Spiegellose Systemkamera

Panasonic Lumix GH4 im Test

Mit der Lumix GH4 setzt Panasonic sehr bewusst auf die Verbindung aus Foto- und Videokamera. Das Topmodell mit Micro-Four-Thirds-Sensor bleibt der an SLR-Kameras orientierten Bauform treu, hat einen neuen 16-Megapixel-Sensor und eine 4K-Videofunktion.

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  2. Datenblatt
Panasonic Lumix GH4 Test

© Panasonic

Panasonic Lumix GH4 Test

Pro

  • Umfangreiche Videofunktionen (inkl. 4k)
  • OLED-Sucher
  • staub- und spritzwassergeschützt

Contra

  • Für MFT sehr groß
Gut

Pro

  • 4K-Videomodus
  • Viele Video-Funktionen
  • WLAN & NFC

Contra

  • Deutliche Detailverluste ab ISO 1600
Gut

Mutig baut Panasonic das GH-Konzept mit der Lumix GH4 weiter aus und setzt dabei ausgesprochen offensiv auf die Verbindung von Foto und Video. Bereits die GH2 galt unter Filmern als Geheimtipp - jetzt integriert Panasonic die 4K-Videoaufzeichnung in die Lumix GH4, noch bevor man einen ersten Camcorder mit der vierfach über Full-HD liegenden Videoauflösung auf den Markt bringt (8 Megapixel je Videobild). Stattdessen lässt sich ein Video-Interface mit gängigen Videoschnittstellen unten an das Gehäuse andocken.

Das macht die Fotokamera selbst für Profifilmer spannend. Doch der Reihe nach: Panasonic baut in die Lumix GH4 einen neuen MFT-Sensor ein, erhöht dabei aber nicht die Auflösung, sondern die Geschwindigkeit des Auslesens. Damit wird gleichzeitig eine neue Datenverarbeitung nötig, weshalb Panasonic den Venus Engine getauften Bildprozessor mit der Modellnummer 9AHD und vier Prozessorkernen einbaut.

Vorteile ergeben sich daraus nicht nur für die Videoaufzeichnung: Die höhere Geschwindigkeit der Panasonic Lumix GH4 erlaubt auch eine deutlich aufgewertete Serienbildfunktion, die nun bis zu 9,7 B/s und bis zu 100 Bilder in Folge erlaubt. Wer Serienbilder in dieser Masse speichern will, stößt schnell an die Grenzen der Schreibgeschwindigkeit der Karte: Eine SD-HC-Karte mit Class 10 sollte deshalb in der Kamera stecken.

Panasonic GH4

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Das Moduswahlrad lässt sich verriegeln - auf der anderen Seite gibt es ein Wahlrad für Einzel- und Serienbild sowie für den Selbstauslöser.

Autofokus und Bildqualität

Eine solch schnelle Serienfunktion ist nur in Kombination mit einem guten Autofokus sinnvoll, weshalb die Panasonic Lumix GH4 nun 49 AF-Sensoren hat. Dank Touchdisplay kann man per Fingerzeig festlegen, welchen Bereich der Sensoren die Kamera für die Schärfeeinstellung heranziehen soll.

Das Quickmenü der Panasonic Lumix GH4liegt nun auf der Fn2-Taste und dient dem Fotografen als Schnellzugriff auf die von ihm definierten wichtigsten Funktionen. Hierzu kann auch der Wechsel vom Spot-AF auf die Ein-Feld-Messung gehören.

Panasonic GH4, Klapp-Display

© Panasonic

Das Scharnier erlaubt die Drehung des Displays in alle Richtungen. Leider reicht es bis an die untere Kante der Kamera, sodass es bei großen Schnellwechselplatten leicht schabt

Letztere ist gerade im Zusammenspiel mit dem Touchdisplay interessant, denn das Messfeld kann man mit zwei Fingern einfach größer oder kleiner ziehen oder mit einem Tipp auf das Vorschaubild festlegen, welche Bereiche des Fotos scharf werden sollen.

Bedauerlicherweise braucht das System relativ lange, bis die Schärfe auf diese Stelle verlagert ist. Deshalb klappt dies bei der eigentlich gut überlegten Schärfeverfolgung auf Fingertipp selbst bei langsam bewegten Motiven nicht.

Video-Interface

© Panasonic

Die Videoanschlüsse docken unten an.

Allerdings überzeugt die Schärfeverfolgung auch beim Arbeiten mit dem Auslöser und Sucher nicht: Eine auf den Fotografen im Schritttempo zukommende Person konnte die Kamera auch bei mehreren Versuchen nicht verfolgen, sondern verlor das Motiv relativ schnell.

Bedauerlich ist dies gerade beim Filmen, denn dabei ist die kontinuierliche Schärfeverfolgung besonders wichtig. Die Auslösezeit inklusive Fokussierung hat das Messlabor im Schwachlichtbereich mit 0,37 s gemessen - das ist deutlich langsamer als bei derr Vorgängerin (0,27 s). Selbst bei Tageslicht fällt die Fokussierung langsamer aus - wenn auch nicht ganz so deutlich.

