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Panasonic Lumix G1 im Test: Neuer Ansatz

Die Panasonic Lumix G1 bringt als erstes Modell im Micro-Four-Thirds-Format frischen Wind in den Kameramarkt. Erstmals kann ein elektronischer Sucher auch höhere Ansprüche befriedigen, und der Kontrast-AF arbeitet so schnell, wie man sich das auch bei SLR-Modellen mit Live-View wünscht.

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Die "spiegellose SLR" hat mit ihrer kompakten und materialsparenden Bauweise zweifellos Zukunft, kann derzeit die klassischen SLR-Kameras aber nicht ersetzen. Das liegt vor allem daran, dass der Four-Thirds-Sensor auch bei der Lumix G1 nicht die Bildqualität der aktuellen APS-C-Format-Kameras erreicht. Zudem ist schwer zu verstehen, warum die G1 keinen Videomodus bietet, wie es die Nikon D90 vorgemacht hat. Dennoch: eine interessante Kamera und eine gelungene Premiere für "Micro Four Thirds". Warten wir entspannt ab, was da wohl noch alles kommt.

Das Gehäuse der Lumix G1 ist weinrot, mit einer schwarz abgesetzten Kameraoberseite. Alternativ ist sie in Blau-Schwarz oder  komplett in Schwarz erhältlich. Reine Äußerlichkeiten? Nicht ganz, denn damit wird klar, dass Panasonic weniger den rundum überzeugten SLR-Anwender im Visier hat, sondern vor allem Umsteiger aus dem Lager der digitalen Kompaktkameras. Diese Klientel kauft derzeit die kleinstmöglichen SLR-Kameras.

Elektronischer Sucher statt Spiegel und Pentaprisma

Noch kleinere Kameras mit Wechselobjektiven soll der neue Standard "Micro Four Thirds" schaffen, dem Panasonic mit der Lumix G1 zum ersten Mal ein Gesicht gibt. Neu daran ist nicht etwa der Sensor an sich: Der CMOS der G1 misst 17,3 x 13,0 mm, was exakt dem Standard des Four-Thirds-Formats mit einem Bildwinkelfaktor von 2fach entspricht. Im Vergleich zu den aktuellen Four-Thirds-Modellen wurde die nominelle Auflösung von 10 auf 12 Megapixel erhöht.Statt eines Spiegelreflexsuchers mit Pentaprisma und Rückschwingspiegel besitzt die Kamera einen elektronischen Sucher, der sich alternativ zum Live-View am TFT-Monitor verwenden lässt. Durch das Fehlen eines Spiegels konnten der Bajonettdurchmesser um 6 mm verkleinert und das sogenannte Auflagemaß halbiert werden. Das Auflagemaß definiert den Abstand vom Sensor zum Objektivbajonett und beträgt bei einer SLR-Kamera um 40 mm, bei Micro-Four Thirds jedoch nur etwa 20 mm.

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Durch das Fehlen eines Spiegels kann bei Micro Four Thirds das Auflagemaß (Abstand vom Sensor zum Objektiv) von 40 mm bei einer SLR auf ca. 20 mm halbiert werden.

Dies erlaubt den Bau kompakterer Kameragehäuse - und Objektive, wie das im Kit mitgelieferte Standardzoom der G1 (G Vario 3,5-5,6/14-45 Asph.) unschwer erkennen lässt. Eingefahren, also in 14-mm-Position, ist das Zoom nur 65 mm lang und etwa 58 mm dick. Das erstaunt umso mehr, als ein Bildstabilisator (Mega O.I.S.) an Bord ist. 11 Kontakte am Bajonett, zwei mehr als bei Four Thirds, versprechen Zusatzfunktionen, die aber noch nicht näher definiert sind. Preislich ist die Kamera der gehobenen Consumer-Klasse zuzuordnen. Sie kostet derzeit im Set mit dem Lumix-Standardzoom etwa 770 Euro.

