Sie in Richtung Oculus Rift und Vive schielen: Beim Verzicht auf schnelle Spiele sparen Sie sich schließlich auch den potenten Gaming-PC.

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