Video-Interface

© Panasonic

An der Front gibt es Audio-Klinkenanschlüsse, auf der Rückseite befinden sich Pegelregler und Pegelanzeige.

Kräftig zulegen kann die GH4 bei der Auflösung: Quer durch alle Empfindlichkeitsstufen gewinnt die Kamera im Vergleich mit ihrer Vorgängerin circa 150 Linienpaare dazu. Eine Auflösung zwischen 1778 und 1494 LP/BH ist durchaus beachtlich.

Über ISO 800 sollte man allerdings im Normalfall nicht hinausgehen, da bei ISO 1600 sichtbare Detailverluste auftreten. Leicht gestiegen ist dagegen das Rauschverhalten, wobei dies mit 0,5 (ISO 100) bis 2,3 (ISO 12 800) auf immer noch gutem Niveau liegt.

Panasonic GH4 von unten

© Panasonic

Ungewöhnlich für eine Systemkamera sind die unter der Gummiabdeckungen liegenden Schnittstellen. Sie sind für das noch nicht erhältliche Video-Interface mit den professionellen Videoanschlüssen vorgesehen

Theoretisch kann man die Empfindlichkeit noch manuell auf 25 600 erhöhen - dann tritt das Rauschen aber deutlich in den Vordergrund. Die Dynamik ist leider bei ISO 100 um eine Blende, bei ISO 400 sogar um nahezu zwei Blenden gesunken, sodass die GH4 nun auf vergleichbarem Niveau mit vielen anderen APS-C-Kameras liegt.

Bedienung

Das zur Seite klappbare Display mit 3 Zoll Bilddiagonale arbeitet mit 346 666 Bildpunkten und ist leider ganz unten platziert, sodass es beim Öffnen ein wenig über eine angeschraubte Schnellwechselplatte schaben kann. Geschickt sind die automatische Vergrößerung beim Scharfstellen sowie die Peaking-Funktion, die scharfe Kanten hervorhebt. Beides klappt auch im digitalen Sucher, der eine Suchervergrößerung von 0,67 bietet.

Panasonic GH4, Seitenansicht

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Bei den SD-Karten sollte man etwas wählerisch sein und auf die schnellen Geschwindigkeitsklassen setzen. Mindestanforderung ist eine SD-HC-Karte mit Class 10.

Besonders wichtig ist das im Videomodus, denn hier wird man wohl eher auf manuelle Fokussierung setzen. Mit dem Histogramm und der digitalen Horizontwasserwage bietet die Kamera das derzeit Übliche. Aus dem Videobereich kommt die Zebrafunktion, die auch für Fotografen geschickt ist. Sie schraffiert die hellen Bildbereiche, wobei man über das Menü den Helligkeitsbereich bestimmen kann.

Beim Bedienkonzept spielt Panasonic die Vorteile des Touch-Displays aus - auch wenn man alle Menüs einfach erreichen kann, ohne das Display zu berühren. Lediglich die über das Menü individuell belegbaren Schaltflächen Fn6 bis 10 sind nur per Touch- Tasten verfügbar.

Gerade die Kombination aus Touch-Display und den Direkttasten Fn1 bis 5 macht die Bedienung sehr schnell, zumal alle Tasten ergonomisch am Gehäuse platziert sind: Die beiden Drehräder für Blenden- und Zeitsteuerung liegen dort, wo man sie erwartet.

Low-Light

© Panasonic

Low-Light. Für schwaches Licht gibt es einen Kerzenlichtmodus, der eine deutliche Aufhellung der Videoaufnahmen ermöglicht - oder optional ein LED-Aufstecklicht.

Mit dem Zeigefinger erreicht man leicht die drei Tasten für Weißabgleich, ISO-Einstellungen und Blendenkorrektur und kann mit dem Daumen am zweiten Rad regeln. Geschickt sind die drei "Customer-Settings" (C1 bis 3) auf dem Moduswahlrad, mit denen man alle individuell gewählten und im Menü gespeicherten Einstellungen aufrufen kann.

WLAN-Funktion

Bedienen lässt sich die Kamera auch mittels Smartphone. Dazu bietet sie eine Wi-Fi-Funktion, wobei der Abgleich der Kontaktdaten dank Near Field Communication (NFC) vereinfacht wird: Einfach die Wi-Fi-Funktion über die Fn2-Taste aktivieren und das Smartphone, sofern dieses NFC unterstützt, an den Griff der Kamera halten - schon funktioniert der Austausch.

Alternativ findet man auf dem Display der GH4 einen QR-Code, mit dem der Abgleich der nötigen Grundeinstellungen ebenfalls klappt. Die zugehörige App gibt es für Android und iOS; sie bietet sowohl eine Vorschau als auch die Option, die Kameraeinstellungen anzupassen.

