Systemkamera

Panasonic Lumix G10 im Test

Das neue Einstiegsmodell G10 startet mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 550 Euro. Mit der G2 bereichert Panasonic die Riege der Micro-Four-Thirds-Kameras um das erste Modell mit dreh- und schwenkbarem Touchscreen.

  1. Panasonic Lumix G10 im Test
  2. Datenblatt
Panasonic G10

© Panasonic

Panasonic G10

Pro

  • Elektronischer Sucher, Touchscreen
  • Ambitionierte Videofunktion
  • Flottes AF-Tempo

Contra

Sie kostet etwa 600 Euro und damit dasselbe wie die ältere GF1 und rund 700 Euro weniger als die GH1 - beides Modelle, die parallel am Markt bleiben werden. Die GF1 steht für die Designline ohne integrierten Sucher, die GH1 ist der Videospezialist.

Grundausstattung

Dem Micro-Four-Thirds-Standard entsprechend basieren die beiden Neuen auf einem 17,3 x 13,0 mm großen Sensor. Wie bei GH1 und GF1 kommen auf dem Live-MOS-Chip 12 Megapixel unter. Allerdings handelt es sich dabei nicht um den übergroßen Sensor, mit dem die GH1 den Bildwinkel bei allen Seitenverhältnissen konstant halten kann, sondern um die von der G1 bekannte Standardvariante. Neu ist der Prozessor, von dem sich Panasonic eine bessere Bildqualität verspricht. Dazu soll eine neue Signalverarbeitung beitragen, die laut Hersteller feine Strukturen hervorhebt und in kontrastarmen, unscharfen Bereichen mit einem Rauschfilter eingreift.

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© Archiv

Als abgespeckte, günstigere Schwester der G2 verzichtet die G10 auf den Videoauslöser.

Neben den für das Micro-Four-Thirds-System entwickelten Objektiven lassen sich wie gehabt über Adapter Leica-M-, R- und Four-Thirds-Optiken anschließen. Geändert hat sich jedoch das Kit: Als Standardzoom gibt es jetzt das neue 3,5-5,6/14-42 mm (DMC-G2K), im Doppelzoom-Paket zusätzlich das 4,0-5,6/45-200 mm (DMC-G2W). Während die G10 nur in Schwarz angeboten wird, kommt die G2 wieder in zwei zusätzlichen Farbvarianten - Rot und Blau.

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Gleich geblieben sind der Bildstabilisator über bewegliche Linsen (optisch) und das Design: Von vorne betrachtet sehen sich die G1 und ihre Erben G2 und G10 zum Verwechseln ähnlich. Das Kunststoffgehäuse liegt sicher in der Hand, hat einen großzügig ausgeformten Griff und eine Auswölbung für den ausklappbaren, integrierten Blitz, der mit Leitzahl 9 leicht zugelegt hat, und den elektronische Sucher.

Elektronischer Sucher, Touchscreen

Der 3-Zoll-Tourchscreen der G2 reagiert zuverlässig und zeitnah auf Eingaben, was Panasonic ausgiebig nutzt, um den Bedienkomfort zu verbessern. Beispielsweise reicht ein kurzes Antippen eines Details des Hauptmotivs, damit die G2 darauf automatisch scharf stellt, die Belichtung regelt und auslöst. Das AF-Einzelmessfeld lässt sich über den berührungsempfindlichen Monitor besonders schnell positionieren und in seiner Größe verändern (4 Stufen).

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© Archiv

Die G10 hat einen fest verbauten 3-Zoll-Monitor und einen leider recht niedrig auflösenden Sucher. Das Bedienrad, das bei der G1 noch vorne platziert war, befindet sich nun hinten direkt an der Daumenauflagefläche.

Dabei behält Panasonic die von der G1 gewohnten Tasten und Drehräder bei, so dass sich der Fotograf auch deren Vorteile zunutze machen kann. Dass sich der G2-Monitor um 180 Grad ausklappen und um 270 Grad schwenken lässt, hilft ebenso beim Filmen wie beim Fotografieren aus ungewöhnlicher Perspektive. In abgedunkelten Räumen bleibt die Live-View-Vorschau relativ rauscharm, im hellen Tageslicht noch einigermaßen gut erkennbar.

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Letzteres verdankt die G2 nicht zuletzt der ordentlich entspiegelten Monitoroberfläche. Zudem hat die G2 einen Augensensor, um automatisch zwischen Monitor- und Sucherbetrieb umzuschalten, sobald sich das Auge dem Sucher nähert oder sich von ihm entfernt. Bei der G10 bedarf es dazu eines Tastendrucks. Auch deren Display ist weniger luxuriös: Es wurde fest im Gehäuse integriert und spiegelt vergleichsweise stark. Ansonsten liefert der G10-Monitor aber ebenfalls ein scharfes, stimmiges und rauscharmes Bild.

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Was die Qualität des Suchers betrifft, klafft eine tiefe Kluft zwischen G2 und G10: Der G2-Sucher überzeugt, bietet eine hohe Auflösung (480 000 RGB-Pixel), 100 Prozent Bildfeldabdeckung und eine effektive Suchervergrößerung von 0,7. Das reicht, um ein realistisches Bild zu erzeugen, in dem die Pixelstruktur kaum sichtbar wird. Anders bei der Sparvariante der G10, die mit 67 333 RGB-Pixeln und einem Vergrößerungsfaktor von 0,52 nicht mithalten kann. Uns fiel es damit schwer, die Schärfe richtig zu beurteilen. Ungeachtet dessen stellt auch der G10-Sucher einen Mehrwert dar. Schließlich zeigt er selbst dann noch eine erkennbare Vorschau, wenn es im Sucher einer SLR mangels Licht bereits zappenduster aussieht. Außerdem gibt's bei der älteren GF1 nur einen optionalen Aufstecksucher, der zusätzlich kostet.