Designelemente und Technik einer klassischen SLR

Trotz konzeptionellem Neuansatz orientierte sich Panasonic beim Design an konventionellen SLR-Kameras. Die Kamera besitzt nicht nur einen Handgriff, sondern auch eine typische Gehäuseauswölbung, wo bei einer SLR-Kamera das Pentaprisma sitzt. Dort befindet sich auch das ausklappbare Blitzgerät. Allerdings hat Panasonic das klassische SLR-Design modernisiert und verfeinert.

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Objektive des Four-Thirds-Formats - hier das Leica D Summilux 1,4/25 mm Asph. - lassen sich über einen optional erhältlichen Adapter an die Lumix G1 anschließen.

Alles in allem wirkt das Gehäuse gefällig-modern und stimmig proportioniert. Auch an der Haptik gibt es nichts auszusetzen: Das Kunststoffgehäuse fühlt sich angenehm an, weil es eine rutschmindernde Beschichtung besitzt. Im Hochsommer, mit schwitzenden Händen, wird sich mancher aber vielleicht doch eine etwas rauere Gummierung wünschen.

Das angesichts der kleinen Kamera recht große Moduswahlrad für die Belichtungsprogramme ist ein typisches SLR-Element. Zur Wahl stehen die Standardprogramme wie (P, A, S, M) sowie Vollautomatik (iA). Letztere wählt selbsttätig jenes Programm, das nach Ansicht des Kamerarechners optimal zum Motiv passt (Szenenerkennung). Zudem bietet die Kamera verschiedene Motivprogramme. Zur Belichtungsmessung stehen Matrixmessung mit 144 Zonen, mittenbetonte Integralmessung und Spotmessung bereit.

Elektronischer Sucher und Live-View am Monitor

Der elektronische Sucher bietet eine Auflösung von 480_000 RGB-Bildpunkten, 100 Prozent Bildfeldabdeckung und eine Suchervergrößerung von 0,7, bezogen auf Vollformatkameras. Die gebotene Auflösung reicht aus, um ein realistisches Bild ohne Wahrnehmung einzelner Pixel zu erzeugen. In dunklen bzw. schwarzen Partien wird aber deutliches (Farb-)Rauschen erkennbar. Andererseits kann man mit dem elektronischen Sucher auch in dunkleren Räumen noch etwas sehen, wenn's im Sucher einer SLR bereits zappenduster ist. Die dabei notwendige Signalverstärkung macht das Bild grieselig und erhöht die Verzögerung im Bildaufbau (Herstellerangabe: 30 ms).

Die Bildwiederholrate liegt bei 60 fps, was den Nachteil hat, dass es zu einem Flimmern des Suchers kommt, wenn die Lichtquelle in einem Raum ebenfalls mit 60 Herz getaktet ist, was z.B. bei bestimmten Leuchtstoffröhren der Fall ist - gut zu sehen, wenn man die Kamera auf den TFT-Monitor eines Computers richtet, denn Flachbildschirme werden auch mit 60 Hz betrieben.

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Bei den roten und blauen Farbvarianten ist die Gehäuseoberseite schwarz. Als klassisches SLR-Merkmal findet sich rechts ein Moduswahlrad für Belichtungsprogramme.

Praktisch ist, dass sich in den elektronischen Sucher alle aufnahmerelevanten Einstellungen einblenden lassen, zudem verschiedene Gitterlinien und ein Live-Histogramm. Auch Weißabgleich und Belichtung werden simuliert.

Zur Belichtungskorrektur dreht man einfach am Rad in Nähe des Auslösers, um die Auswirkung der Einstellung sofort in einem helleren oder dunkleren Bild wiederzufinden. Nach dem Druck auf den Auslöser zeigt der Sucher sofort das aufgenommene Bild, wobei Unterschiede in der Farbwiedergabe bei Aufnahme und Wiedergabe erkennbar werden. SLR-Fans dürften die direkte visuelle Verbindung zwischen Auge und Motiv vermissen, die ein elektronisch erzeugtes Bild in der vorliegenden Form (noch) nicht perfekt simulieren kann.

er von der digitalen Kompakten kommt und dem Blick durch den Sucher schon aus Gewohnheit nichts abgewinnen kann, wird die Live-View-Funktion am 3-Zoll-Monitor mit 153300 RGB-Bildpunkten an Auflösung begrüßen - zumal sich der Monitor aus dem Gehäuse klappen und in alle Richtungen verschwenken lässt. Per Augensensor schaltet die Kamera zwischen Sucher- und Monitorbetrieb um. Was man im Sucher und Monitor an Einblendungen sieht bzw. optional zuschalten kann, ist in der Darstellung etwas unterschiedlich, aber identisch, was die Informationsdichte anbelangt.

