Spiegellose Systemkamera

Panasonic Lumix GH2 im Test

Von Panasonic kam nicht nur die erste spiegellose Systemkamera - wenn man von den Klassiker wie Leica M absieht -, sondern Panasonic bietet auch die größte Vielfalt.

  1. Panasonic Lumix GH2 im Test
  2. Datenblatt
Panasonic Lumic GH2

© panasonic

Panasonic Lumic GH2

Die GH2 ist das neue Top-Modell mit dem höchstauflösenden Sucher und die erste mit dem neuen 16-Megapixel-Sensor. Sie übernimmt zudem von ihrer Vorgängerin GH1 die Rolle der Videospezialistin. Der neue Multiformat-CMOS im Micro-Four-Thirds-Format bie-tet 16 Megapixel, in den anderen G-Modellen steckt noch der 12-Megapixel-CMOS, den auch Olympus einsetzt.

Wie der GH1-Sensor hat auch der neue CMOS-Chip Übergröße, damit die GH2 den maximalen Bildwinkel bei den drei angebotenen Seitenverhältnissen 4:3, 3:2 und 16:9 konstant halten kann. Kostet die GH2 850 Euro, bekommt man das Einstiegsmodell G10 für 450 Euro, das im Gegensatz zur Konkurrenz sogar einen eingebauten, wenn auch qualitativ wenig überzeugenden elektronischen Sucher nebst integriertem Blitz mitbringt.  Die G2 sieht der GH2 zum Verwechseln ähnlich, bietet ebenfalls einen klapp- und schwenkbaren 3-Zoll-Touchscreen sowie einen hochauflösenden Sucher - Preis: 580 Euro.

Alle drei Modelle deuten im Design ihre Nähe zur klassischen SLR an. Anders die GF1 (600 Euro), bei der sich Panasonic am Aussehen typischer Kompaktkameras orientiert. So hat die GF1 keinen Sucher(dom), ist mit 285 g besonders leicht und misst nur 119 x 71 x 36 mm. Die noch etwas kleinere GF2 war bis Redaktionsschluss nicht lieferbar.

Panasonic hat momentan 11 Micro-Four-Thirds-Objektive im Programm. Außerdem lassen sich die Micro-Four-Thirds-Optiken von Olympus und über Adpater Leica-M-, R- und Four-Thirds-Objektive anschließen.

AusstattungPanasonic nutzt in der GH2 die Vorzüge des neuen Sensors, um den Empfindlichkeitsbereich von maximal ISO 3200 (GF1) bzw. ISO 6400 (G10, G2) auf ISO 12800 (GH2) zu erweitern. Während Olympus den Bildstabilisator im Gehäuse integriert, fällt bei Panasonic diese Aufgabe den Objektiven zu. Alle vier Lumix-G-Gehäuse bestehen aus Kunststoff. Einzig die GH2 hat am großzügig ausgeformten Griff einen rutschmindernden Aufsatz mit lederartiger Narbung und wirkt nicht nur deshalb insgesamt am hochwertigsten.

Panasonic Lumic GH2

© Panasonic

Der Zubehörschuh der G-Modelle dient auch zum Anschluss externer Mikrofone.

Weniger sicher liegt die GF1 in der Hand, da Panasonic ihren Griff lediglich durch eine kleinere Ausbuchtung andeutet. Bei den drei SLR-nahen Modellen lässt sich ein Blitz mit Leitzahl 9 oberhalb des Sucherdoms ausklappen. Die GF1 hat nur einen schwächeren Blitz mit LZ6 links neben dem Zubehörschuh und versteckt die Blitzkorrektur tief im Menü -  das löst die GH2 deutlich eleganter: Bei ihr kann der Anwender die Blitzkorrektur auf eine der drei definierbaren Funktionstasten legen.

Schon die ältere G2 überzeugt mit einem realistischen, scharfen Sucherbild (480000 RGB-Bildpunkte, 0,7 effektive Vergrößerung). Der GH2-Sucher löst mit 511200 RGB-Pixeln noch höher auf, bietet 100 % Gesichtsfeld, 0,71x effektive Vergrößerung und liefert eine sehr klare, scharfe Vorschau ohne sichtbares Raster. Mit dem G10-Sucher fällt es dagegen schwer, die Schärfe richtig zu beurteilen (67333 RGB-Pixel, 0,52x-Vergrößerung). Dennoch stellt er einen Mehrwert dar, schließlich zeigt er selbst dann noch eine erkennbare Vorschau, wenn es im Sucher einer SLR mangels Licht bereits zappenduster aussieht. Besitzer einer GF1 können für solche Fälle den optionalen Aufstecksucher nachrüsten (rund 200 Euro).