Bildergalerie

Panasonic GH4
Galerie
Bilder

Die Kamera hat 49 Messfelder für den Autofokus. Per Fingerzeig auf dem Display kann man markieren, wo die Schärfeebene liegen soll.

Spannend ist die Möglichkeit, sich mit der Kamera ins WLAN einzuklinken und Bilder oder Videos direkt auf Facebook, Twitter, You- Tube, Picasa oder Flickr ablegen zu können.

Bedingung ist dafür allerdings die Mitgliedschaft auf der Lumix-Club- Webseite. Man kann sich per Kamera dort anmelden, doch anschließend muss man mit dem Rechner auf der Webseite die Zugangsdaten für die verschiedenen Dienste eintragen, damit die Kamera den Upload auch wirklich beginnen kann.

Panasonic GH4 von oben

© Panasonic

Die Bedienungselemente der Panasonic Lumix GH4.

Videomodus

Zur Videoaufzeichnung hat die GH4 eine separate Aufnahmetaste neben dem Sucher und kann selbst in den Fotomodi jederzeit die Videoaufzeichnung starten. Allerdings "nur" in Full-HD, denn 4K-Videos mit acht Megapixeln im MP4- oder Mov-Dateiformat bietet die Kamera nur im Videomodus an. Um bei der Extrapolation (Pixel Mix) kein Moire zu erzeugen, wird aus dem 4/3-Zoll- Sensor das passende Feld "herausgeschnitten", woraus ein leichter Zoomeffekt von 17 Prozent resultiert.

Panasonic GH4 von hinten

© Panasonic

Die Panasonic Lumix GH4 in der Rückansicht.

Das entspricht einem Brennweiten-Verlängerungsfaktor von etwa 2,5 gegenüber Kleinbild. Bei der Konfiguration des Videobereichs beweist Panasonic Erfahrung aus dem Broadcast-Bereich und integriert sehr viele Profifunktionen bis hin zu einer Ausgabe des Videosignals mit 4:2:2-Farbsampling und 10-Bit- Ausgabe via HDMI, sodass ein externer Recorder das Video aufzeichnen kann. Die SD-Karten-Aufzeichnung ist dann deaktiviert.

Die Kamera erlaubt die Umstellung der Videonorm zwischen der bei uns üblichen PAL-Norm mit 50 Hz und dem amerikanischen NTSC mit 60 Hz. Im Full-HD-Modus kann man so wahlweise 50 oder 60 Vollbilder aufzeichnen.

Bei 4K-Auflösung sinkt die Bildwiederholrate dann auf wahlweise 25 oder 30 Vollbilder. Dazu bietet Panasonic einen Cinema-Modus mit echter 4K-Videoauflösung von 4096 x 2160 Pixeln - dann aber "nur" mit 24 Vollbildern. Im Cinemamodus kann man in Full-HD-Auflösung, aber auch mir variabler Bildwiederholrate arbeiten und so eine vierfach verlangsamte Zeitlupe aufzeichnen.

Bildqualität

Bis ISO 200 und ISO 400 zeigt die GH4 ein recht rauschfreies und detailreiches Bild. Bei ISO 800 tritt erstes leichtes Rauschen auf, und kleinere Detailverluste sind sichtbar, wobei die Qualität noch ordentlich ist. Bei ISO 1600 sind die Detailverluste schon deutlich zu sehen, und bei ISO 3200 fangen bereits die ersten Konturen an zu verschwimmen.

Bildergalerie

Dead Leaves
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Bilder

Bis ISO 800, besonders bei ISO 100 und 400, zeigt die GH4 eine übertriebene Kontrastanhebung, was in den Bildern negativ auffallen kann. Danach…

Fazit

Pansonic hat die Lumix GH4 konsequent weiterentwickelt - in erster Linie für Nutzer, die eine Verbindung aus Fotokamera und Camcorder suchen. Mit dem 4K-Videomodus ist es die erste Kamera von Panasonic in der noch jungen hochauflösenden Liga. Mit dem absolut spannenden Preis dürfte der GH4 der Erfolg in der Video-Ecke sicher sein.

Bei Fotografen hinterlässt die GH4 dagegen gemischte Gefühle: Die Kamera ist in Sachen Autofokus im Vergleich zur Vorgängerin sogar ein wenig langsamer geworden, was die besseren Werte bei der Serienbildfunktion etwas infrage stellt. Die Auflösung ist gestiegen, wohingegen der Dynamikumfang bedauerlicherweise gesunken ist. Mit immerhin 54 Punkten liegt die GH4 aber immer noch knapp neun Punkte über dem Durchschnitt - und das kann sich dann durchaus sehen lassen.

Panasonic Lumix DMC-GH4

HerstellerPanasonic
Preis2000.00 €
Wertung54.0 Punkte