Schneller Kontrast-AF mit größenvariablem MessfeldBei der automatischen Fokussierung arbeitet die Lumix G1 ausschließlich mit Kontrastmessung am Bildsensor und das in achtbarem Tempo. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit wurde mit 0,39 s bei 3000 Lux gemessen. Die schnellsten SLR-Kameras brauchen mit Phasen-AF zwar nur halb so lang; bei wenig Licht (30 Lux) kommt die G1 aber auf 0,44 s, was für SLR-Kameras mit Pha-sen-AF wiederum ein guter Wert ist. Wer auch mal gerne manuell scharf stellt, findet dafür eine Bildschirmlupe vor, die beim Drehen des Fokussierrings automatisch zugeschaltet wird und in zwei Stufen einstellbar ist.

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Links oben am Gehäuse findet sich neben dem Entriegelungsknopf für das Blitzgerät ein Drehschalter für den Fokussierungsmodus (Single, Continuos, manuell).

Das AF-System kann bei automatischer Messfeldwahl bis zu 23 AF-Punkte berücksichtigen. Alternativ lassen sich dynamischer Autofokus (AF-Verfolgung) oder Gesichtserkennung wählen. Nach Umschalten auf Einzelfeld lässt sich dieses nicht nur beliebig im Bildfeld positionieren, sondern auch in seiner Größe in vier Stufen verändern.

Die Empfindlichkeit des AF-Systems ist mit 0 bis 18 EV bei ISO 100 angegeben.Wenn der Kontrast-AF so gut funktioniert wie bei der G1, werden prinzipielle Vorteile gegenüber dem herkömmlichen SLR-Konzept deutlich: Beim Phasendetektionssystem sitzen die AF-Sensoren im Boden des Kameragehäuses, die Lichtstrahlen müssen entsprechend umgelenkt werden. In der Summe ergeben sich durch dieses System mechanische Toleranzen, die bei SLR-Kameras nicht selten zu Ungenauigkeiten beim Fokussieren führen und eine Nachjustage nötig machen. Wird die Fokussierung dagegen am "Backend", also am Bildsensor selbst, vorgenommen, spielen diese Toleranzen keine Rolle. Allerdings muss der Kontrast-AF noch schneller werden, um auch (semi-)professionelle Ansprüche zu befriedigen.

Komfortable Bedienung auf verschiedenen Ebenen

Ruft man mit der Menü/Set-Taste die Einstellmenüs auf, wird man durch ungewöhnlich große Schriften überrascht, die durch ihren Schwarz-Weiß-Kontrast sehr gut lesbar sind. Nicht weniger groß und übersichtlich sind die Untermenüs zum Verändern von Einstellungen ausgefallen. Weniger schön ist, dass man ziemlich viel scrollen muss, wenn man z. B. innerhalb des Aufnahmemenüs von Seite 1 zu Seite 4 gelangen will. Die am häufigsten gebrauchten Einstellungen kann man unter "Mein Menü" selbst zusammenstellen. Zudem stellt die Kamera drei Speicher für benutzerdefinierte Setups bereit. Über die Taste "Film Mode" hat man Zugriff auf globale Bildvoreinstellungen ähnlich der "Picture Styles" bei Canon. Im gleichen Menü kann man für jede Voreinstellung vier Parameter justieren: Kontrast, Schärfe, Farbsättigung und - ein Novum an dieser Stelle - auch den Rauschfilter.

Alle genannten Parameter lassen sich, ausgehend von der Nullstellung, jeweils in zwei Stufen Richtung Plus oder Minus verstellen.