Ambitionierte Videofunktion

Vor eineinhalb Jahren konnte noch kaum eine SLR filmen, die G1 machte damals keine Ausnahme. Bei ihren Nachkommen legt Panasonic dagegen großen Wert auf die Videofunktion. Trotzdem behält die GH1 das Monopol der einzigen Micro-Four-Thirds-Kamera, die Full-HD-Videos aufnehmen kann (1920 x 1080 Pixeln). G2 und G10 gehen maximal bis 1280 x 720 Pixel, erben aber den kontinuierlichen Autofokus, der die Schärfe dezent nachzieht.

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Das Problem, dass er bei schwierigen, kontrastschwachen Motiven hin und wieder etwas länger nach der richtigen Schärfe suchen muss, bleibt. Da die Kit-Objektive keine durchgängige Lichtstärke bieten, treten beim Zoomen unter Umständen Belichtungssprünge auf. Außerdem sind die Kit-Optiken nicht wie das Lumix G Vario HD 4-5,8/14-140 Asph. OIS mm speziell auf leisen Betrieb optimiert, so dass das Fokussieren und Zoomen erhebliche Störgeräusche im Video hinterlassen.

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Mit der G2 lässt sich dies durch ein externes Mikrofon beheben, der G10 fehlt der dazu notwendige Anschluss. Außerdem beherrscht die G2 das vergleichsweise effektive AVCHD-Lite-Format, die G10 dagegen nur Motion JPEG, was sich durch einen deutlich höheren Speicherplatzbedarf bemerkbar macht: Im Test verbrauchte ein einminütiger Clip bei voller Auflösung mit AVCHD-Lite rund 45 MB (G2), mit Motion JPEG etwa 140 MB (G10). Ebenfalls der G2 vorbehalten: der separate Videoauslöser und die Option, beim Filmen eine Blendenvorwahl vorzunehmen. Die G10 beschränkt sich beim Filmen auf die Programmautomatik, Gesichtserkennung, Szenenprogramme und die Automatik. Dem Trend entsprechend gibt es bei beiden Neuzugängen eine HDMI-Schnittstelle, über die Bilder und Filme direkt zum HD-Fernseher gelangen.

Menü und Bedienelemente

Im Großen und Ganzen hat Panasonic den Menüaufbau und die Bedienelemente von den älteren G-Modellen übernommen. So präsentiert sich das Menü wieder in auffallend großer, gut lesbarer Schrift und besteht je nach Registerkarte aus 2, 3, teils sogar aus 7 Scrollseiten. Da kommt es dem Anwender entgegen, dass er die am häufigsten gebrauchten Einstellungen in "Mein Menü" zusammenfassen kann.

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Über die Tasten des 4-Wege-Schalters hat er direkten Zugriff auf ISO-Wert, Weißabgleich und einen selbst gewählten Aufnahmeparameter. Den vierten Button belegt die G10 mit dem AF-Modus, den die G2 im Gegensatz dazu über des Drehrad links neben dem Blitz schnell zugänglich macht. Sie nutzt die dadurch eingesparte Taste für den "Film Mode", hinter dem sich die Regler für Kontrast, Schärfe, Farbsättigung und Rauschfilter verbergen. Das Universalrad, mit dem man durch Drehen komfortabel im Menü navigieren und durch Drücken eine Auswahl treffen kann, befindet sich nicht mehr vorne in erreichbarer Nähe des rechten Zeigefinders, sondern hinten an der Auflagefläche für den Daumen - Geschmacksacke, was da besser gefällt.

Mehr Tempo

G2 und G10 arbeiten beim automatischen Fokussieren ausschließlich mit Kontrastmessung am Bildsensor, wobei sie 23 AF-Punkte berücksichtigen können und sehr zuverlässig vorgehen. Panasonic ist es gelungen, das AF-Tempo gegenüber G1, GH1 und GF1 weiter zu steigern: Die gemessene Auslöseverzögerung inklusive AF liegt jetzt bei 0,31 (3000 Lux) und 0,32 s (30 Lux). Damit stehen G2 und G10 in ihrer Klasse an der Spitze und können zumindest bei schwachem Umgebungslicht sogar mit SLRs bzw. Phansen-AF-Systemen konkurrieren.

Bildqualität

In Sachen Auflösung bewegen sich alle Panasonic-G-Modelle etwa auf dem gleichen Level: Die G2 erreicht 1170 bis 1261 LP/BH, die G10 1120 bis 1235 LP/BH - okay, obwohl etwas schlechter als die Konkurrenz von Olympus. Panasonic konnte das Bildrauschen bei höheren Empfindlichkeiten merklich senken: Besonders gut schneidet die G2 mit 1,4/1,4/ 2,2 VN bei ISO 400/800/1600 ab, die G10 beinahe ebenbürtig mit 1,4/1,6/2,7 VN.

Zum Vergleich: Die Aufnahmen der G1 rauschen im gleichen Empfindlichkeitsbereich mit 1,7/ 2,7/4,3 VN. Bei ISO 100 bleibt der Visual Noise bei guten 0,8 VN. Gleichzeitig stieg der Texturverlust aufgrund des internen Rauschfilters von Kurtosis 0,2 bis 0,3 (G1) auf Werte zwischen 0,4 und 1,0, wobei die G2 eine Spur besser abschneidet.

Panasonic Lumix DMC-G10

HerstellerPanasonic
Preis300.00 €
Wertung37.0 Punkte
Testverfahren1.6

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