Panasonic Lumic GH2

© Panasonic

Die GH2 bietet im Vergleich zur G2 nicht nur einen noch etwas höher auflösenden Sucher, sondern auch die bessere Bildqualität bei Fotos und Videos.

Was den Monitor betrifft, sind die Unterschiede weniger gravierend - mal davon abgesehen, dass nur die G2 und GH2 mit dem Touchscreen ausgerüstet sind, der sich um 180 Grad ausklappen und um 270 Grad schwenken lässt. Bei allen vieren zeigt ein 3-Zoll-Display mit 153333 RGB-Pixeln ein ordentliches, stimmiges Bild. In abgedunkelten Räumen bleibt die Live-View-Vorschau rauscharm, im hellen Tageslicht noch relativ kontraststark. G2 und GH2 übertrumpfen die Kleineren mit einer etwas besser entspiegelten Monitoroberfläche und einem Augensensor, um automatisch zwischen Monitor- und Sucherbetrieb umzuschalten.

Autofokus und GeschwindigkeitDer Kontrastautofokus berücksichtigt 23 AF-Punkte und funktioniert ebenso zuverlässig wie schnell. Die GH2 schafft bei guten Lichtverhältnissen eine herausragend kurze Auslöseverzögerung inklusive AF von nur 0,28 s, bei schwachem Licht passable 0,48 s. Im Serienmodus kann sie 4,3 B/s verarbeiten, allerdings beschränkt auf 10 Bilder in Serie. G10 und G2 liegen zwar bei 3000 Lux mit 0,31 s eine Spur zurück, dafür aber bei 30 Lux mit 0,32 s vorne. Bilderserien erstellen sie mit guten 3 B/s. Die GF1 vermag angesichts der guten Leistungen ihrer Geschwister nicht ganz mitzuhalten, erreicht 0,63/0,51 s Auslöseverzögerung und 2,3 B/s in Serie.

Panasonic Lumic GH2

© Panasonic

VideofunktionPanasonic stuft die filmerischen Fähigkeiten seiner Systemkameras konsequent ab - von der führenden GH2 über die G2 bis zu den Einsteigervarianten GF1 und schließlich G10, die als einzige keinen separaten Videoauslöser besitzt. Die GH2 beherrscht die Videoaufnahme mit 1920 x 1080 Bildpunk- ten und wahlweise 25 Voll- oder 50 Halbbildern/s. Die anderen filmen mit maximal 1280 x 720 Pixeln und 30 B/s. Die GH2 kann zudem u.a. die Programm-, Zeit- und Blendenautomatik sowie den M-Modus ansprechen und den Videos über den neuen Cinema-Modus einen gewissen Kino-Look verleihen. G2 und GF1 ermöglichen zumindest die manuelle Blendenwahl. Die G10 beschränkt sich auf die Programmautomatik, Gesichtserkennung, Szenenprogramme und Automatik. Last, but not least komprimiert die GH2 die Clips im guten AVCHD-Format.

Panasonic Lumic GH2

© Panasonic

G2 und GF1 beherrschen immerhin AVCHD-Lite, die G10 nur Motion-JPEG mit erhöhtem Speicherplatzbedarf. Im Test verbrauchte ein einminütiger Clip bei voller Auflösung mit AVCHD rund 120, mit AVCHD-Lite rund 45, mit Motion JPEG etwa 140 MB. Bei allen Modellen bleibt der Autofokus während des Filmens aktiv. Allerdings muss er in schwierigen Lichtsituationen bisweilen länger nach der richtigen Schärfe suchen. Das teurere GH2-Kit-Objektiv 4-5,8/14-140 mm wurde speziell für die Videoaufnahme optimiert, so dass der Autofokus besonders geräuscharm vorgeht und die Tonaufnahme nicht verschandelt. Die erfolgt bei GH2 und G2 in Stereo über das interne oder ein externes Mikrofon, bei GF1 und G10 ohne Mikrofonbuchse in Mono. Bei Objektiven, die keine durchgängige Lichtstärke haben, treten während des Zoomens unter Umständen Belichtungssprünge auf.HandhabungGH2 und G2 sind mit einem Touchscreen ausgestattet, der zeitnah- und zuverlässig reagiert. Mit ihm lässt sich etwa das AF-Messfeld in vier wählbaren Größen verlagern, auslösen oder aber ein Schnellzugriffsmenü abrufen und Aufnahmeeinstellungen vornehmen. Trotzdem spart Panasonic nicht an klassischen Bedienelementen: Neben diversen, teils definierbaren Funktionstasten gibt es ein Drück- und Drehrad an der Auflagefläche für den rechten Daumen, ein großes Modus- und ein zweites Wahlrad für die AF-Methode. Das Menü erscheint in großer, gut lesbarer Schrift, besteht aber aus mehreren langen Scroll-Listen.