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Bei der Lumix G1 hat Panasonic das klassische SLR-Design modernisiert und verfeinert. Erhältlich ist die Kamera in Schwarz, Rot und Blau.

Aufnahmerelevante Daten lassen sich auf verschiedene Weise anzeigen. Zum einen ermöglichen die Tasten des 4-Weg-Schalters Direktzugriffe auf ISO-Wert, AF-Modus und Weißabgleichseinstellung, während sich die vierte Taste (Fn) frei konfigurieren lässt.

Durch mehrmaliges Drücken der Display-Taste kann man aber auch in ein Anzeigefenster wechseln, das alle Daten als Übersicht zeigt. Drückt man dann die Taste "Q.Menu" in Nähe des Auslösers, so lassen sich die angezeigten Funktionsbereiche per 4-Weg-Schalter oder Einstellrad anwählen, dann allerdings nicht direkt verändern. Stattdessen muss man erst die Set-Taste drücken, um die Einstellungen in einem Untermenü vorzunehmen. Etwas Besonderes hat sich Panasonic an dieser Stelle für die Belichtungskorrektur einfallen lassen: Das Display zeigt die Korrektur an einer Kreisgrafik mit gelben Balkensegmenten; in der Kreismitte ist die Korrektur zusätzlich numerisch angegeben.

Bildqualität: Viel Rauschen oberhalb ISO 800

Bei der Grenzauflösung erreicht die 12-Megapixel-Kamera G1 klassenübliche Werte: 1249 LP/BH bei ISO 100, das sind rund 100 LP/BH mehr als bei der 10-Megapixel-Kamera Olympus E-520. Bis ISO 1600 nimmt die Auflösung bei der G1 allerdings um mehr als 100 Linienpaare ab, und die E-520 hat dann die Nase minimal vorn: 1130 LP/BH gegenüber 1112 LP/BH. In beiden Fällen leistet sich der CMOS keine Schwächen beim Texturverlust - maximal 0,3 zwischen ISO 100 und 1600.

as das Rauschen bei höheren Empfindlichkeiten anbelangt, kann die Lumix G1 allerdings ebenso wenig begeistern wie die Four-Thirds-Kollegin E-520: Zwischen ISO 100 und 400 gibt es keinen Anlass zur Klage, und bei ISO 800 kann man mit dem Rauschen noch gut leben (VN 2,7); mit VN 4,3 bei ISO 1600 (4,1 VN bei der E-520) ist aber kein Staat zu machen. Ähnliches gilt für den Objektkontrast - maximal 8,5 Blenden zwischen ISO 100 und 400, 8,0 Blenden bei ISO 800 und nur noch 6,5 Blenden bei ISO 1600. Mit "I.Belichtung" lässt sich ein Kontrastausgleich zuschalten, der zwischen einer halben und einer ganzen Blende mehr Dynamik bringt, zum Teil aber das Rauschen erhöht - bei ISO-Werten unter 400 mehr als bei den höheren. Bei ISO 1600 überwiegt jedenfalls der Dynamikgewinn. Unterm Strich erreicht die Kamera 54,5/49/42,5/30 Punkte bei ISO 100/400/800/1600 für die Bildqualität. Fazit: Über ISO 800 sollte man die Kamera nur in Ausnahmefällen benutzen.

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Unter dem Begriff "I.Belichtung" findet sich bei der Lumix G1 ein in drei Stufen einstellbarer Kontrastausgleich.
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Belichtungsreihe: Für die Bracketing-Sequenz und -Schrittweite gibt es ein sehr übersichtliches Einstellmenü.
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Live-View: Für die Aufnahme von Porträts lässt sich für den Autofokus eine Gesichtserkennung zuschalten.
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Bei Einzelfeld-AF kann man das Messfeld nicht nur verschieben, sondern auch in seiner Größe variieren.
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Beim "Babyprogramm" gibt man das Geburtsdatum ein, und die Kamera errechnet dann immer das aktuelle Lebensalter.

Panasonic Lumix DMC-G1

HerstellerPanasonic
Preis420.00 €
Wertung58.0 Punkte
Testverfahren1.5

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