Da kommt es dem Anwender entgegen, dass er die wichtigsten Parameter in einem eigenen Untermenü sammeln kann - eine echte Hilfe, zumal alle vier Kameras beim Öffnen des Menüs grundsätzlich zum zuletzt genutzten Eintrag springen, selbst wenn sie zwischendurch ausgeschaltet waren. GF1 und G10 übernehmen von G2/GH2 den Menüaufbau und die klassischen Bedienelemente. Der GF1 fehlt allerdings das AF-Wahlrad, doch auch sie kann schon vor dem Auslösen die Belichtung und Tiefenschärfe anzeigen oder die Wirkung von schnellen Verschlusszeiten am Display veranschaulichen. Während G2/GH2 seitlich ein separates Fach für die SDHC/SDXC-Karte vorsehen, befindet sich der Steckplatz in GF1/G10 unmittelbar neben dem Lithium-Ionen-Akku unten, so dass man die Kamera zum Kartenwechsel vom Stativ nehmen muss.

BildqualitätDer 16-Megapixel-Sensor setzt neue Maßstäbe - keine andere spiegellose Systemkamera konnte bisher die Leistungen bis ISO 1600 so hoch halten wie die GH2. Besonders bemerkenswert: die sehr hohe Auflösung, die von 1551 (ISO 100) nur auf 1496 LP/BH (ISO 1600) sinkt, der recht schwache Visual Noise, der sich von 0,8 VN moderat auf maximal 1,2 VN verstärkt und der durchweg gute Objektkontrast von 8,7 bis 9,3 Blenden.

Der Texturverlust war zwar im ISO-800- und ISO-1600-Test etwas ausgeprägter als bei den älteren Modellen; angesichts der sehr guten Gesamtleistung fällt der Unterschied zwischen 0,5/0,5 Kurtosis (GF1) und 0,7/0,9 Kurtosis bei ISO 800/1600 (GH2) jedoch kaum ins Gewicht.

Von den 12-Megapixel-Panasonics erreicht die G2 die beste Bildqualität. Dies verdankt sie vor allem dem guten Rauschverhalten und der hohen Dynamik bei ISO 100 sowie der guten Feinzeichnung ab ISO 400. Die Auflösung schneidet jedoch im übergreifenden Vergleich mit höchstens 1261 LP/BH unterdurchschnittlich ab. Gleiches gilt für die beiden Einsteigermodelle, die zudem mit einem recht schwachen Objektkontrast zu kämpfen haben. Da die GF1 auch wegen des starken Bildrauschens (1,2 bis 3,6 VN) Punkte verliert, landet sie innerhalb des G-Systems auf dem letzten Platz.

Fazit

Ob Bildqualität oder Autofokus - so manche kompakte spiegellose Systemkamera bietet mittlerweile ebenso herausragende Leisungen wie gute SLRs. Kein Wunder, schließlich stecken in beiden Modellklassen dieselben großen Sensoren, und die sind nun einmal die Basis für gute Bildergebnisse. Außerdem gehört dem elektronischen Sucher der "Spiegellosen" - mit noch ein paar Verbesserungen - die Zukunft.

Den Testsieg holt die Panasonic GH2 mit einer Bildqualität auf dem Niveau einer Nikon D300s oder Canon 7D. Auch bei der Autofokusgeschwindigkeit bietet Panasonic den SLRs Paroli.

Panasonic Lumix DMC-GH2

HerstellerPanasonic
Preis700.00 €
Wertung44.5 Punkte
Testverfahren1.6

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